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Sachsens Erwerbstätigenzahl wuchs im ersten Quartal 2016 wieder deutlich

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    Der Mindestlohn hat gewirkt. Und wie. Und sogar richtig. Denn genau das steckte ja hinter dem nur scheinbar sonderbaren Effekt des Jahres 2015, als ausgerechnet in Ostdeutschland im Allgemeinen und in Sachsen im Speziellen die Erwerbstätigenzahl deutlich zurückging. Ein Effekt, den es in Sachsen seit dem Frühjahr 2010 nicht mehr gegeben hatte. Nun steigt sie wieder. Auch das war zu erwarten.

    Um 1,2 Prozent bzw. knapp 25.000 Personen erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen in Sachsen im ersten Quartal des Jahres 2016 im Vergleich zum Vorjahresquartal. Wie das Statistische Landesamt in Kamenz mitteilt, war das der höchste Anstieg eines  Quartalsergebnisses seit acht Jahren.

    Diese positive Entwicklung resultierte hauptsächlich aus dem deutlichen Anstieg  der  Arbeitnehmer ohne marginal Beschäftigte, betonen die Statistiker noch und ergänzen: Einen Rückgang verzeichneten dagegen die marginal Beschäftigten sowie die Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen.

    Womit sich ein Trend fortsetzt, der das ganze Jahr 2015 gekennzeichnet hat: Der Mindestlohn führt dazu, dass immer mehr Erwerbstätige in Sachsen endlich aus all den prekären Beschäftigungsverhältnissen aussteigen können, die Sachsen seit 2005 so stark geprägt und zum Niedriglohnland gemacht haben.

    Mindestlohn ist zwar immer noch ein niedriger Lohn, der in manchen Regionen Deutschlands nicht zum Leben reicht. Über diese Auskunft der Bundesregierung an die Linksfraktion im Bundestag berichteten ja am Montag, 20. Juni, zahlreiche Medien.

    Aber er liegt noch immer deutlich über dem, was in Sachsen seit vielen Jahren in etlichen Branchen das normale Lohnniveau war, verschärft natürlich durch alle „arbeitsmarktpolitischen“ Instrumente, die die „Arbeitsmarktreformen“ erst möglich gemacht hatten – von befristeter Beschäftigung über gekoppelte Zeitarbeitsverträge bis hin zu den Mini- und Midi-Jobs, die besonders Frauen annahmen und annehmen mussten, weil es keine anderen „familienverträglichen“ Arbeitsplatzangebote gab. Denn wenn auf einem Markt die meisten Arbeitgeber sich gegenseitig niederhalten mit Preisen und Löhnen, dann entstehen natürlich auch keine Spielräume für eine bessere Entlohnung.

    Aber seit 2010 haben manche Branchen auch merken müssen, dass das nicht ewig so weitergehen konnte. Denn jetzt kamen die halbierten Geburtenjahrgänge der 1990er Jahre auf dem Arbeitsmarkt an. Und damit begann der Abbau der scheinbar noch immer üppigen „Arbeitsmarktreserven“. Zu denen logischerweise auch die nur marginal Beschäftigten gehörten: Sie waren 2015 diejenige Erwerbstätigengruppe, die am stärksten von der Entstehung neuer Vollzeitarbeitsplätze profitierte.

    Und so verlief die Entwicklung der Erwerbstätigkeit in den einzelnen Branchen auch 2015 höchst unterschiedlich.

    Dabei verzeichnete der Dienstleistungssektor den höchsten Zuwachs um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, melden die Landesstatistiker. Hier gab es Zuwächse in allen drei Bereichen, wobei der Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation den höchsten Zugang an Erwerbstätigen um 1,8 Prozent aufwies.

    Ein weiteres Plus gab es aber auch im Produzierenden Gewerbe um 1,2 Prozent. Hier erhöhte  sich vor allem das Verarbeitende Gewerbe deutlich um 1,9 Prozent.

    Die Dämpfer gab es eigentlich nur in zwei Branchen: Die Zahl der Erwerbstätigen im Baugewerbe ging um 0,2 Prozent leicht zurück. Dass ausgerechnet in Zeiten der wieder stark angestiegenen Bauaufträge die Zahl der Beschäftigten in der Bauwirtschaft sinkt, hat natürlich unterschiedlichste Gründe. Einer ist natürlich: Der Aufschwung findet regional völlig unterschiedlich statt. Während im Raum Leipzig und Dresden die Auftragseingänge anstiegen (in Leipzig sogar um über 40 Prozent im Vorjahresvergleich), verzeichnete der Direktionsbezirk Chemnitz deutliche Rückgänge. Nicht alle Baufirmen sind so flexibel, dass sie den Boom in Leipzig nutzen können.

    Dazu kommt der starke Rückgang von Arbeitslosen mit Bauberufen: Auch die Baufirmen bekommen zusehends Schwierigkeiten, spezialisiertes Fachpersonal zu finden.

    Und eine Branche kommt aus dem Negativtrend einfach nicht mehr heraus: „Rückgänge gab es auch bei der Zahl der Arbeitsplätze in der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei um 1,4 Prozent.“ Das Überangebot von Nahrungsmitteln und der Verfall der Preise machen nicht nur Milchbauern zu schaffen. Und sie verstärken den Trend zu weiterer Industrialisierung und damit dem Abbau weiterer Arbeitskräfte in der Landwirtschaft.

    Dass die Erwerbstätigenzahl nun im ersten Quartal 2016 wieder so deutlich stieg, signalisiert nun eigentlich, dass auch die Arbeitsmarktreserve der marginal Beschäftigten nicht mehr ausreicht, um den wachsenden Bedarf an Vollzeitarbeitskräften zu decken.

    Und während einige Studien (wie die vom IAB) Ängste verbreiten, die Digitalisierung könnte zu einem massiven Arbeitsplatzabbau führen, passiert in der Realität augenscheinlich etwas anderes: Mehr Dienstleistung erzeugt mehr Beschäftigung. Bundesweit.

    Oder im Text des Landesamtes für Statistik: „Deutschlandweit wuchs die Erwerbstätigenzahl  im ersten Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1,3 Prozent. Dabei erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen in allen Ländern. Der Zuwachs in den alten Ländern (ohne Berlin) betrug 1,3 Prozent und in den fünf neuen Ländern 0,7 Prozent.“

    Was auch heißt: Sachsen ist jetzt im Osten das Bundesland mit dem höchsten Arbeitskräftebedarf. Da wird es bald ohne Zuwanderung von Arbeitskräften aus anderen Ländern gar nicht mehr gehen.

    Und das heißt (was man ja in Dresden so ungern hört): Bevölkerungswachstum.  Ei, der Daus!

    Die Meldung des Statistischen Landesamtes komplett.

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