Was hat der Stadtrat denn nun beschlossen? Jährlich 1.000 Bäume mehr im Straßenraum oder doch nur 500? Es ist egal. Denn um das Potenzial von Straßenbäumen im Leipzig auszuschöpfen, würden Leipzigs Baumpflanzer selbst mit 1.000 zusätzlichen Bäumen pro Jahr 45 Jahre brauchen. Da wäre man im Jahr 2067 und man kann davon ausgehen, dass es dann noch heißer in der Stadt ist. Es sind also Bäume für die Kinder und Enkel.

Und dass in Leipzigs Straßen deutlich mehr Bäume fehlen und Platz finden, hat die Stadt schon 2020 vorgerechnet mit dem Straßenbaumkataster. Die damals ermittelten Zahlen sind Grundlage für Maßnahme Nr. I.2 im EKSP „Ausweitung des Straßenbaumbestandes“.

Denn ein besseres Kühlmittel hat eine Stadt wie Leipzig nicht zu bieten – mal abgesehen von den Frischluftschneisen und dem Umbau verkorkster Stadtplätze, um die noch heftige Diskussionen im Stadtrat zu erwarten sind.

„Der Stadtbaumbestand führt neben einer aktiven CO₂-Bindung zu einer Reduzierung des Energieeinsatzes für Kühlung sowie zur Beschattung von Aufenthaltsräumen und damit günstigeren bioklimatischen Verhältnissen. Die Entwicklung des Straßenbaumbestandes stellt hierbei mit dem Straßenbaumkonzept Leipzig 2030 derzeit einen konzeptionellen und inhaltlichen Schwerpunkt dar“, betont die Verwaltung unter diesem Maßnahmenpunkt

„Hierbei sollen im Zuge von neuen Quartiersentwicklungen sowie Stadtsanierungs- und Umbaumaßnahmen Siedlungsgebiete mit einem intensiven Straßenbaumstand entstehen. Darüber hinaus stellen eigenständige Straßenbaumpflanzungen im vorhandenen Straßenbestand einen wesentlichen Schwerpunkt dar, die unabhängig von sonstigen Tiefbaumaßnahmen erfolgen.“

Straßenbäume leiden unter Trockenheit

Und inzwischen sieht auch die Verwaltung das Problem, dass die Trockenheit auch den schon stehenden Straßenbäumen massiv zusetzt. Man hat schon gewaltige Probleme, den Straßenbaumbestand zu erhalten.

„Ein besonderer Schwerpunkt ist die Kompensation von Baumausfällen infolge der extrem geringen Niederschläge in den Jahren 2018–2020. Diese fallen im Bereich der Straßenbäume niedriger aus als bei Parkbäumen und zeichnen sich bei einzelnen Baumarten, wie z. B. dem Bergahorn sehr stark ab“, stellt die Verwaltung fest.

„Die erforderlichen Nachpflanzungen werden Schwerpunkt der kommenden Jahre sein. Durch diese Maßnahmen sollen neben dem Erhalt des Straßenbaumbestandes in einer Größenordnung von rund 56.000 Bäume (Statistische Werte Stand 10/2021 – nach Einführung der neuen Katastersoftware kam es zu Verschiebungen unter den Standortgruppen der Bäume) eine Erweiterung des Bestandes um jährlich 1.000 Bäumen gewährleistet werden. Das Potenzial für die Erweiterung des Straßenbaumbestandes wird in einer Größenordnung von 45.000 Bäumen beziffert.“

Womit hier bestätigt wird, dass es tatsächlich um zusätzliche 1.000 Bäume pro Jahr geht. Was natürlich die entsprechenden Mittel braucht. Das ist kein Haushaltsposten mehr, an dem in den Haushaltsdiskussionen herumgeknausert werden darf.

Motto: „Unabhängig von Straßenbauvorhaben werden alle Straßen grün“.

Straßenbäume als Kompensation?

Wobei ein Punkt nicht nur der Ratsversammlung Bauchschmerzen bereiten dürfte: „Straßenbaumpflanzung gelten prioritär zur Kompensation von Neuversiegelung durch Bebauung“.

Das kann man zwar so machen und Straßenbäume aus Kompensationsgeldern finanzieren. Aber wer sich die Neubauten in Leipzig anschaut, weiß, dass die Bäume auch dort fehlen und dass Straßenbäume an anderen Orten den Hitzestau auf den oft kärglich geplanten Innenhöfen dieser Gebäude nicht kompensieren können.

Einen Maßnahmepunkt, der sich freilich um das zu erhaltene Grün auf den Flächen für Neubauprojekte kümmert, findet man im Maßnahmenprogramm nicht. Das ist ein unübersehbares Manko im Maßnahmenplan.

Es kommt nur indirekt in den Punkten I.8 „Erfolgskontrolle Baumschutz“ und I.9 „Erfolgskontrolle Kompensationsmaßnahmen und grünordnerischer Maßnahmen“ vor. Was nutzen grüne Straßen, wenn dann in den Höfen die Hitze brütet und die Artenvielfalt nicht mehr existent ist?

Denn nicht nur für durch Bäume verschattete Straßen gilt, was zur Maßnahme Baumpflanzung zu lesen ist: „Stadtgrün wirkt sich unmittelbar auf das allgemeine Wohlbefinden aus und insbesondere Bäumen kommt durch ihre Verdunstungsleistung und Schattenwurf eine positive Wirkung auf das Stadtklima zu. Zudem tragen Sie zur Luftreinhaltung bei, erhöhen die Biodiversität in der Stadt und haben eine wichtige kulturelle Bedeutung im Stadtbild.“

Um das wirklich engagierte Ziel von 1.000 zusätzlichen Bäumen – zusätzlich zu den Ersatzpflanzungen – wirklich anzustreben, braucht es tatsächlich eine stabile finanzielle Ausstattung. Die beziffert der Maßnahmenplan mit 2,4 Millionen Euro jährlich, die ab 2023 dann auch im Haushalt eingestellt werden müssen.

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Keine Kommentare bisher

Ohne ein Bewässerungskonzept für die Bäume, werden ca. 50% der neugepflanzten Bäume sterben. In Grünau ist das gut zu sehen.
Im Wohngebiet, wie auch an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 3. Bisher habe ich nur an der Lyoner Str. solche Wassersäcke gesehen, aber sonst nirgends.
Was bringen 1.000 gepflanzte Jungbäume, wenn die hälfte schon nach einem Jahr Tod ist.
Hinzukommt, wie groß sind die Bestrebungen, dass wirklich nur noch solche Bäume gepflanzt werden, die richtig gut mit Trockenheit klar kommen?

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