Die großen Städte und eine bessere Bildungspolitik sind die Schlüssel für die ostdeutsche Wirtschaft

Für alle LeserAm Montag, 4. März, legte das Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle eine Studie zu 30 Jahre Deutscher Einheit vor, die im Grunde eine saftige Ohrfeige für die Länderpolitik im Osten ist. Es geht nämlich nicht nur – wie die großen Medien am Montag alle betonten – um die niedrigere Arbeitsproduktivität im Osten. Es geht auch um eine Wirtschaftspolitik, die endlich das tut, was im Osten wirklich Sinn macht. Und das hat viel mit den großen Städten zu tun.
Anzeige

Das wird schon in der Kurzfassung deutlich, in der es natürlich auch um Produktivität geht. Das ist eigentlich ein eigenes Thema: Wie misst man eigentlich Produktivität, wenn es immer wieder nur um die Gesamtumsätze der Wirtschaft geht? Und Umsätze haben ja mit Produktivität erst einmal nichts zu tun. Sie beschreiben nur den Umstand, wie stark Unternehmen und Arbeitskräfte ihre Produkte auf dem Markt auch in höhere Preise verwandeln können. Dazu braucht man eine gewisse Marktmacht oder auch das ein oder andere Monopol, jedenfalls eine Knappheit auf Nachfragerseite, die einem ermöglicht, das Produkt teurer zu verkaufen.

Wie steht Deutschland 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer wirtschaftlich da?, fragte sich das IWH. Die neue Veröffentlichung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zeigt mit anschaulichen Karten und Graphiken, wie sich die Bundesrepublik im internationalen Vergleich entwickelt hat und wie es um die innere Einheit bestellt ist. Neue Befunde liefert die Publikation unter anderem zur Produktivität in Ost und West, zur Entwicklung von Stadt und Land sowie zur Fachkräftesituation.

Am Montag jammerten nun etliche Medien, aufbauend auf dieser Studie, wieder im üblichen Ton. So wie der „Spiegel“: „Der Osten kann nicht aufholen“.

Seit ein paar Jahren hängt der Osten scheinbar bei 82 Prozent der Arbeitsproduktivität des Westens fest. Die Studie erklärt auch, warum das so ist. Und warum das eigentlich sogar ein echter Erfolg ist, nachdem das Land nach 1990 fast völlig von Industrie beräumt wurde und nur noch wenige große Betriebe dablieben, die auf ihrem Gebiet gut wettbewerbsfähig sind. So eine De-Industrialisierung hat noch kein Land weltweit erlebt, auch wenn es einige Regionen in der Welt gibt, denen es ganz ähnlich ging, man denke nur an den „Rust Belt“ der USA.

Aber mit denen vergleicht fast kein Institut die Entwicklungen im Osten.

Also ist der Maßstab meistens recht schief und erklärt selten, was vorgefunden wurde.

Im internationalen Vergleich hat sich Deutschland in den 30 Jahren seit dem Mauerfall gut entwickelt, stellt das IWH fest. „Aber die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen des Landes sind noch immer teils erheblich. Ob Wirtschaftsleistung, Löhne, Zuwanderung oder Bildung: In vielerlei Hinsicht zeichnen die regionalen Muster nach wie vor die einstige Teilung zwischen DDR und alter Bundesrepublik nach.“

Das lässt sich ablesen an 35 Karten und Graphiken einer Publikation, die das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) heute in Berlin vorgestellt hat. Mit „Vereintes Land – drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall“ leistet das IWH eine differenzierte Analyse zum Jubiläum des Mauerfalls.

Aber das Institut beließ es nicht bei den schönen Karten, sondern versucht auch ein paar Erkenntnisse draus zu gewinnen.

Drei zentrale Befunde aus IWH-Sicht sind:

1) Die Wirtschaft im Osten Deutschlands ist weniger produktiv als im Westen – aber nicht nur wegen fehlender Konzernzentralen. Der Befund ist eindeutig: 464 der 500 größten deutschen Unternehmen haben ihren Sitz im Westen der Republik, das sind etwa 93 %. Da generell die Produktivität mit der Betriebsgröße steigt, ist in Ostdeutschland eine geringere Produktivität zu verzeichnen. Das ist allerdings nur ein Teil der Geschichte. Selbst wenn man die unterschiedlichen Betriebsmerkmale berücksichtigt, haben ostdeutsche Betriebe in jeder Größenklasse eine mindestens 20 % niedrigere Produktivität. Dass Potenziale für Produktivitätssteigerungen in Ostdeutschland noch nicht ausgeschöpft werden, hat nach Einschätzung der IWH-Ökonomen auch mit staatlichen Subventionen zu tun: Sind diese an die Bedingung geknüpft, Arbeitsplätze zu erhalten oder zu schaffen, dann kann das einer Erhöhung der Arbeitsproduktivität im Wege stehen. In Zeiten von Fachkräftemangel sollte Wirtschaftsförderung deshalb nicht um jeden Preis für Arbeitsplätze sorgen, sondern für Produktivitätssteigerung.

2) Wer die Städte stärkt, bringt das ganze Land voran. Die Produktivität unterscheidet sich zwischen den ost- und westdeutschen Städten mehr als zwischen den ländlichen Regionen. Die Gründe: Konzernzentralen sind häufig in den (westdeutschen) Städten angesiedelt, und drei Viertel der Beschäftigten im Westen arbeiten in Städten, während es im Osten nur die Hälfte ist. Wenn sich aber die Wirtschaftskraft in Ost und West weiter annähern soll, muss man vor allem die Städte stärken. Denn dort entstehen jene hochwertigen Dienstleistungen, die die Wirtschaft mehr und mehr bestimmen. In der Wissensgesellschaft sind Städte die zentralen Orte von Forschung, Innovation und Wertschöpfung – und damit für Wohlstand.

3) Für mehr Fortschritt braucht es hinreichend Fachkräfte. In Ostdeutschland herrscht kein genereller Mangel mehr an Sachkapital. Aber es fehlen dort zunehmend Fachkräfte. Das hat vier Gründe.

(1) Der Osten hatte bis zum Anfang der 2000er Jahre einen größeren Anteil hochqualifizierter Beschäftigter als der Westen; dieser Vorsprung ist mittlerweile fast überall verloren gegangen.

(2) Die Schulabbrecherquoten sind höher als in Westdeutschland.

(3) Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter nimmt in den ostdeutschen Flächenländern in Zukunft deutlich schneller ab als in den westdeutschen.

(4) Hochqualifizierte Zuwanderer, die zum Beispiel eine Blaue Karte EU haben, ziehen viel eher in west- als in ostdeutsche Regionen. Nur Berlin zieht überdurchschnittlich viele von ihnen an.

Einige diese Punkte sind echte Ohrfeigen für ostdeutsche Landespolitiken. Angefangen vom Eiertanz der Regionen, bei denen man die Wachstumskerne – und das sind nun einmal die großen Städte – immer wieder gegen die ländlichen Regionen ausspielte, das Geld mit der Gießkanne verteilte und damit in Wirklichkeit die eigenen Wirtschaftsknoten dauerhaft schwächte, bis hin zu einem völlig unsinnigen Sparkurs in den Schulen und einem Auslesesystem, das vor allem auf das Aussortieren „schwächerer“ Schüler abzielt, statt auf die bestmögliche Förderung aller Schüler. Denn dass gut ausgebildete Schüler dringend gebraucht werden, war allen seit über zehn Jahren klar. Gehandelt aber wurde im Geist des deutschen Kaiserreichs – elitär und arrogant.

Und das kostet jetzt echte Produktivität.

Weshalb auch die These wohl nicht stimmt, dass der Osten bei der Produktivität nicht mehr zulegen könnte. Könnte er wohl, wenn man denn vor allem den gut ausgebildeten Menschen als Motor der Produktivität sähe und nicht den Controller.

Es gibt genug Punkte, an denen Politik ansetzen könnte, stellt auch das IWH fest: „Exzellente Bedingungen ziehen exzellentes Personal an. Orte mit attraktiven Wohn- und Arbeitsbedingungen und einem breiten Angebot von Wissenschafts-, Bildungs- und Kultureinrichtungen können den Strukturwandel in Ostdeutschland voranbringen, wenn sie sich als weltoffen und attraktiv für qualifizierte Zuwanderung profilieren.“

Das ist der Fokus auf die großen Städten als Nukleus einer funktionierenden Wirtschaftsregion. Leipzig ist dafür ein Beispiel – ein vielfach ausgebremstes.

In die Veröffentlichung fließe Expertise aus mehr als 25 Jahren Forschung ein, in denen das IWH unter anderem die Entwicklung in Ostdeutschland untersucht hat, betont das Institut.

„Diese Publikation hilft dabei, die regionalen Unterschiede im heutigen Deutschland zu verstehen“, sagt IWH-Präsident Reint Gropp. „Wir wollen damit auch die Politik ermutigen: Wenn sie die strukturellen Probleme in Gesamtdeutschland angeht, kann sich auch der Osten gut entwickeln. Wir sollten Dienstleistungen als wichtigen Wachstumsmotor begreifen. Wir sollten in Bildung und Wissenschaft investieren und dadurch Produktivitätspotenziale heben. Und wir sollten unsere Städte als Orte der Innovation und für qualifizierte Zuwanderung attraktiver machen.“

Veröffentlichung: Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) (Hrsg.): Vereintes Land – drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall. 152 Seiten, zweisprachig Deutsch/Englisch, Abbildungsteil mit 35 farbigen Karten und Graphiken. Halle (Saale) 2019.

Die neue Leipziger Zeitung Nr. 64: Kopf hoch oder „Stell dir vor, die Zukunft ist jetzt“

IWH Halle
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Mittwoch, der 28. Oktober 2020: Lockdown light ab Montag
Kultureinrichtungen wie das Gewandhaus dürfen im November wohl nicht öffnen. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDeutschland wird wohl ab Montag in einen „Lockdown light“ gehen. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsident/-innen heute beschlossen. Wie genau die Situation in Sachsen sein wird, ist noch nicht offiziell bekannt, doch der Bund wird 10 Milliarden für Umsatzausfälle auch bei Soloselbstständigen, Gastronomien und der Eventbranche zur Verfügung stellen. Außerdem: Sachsen fördert ein Forschungsprojekt für Coronatests und Chemnitz wird Kulturhauptstadt Europas. Die L-IZ fasst zusammen, was am Mittwoch, den 28. Oktober 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Coronavirus: Einmal Weihnachten retten + Updates zum Lockdown light
Weihnachten retten, Weihnachtsmarkt beerdigen? Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSeit dem heutigen Morgen geht es bereits rund in den deutschen Medien. Noch vor der Videokonferenz des Bundes mit den Ministerpräsident/-innen der Länder kursierte ein Entwurf der Bundesregierung, in welchem die Vorschläge der neuen Corona-Maßnahmen ab 4. November 2020 beschrieben werden. Seit wenigen Stunden heißt es nun, dass diese sogar bereits ab Montag, 2. November 2020 in Kraft treten sollen und es weitgehende Einigkeit der Länder mit dem Bund dazu gibt. Der Katalog liegt neben anderen Medien auch der L-IZ.de vor. Informationen, die in der Pressekonferenz der Bundesregierung bestätigt wurden.
Südtiroler Pestizidprozess: Landesgericht Bozen beendet Strafverfahren gegen Verleger des Münchner oekom Verlags und weitere Mitglieder des Umweltinstituts München
Alexander Schiebel: Das Wunder von Mals. Cover: Oekom Verlag

Cover: Oekom Verlag

Für alle LeserDas Landesgericht Bozen bestätigte in seiner Entscheidung vom heutigen 28. Oktober den Antrag der Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen gegen oekom-Verleger Jacob Radloff und die Mitglieder des Umweltinstituts aus Mangel an Beweisen einzustellen. Die Betroffenen begrüßen die Entscheidung als einen bedeutenden Teilsieg für das Recht auf freie Meinungsäußerung.
Haltungsnote: Lipgloss auf Eierragout – Eine Kolumne über Ossis und Wessis
Autor, Leipziger und Kolumnist David Gray. Foto: Erik Weiss Berlin

Foto: Erik Weiss Berlin

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 84, seit 23. Oktober im HandelAm Abend des 9. November 1989 sagte Stefan Aust in einem Kommentar: „Heute Abend ging der zweite Weltkrieg zu Ende“. Der Mann hatte Recht. Der Mauerfall setzte einen Schlusspunkt unter die Nazidiktatur und den auf sie folgenden Kalten Krieg. Damals wird Aust mit seiner Interpretation eher alleingestanden haben.
Europäische Menschenrechtskommissarin wertet den Prozess gegen „Das Wunder von Mals“ als typische SLAPP-Klage
Äpfel, mit Misstrauen betrachtet. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich sind es die Naturschutzverbände, die ein verbrieftes Recht haben, gegen Verstöße gegen den Naturschutz vor Gericht zu ziehen. Was sie oft schon aus dem simplen Grund nicht tun, weil ihnen nicht die finanziellen Reserven zur Verfügung stehen, mit denen selbst Kommunen und Länder die Klagen anwaltlich abwehren können. Dass ein staatlicher Amtsträger nun gar gegen ein Umweltinstitut und einen Autoren vor Gericht zieht, wertet auch Menschenrechtskommissarin Dunja Mijatovic als massive Grenzüberschreitung. Der Fall betrifft auch den Journalismus.
Verkehrsdezernat will 2021 die Beobachtungsergebnisse zu den Pollern in der Richard-Lehmann-Straße vorlegen
Abgepollerter Radweg vor der Post in der Richard-Lehmann-Straße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWir können ja das Bild vom brutal umgefahrenen Poller vom Neumarkt hier wieder einblenden – was wir auch machen. Denn in der Regel räumt Leipzig die mit Auto-PS niedergewalzten Poller meist relativ schnell wieder weg, sodass die meisten Leipziger gar nicht merken, mit welcher Rücksichtslosigkeit einige Autobesitzer alles niederwalzen, was sie in ihrem Besitzanspruch eingrenzt. So geht es auch den eher niedlichen Pollern in der Richard-Lehmann-Straße.
Ein Brief an den Bundeswirtschaftsminister: Wir brauchen fairen Wettbewerb, keine neuen Oligopole
Das GuD-Kraftwerk der Stadtwerke Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserMit einem in mehreren Zeitungen veröffentlichten Brief wandten sich am Freitag, 23. Oktober, die Geschäftsführer mehrerer deutscher Stadtwerke an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, in dem sie die Unterstützung der Bundesregierung für die die beiden Energiekonzerne e.on und RWE im Kartellverfahren vor dem Gericht der Europäischen Union (EuG) kritisieren. Auch die Leipziger Stadtwerke sind dabei. Auch sie wären betroffen.
NABU Sachsen: Der Straßenbau im Naturschutzgebiet „Röderauwald Zabeltitz“ bei Meißen war illegal
Illegal gebaute Straße durch die Röderaue. Foto: Renate Wilhelms / NABU Sachsen

Foto: Renate Wilhelms / NABU Sachsen

Für alle LeserSächsische Behörden ticken noch immer wie im 20. Jahrhundert. Und nicht nur die in Sachsen. Man muss ja nur in den Dannenröder Forst schauen, wo Umweltaktivisten verzweifelt versuchen, den Bau der A49 mitten durch das Waldgebiet zu verhindern. Doch selbst in Zeiten, wo unsere Wälder akut vom Klimawandel gestresst sind, planen Behörden noch immer rücksichtslos drauflos und ignorieren die Einsprüche der Umweltverbände. Ein Beispiel aus Meißen bringt jetzt den NABU Sachsen auf die Palme.
Darwins Notizbuch: Das Leben und Forschen von Charles Darwin in Bildern, Zitaten und kurzweiligen Texten
Jonathan Clements: Darwins Notizbuch. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserHätte Jonathan Clements dieses Buch erst 2019 geschrieben, hätte er einige Akzente garantiert anders gesetzt – weniger über die heutigen selbst ernannten „Kritiker“ Darwins geschrieben, dafür mehr über Darwins erstaunlich aktuelle Warnungen zum Aussterben von Arten. Aber 2009 war so ein Jahr, da waren die Kreationisten und ähnliche Meinungsmacher ziemlich laut. Und Darwins 200. Geburtstag war mal wieder von schrillen Beiklängen begleitet.
Theater und Film: SRBENKA und die langen Schatten des Kroatienkrieges
Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Im MIttelpunkt des kroatischen Filmes SRBENKA stehen die Proben zum Stück „Alexandra Zec“ (2014) des Theaterregisseurs Oliver Frljić, der wie kein anderer Theaterschaffender in Kroatien polarisiert. Es geht um die Ermordung eines zwölfjährigen serbischen Mädchens und ihrer Familie 1991 in Zagreb. Schnell gefunden, wurden die Täter nie verurteilt.
Das letzte, verrückte Jahr der DDR und der Weg zur Einheit (7): Streit um das Erbe der DDR nach 1990
© gemeinfrei

© gemeinfrei

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 84, seit 23. Oktober im HandelHaben Sie schon mal den Namen Ireneo Funes gehört? Nein? Er ist der Protagonist in „Das unerbittliche Gedächtnis“, einer Erzählung des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges von 1942. In der Geschichte verliert jener Funes, ein 19-jähriger Dörfler, nach einem Sturz seine Fähigkeit zum Vergessen. Jeden fremdsprachigen Text, jede Beobachtung aus seinem Alltag, jedes Gesicht kann der gelähmte Gaucho nun bis ins Detail aus seinem Gedächtnis abrufen. Es geht nicht lange gut. Mit gerade einmal Anfang 20 ereilt den armen jungen Mann der einsame Tod.
Dienstag, der 27. Oktober 2020: Leipzig verschärft die Corona-Regeln deutlich
Oberbürgermeister Burkhard Jung. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserBis vor einigen Tagen war Leipzig stets im „grünen Bereich“ unterhalb eines Inzidenzwertes von 20. Doch dann hat die Stadt schnell die 35er-Marke geknackt. Als Konsequenz hat die Verwaltung heute deutliche Verschärfungen der Corona-Maßnahmen angekündigt. Außerdem: Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsident/-innen könnten morgen einen Lockdown beschließen. Die L-IZ fasst zusammen, was am Dienstag, den 27. Oktober 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Neue Tanzproduktion „Schule des Wetters: Schnee“ feiert am 4. November Premiere
Theater der Jungen Welt. Foto L-IZ.de

Foto L-IZ.de

Das Theater der Jungen Welt feiert im November die zweite Tanz-Premieren dieser Spielzeit: „SCHULE DES WETTERS: SCHNEE“. Sehnsucht nach weißen Weihnachten? Das TDJW holt die „weiße Pracht“ ins Haus und macht einen winterlichen Winter möglich: ob leichter Schneefall oder wildes Flockengestöber – das Ensemble wird mit dem Publikum eine frostig-schöne Allianz eingehen.
„Ich mache das, weil ich den Fußball liebe!“: Das große LZ-Interview mit Almedin Civa, Trainer des 1. FC Lok Leipzig
Almedin Civa löste im Sommer Wolfgang Wolf als Trainer des 1. FC Lok ab. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 84, seit 23. Oktober im HandelObwohl Almedin Civa erst seit dem 1. Juli Trainer des 1. FC Lok ist, hat er der 1. Mannschaft schon eine klare Handschrift gegeben. Die Vorbereitung war mit drei Wochen kurz, die Ausgangslage nach dem verpassten Aufstieg schwer. Dennoch befindet sich Lok im oberen Tabellen-Mittelfeld und Spieler und Verantwortliche sind mit der Verpflichtung Civas sehr zufrieden. Der gebürtige Bosnier spricht im ersten großen Interview in der LZ allerdings nicht nur über Lok, sondern auch über seine Heimat, Krieg und die Scheinheiligkeit der Champions League.
Ein kleines, großes Zeichen aus dem Leipziger Stadtrat: Sieben Stadträt/-innen beantragen die Aussetzung der Erhöhung der Aufwandsentschädigung
Der Stadtrat tagt im Neuen Rathaus. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserCorona geht an die Substanz. Auch an die Substanz eines städtischen Haushalts. Mit einem 57-Millionen-Euro-Defizit rechnet Leipzigs Finanzbürgermeister Torsten Bonew in diesem Jahr. In den nächsten beiden Jahren könnten 153 Millionen und 130 Millionen Euro fehlen. Jetzt schlagen mehrere Stadträt/-innen aus mehreren Fraktionen vor, die Aufwandsentschädigungen für ihre Arbeit in den nächsten zwei Jahren nicht zu erhöhen.