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Rekordtemperaturen zwingen Leipzigs Straßenbahn zum Langsamfahren

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    LeserclubEs gibt viele Möglichkeiten, in Leipzig Straßenbahn zu fahren. Die beste ist immer: mit ganz viel Geduld. Ein dickes Buch ist gut oder ein voll aufgeladener Reader. Oder auch eine ordentliche Ladung Musik auf den Kopfhörern. Langsamfahrstellen gehören seit einigen Jahren zum Alltag im Leipziger Gleisnetz, manchmal geht es eben nur im Schneckentempo voran. Aber nicht immer ist der Zustand des Gleisnetzes dran schuld, betonen die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) auf Anfrage.

    In der Regel haben sie mit desolaten Gleisabschnitten zu tun, die seit Jahren auf die fällige Generalsanierung warten. Das gehört zum Rieseninvestitionsstau im Gleisnetz der LVB, der durch solche Großprojekte wie in der „KarLi“ oder in der Könneritzstraße nur langsam abgebaut wird.

    Manchmal war es auch ein verzogenes Schienenstück wie an der Kurve am Rossmarkt, das die LVB zum Eingreifen zwang, nachdem man vorher die vielbefahrene Kurve schon erneuert hatte. Umso erstaunlicher sind die neuerlichen Fahrten im Schneckentempo just über den erneuerten Gleisabschnitt an der Kreuzung Rossplatz / Grünewaldstraße.

    Was ist da los, haben wir die LVB gefragt. Ist das Stück schon wieder kaputt?

    Diesmal nicht, teilt Unternehmenssprecher Marc Backhaus mit, nachdem er die Techniker im Unternehmen gefragt hat.

    „Hintergrund ist hier nicht etwa der Verschleiß des Gleises – dieses wurde ja kürzlich umfassend beseitigt -, sondern eine Gleisschiebung infolge der Längenausdehnung der Schienen aufgrund der zeitweise momentan vorherrschenden sehr hohen Temperaturen“, teilt er mit. Die Hitzegrade vor allem am vorletzten Wochenende, als selbst im Schatten über 37 Grad Celsius gemessen wurden, machen sogar Leipzigs Schienen zum physikalischen Anschaungsmaterial. Gerade am Rossplatz liegt die Sonneneinstrahlung durch keinen Schatten gemindert auf den Schienen. Und Eisen dehnt sich aus, wenn es so richtig erwärmt wird.

    „Begünstigt einerseits durch die offene Gleisbauweise, die deutlich empfindlicher auf Temperaturänderungen reagiert als eingedeckte Bauweisen, andererseits durch die Kurvenlage des Gleises hat sich hier ein leichter Knick in der Gleislage ausgebildet. Es handelt sich jedoch hierbei um ein vorübergehendes Phänomen, das sich durch die Abkühlung der Umgebung auf normale Temperaturen von selbst zurückbildet“, weiß Marc Backhaus zu berichten. „Die ‚operative Langsamfahrstelle‘ (10 km/h) bleibt aus Gründen der Sicherheit des öffentlichen Verkehrs aber auch des Fahrkomforts für unsere Fahrgäste über die potentiell heißen Tage bestehen. Wir gehen davon aus, dass nach dem Hochsommer (also spätestens im September) dort wieder mit normalen Geschwindigkeiten gefahren werden kann. Es ist also keine Dauerproblemzone.“

    Vorerst aber eben nicht, denn die hochsommerlichen Temperaturen sind ja nicht vorbei. Im Gegenteil: Übers Wochenende werden auch für Leipzig wieder Temperaturen über 30 Grad angesagt. Es sollte also nicht unbedingt ein heißer Roman sein, den man in der Straßenbahn liest, lieber etwas Ferienlektüre zum Abkühlen.

    Für die nächste Gleiskurve ist das Langsamfahren sowieso vorbei. Von der Haltestelle Wilhelm-Leuschner-Platz kommend, fuhren die Straßenbahnen der Linien 10 und 11 in den vergangenen Wochen ebenfalls im entschleunigten Modus in den Peterssteinweg ein. Aber es waren keine Hitzeprobleme, die der Gleiskurve im Kreuzungsbereich Peterssteinweg / Martin-Luther-Ring zu schaffen machten.

    Gleiskurve am Peterssteinweg:  Hier sollen die Gleise im Oktober erneuert werden. Foto: Ralf Julke
    Gleiskurve am Peterssteinweg: Hier sollen die Gleise im Oktober erneuert werden. Foto: Ralf Julke

    Marc Backhaus: „Im Gegensatz zum Roßplatz liegen dieser Langsamfahrstelle tatsächlich Verschleißerscheinungen des viel befahrenen Gleises zu Grunde. Hier ist die Sanierung der Gleiskurve zwischen Wilhelm-Leuschner-Platz und Peterssteinweg unter Ausnutzung der Sperrung für den Endspurt der Komplexmaßnahme Karl-Liebknecht-Straße/Peterssteinweg in den Oktoberferien dieses Jahres eingeplant.“

    Seit dem 11. Juli fahren die Straßenbahnen sowieso nicht mehr durch den Peterssteinweg (wo mittlerweile sämtliche Gleise entfernt wurden), denn die Baustelle „KarLi“ ist in die heiße Final-Phase eingetreten und bis zum Ferienende am 23. August sollen sämtliche Gleise in den Abschnitt Martin-Luther-Ring bis zum Südplatz komplett fertiggestellt werden. Deswegen sind selbst die sonst sehr wagemutigen Fahrradfahrer aufgefordert, die Großbaustelle in der „KarLi“ weiträumig zu umfahren. Die Bauarbeiter arbeiten unter Hochdruck im Zweischicht-System.

    Die Linie 11 fährt derweil Umleitung über die Arthur-Hoffmann-Straße, für die Linie 10 fährt ein Bus Schienenersatzverkehr über die August-Bebel-Straße.

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      3 KOMMENTARE

      1. Ich frage mich langsam, ob die LVB die fachliche Expertise zum Betrieb einer gleisgebundenen Straßenbahn haben. Eine solche Expertise ist eine Voraussetzung für die Betriebserlaubnis.

        Vor wenigen Jahren im Winter legte ein bisschen Eisregen das Tram-Netz lahm. Im Nachhinein wurde dieses Wetterereignis als „extreme Wetterbedingungen“ hochgejazzt, was definitiv gelogen war; aber die LVB setzen gerne auf schlechte Gedächtnisse der Leipziger, und die LVZ erzählt den Käse sowieso kritiklos.

        Nun sind die vier oder fünf Tage Hitze Schuld daran, dass sich Gleise „verziehen“. Wieviele Jahre schon gibt es Erfahrungen im Gleisbau? Müssten fast 250 Jahre sein (in England gings los).

        Kann es sein, dass sich die LVB täglich aufs Neue blamieren?

        Übrigens ist auch Bahn-Fuzzys nicht klar, wieso es zu verschiedentlichen 20′-(Baustellen)Takten kommt. Die Wahrheit wird sicherlich verschwiegen.

      2. Nicht ganz passend zum eigentlichen Thema, aber mich würde schon einmal interessieren, mit welcher Begründung derzeit bei der ohnehin verkürzten Linie 10 auch noch wochentags die Taktzeiten von eigentlich zehn Minuten auf jetzt zwanzig Minuten ausgedünnt wurden.

      3. Ich weiß nicht, ob man solche Probleme als „gottgegeben“ hinnehmen muss. Dass sich Stoffe bei Erwärmung ausdehnen, lernt man schon als Kind. Nicht umsonst sind ja auch die Sommerferien länger als die Winterferien… Kann man das wirklich nicht beim Entwurf von Bahnanlagen (und übrigens auch Autobahnen, die sich komischerweise auch verwerfen, wenn es mal etwas wämer wird) berücksichtigen (Dehnungsfugen etc. pp.)?

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