In dieser Woche legten die sächsischen IHKs die Ergebnisse ihrer Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn vor. Natürlich gibt es auch die einzelnen Ergebnisse für jeden Kammerbezirk. Und mit dem Blick auf die Leipziger Ergebnisse wird deutlicher, welchen starken Einfluss Gastronomie und Hotellerie auf die Stimmungslage haben. Denn ohne ihre riesigen Enttäuschungen läge die Leipziger Wirtschaft viel deutlicher im positiven Bereich.

Natürlich waren auch die anderen Branchen nicht frei von Befürchtungen. Denn neben Corona machen ihnen ja auch noch andere Dinge wie Energiepreissteigerungen oder Fachkräftemangel zu schaffen.„Die wirtschaftliche Erholung im IHK-Bezirk Leipzig wurde durch die nunmehr vierte Corona-Welle im letzten Quartal 2021 zum wiederholten Male ausgebremst. Die noch im Herbst 2021 erkennbare kräftige Stimmungsaufhellung hat mit den erneuten Einschränkungen der wirtschaftlichen Aktivitäten einen empfindlichen Rückschlag erhalten“, fasst die IHK zu Leipzig den Befund zusammen.

„Sowohl die Lagebeurteilungen als auch die Geschäftserwartungen der Unternehmen haben sich wieder eingetrübt. Der IHK-Geschäftsklima-Index fällt aktuell auf 117 Punkte.“

Aber das sind inzwischen sechs Punkte über dem sächsischen Durchschnitt. Die Leipziger Unternehmen kommen in ihrer Gesamtheit etwas besser durch die Pandemie als die Unternehmen in anderen Teilen Sachsens.

644 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen mit insgesamt fast 37.000 Beschäftigten beteiligten sich an der Befragung zu Jahreswechsel. Die Befragung fand im Zeitraum 13. Dezember 2021 bis 16. Januar 2022 statt.

Kristian Kirpal, Präsident der IHK zu Leipzig, interpretiert das Ergebnis mit den Worten: „Auch zwei Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie beeinträchtigen Auflagen und Einschränkungen die regionale Wirtschaft immer noch schwer. Außerdem sind aktuell fast drei Viertel der Unternehmen, die sich im Leipziger IHK-Bezirk an der Konjunkturumfrage beteiligt haben, nennenswert von Lieferengpässen sowie Preisanstiegen bei Rohstoffen, Vorprodukten bzw. Energie betroffen.

Daher ist die Politik jetzt dringend aufgefordert, der Konjunktur in das Frühjahr hinein auf die Sprünge zu helfen. Dazu gehören die weitere Rücknahme der Corona-Beschränkungen für alle Branchen sowie eine deutliche Entlastung bei den Energiepreisen, etwa durch die Abschaffung der EEG-Umlage bereits im Jahr 2022. Auch die geplante weitere und deutliche Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro schon zum 1. Oktober dieses Jahres muss noch einmal auf den Prüfstand, um die starke Kostenbelastung der Unternehmen abzufedern.“

Riesige Unterschiede zwischen den Branchen

Zwischen den Wirtschaftsbranchen sind dabei jedoch nach wie vor deutliche Unterschiede auszumachen, so die IHK. Von einer normalen Geschäftstätigkeit sind viele Branchen – auch zwei Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie – noch weit entfernt.

Die Lage der hiesigen Industrieunternehmen hat sich zum Beispiel leicht verbessert. Über die Hälfte der Firmen melden aktuell eine gute Geschäftslage. Doch nach wie vor belasten Lieferengpässe von Materialien und Vorprodukten sowie die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise den Produktionsablauf. Trotz einer insgesamt hohen Nachfrage gerät die Industriekonjunktur aus Sicht der IHK ins Stocken.

Die Baubranche kann insgesamt sogar auf ein erfolgreiches Jahr 2021 zurückblicken. Die Lagebeurteilungen belegen per saldo immer noch die Spitzenposition unter allen befragten Wirtschaftsbereichen. Hinsichtlich ihrer Erwartungen geht der Großteil der Betriebe von einer eher gleichbleibenden Geschäftsentwicklung aus. Damit bleibt das Baugewerbe auch 2022 eine Stütze der hiesigen Konjunkturentwicklung.

Die Situation im Dienstleistungsgewerbe ist dann freilich differenziert. Während sich diese in den personennahen Dienstleistungsbranchen aufgrund von Schließungsanordnungen bzw. Zugangsbeschränkungen zuletzt wieder verschlechterte, können viele unternehmensnahe Dienstleistungen eine positive Geschäftsbilanz ziehen. Die Prognosen sind insgesamt zuversichtlich, und es ist zu erwarten, dass der eingeschlagene Wachstumskurs auch 2022 intakt bleibt. Viele personennahe Dienstleister werden indes immer noch ausgebremst und warten sehnsüchtig auf ein Ende der Corona-Restriktionen.

Und auch im Einzelhandel ist das Stimmungsbild gespalten. Aufgrund der Ende 2021 coronabedingt wieder verschärften Zugangsbeschränkungen (3G/2G) für große Teile des stationären Handels und den damit verbunden massiven Umsatzrückgängen hat sich die Geschäftslage deutlich verschlechtert.

Da ein Ende der Einschränkungen nicht erkennbar ist, fallen die Erwartungen derzeit ebenfalls eher skeptisch aus. Im Gegensatz dazu boomt der Onlinehandel. Hier bleiben die Wachstumsperspektiven intakt.

Die Lage im Gastgewerbe. Grafik: IHK zu Leipzig
Die Lage im Gastgewerbe. Grafik: IHK zu Leipzig

Auch das Verkehr- und Logistikgewerbe liegt – trotz Sorgen um die steigenden Kraftstoffpreise – weiterhin im positiven Bereich.

Das Hotel- und Gastrogewerbe, das sich im Herbst bei der Lageeinschätzung wieder auf die Null berappelt hatte, ist freilich mit Winterbeginn wieder abgestürzt und weist ein Lagesaldo von minus 85 Punkten aus und ist damit die einzige Branche, die überhaupt im Minus liegt – und das auf dem historisch tiefen Stand, der bislang nur in der Corona-Pandemie erreicht wurde.

Verhaltene Aussichten

Nicht nur die Lage, auch ihre Geschäftsaussichten haben die Unternehmen nach unten korrigiert, zieht die IHK ihre Bilanz. Vor allem der Anteil der pessimistisch gestimmten Betriebe steigt auf 18 Prozent. Im Ergebnis hat sich der Saldo aus positiven und negativen Geschäftserwartungen gegenüber der Herbstumfrage von 15 auf 7 Prozentpunkte mehr als halbiert. Somit dürfte sich die konjunkturelle Erholung 2022 mit einer geringeren Dynamik fortsetzen als noch 2021 erhofft, schätzt die IHK ein.

Auf die Investitionsaktivitäten der Unternehmen freilich hat sich die momentane Stimmungseintrübung kaum ausgewirkt. Die Betriebe halten weitestgehend an ihren Investitionsplanungen vom vergangenen Herbst fest. Der Investitionssaldo liegt bei 13 Prozentpunkten. Abgesehen von notwendigen Ersatzbeschaffungen investieren die Unternehmen verstärkt in Innovationen. Auch die Ausgaben für den Umweltschutz steigen.

Und trotz der aktuell gebremsten konjunkturellen Entwicklung bleibt die Personalnachfrage hoch. 26 Prozent der Unternehmen planen, 2022 neue Mitarbeiter einzustellen; 13 Prozent wollen Personal abbauen. Gleichzeitig haben immer mehr Unternehmen Probleme bei der Besetzung ihrer offenen Stellen. Zwar ist die coronabedingte Kurzarbeit zuletzt wieder angestiegen, der Arbeitsmarkt insgesamt erweist sich jedoch als sehr robust.

Aufgrund umfangreicher Risiken bleibt die Verunsicherung innerhalb der Unternehmerschaft hoch und dämpft die Erwartungen zusätzlich. Neben dem unsicheren Pandemieverlauf bremsen die globalen Auswirkungen der Coronakrise die konjunkturelle Erholung. Insbesondere die seit Monaten andauernden Lieferengpässe sowie stark gestiegene Energie-, Rohstoff- und Kraftstoffpreise beeinträchtigen das Stimmungsbild.

So wird über alle Wirtschaftsbereiche hinweg die „Entwicklung der Energiepreise“ aktuell am häufigsten als Risikofaktor genannt und der „Fachkräftemangel“ von der Spitzenposition abgelöst. Die „Arbeitskosten“ belegen nunmehr den dritten Rang, dicht gefolgt von der „Entwicklung der Rohstoff- sowie der Kraftstoffpreise“.

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