Nein, so geht das wirklich nicht weiter in Leipzigs Wohnquartieren, die längst zu Parkquartieren geworden sind mit zugeparkten Straßen, Kreuzungen und Gehwegen. Jahrelang hat Leipzigs Verwaltung dem Aufwuchs der Automobilität tatenlos zugesehen und die wilden Zustände in immer mehr Wohnquartieren einfach geschehen lassen. Das soll sich ändern. Auch der ruhende Verkehr braucht endlich ein Konzept.

Das steckt in Maßnahme Nr. IV.19 zum Energie- und Klimaschutzplan der Stadt Leipzig: „Langfristkonzept zum ruhenden Verkehr im Quartier“.

Denn bequem ist Automobilität für viele Leipziger nur deshalb, weil sie ihr Auto jederzeit vor dem Haus oder nahebei abstellen können. Oft auch in Bereichen, die die StVO untersagt. Aber solange kein Ordnungsamt kontrolliert, passt eben noch ein Auto in die Straße und noch eins und noch eins. Bis die Gehwege zugeparkt sind wie in Eutritzsch oder Lößnig. Zugeparkte Kreuzungen gehören genauso zum täglichen Straßenbild wie Parken auf Grünstreifen und Gehwegen.

Weniger Stellplätze im öffentlichen Raum

Seit einiger Zeit wächst in Leipzigs Verwaltung so ganz langsam die Einsicht, dass es nicht nur im Waldstraßenviertel ein geregeltes Bewohnerparken geben muss, sondern in so ziemlich allen innerstädtischen Quartieren.

Anders bekommt man die Mengen an Kraftfahrzeugen im Leipziger Straßenraum nicht in den Griff. Und vor allem auch nicht die eigentlich gewollte Verbesserung der Aufenthaltsqualität. Denn wo Autos parken, kann sich niemand aufhalten.

Und so beinhaltet diese Maßnahme im EKSP: „Mit dem Konzept werden Empfehlungen zum Management des ruhenden Verkehrs in Bestandsquartieren erarbeitet und eine Datenbasis erarbeitet, die Reduktionspotentiale von Pkw-Stellplätzen im öffentlichen Raum zugunsten andere Nutzungen beinhaltet. Fahrradparken wird berücksichtigt.“

Reduktionspotenziale heißt nun einmal: Weniger Stellplätze für Kraftfahrzeuge – dafür mehr Platz für Gehwegnasen, Bäume, Lastenräder, Carsharing usw. Also all die Dinge, die es in einer Straße besser aushalten lassen, als wenn sie von vorn bis hinten nur mit Autos zugeparkt ist. Zugeparkte Straßen helfen auch nichts gegen die absehbar häufigeren Hitzetage in der Stadt.

Und eigentlich hätte man gedacht, dass die Verwaltung hier nach dem zähen Kampf ums Waldstraßenviertel schon auf dem Weg ist, denn Anwohnerparken hat sie ja auch schon fürs Musikviertel und für Stötteritz angekündigt.

Aber irgendwie fehlt es an einem für alle nachvollziehbaren Konzept. Weshalb jetzt erst einmal Arbeitsstrukturen etabliert werden sollen und ein Langfristkonzept erarbeitet werden soll.

Den dazu nötigen Arbeitsaufwand beziffert das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) mit 100.000 Euro, die im Haushalt für 2023 eingestellt werden sollen. Und dann irgendwann soll das Umsetzungsprogramm vorgelegt werden. Wobei der Zeitplan eher diffus wirkt mit der Angabe „2023/2024 ff.“

Es sei denn, man will ein Stadtquartier nach dem anderen abarbeiten und die Pläne zum Stellplatzmanagement dann einen nach dem anderen vorlegen.

Vielleicht täte der Stadtrat ganz gut, hier eine ortsteilgenaue Liste zu beantragen, die zeigt, wann in welchem Stadtquartier ein geregeltes Parkregime eingeführt wird.

Dazu gehört dann auch noch Maßnahme Nr. IV.20 „Ausweitung von Gebieten mit Quartiersparken“: „Die Ausweitung von Gebieten mit aktiver Parkraumbewirtschaftung stellt einen großen Hebel zur Senkung des MIV-Anteils im Stadtgebiet dar und ist Grundlage für eine flächengerechte Aufteilung des Verkehrsraums. Die Umsetzung erfolgt im Rahmen von Konzepten zum Quartiersparken und im Einklang mit Ergebnissen der Steuerungsgruppe Aufteilung Verkehrsraum.“

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