Läuft bei Breitbandausbau in Sachsen alles auf die beiden Knotenpunkte Leipzig und Dresden hinaus?

Die Zukunft ist digital. Das steht eigentlich fest. Und ein immer größerer Teil der Wirtschaft wird auf leistungsfähige Internetzugänge angewiesen sein. Die nicht billig sind und deren Ausbau zuweilen nur schleppend vorangeht. Was dann wieder Wirtschaftstrukturen beeinflusst. Denn wenn Unternehmen keine leistungsstarken Anschlüsse vorfinden, gehen sie dahin, wo es welche gibt. Nach Leipzig zum Beispiel.
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Auch wenn auch Leipzig noch ein digitaler Flickenteppich ist. Für sächsische Verhältnisse aber ist es ein Hotspot im Datenverkehr. Das bestätigt auch die jüngste Umfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern.

Und sie macht deutlich, warum der Breitbandausbau in Sachsen vor allem ein wirtschaftliches Problem ist.

Die Mehrheit der Unternehmen im Freistaat Sachsen ist nämlich unzufrieden mit ihrer derzeitigen Internetanbindung (59 Prozent), so das Ergebnis der Umfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Oktober dieses Jahres.

Die Ergebnisse sollen die Bemühungen des Freistaates zum Breitbandausbau im Rahmen der Digitalen Offensive Sachsen aus Sicht der Wirtschaft unterstützen. An der Umfrage beteiligten sich 1.286 Unternehmen aller Branchen und Betriebsgrößen mit mehrheitlich bis zu 50 Beschäftigten.

Laut Umfrage zeigen sich sachsenweit deutliche Unterschiede.

Am besten beurteilen Unternehmen in der Stadt Leipzig (55 Prozent), der Stadt Dresden (52 Prozent) und im Landkreis Nordsachsen (47 Prozent) ihre Lage. Die Schlusslichter im Zufriedenheitsranking bilden die Landkreise Mittelsachsen (25 Prozent) und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (25 Prozent). Auffällig sind auch die Ergebnisse bei den Unternehmen der Stadt Chemnitz, die mit 33 Prozent nur knapp über den beiden vorgenannten Landkreisen rangieren.

Und dann geht es ans Eingemachte: Welche Leistung bekommen denn die Unternehmen aus der Leitung?

72 Prozent der befragten Unternehmen haben derzeit Verträge mit Geschwindigkeiten unter 30 Mbit/s. Knapp die Hälfte aller Unternehmen nutzt dabei Anschlüsse zwischen 6 und 16 Mbit/s. Schon das deutet darauf hin, dass Unternehmen, die wirklich hohe Datenraten brauchen, sich mit einiger Logik in den besser ausgebauten zentralen Knoten ansiedeln. In Leipzig zum Beispiel, wo im Stadtgebiet schon zwischen 75 und 95 Prozent der Anschlüsse über eine Leistung von mindestens 30 Mbit/s verfügen. Übrigens sind auch stadtnahe Kommunen wie Taucha und Krostitz auf dem Stand.

Der Blick auf den seit 2015 verfügbaren DiOS-Atlas der sächsischen Staatsregierung zeigt, wie sehr Sachsen bei der Ausstattung mit diesem Standard noch ein Flickenteppich ist. Mit Konsequenzen, denn wenn Unternehmen die nötige Bandbreite nicht bekommen, siedeln sie um in die Netzknoten, wo sie die Leistung bekommen. Wirtschaftskraft wandert ab, der Breitbandausbau wird immer weniger lukrativ.

Und wer wirklich intensiv mit Online-Diensten arbeitet, der verlangt auch immer häufiger den Mindeststandard 50 Mbit/s, den man aber fast nur in Leipzig, Dresden und Chemnitz in größerer Breite findet.

Aber: 23 Prozent der Unternehmen arbeiten mit Breitbandgeschwindigkeiten über 50 Mbit/s und liegen damit bereits heute über der Zielgröße, die die Bundesregierung bis zum Jahr 2018 in der Flächendeckung verfolgt. Und wer den DiOS-Atlas genauer betrachtet, sieht auch, dass in Leipzig mittlerweile schon der Standard 100 Mbit/s gilt.

„Die sächsische Wirtschaft nimmt die Herausforderung der Digitalisierung für die nächsten Jahre ernst. 86 Prozent der Unternehmen wünschen sich Bandbreiten größer als 50 Mbit/s“, erklärt Dr. Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Dresden, im Namen der Landesarbeitsgemeinschaft der IHKs im Freistaat Sachsen zum Ergebnis der Umfrage. „Das ist ein deutliches Signal der Wirtschaft, die in der örtlichen Breitbandverfügbarkeit entscheidende Wettbewerbsvor- oder -nachteile in der nahen Zukunft sieht.“

Gefragt wurde des Weiteren, ob und inwieweit Unternehmen bereit sind, für größere Bandbreiten höhere Kosten in Kauf zu nehmen.

Ergebnis: 55 Prozent der Unternehmen zahlen derzeit für ihren Internetanschluss zwischen 20 und 60 Euro im Monat. Laut Umfrage sind 53 Prozent der Unternehmen bereit, für eine Geschwindigkeit von 100 Mbit/s auch mehr auszugeben. 24 Prozent würden dafür bis 99 Euro monatlich in Kauf nehmen, 29 Prozent der Unternehmen auch mehr.

Und das Thema betrifft eben nicht nur Online-Handel, Konstruktion, Produktentwicklung oder reinen Datenaustausch. Die Produktion selbst arbeitet immer stärker netzgestützt. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das dann gern unter Industrie 4.0 subsumiert. Derzeit stehen der mobile Zugriff auf Firmennetzwerke, Home-Office-Anwendungen und Web-Hosting an der Spitze der Anwendungen.

Nach der Umfrage erwarten diese Unternehmen in den nächsten fünf Jahren besonders hohe Zuwächse bei der Steuerung und Überwachung von Gebäuden und Maschinen (21 Prozentpunkte), der Internettelefonie (34 Prozentpunkte), Cloud Computing (21 Prozentpunkte) und weiterer Anwendungen wie z. B. CAD (Computer Aided Design; 21 Prozentpunkte).

Und das betrifft, so betonen es die IHKs, im Grunde den ganzen sächsischen Mittelstand. Parallel zu den realen Verkehrsstrukturen im Logistik-Land Sachsen entstehen die zumeist unsichtbaren Datenautobahnen, die schon in den nächsten Jahren das Rückgrat der sächsischen Produktion sein werden. Und konkurrenzfähig ist nur, wer auch die leistungsstarken Breitbandzugänge nutzen kann.

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