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Montag, 18. Januar 2021

ÖPNV kennt erneut nur eine Richtung: Rauf mit den Preisen ab 1. August 2017

Von Michael Freitag

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    Die Gesellschafterversammlung des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) hat am Montag den 20. März das getan, was sie immer tut, wenn der Frühling kommt: eine neue Preiserhöhung der Fahrtarife im ÖPNV und damit auch für die Leipziger Verkehrsbetriebe, selbst Gesellschafter des Verbunds, beschlossen. Auch gleich ist der 1. August, dieses Mal 2017 nach 2016, 15, 14 usw.. Gründe, welche der MDV in seiner Mitteilung zu den neuen Zahlen mitteilte, gibt es sicherlich.

    Doch der eine große Grund muss wohl immer wieder genannt werden: der ÖPNV ist steuerlich unterfinanziert und so muss der Fahrgast weiter immer mehr zahlen. Von der Erhöhung sind in Leipzig nun alle Fahrkarten außer dem Stundenticket, der Kurzstrecke und der „4-Fahrten-Karte für Kinder“ betroffen.

    „Tarifliche Anpassungen nötig – MDV investiert in Zukunftsfähigkeit des Verbundgebietes“ ist die Erhöhungsrunde dieses Jahr überschrieben. Logisch letztlich, die grundlegenden Lösungen sind noch in der Debatte, die sechs Vorschläge, die Finanzierungsmisere (auch) der LVB zu ändern, sind als wenig tauglich dennoch gerade erst im Stadtrat „zur Kenntnis“ genommen worden. Ein Nahverkehrsplan soll bis 2018 entstehen und wird, wie die Finanzierungsdebatte rings um den ÖPNV noch locker das ganze Jahr 2017 dauern.

    Der 1. August 2017 liegt damit sozusagen „ungünstig“, vor eventuellen Neuregelungen grundlegender Natur und irgendwoher muss das Geld bei LVB, HAVAG und den anderen Verkehrsanbietern kommen. Und so hieß es weiter am Montag seitens des MDV: „Die Preise für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Verbundgebiet steigen dabei vorbehaltlich der Zustimmung der Genehmigungsbehörden ab 1. August 2017 in den Großstädten Halle und Leipzig um durchschnittlich 3,5 Prozent. In den Landkreisen und Mittelzentren ist eine Steigerung um durchschnittlich zwei Prozent nötig.“ (MDV-Preise ab 1. August 2017 (PDF) & am Ende des Artikels).

    Das Eingeständnis, dass damit erneut nichts wirklich besser wird, folgt jedoch auf dem Fuße. „Die Preisanpassung ist unumgänglich, um die Leistungen und das Angebot von 80 Millionen Fahrplankilometern im gesamten Verbundgebiet in mindestens gewohnter Qualität für alle Fahrgäste fortführen zu können und die Kostensteigerungen auszugleichen.“

    Und man brauche auch weiterhin qualifizierte Mitarbeiter, die tariflich also fair zu bezahlen sind, moderne Fahrzeuge, um die steigenden Lasten an Fahrgästen herumzufahren und auch „neue und moderne Ticketautomaten“.

    Es scheint sich um ein Naturgesetz zu handeln

    Wer sich die Begründungen der vergangenen Jahre anschaut, wird schnell den Eindruck bekommen, dass es immer die gleichen (richtigen) Begründungen sind, die für die jeweiligen Preissteigerungen herhalten mussten. Weshalb das Wort „zukunftsfest“ ein wenig irrlichternd in der Mitteilung des MDV wirkt. Im ganzen Satz: „Ein zukunftsfester Nahverkehr erfordert Investitionen in moderne Fahrzeuge und Infrastrukturen zum Nutzen der Kunden.“

    Dies ist er nicht, auch nicht mit der jetzigen erneuten Preisschraube. „Zukunftsfest“ heißt eben nicht, nur das Bestehende erhalten zu können, im Zweifel mal eine Strecke rückbauen zu müssen, wie nach Markkleeberg und dafür – alles auf Leipzig bezogen – in einem Jahr die Normalfahrten anzuheben, dann im nächsten die Abopreise und dann wieder die Normalfahrten oder eben gleich alle Preise.

    Doch die „durchschnittlich 3,5 Prozent“ in den Städten Halle/Saale und Leipzig sind angesichts einer Inflationsrate im Jahr 2016 von 0,5 Prozent und nun im Januar/Februar nach einem kurzzeitigen Sprung von um die 2 Prozent eben über den durchschnittlichen Einkunftssteigerungen der Leipziger. Noch, man kann ja auch darauf hoffen, dass es für das eine oder andere Einkommen in diesem Jahr bergauf geht, die Prognose für die Inflationsrate 2017 in Deutschland liegt derzeit bei 1,5 bis 2,5 Prozent.

    Bleibt wohl einzig die Hoffnung, dass aus den bislang noch eher mäßigen Vorschlägen zur besseren Finanzierung des ÖPNV mehr wird, als eine laue Debatte und sich möglichst viele mit Ideen einbringen. Denn das Jahr 2018 ist nicht weit.

    Die Maßnahmen nach Städten

    Leipzig Die Preise für Einzelfahrkarten und 4-Fahrten-Karten bleiben stabil. Tages-, Wochen- und Monatskartentarife werden moderat angepasst. Die Preise für Abonnements werden ebenfalls angehoben, wobei das ABO Flex preisstabil bleibt.

    Halle Die Preise für Kurzstrecken und die 4-Fahrten-Karte Kurzstrecke bleiben konstant. Die Preise für Tages-, Wochen- und Monatskarten werden moderat angepasst. Die Preise für Abonnements werden ebenfalls angehoben. Die Produkte MiniCard und MaxiMobilCard werden durch eine neue Schülerkarte abgelöst. Sie bietet Schülern durch eine verkürzte Vertragslaufzeit von 6 Monaten nun mehr Flexibilität.

    Landkreise und Stadtverkehre in den Mittelzentren Die Preise in den Landkreisen und  Stadtverkehren in den Mittelzentren steigen im Schnitt um zwei Prozent. Dabei bleiben die Preise für die Einzelfahrkarten, für die 4-Fahrten-Karten sowie für die Tageskarten in Altenburg, Borna, Colditz, Grimma, Schmölln und Wurzen unverändert.

    Allgemeine Änderungen

    Erweiterung des Ticketsortiments Über ein völlig neues Angebot dürfen sich all diejenigen freuen, die für Erledigungen, Besuche oder Ausflüge längere Strecken zurücklegen. Das MDV-Hopperticket ist für eine Hin- oder Hin- und Rückfahrt gültig und exklusiv über die Handy-App easy.GO erhältlich. Es ist von Montag bis Freitag  ab 9 Uhr bis 4 Uhr des Folgetags und am Wochenende und feiertags ganztägig gültig.

    Es können bis zu drei eigene Kinder oder Enkelkinder bis 13 Jahren mitgenommen werden. Das MDV-Hopperticket gilt für eine Fahrstrecke von bis zu sechs Tarifzonen in allen Nahverkehrsmitteln im MDV.

    Beförderungsbedingungen nun sachsenweit einheitlich Die Gesellschafterversammlung des MDV hat heute ebenfalls eine Änderung der Beförderungsbedingungen beschlossen. Damit harmonisiert der MDV seine Beförderungsbedingungen mit denen der anderen sächsischen Verkehrsverbünde. Ziel ist ein einheitlicher Aufbau der Bedingungen, so dass sich die Fahrgäste im Regelwerk der Verbünde einfacher zurechtfinden und Zugangsbarrieren im ÖPNV abgebaut werden. Zudem wird der rechtliche Rahmen für Fahrten mit Bus und Bahn im ganzen Freistaat einheitlicher.

    Zum MDV im Netz (Mitteilung Preisanpassung 2017)

    MDV-Preise ab 1. August 2017 (PDF)

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