Cheerdance: Ein WM-Traum. Kostenpunkt 48.000 Euro.

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausg. 64Stell dir vor, es ist Weltmeisterschaft, und du musst alles selbst bezahlen. Vor dieser Herausforderung stehen momentan die L.E. Dancers vom BSV AOK Leipzig. Denn durch den überraschend errungenen Meistertitel bei der DM 2018 in Hamburg hatten die Leipzigerinnen plötzlich die Startberechtigung für die Europameisterschaft in Helsinki (Finnland) und die Weltmeisterschaft in Orlando (USA) in der Tasche.

Beides ist nicht nur sportlich ein dickes Brett, sondern auch finanziell – denn alle entstehenden Kosten müssen selbst getragen werden. Rund 45.000 Euro müssen die jungen Frauen auftreiben, um in die USA reisen zu können und dort bei der WM vom 24.-26. April 2019 Deutschland in der Kategorie Performance Cheer Jazz zu präsentieren. Um diesen Traum wahr werden lassen zu können, suchen die L.E. Dancers noch finanzielle Unterstützung.

„Die Deutsche Meisterschaft war eine Art Experiment für uns, denn wir hatten vorher nie Jazz getanzt“, verriet Vera Alexandrova, eine der 22 Tänzerinnen des Teams. „Es war für uns schon ein großes Ding, überhaupt bei der DM dabei zu sein – und dann noch zu hören, dass wir Erster geworden sind, brachte natürlich große Euphorie.“

Der Begeisterung folgten rasch tausende nüchterne Gedanken, denn nun musste umgehend die Logistik für die Teilnahme an der EM in Finnland geklärt werden. Diese fand nämlich noch im selben Monat wie die DM statt! Doch das Team stemmte diese Aufgabe – zahlte „natürlich“ fast alles selbst – und kehrte sogar mit einem hervorragenden 8. Platz von den Titelkämpfen zurück. Seit Oktober läuft nun bei den Leipzigerinnen die WM-Vorbereitung – und das ist noch mal eine ganz andere Nummer.

„Flug, Unterkunft, Startgebühr – wir müssen alles selbst organisieren“, so Alexandrova. „Das ist sehr teuer. Schon alleine die Teilnahmegebühr kostet 380 Euro pro Person.“ Das ergibt bei 25 Akkreditierungen die stolze Summe von 9.500 Euro. Insgesamt reist das Team mit 32 Mitgliedern an – 22 Aktive, 2 Trainerinnen, 7 Betreuer und ein Physiotherapeut.

Vera Alexandrova mit der DM-Goldmedaille. Foto: Vera Alexandrova

Vera Alexandrova mit der DM-Goldmedaille. Foto: Vera Alexandrova

Die kalkulierten Flugkosten schlagen mit rund 20.800 Euro zu Buche. Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und ähnliches in Höhe von etwa 15.040 Euro. Unterm Strich kostet der WM-Traum jede Mitreisende rund 1.500 Euro. Alles andere als ein Schnäppchen, vor allem wenn man bedenkt, dass die L.E. Dancers viele Schülerinnen und Studentinnen im Team haben.

Um die dringend benötigten Taler aufzutreiben, wurde ein Orga-Team gebildet, das sich um Sponsoring bemüht. Zudem beteiligen sich die Sportlerinnen an zahlreichen Aktionen. „Wir nehmen an verschiedenen Veranstaltungen teil, tanzen und unterstützen Sportler – z. B. beim Marathonlauf. Dafür bekommen wir etwas Geld.

Wir haben auch mehrere Kuchenbasare veranstaltet, für den Weihnachtsmarkt beim BSV z. B. Ohrringe gebastelt, haben Marmelade und Glühwein verkauft. Jeder Euro zählt, wir versuchen alles Mögliche.“ Auf ihrer Homepage (s. u.) bitten die L.E. Dancers daher nicht nur um Spenden, sondern zeigen auch verschiedene Möglichkeiten auf, wie dies beispielsweise als Sponsoring-Aktion für beide Seiten ein Gewinn werden kann.

Sportlich trainiert das Team aktuell so hart wie wohl noch nie zuvor. Extratrainings und ganze Wochenenden, an denen an der Choreografie gefeilt wird, sind an der Tagesordnung. Doch Vera Alexandrova und ihre Mitstreiterinnen nehmen die Anstrengung gern in Kauf. „Unser Ziel ist es, Deutschland gut zu vertreten“, verspricht die 31-jährige Biologin.

„Wir sind zum ersten Mal dabei, und unsere Gegner sind Profis auf einem wirklich sehr hohen Niveau. Uns ist klar, dass wir sicherlich nicht die vorderen Plätze belegen werden. Aber wir wollen sehr viel lernen. Deutschland war im Jazz noch nie vertreten, darum wollen wir zeigen, dass sich Deutschland auch in dieser Kategorie entwickelt und von Jahr zu Jahr besser wird.“

Diese Entwicklung sieht die Sportlerin auch in ihrem Leipziger Team, dem sie selbst seit zwei Jahren angehört. „Ich habe in meinem Leben schon viele Teams ausprobiert, aber hier ist der Zusammenhalt sehr stark ausgeprägt. Wir unterstützen uns gegenseitig, sind wirklich ein Team. Das ist auch ein großer Verdienst unserer Trainer, die wirkliche Profis sind.“

Nun gilt es, gemeinsam in Orlando eine starke Performance hinzulegen und sich für die harte Arbeit auf dem Weg dahin zu belohnen. „Ich freue mich auf die besondere Atmosphäre und die Tänzer aus der ganzen Welt auf höchstem Niveau. Alle Elemente, die sie zeigen, sehen so perfekt aus, dass man mit großen Augen zuschaut und gar nicht mehr weggucken will“, ist Alexandrova voller Vorfreude.

„Und ich freue mich darauf, mit meinem Team diesen Weg zu Ende zu gehen. Ich weiß, dass unser Auftritt richtig gut sein wird, denn wir arbeiten sehr hart daran. Ich möchte nach dem Auftritt denken können: Ja, wir haben es geschafft, wir haben unser Bestes gegeben!“ Und mit Blick auf die zu stemmende Summe fügt sie hinzu: „Es wäre schön, wenn unser Traum wahr wird. Jeder Euro hilft.“

Das WM-Spendenkonto der L.E. Dancers:
Empfänger: BSV AOK Leipzig e.V.
IBAN: DE19 8609 5604 0317 9159 85
BIC: GENODEF1LVB
Institut: Volksbank Leipzig

Homepage der L.E. Dancers:
http://le-dancers.de

Die neue „Leipziger Zeitung“ liegt an allen bekannten Verkaufsstellen aus. Besonders in den Szeneläden, die an den Verkäufen direkt beteiligt werden. Oder einfach abonnieren und direkt im Briefkasten vorfinden.

Leipziger Zeitung Nr. 64, seit Freitag, 01.03.2019 im Handel: Kopf hoch oder „Stell dir vor, die Zukunft ist jetzt“

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