Studie für Greenpeace Energy beziffert die versteckten Kosten der Kohleverstromung auf jährlich fast 28 Milliarden Euro

Für alle LeserZum ersten Mal findet dieses Jahr vom 28. Juli bis zum 5. August das Klimacamp Leipziger Land in dem durch Abbaggerung bedrohten Dorf Pödelwitz statt. Auch die 4. Degrowth-Sommerschule wird auf dem Camp zu Gast sein. Insgesamt werden über eine Woche bis zu 1.000 Menschen erwartet, die gemeinsam lernen, diskutieren und Alternativen leben. Und die den Wahnwitz der weiteren Kohleverstromung thematisieren. Greenpeace Energy hat jetzt eine neue Rechnung vorgelegt, was Deutschland sparen würde, wenn es die „billige“ Kohleverstromung beenden würde.

Keiner weiß, ob der baldige Ausstieg aus der Kohleverstromung tatsächlich Thema der von der Bundesregierung eingesetzten Kohlekommission sein wird, oder ob die Kommission wieder nur ein weiteres Mittel der Verzögerung ist, das am Ende dazu führt, dass die Bürger Milliarden Euro für eine Technologie bezahlen, die nicht nur umweltschädlich ist, sondern auch noch teuer. Richtig teuer.

Ein Thema, das wir in der Reihe über die „Lüge vom preiswerten heimischen Brennstoff“ schon mehrfach beleuchtet haben.

Das Ergebnis, das Greenpeace Energy vorlegt, beeindruckt schon durch die Größenordnung.

Durch einen schnellen Braunkohleausstieg in Deutschland ließen sich jährlich 27,9 Milliarden Euro für Schäden und Zusatzkosten vermeiden.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Ökoenergieanbieters Greenpeace Energy. Für die Untersuchung haben die Experten des FÖS neben den Stromgestehungskosten auch die Kosten erfasst, die durch Klima- und Gesundheitsschäden sowie durch Subventionen und staatliche Vergünstigungen entstehen.

„Die Studie entlarvt die angeblich so billige Braunkohle als eine der teuersten Formen der Stromerzeugung überhaupt“, kommentiert Janne Andresen von Greenpeace Energy das Ergebnis. „Ein möglichst schneller Abschied von der Braunkohleverstromung ist deshalb nicht nur unabdingbar, damit Deutschland seine Klimaziele erreichen kann. Er ist auch ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft.“ Die Studie liefert Erkenntnisse für die Arbeit der von der Bundesregierung eingesetzten Kohlekommission. Das Gremium soll morgen seine Arbeit aufnehmen.

„Die Stromproduktion in Braunkohlekraftwerken ist zwar für sich betrachtet noch recht günstig“, erläutert Rupert Wronski vom FÖS das Problem mit den immer wieder gern wiederholten Argumenten von der „billigen Kohle“. „Erneuerbare Energien aus Wasser, Wind und Sonne sind inzwischen jedoch beim gleichen Preisniveau angelangt. Vor allem aber zieht die Braunkohleverstromung enorme klima- und gesundheitsschädliche Folgekosten nach sich.“

Den Löwenanteil machen dabei die Klimaschäden aus, die sich laut FÖS auf 23,2 Milliarden Euro jährlich belaufen. Durch die Braunkohle verursachte Gesundheitsschäden kosteten die Bürgerinnen und Bürger circa 3,1 Milliarden Euro. Braunkohle setzt erhebliche Mengen an Schadstoffen wie Quecksilber, Feinstaub und Stickoxid frei. Sie können Atemwegs-, Herz-Kreislauf- sowie neurologische Erkrankungen wie Alzheimer verursachen.

Subventionen und staatliche Vergünstigungen für die Braunkohle schlagen mit zirka 2 Milliarden Euro jährlich zu Buche.

Greenpeace Energy ist eine von der Umweltschutzorganisation Greenpeace e.V. gegründete Ökoenergie-Genossenschaft. Sie versorgt inzwischen fast 140.000 Kundinnen und Kunden mit sauberem Gas und Strom – unter anderem durch den Tarif Solarstrom plus, der die erneuerbare Stromerzeugung speziell in den Braunkohlegebieten unterstützt. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) ist ein überparteilicher und unabhängiger politischer Think Tank. Es setzt sich für eine Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft hin zu einer Ökologisch-Sozialen ein.

Eine Umlage für alte Energieerzeugung wäre fast doppelt so hoch wie die EEG-Umlage

Kohleausstieg
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