Sachsen gehört noch zu den Nachzüglern, wenn es um ökologische Landwirtschaft geht

Für FreikäuferSachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) erzählte ja am Nikolaustag 2016 von einem rasanten Wachstum bei der Entwicklung des Ökolandbaus in Sachsen. Von 2010 bis 2015 habe die beantragte Öko-Fläche um etwa 3.000 Hektar jedes Jahr zugenommen. Das klingt nach viel. Ist aber sehr bescheiden. Denn damit wüchse die Ökolandbau-Fläche um magere 0,3 Prozent pro Jahr.

Wie sehr Sachsen auch im Bundesvergleich zurückhängt, das machte am Montag, 17. Juli, eine Meldung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft deutlich. Aber vielleicht tut sich ja was.

Danach ist der ökologische Landbau in Deutschland 2016 überdurchschnittlich stark gewachsen. Besonders hoch war der Anstieg bei der ökologisch bewirtschafteten Fläche: 2016 wurden auf 1.251.320 Hektar Bio-Lebensmittel erzeugt, ein deutlicher Zuwachs von 14,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2015: 1.088.828 Hektar). Die Zahl der ökologisch erzeugenden Betriebe betrug 27.132, das waren 9,6 Prozent mehr als 2015 (24.736).

„Die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland war noch nie so groß wie im vergangenen Jahr. Auch die Anzahl der Biobetriebe hat 2016 einen Höchststand erreicht“, betonte am Montag Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. „Die Tendenz der letzten Jahre zeigt klar wohin der Weg geht. Der Ökolandbau ist neben dem konventionellen Landbau inzwischen eine wichtige Säule der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft. Diese Erfolgsgeschichte darf nicht ausgebremst werden. Ich will das Wachstumspotenzial des Ökolandbaus auch weiterhin unterstützen. Mein Ziel ist, dass auf 20 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche ökologisch gewirtschaftet wird, um den wachsenden Bedarf an Bio-Lebensmitteln stärker durch heimische Öko-Produkte abdecken zu können.“

Auch die Zahl der Betriebe, die Bio-Produkte verarbeiten, ist um 2 Prozent auf 9.499 gestiegen (2015: 9.311). Insgesamt waren 2016 im Bio-Sektor 41.200 Unternehmen tätig, ein Plus von 7,7 Prozent. Gemessen an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland lag der Anteil des Ökolandbaus im Jahr 2016 bei 7,5 %.

Und Sachsen?

Sachsens zuständiger Minister Thomas Schmidt hatte noch 40.800 Hektar Öko-Landbau gemeldet. Die Bundesauswertung bescheinigt Sachsen nun 48.148 Hektar Ökolandbau-Fläche. Das ist deutlich mehr, als Thomas Schmidt verkündet hat, aber im Bundesvergleich trotzdem noch wenig. Denn damit käme Sachsen auf knapp 4,8 Prozent Ökolandbau.

Was zumindest die Aussage bekräftigt: Der Ökolandbau wächst auch in Sachsen – bislang aber sehr kleinteilig und mit deutlichem Rückstand. Aber wenn man die Zahlen des Bundes zum Vergleich nimmt, wuchs die Ökolandbaufläche in Sachsen binnen eines Jahres von 37.424 auf 48.148 Hektar. Was ein Zuwachs an Fläche von fast 29 Prozent ist.

Von den 27.132 Öko-Betrieben, die das Bundesumweltministerium meldet, lagen 2016 ganze 604 in Sachsen, was einem Anteil von 2,2 Prozent entspricht. Sachsen gehört also nach wie vor zu den Bundesländern, die hinterhertappeln. Thomas Schmidt sprach freilich auch von über 7.000 Hektar Neuanmeldungen. Das Umdenken bei etlichen Landwirten ist also im Gang. Der Bedarf ist da. Und viele Bauern merken auch, dass eine umweltfreundliche Produktion nicht unbedingt heißen muss, dass man dabei keine stabilen Ergebnisse einfahren kann.

Aber es sind vor allem kleine Betriebe, die umsteigen, was der Zuwachs von 387 sächsischen Öko-Anbau-Betrieben auf 604 zeigt. Die Großen setzen weiter auf industrialisierte Produktionsweisen.

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