Die Brände in der Sächsischen Schweiz zeigen eindrücklich die Auswirkungen der jüngsten Hitzeperioden auf die Natur Sachsens. Die durch den Klimawandel zunehmende Hitze ist auch für die menschliche Gesundheit eine erhebliche Gefahr. Erste Hochrechnungen des Statistischen Bundesamts für den Hitzemonat Juli 2022 weisen auf 12 Prozent mehr Todesfälle verglichen mit den Vorjahren hin. Höchste Zeit für ein zweites Hitzeforum in Leipzig.

“Wie bereits im Juni waren die Sterbefallzahlen dabei vor allem in Phasen sehr hoher Temperaturen erhöht. In den Kalenderwochen 28 bis 30, also vom 11. bis 31. Juli, lagen die Sterbefälle mit +16 %, +24 % und +14 % deutlich über den Vergleichswerten”, heißt es in der Meldung des Bundesamtes für Statistik.

In Leipzig sind Menschen in ihrem Alltag auf den Straßen, in der Schule, im Büro und in ihren Wohnungen durch die Hitze beeinträchtigt. Daher möchten das Gesundheitsamt und das Amt für Umweltschutz Leipzig mit ihrem neuen Hitze-Flyer die Bevölkerung mit nützlichen Verhaltenstipps aufklären: Mit viel Trinken, Kühlen des Körpers, der richtigen Kleidung, gezieltem Lüften und dem Verschatten der Wohnung kann man sich persönlich auf die Hitzewelle vorbereiten.

Um das zu thematisieren, findet nun zum zweiten Mal das Leipziger Hitzeforum im Rahmen der KlimaFAIR statt. Die Kreisärztekammer Leipzig und die Fachgruppe Health for Future Leipzig laden gemeinsam am Samstag, 27. August, von 13 bis 14.30 Uhr zu einer Podiumsdiskussion auf dem Leipziger Marktplatz ein.

Leipzig muss sich wappnen für Hitzezeiten

„Doch wie stellen wir den Schutz der alleinlebenden Seniorin, des Kindes im Obergeschoss der Schule, des Wohnungslosen und der Schwangeren, die einen Amtstermin hat, sicher?“, fragt Dr. med. Katja Kühn, Internistin und Mitglied der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) e.V. „Dafür brauchen wir Bewusstsein und Handlungsmöglichkeiten für Pflegedienste, das Schulamt und die Zivilbevölkerung.“

Auch mit Blick auf die hohen Todeszahlen in den letzten Hitzesommern ergänzt Dr. med. Stefan Windau, Vorsitzender der Kreisärztekammer Leipzig: „Die Kreisärztekammer sieht sich in einer vermittelnden Rolle zwischen verschiedenen Gesundheitseinrichtungen in Leipzig. Wir möchten im Gesundheitswesen und darüber hinaus für Hitzefolgen und Anpassungsmöglichkeiten sensibilisieren – etwa sollte der Medikationsplan überprüft werden, weil Patient:innen auf Arzneimittel unter Einfluss von Hitze anders reagieren können. Zudem sollte insbesondere bei Verschlechterung des Allgemeinzustandes Vorerkrankter zügig der Rettungsdienst gerufen werden.“

Aus diesem Grund begrüßt Prof. Dr. med. Christoph Josten, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, den Beschluss des Leipziger Stadtrats zur Erstellung eines Hitzeaktionsplans: „Damit sollen für Leipzig Hitzeschutzaktivitäten geplant und mit allen Beteiligten koordiniert werden – diese umfassen Risikokommunikation vor und während einer Hitzewelle, Empfehlungen zum individuellen Hitzeschutz und kurzfristige Hitzeschutzmaßnahmen wie das Bereitstellen von Kühlräumen in der Innenstadt und Stadtvierteln. Hier sollte eine enge Abstimmung mit den Kliniken und dem Rettungsdienst erfolgen.“

Krankenhäuser und Pflegeheime müssen sich anpassen

Vor allem in Institutionen wie Krankenhäusern und Pflegeheimen ist eine Anpassung an Hitzewellen dringend erforderlich, da die Menschen dort durch die Hitze besonders gefährdet sind. So berichtet Chantal Schneiß, Gesundheits- und Krankenpflegerin am Herzzentrum Leipzig: „Auch wenn die Notaufnahme gut gekühlt ist, gibt es doch einige Stationen, die sich bis auf 30 Grad aufheizen können. Deshalb leiden die Kranken unter schweren Kreislaufproblemen und Dehydration.“

Prof. Dr. med. Christoph Lübbert vom Universitätsklinikum Leipzig fügt hinzu: „Auf allen Stationen muss auf das Wohl der Patient:innen mit strukturierten Trinkplänen und hitzeangepasster Therapie geachtet werden. Für die Mitarbeitenden müssen wir ausreichende Pausen in gekühlten Räumen, lockere und leichte Kleidung und ein strukturiertes Lüftungs- und Beschattungsmanagement sicherstellen.“

Melanie Gerhards, Psychiaterin, Neurologin und Co-Moderatorin der Podiumsdiskussion zu Hitzeforum, ergänzt: „Angesichts der Klimakrise müssen wir Gesundheit in einem größeren Kontext denken. Grüne Fassaden können Wohnungen, Straßenbäume ganze Häuserblocks kühlen. Begrünung von bisher versiegelten Flächen wie Stadt- und Parkplätzen vermeidet den sogenannten Wärmeinseleffekt und schützt uns auch vor Starkregen. Deshalb fordern wir dazu auf, dass der Leipziger Städtebau den Gesundheitsaspekt zentral mitdenkt. Nach dem erfolgreichen ersten Hitzeforum im März laden wir daher gemeinsam mit der Kreisärztekammer Leipzig Ende August zum sektor- und institutionsübergreifenden Gespräch ein, um ein starkes Hitzeschutzbündnis für Leipzig zu schmieden.“

Teilnehmende an der Podiumsdiskussion am Samstag, 27. August, von 13 bis 14.30 Uhr auf dem Leipziger Marktplatz

Für die Stadt Leipzig:
Constanze Anders, Leiterin des Gesundheitsamts Leipzig
Sanja Fistric, Leitende Sachbearbeiterin Stadtökologie, Abteilung Umweltvorsorge, Sachgebiet Stadtökologie
Dezernat für Stadtentwicklung und Bau (angefragt)

Für das Leipziger Gesundheitswesen
Professor Dr. med. Christoph Lübbert, Leiter des Bereichs Infektions- und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Leipzig, Chefarzt der Klinik für Infektiologie/Tropenmedizin am Klinikum Sankt Georg Leipzig
Dr. med. Stefanie Beyer, Mitteldeutsches Institut für Arbeitsmedizin
Deutsches Rotes Kreuz (angefragt)

Für die Leipziger Zivilgesellschaft
Seniorenbeauftragte Kerstin Motzer (angefragt)
Diakonie: Fabian Horwarth (angefragt)
Landesamt für Schule und Bildung (angefragt)

Für die Leipziger Forschung
Dr. Karsten Haustein, Leipziger Institut für Meterologie

Moderation
Dr. med. Stefan Windau, Facharzt für Innere Medizin und Notfallmedizin, Sächsische Landesärztekammer, Kassenärztliche Vereinigung Sachsen
Melanie Gerhards, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, Health for Future Leipzig und Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) e.V.

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