Handball, 1. Bundesliga (Frauen)

HC Leipzig bittet um finanzielle Unterstützung: „Die Lage ist ernst, aber nichts aussichtslos“

Für alle Leser Nun ist die Katze aus dem Sack. Den HC Leipzig drücken Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 900.000 Euro. Das hat Geschäftsführer Kay-Sven Hähner am Donnerstag auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz bekanntgegeben. Bis Saisonende müssen dafür mindestens 500.000 Euro aufgetrieben werden, sonst ist die Bundesliga-Lizenz in Gefahr. Daher hat der HCL ein Unterstützerkonto eingerichtet und bittet die Handballfreunde um finanzielle Hilfe.

Am 30. März muss der HC Leipzig die Lizenz-Unterlagen für die kommende Saison einreichen. Daraus muss hervorgehen, auf welchem Weg der deutsche Rekordmeister bis zum Ende der aktuellen Spielzeit eine halbe Million Euro Schuldenlast tilgen wird. Dafür wird gerade unter Hochdruck an einem entsprechenden Konzept gearbeitet. „Die Lage ist ernst, aber nichts aussichtslos“, wirkt Hähner in Anbetracht der Umstände dennoch zuversichtlich.

Allerdings räumte der 46-Jährige auch ein, Fehler gemacht zu haben. So sei es seinerseits eine Fehleinschätzung gewesen, das HCL-Team in die Qualifikation zur Champions League zu schicken. Die dadurch erforderliche Mehrbelastung hätte zur Verletztenmissere beigetragen, die sich letztlich negativ in der sportlichen Leistung und den Zuschauerzahlen bemerkbar gemacht hat. „Das muss ich auf meine Kappe nehmen“, so Hähner.

Zudem gestand er ein, bei einem lukrativ anmutenden Sponsorendeal, der über drei Jahre eine hohe sechsstellige Summe in die Kassen des HCL spülen sollte, fälschlicherweise auf den Handschlag vertraut zu haben. Als klar war, dass die Abmachung platzt, hatte Hähner den in Aussicht gestellten Betrag bereits wieder in Spielerverträge investiert.

Aufgrund der finanziellen Schieflage des Clubs von seinem Amt als Geschäftsführer und Manager zurückzutreten, hält Hähner im Hinblick auf eine Problemlösung aber für nicht zielführend. So einfach wie in der Redensart „Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg nur einen“, sei es eben nicht. Auch die Vereinsführung vertraut auf dem Weg aus den Schulden weiterhin auf die Kompetenzen des langjährigen Managers.

Per Unterstützerkonto sammelt der HCL Geld für den Weg aus der finanziellen Krise. Foto: Jan Kaefer

Per Unterstützerkonto sammelt der HCL Geld für den Weg aus der finanziellen Krise. Foto: Jan Kaefer

Die Einrichtung des Unterstützerkontos ist ein Baustein bei der Schuldentilgung. Darüber hinaus, so Hähner, sei mit Gläubigern über Stundungen gesprochen worden. Kosteneinsparungen werden geprüft. „Wir drehen jeden Stein um, müssen dabei auch über einen partiellen Hallenwechsel nachdenken“, führt Hähner ein weiteres Beispiel an. Positiv stimmt ihn die Bereitschaft der aktuellen Top-Sponsoren, ihr Engagement beim HCL fortzuführen.

Weiterhin dabei wird auch die aktuelle Mannschaft bleiben. Zum Ende der Wechselfrist hatte sich am Mittwoch „nur“ Nationaltorhüterin Katja Kramarczyk in Richtung Bayer Leverkusen verabschiedet. „Wir sind sehr dankbar und stolz darauf, dass die Mannschaft daran glaubt“, freute sich Hähner über das Vertrauen der Spielerinnen in ihren Verein.

Hilfe erhofft sich der Handballclub auch von der Stadt Leipzig, hat dort Anfang Januar um Unterstützung ersucht. Hähner betonte gegenüber der versammelten Presse, dass der HCL aber keine konkrete Summe angefragt und auch noch keinerlei Zusagen erhalten hat. „Wir sind in konstruktivem Austausch mit der Stadt“, lautet seine Formulierung. Am heutigen Freitag sei ein weiteres Treffen mit Sportbürgermeister Heiko Rosenthal vorgesehen.

Dass nicht alle im Rathaus auf HCL-Rettungskurs schwimmen, macht eine Pressemeldung der FDP deutlich. Nur zwei Stunden nach Ende der Pressekonferenz sprach sich der Leipziger FDP-Kreisvorsitzende Marcus Viefeld via Mail „klar gegen eine Rettung der HCL-Spielbetriebsgesellschaft mit Steuergeld aus“.

„Der Verein erhält bereits eine sechsstellige Summe pro Jahr aus der Stadtkasse. Darüber hinaus hat auch die Spielbetriebsgesellschaft Förderungen erhalten. Das sind Summen, von denen anderen Vereine nur träumen können. Wer mit diesen Beträgen dauerhaft nicht klar kommt, sollte nicht um noch mehr Geld bitten, sondern erst seinen Laden in Ordnung bringen“, so Viefeld.

„Das Problem ist seit Jahren akut und offenbar verschlafen worden. Im letzten Moment bei der Stadt – und damit bei den Steuerzahlern – anzuklopfen, ist schlechter Stil“, lässt sich Viefeld zitieren und schlägt dem HCL stattdessen „eine geordnete Insolvenz der GmbH und eine Weiterführung des Vereins im Amateursport“ vor.

Nummer des Unterstützungskontos: DE39860700240138430400

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Foto: Olaf Konopik

Foto: Olaf Konopik

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