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Mit Optimierung der Lichtsignalanlagen und dynamischen Anzeigen den Leipziger Verkehr wieder flüssiger machen

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    Selbst der OBM ist felsenfest davon überzeugt, dass man wieder mehr Fluss und Entspannung in das Leipziger Verkehrsgeschehen bekommt, wenn man nur ein intelligenteres Verkehrsleitsystem installiert. Genau das soll in diesem Jahr passieren: 1,1 Millionen Euro sollen in die Erweiterung des Verkehrsmanagementsystems fließen. Denn eigentlich hat Leipzig schon eins. Man merkt nur manchmal nicht viel davon.

    Wie Leipzigs Verkehrsplaner denken, wenn sie so etwas installieren, steckt schon im ersten Satz der Begründung: „Das Verkehrsmanagement dient der optimalen Nutzung der bestehenden Verkehrsinfrastruktur. Damit lassen sich mit vergleichsweise geringen Kosten Wirkungen erzielen, welche sonst nur durch die bauliche Erweiterung der Infrastruktur möglich wären.“

    Bauliche Erweiterung der Infrastruktur? Das ist in Leipzig gar nicht mehr möglich. Die Zeiten, dass ganze Quartiere abgerissen wurden, um breitere Straßen anzulegen, sind lange vorbei. Es mangelt an Platz – überall. Die Straßen sind nicht nur verstopft mit Fahrzeugkolonnen, es drängeln sich Radfahrer, Autofahrer und Straßenbahnen nebeneinander. Randstreifen sind komplett zugeparkt, Radwege und Fußwege oft noch dazu.

    Leipzig hat gar keine Spielräume mehr für zusätzliche Infrastrukturen. Trotzdem wächst der Kfz-Verkehr, sind immer mehr Pkw in der Stadt und tragende Lösungen für die Organisation des Verkehrs in den Brennpunkten sind nicht in Sicht.

    Zum Beispiel am Sportforum, wo nicht nur Fußballspiele des RB Leipzig für wilde Parkzustände sorgen, sondern auch Konzerte und Show-Veranstaltungen in der Arena oder Freiluftkonzerte auf der Festwiese. „Besonders wichtig ist dies im Umfeld des Sportforums, wo wegen der baulichen Gegebenheiten und der Vielfalt der Nutzungsansprüche kaum andere Maßnahmen als die Optimierung der Nutzung der bestehenden Infrastruktur zur Verfügung stehen. Dazu sollen die Mittel der Verkehrstelematik genutzt werden“, betont das Planungsdezernat. Hier ist das große Testfeld für die Möglichkeiten intelligenterer Verkehrsführung.

    „Zur Verkehrsführung bei Großveranstaltungen wurden bereits erste Maßnahmen umgesetzt. Es wurden besondere Lichtsignalprogramme für Veranstaltungsverkehre (Eventprogramme) entwickelt (z. B. Ranstädter Steinweg/Leibnizstraße) und ein erster Knoten erhält Wechselverkehrszeichen für eine flexible Verkehrsführung (Waldstraße/Zöllnerweg/Leutzscher Allee). Nach den ersten Maßnahmen ist es erforderlich, das Managementsystem kontinuierlich weiterzuentwickeln“, betont das Dezernat in seiner Vorlage.

    Denn was es in dieser Kurzbegründung weglässt: Ranstädter Steinweg und Jahnallee sind auch noch zusätzlich zu ihrer Funktion als Sportforum-Zubringer die wichtigste Ost-West-Verbindung vom Innenstadtring nach Lindenau, Plagwitz, Grünau … Dieser Verkehr muss hier auch noch durch. Und schon in ganz normalen Rushhour-Zeiten ist die enge Straße dicht, staut sich der Verkehr bis zur Gerberstraße und zum Hauptbahnhof. Es sind nicht nur Sonderereignisse, die den Verkehr in Leipzig zum Stocken bringen. Das wäre vor fünf Jahren ein Thema gewesen, als man mit der Diskussion um das Verkehrskonzept Sportforum begann.

    Heute ist das ein Leipziger Alltagsproblem.

    Eigentlich wäre ein stadtumfassendes Verkehrsleitsystem das Thema der Stunde. Aber so weit sind die Erfinder solcher Systeme noch nicht. Wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass Leipzigs Verkehrsplaner sich auf einige Brennpunkte konzentrieren.

    700.000 Euro werden vor allem in ein Verkehrsmanagement bei Großveranstaltungen investiert. Da geht es um die Installation von Eventprogrammen an weiteren Knotenpunkten, automatische Strategien zur Schaltung dieser Programme und dynamische Verkehrsführungen bei Großveranstaltungen mittels LED-Tafeln und Wechselwegweisern. Im Vorgriff auf die Strategien können Eventprogramme und einzelne Standorte von LED-Tafeln im Stadionumfeld schon vorher installiert werden, teilt das Planungsdezernat mit.

    Die positive Nachricht für den Alltagsverkehr ist, dass 300.000 Euro in eine umweltorientierte Verkehrssteuerung investiert werden sollen. Dabei geht es um die Analyse von besonders belasteten Straßenabschnitten und die Einrichtung umweltorientierter Verkehrssteuerungen an geeigneten Straßenzügen. Dabei sollen auch Synergieeffekte mit dem Verkehrsmanagement bei Großveranstaltungen genutzt werden.

    Spannend wird so ein System aber erst, wenn es Verknüpfungen zulässt und sich immer mehr zu einer stadtumspannenden Steuerung entwickelt. Für die Schaffung wichtiger Schnittstellen sind 50.000 Euro vorgesehen.

    So sollen auch weitere aktuelle Daten in das Verkehrsinformationssystem auf leipzig.de eingespeist werden. Bislang gibt es dort im Grunde nur statische Daten etwa zu Vollsperrungen und Baustellen. Kurzfristige Engpässe werden dort noch nicht abgebildet.

    Aber zu einer Steuerungseinheit könnte werden, was als „Integration dynamischer Daten aus dem Verkehrsmanagementsystem der Stadt Leipzig“ bezeichnet wird. Denn wenn man diese Daten hat, kann man perspektivisch auch die großen Verkehrströme in Leipzig steuern.

    Was schwierig ist. Von einem wirklich intelligenten System ist Leipzig noch weit entfernt. Das merken alle Verkehrsteilnehmer, wenn sie an zähflüssig reagierenden Ampelkreuzungen stehen. Die Autofahrer schimpfen dann gern über die bevorrechtigten Straßenbahnen. Aber die Bevorrechtigung der Bahnen endet immer öfter in Situationen, in denen sie sinnlos minutenlang festhängen.

    Auch das Problem will man mit 50.000 Euro angehen und ein „Qualitätsanalysetool für die Lichtsignalsteuerung“ anschaffen. Damit soll dann mit echten Messdaten ermöglicht werden, was Fahrgäste und Fahrpersonal im täglichen Betrieb zum Verzweifeln bringt. Systematisch soll die „Schaltung der Lichtsignalanlagen zur Gewährleistung einer hohen Qualität der ÖPNV-Beschleunigung“ ausgewertet und gleichzeitig eine „hohe Verkehrsqualität für die anderen Verkehrsarten“ gewährleistet werden. Das erfordert natürlich Systeme, die auch schnell und flexibel reagieren können. Was bei hunderten Ampelkreuzungen und unterschiedlich durchlässigen Straßen einen leistungsstarken Rechner voraussetzt.

    Ändern kann so ein System freilich nichts daran, wenn in sowieso schon übernutzten Straßen dann all jene kleinen Vorfälle passieren, die auch noch die letzte Fahrspur dicht machen: Unfälle, Falschparker oder Kraftfahrer, die über die Straßenbahngleise abkürzen wollen. Oder einfach Kraftfahrer, denen die dynamischen Anzeigen egal sind, weil sie trotz aller Hinweise direkt vorm Stadion parken wollen.

    Die Vorlage zum Verkehrsleitsystem.

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