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Versteckt im Zoo, eingemauert an der Uferstraße, einst sumpfig am Brühl

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    ReportageAus dem Rosental werden Radler auf der - erst mal sehr rudimentären - Parthe-Mulde-Radroute einfach Richtung Ranstädter Steinweg und Goerdelerring geschickt. Denn irgendwie sollen sie möglichst schnell zum Hauptbahnhof kommen, der noch immer als eigentlicher Startpunkt der Route gilt. Die Frage ist: Was sollen sie nicht sehen?

    Denn bei dieser Route durch den verkehrsreichsten Abschnitt des Leipziger Rings sehen sie ja nichts. Zumindest nichts von der Parthe. Nur ein Stück Elstermühlgraben. Vielleicht sprudelnde Brunnen auf dem Richard-Wagner-Platz und in der Ferne den Hauptbahnhof.

    Wir sind einfach abgebogen von dieser Empfehlung und haben uns hinterm Rosental auf die Emil-Fuchs-Straße und Uferstraße Richtung Osten geschlagen. Die Uferstraße heißt ja nicht umsonst so. Sie führt am Ufer der Parthe entlang, die uns ja kurz vorm Zoo aus den Augen geraten ist, weil sie sich durchs  Zoogelände schlängelt. Wer den Zoo besucht, kann sie dort antreffen. Teilweise ist sie dort regelrecht mit hineingepasst in die exotischen Zoolandschaften, die sich Zoodirektor Jörg Junhold ausgedacht hat und die seit 1998 als „Zoo der Zukunft“ umgesetzt werden. Da kann die Parthe auch schon mal zu einem Fluss im fernen Asien werden.

    Die Parthe an der Uferstraße. Foto: Ralf Julke
    Die Parthe an der Uferstraße. Foto: Ralf Julke

    Seit die Parthe im Winter 2011 auch mal Hochwasser führte, ist auch die Landestalsperrenverwaltung ein wenig in Sorge um die Hochwassersicherheit im Zoo. Aber aus der Sorge ist noch kein neues Hochwasserbauprojekt geworden. Vielleicht ist das ganz gut so, denn was dabei herauskommt, kann man ja sehen, wenn die Parthe an der Pfaffendorfer Straße wieder sichtbar wird: Von dort bis zur Brandenburger Brücke fließt das ansonsten so romantische Flüsschen in einem gemauerten Bett.

    „Mit mir kann man’s ja machen“, singt im Hinterkopf ein gewisser Frank Schöbel. Die Parthe ist ein geduldiges Flüsschen. Im Leipziger Norden wurde sie im Lauf der Geschichte mehrfach umverlegt. Ganz früher – also so um das Jahr 1015 herum, als ein gewisser Bischof Eid in der „urbe lipzi“ landete und hier zur Weihnachtszeit starb, floss die Parthe noch direkt nördlich der damaligen hölzernen Burg in die Pleiße. Als die Archäologen am Hauptbahnhof in den Tiefen des künftigen City-Tunnels forschen durften, fanden sie die Spuren des einst sehr sumpfigen und torfreichen Geländes der Parthenaue.

    Die Parthe im Zoogelände. Foto: Ralf Julke
    Die Parthe im Zoogelände. Foto: Ralf Julke

    Es lag übrigens fünf Meter unter dem heutigen Niveau des Tröndlinrings, der heute an dieser Stelle verläuft. Man braucht eine Menge Phantasie, um sich hier eine etwas sumpfige Auenlandschaft vorzustellen. Aber genau so war’s. Daran erinnert bis heute der Name der Straße, die direkt an diesem Sumpfgelände entlang führte: Brühl. Es deutet übrigens einiges darauf hin, dass der Brühl die älteste Leipziger Straße ist. Die Hainstraße war es auf keinen Fall. Das ist mittlerweile archäologisch bewiesen.

    So gesehen hätten uns die Radwegweiser natürlich nicht ganz falsch geschickt: Wenn man die Richard-Wagner-Straße entlang radelt, ist man irgendwie auf ganz altem Parthe-Sumpf-Gelände.

    Aber schon im Mittelalter haben die Leipziger die Parthe verlegt. Vielleicht, weil ihnen das Ganze doch zu sumpfig war. Vielleicht auch, weil die Parthe zu sehr stank. Denn an Nebengräben der Parthe hatten sich die Gerber niedergelassen. Und Gerberhandwerk war ein geruchsintensives. Die Gerberstraße erinnert an sie.

    Die Parthe floss dann schon ungefähr da, wo sie heute fließt. Kurz vorm Vorwerk Pfaffendorf mündete sie damals in die Pleiße. Aus dem Vorwerk ist ja dann der Zoo geworden.

    Nur dass die Parthe kurz vorm Zoo nicht wie ein Fluss aussieht, sondern wie ein Kanal. Auch wenn sie sich – nach den letzten Umbauten der Landestalsperrenverwaltung – schlängeln darf.

    Eingemauerte Parthe an der Rackwitzer Straße. Foto: Ralf Julke
    Eingemauerte Parthe an der Rackwitzer Straße. Foto: Ralf Julke

    Hier ist zwar nichts wirklich für Radwanderer ausgebaut. Wir fahren trotzdem bis zur Kurt-Schumacher-Straße und biegen dort dann wirklich zum Hauptbahnhof ab. Wer ganz tapfer ist, kann natürlich über die Berliner und die Rackwitzer Straße weiterfahren – was wir trotzdem nicht empfehlen. Denn hier rauscht und lärmt der Verkehr nicht nur, er dröhnt regelrecht. Schön ist diese Strecke wirklich nicht. Aber sie bietet Einblicke. Denn immer wieder tun sich Sichtfenster auf, so dass man die Parthe in ihrem gemauerten Steinbett sieht, bevor sie Am Gothischen Bad so richtig verschwindet.

    Die Stelle können wir uns merken, denn natürlich kommen wir hier wieder hin. Auf einer ganz anderen Strecke, nämlich der offiziell angepriesenen und ausgeschilderten.

    Haben uns nicht ein paar Herolde im Internet versprochen, dass ab Hauptbahnhof alles primaschönstens ausgeschildert sein wird?

    Also biegen wir – nach einem letzten Blick auf die sich schlängelnde Parthe – auf der Kurt-Schumacher-Straße Richtung Hauptbahnhof ab.

     

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