Am Montag, 27. April, fand im Sächsischen Landtag die obskure Debatte "Arbeitsplätze schützen, Regionen stärken – für eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung in Sachsen" statt. Am Dienstag, 28. April, stellte der schwedische Energiekonzern Vattenfall dann sein Ergebnis fürs erste Quartal 2015 vor. In dem er auch die Botschaft an die kohleversessenen Sachsen wiederholte: Nehmt Abschied.

Vattenfall-Vorstandschef Magnus Hall benannte auch die Gründe, die den schwedischen Konzern schon seit einiger Zeit dazu gebracht haben, seine Unternehmensstruktur umzubauen. Dass dabei die ostdeutsche Kohlesparte zum Ausverkauf steht, ist nur zwangsläufig. Vielleicht sollte er es den sächsischen Landtagsfraktionen auch noch schriftlich geben – vielleicht als Comic oder wie im Mathematik-Lehrbuch der 2. Klasse hübsch einfach erklärt: Wenn der Strompreis an der Leipziger Strombörse ein bestimmtes Level unterschreitet, dann wird Kohlestrom unrentabel.

Rentabilität heißt – mal ganz einfach ausgedrückt: Ein Unternehmen erzielt mindestens genauso hohe Einnahmen, wie es gleichzeitig für den Betriebsaufwand verbraucht. Eigentlich sollte es noch etwas mehr sein. Aber das ist das Mindeste für eine “schwarze Null”. Wenn der Produktionsaufwand höher ausfällt als die (möglichen) Einnahmen, wird ein Unternehmen unrentabel.

Und das ist, wie die von der demofreudigen IG BCE so gern zitierte Studie der Investmentbank Lazar feststellt, jetzt schon für neun von zehn deutschen Kohlekraftwerken der Fall. Und Ursache dafür ist der nun dauerhaft niedrige Strompreis an den Börsen. Und genau das nannte Magnus Hall am Dienstag auch als Ursache für den sinkenden Gewinn von Vattenfall: “Während des ersten Quartals des Jahres war die Nachfrage nach Strom weiterhin schwach und die Stromgroßhandelspreise fielen weiter. Unser Schutz in Form von Terminkontrakten, die mit höheren Preisen abgeschlossen worden waren, verringert sich sukzessive, was bedeutet, dass sich die derzeitigen niedrigen Marktpreise immer stärker auf das Ergebnis von Vattenfall auswirken.”

Das heißt im Klartext: Auch den Gewinn von 4,9 Milliarden schwedischen Kronen (rund 530 Millionen Euro umgerechnet) verdankt Vattenfall vor allem langfristigen Lieferkontrakten, die zu einem höheren Preis als dem augenblicklich im Stromhandel erzielbaren abgeschlossen waren. Die Langfristkontrakte laufen aus. Neue Lieferverträge erfolgen zu einem deutlich niedrigeren Preis.

Das weiß man bei Vattenfall nicht erst seit Herbst 2014, seit man intensiv auf die Suche nach Käufern für die ostdeutschen Kohlekraftwerke gegangen ist. Denn der Umbau des Konzerns hat schon früher begonnen. Auch deutlich stärker als bei anderen in Deutschland tätigen Energiekonzernen.

Und so vermeldet Vattenfall denn am Dienstag auch, man habe die Anstrengungen zur Umstellung der Geschäftstätigkeit auf ein nachhaltigeres Energieportfolio weiter fortgesetzt. So hat Vattenfall im ersten Quartal die Konzession für den Bau und Betrieb des Offshore-Windparks Horns Rev 3 in Dänemark erhalten, der ab 2017 bis zu 450.000 Haushalte mit Strom versorgen wird.

„Dies ist ein gutes Beispiel für die hohen Investitionen im Bereich Windenergie. Unsere Investitionen in die Windkraft beliefen sich in dem Quartal auf zwei Milliarden Schwedische Kronen und waren somit der mit Abstand größte Investitionsposten bei Vattenfall“, sagte Magnus Hall.

Der Konzern steuert also schon längst um, baut das Standbein “Erneuerbare Energien” aus, kämpft aber auch gleichzeitig darum, dass der Ausstieg aus Kohle und Atomkraft nicht so teuer wird. Aber die trockene Nachricht für die Kohlemichel aus Brandenburg und Sachsen lautet am Dienstag auch: “Gleichzeitig geht das Verfahren zur Veräußerung des deutschen Braunkohlebereichs weiter.”

Man bleibt also dran, versucht mit aller Macht einen Käufer für die Kohle zu finden – Kohlekraftwerke und/oder Tagebaue. Und selbst wenn es einen Käufer geben sollte, wird er vor dem selben Problem stehen: Er kann mit Kohlekraftwerken nicht so billig produzieren, dass er an den Strombörsen noch einen Gewinn erwirtschaften kann. Zumindest nicht mit allen. Mit den jüngsten und modernsten Anlagen, die deutlich weniger Kohle brauchen, um eine Megawattstunde zu produzieren, könnte es vielleicht noch ein paar Jahre klappen. Mit den ältesten Meilern aber auf keinen Fall.

Und was heißt das für die Kohlekumpel in der Lausitz? Wenn sie Glück haben, bedeutet das einen schleichenden Ausstieg aus der Kohle, ein über Jahre gestrecktes Abschalten der Meiler. Wenn sie Pech haben, wird alles auf einmal abgeschaltet. Für Vattenfall geht es nur um ein positives Betriebsergebnis (Rentabilität). Und das hat jetzt schon Folgen. Auch für Vattenfall-Mitarbeiter.

„Gleichzeitig müssen wir weiterhin unsere Kosten senken und werden die Mitarbeiterzahl um eine Zahl reduzieren, die in etwa 1.000 Vollzeitstellen entspricht, ungefähr die Hälfte davon in den Stabsfunktionen. Die neue Organisation schafft die Voraussetzungen für ein starkes nordeuropäisches Unternehmen“, sagte Magnus Hall.

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