Auch Leipzigs Parks wird man künftig nicht mehr so bewirtschaften können, wie das in regenreicheren Zeiten noch möglich war – mit englischem Kurzrasen, regelmäßiger Mahd und artenarmen Gehölzen. Das war in den letzten Jahren im Stadtrat unterm Titel Schmetterlingswiesen schon mehrmals Thema. Aber die Dürren der letzten Jahre haben auch der Verwaltung klargemacht: Die Parkbewirtschaftung muss sich gründlich ändern.

Deswegen taucht im Energie- und Klimaschutzplan, den der Stadtrat noch beschließen muss, auch der Maßnahmenpunkt I.4 „Nachhaltiges Parkmanagement – Pflegekonzepte Clara-Zetkin-Park und Johannapark“ auf.

„Die Leipziger Parks sollen klimafreundlich bewirtschaftet werden und einen positiven Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten. In Leipzig soll die Stadtreinigung die Parks auf Grundlage von Pflegekonzepten pflegen, die in diesem Sinne ausgearbeitet werden“, formuliert die Verwaltung hier, auch wenn man noch nicht wirklich weiß, wie die beiden Parks künftig aussehen sollen:

„Dafür wird zunächst der Ist-Zustand detailliert erfasst und im Anschluss wird, unter Berücksichtigung gestalterischer Vorgaben wie Denkmalschutz und Erholungsnutzung, ein naturnaher Zielzustand definiert, der mit angepasster Bewirtschaftung erreicht werden soll.“

Das wird ein Spagat und man hört die Denkmalschützer schon aufschreien, wenn es tatsächlich konkret wird und das Umweltdezernat auf artenreichen Wiesen besteht, die sich zwangsläufig deutlich von den kurzgemähten englischen Liegewiesen unterscheiden.

Platz schaffen für Arten- und Biotopschutz

„Jede Fläche und jeder Parkbestandteil wird dafür unter anderem in Bezug auf Arten- und Biotopschutz individuell untersucht. In einem partizipativen Prozess werden für den Erhalt des guten Zustandes, im obigen Sinne, die erforderlichen Pflegemaßnahmen (Tätigkeiten und Häufigkeiten) in einem Pflegehandbuch beschrieben, das sowohl der Anleitung und Dokumentation für die Fachanwender, als auch der öffentlichen Nachvollziehbarkeit und Transparenz dient“, beschreibt der Text das, was hier mit den ersten beiden Parks passieren soll.

„Als ‚Prototyp‘ dient das Pflegekonzept für den Clara-Zetkin-Park und den Johannapark, welches die Stadtverwaltung derzeit mit den Akteuren der Anlagen erarbeitet. Die grundsätzlichen Erhaltungs- und Entwicklungsziele der Parkanlagen werden aus dem intensiv mit der Bürgerschaft erarbeiteten Entwicklungskonzept aufgenommen und hinsichtlich der Anforderungen an Gestaltung, Klimaschutz, Biodiversität und Erholungsnutzung konkretisiert.“

Das Ganze wird wissenschaftlich begleitet und soll 2023/2024 erst einmal mit diesen beiden Parks umgesetzt werden. Und richtig Geld einsetzen will die Stadt für die ersten Projektbausteine auch, nämlich 500.000 Euro im Jahr.

Frisch angesäte Blühwiese im Johannapark. Archivfoto: Ralf Julke
Frisch angesäte Blühwiese im Johannapark. Archivfoto: Ralf Julke

Das dürfte also deutlich mehr werden als nur ein paar Blühstreifen. Und für viele Wiesen wird es wohl auch eine Art Rettungsprogramm, denn durch Übernutzung sind etliche Rasenflächen in den vergangenen Wochen geradezu zu staubiger Wüste geworden. Und da und dort sieht man neben braun gewordenem Rasen auch tapfere Felder von Wegwarten, die davon erzählen, dass der Boden darunter nicht mehr satt und feucht ist, sondern trocken und ausgelaugt.

Um hier Artenvielfalt wieder Raum zu geben, braucht es andere Zusammensetzungen der Wiesenlandschaften. Und wohl auch viel mehr geschützte Bereiche, die von den Leipzigern beim Sonntagspicknick verschont werden müssen, damit Tiere und Insekten auch in den Parks wieder Rückzugsräume finden.

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Man könnte auch mal über eine ökologische Bewirtschaftung der Leipziger Höfe nachdenken. Zuständig dafür sind zwar die Hausverwaltungen, aber die interessiert das nicht und Mieter haben meist kein Mitspracherecht. zB: Das Laub auf den Beeten liegen lassen und nicht wegpusten oder abtransportieren. Keine Thuja mehr pflanzen, die Wasser ziehen und hier einfach nicht hingehören. …..

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