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Drei Jahre Zeitverzug bei der Radnetzplanung und der Marienweg als mögliche Route im SachsenNetz Rad

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    „Wenn die beiden Kommentare stimmen, hätte die AFD wohl gar nicht eine so unsinnige Anfrage gestellt“, meinte unser Leser „Friedhelm“ nach dem Lesen unseres Beitrags zum Marienweg. „Mal sehen, ob ihr dazu recherchiert und ggf. euren Artikel ändert/ergänzt.“ Machen wir doch gern. Wir lernen ja auch gern hinzu, werden aber ganz bestimmt nicht über den jetzigen Marienweg mit dem Rad fahren. Da muss „Christian“ ja ein ausgesprochen gut gefedertes Fahrrad haben, wenn er das gemacht hat. Aber wie steht die Planung tatsächlich?

    „Der Marienweg ist nur im veralteten Netzplan unbedeutsam. Der alte Netzplan sollte aber auch aus gutem Grunde bis 2014 überarbeitet werden. Der Marienweg ist im überarbeiteten SachsenNetz Rad enthalten und damit auch im neuen Netzplan der Stadt Leipzig. Der Marienweg wird die neue Führung des Partheradweges übernehmen, da entlang der Parthe keine Belagsqualität und Direktheit möglich ist. Der Partheradweg wird das Zentrum mit dem Elsterradweg in Richtung Nord-West verbinden“, hatte „Alexander“ geschrieben. „Man hat der Ratsfraktion also einen Bären aufgebunden.“

    Das Problem ist: Die alte Radnetzplanung genügt schon lange nicht mehr den Erfordernissen des Radverkehrs in der Stadt. Die neue hätte schon längst vorliegen sollen, nämlich seit 2015, wurde aber in der letzten Zeit immer wieder vertagt, weil gerade die Stelle des Radverkehrsbeauftragten nicht besetzt war.

    Das berührt auch das Thema SachsenNetz Rad. Das sind die überregional wichtigen Verbindungsstrecken, die das Leipziger Radnetz in die überregionalen Rad(schnell)wege einordnen.

    Darum geht es auch beim Marienweg.

    Es geht um eine schnelle und direkte Radwegverbindung. Nicht ganz das, was die AfD-Fraktion formuliert hatte. Etwa: „Prüfung der Kosten und Durchführbarkeit der Ertüchtigung des Marienweges als Fahrradweg und Widmung zur Fahrradstraße. Hierbei ist die Deckensanierung, evtl. mit Fördermitteln, in Betracht zu ziehen und es sind Gespräche mit der Deutschen Bahn AG zu Querungsmöglichkeiten für Fahrradfahrer der S/R-Bahnstrecke zwischen Möckern und Leutzsch zu führen.“ Oder: „Eine Reaktivierung der konfliktfreien Querung der Bahnlinie ist Voraussetzung für die Ertüchtigung des Marienweges als durchgängigen Fahrradweg.“

    Diese Querung wird es so nicht geben. Deswegen stimmt in der Stellungnahme der Stadt der Hinweis darauf, dass die Verbindung vom Marienweg zum Elsterradweg nach dem Neubau der Bahn-Brücken in der Elsteraue ertüchtigt werden soll.

    Das Problem mahnte 2015 die SPD-Fraktion im Stadtrat an: „Mit RB V-1261/12 wurde festgelegt, dass dem Stadtrat bis II. Quartal 2015 eine Radverkehrsnetzplanung vorzulegen ist. Mit dem Doppelhaushalt des Freistaates Sachsen wurden für 2015/16 erstmalig wieder Mittel für die Radverkehrsförderung bereitgestellt. Aktuell überarbeitet der Freistaat das SachsenNetzRad und deren Wegweisung. Für eine funktionierende Infrastruktur ist eine Übereinstimmung beider Netze unabdingbar.“

    Und darauf gab es dann aus der Verwaltung die Antwort: „Die Bestätigung der Radrouten hinsichtlich der IR III und IR IV Verbindungen wird voraussichtlich bis zum Ende des 1. Quartals 2016 abgeschlossen. Anschließend erfolgt eine Überarbeitung der Maßnahmenlisten zur Verbesserung der Radverkehrsbedingungen. Die gesamte Netzplanung inkl. der Maßnahmenlisten wird dann voraussichtlich bis zum 4. Quartal 2016 dem Stadtrat vorgelegt.“

    Was aber bis heute nicht passiert ist. Grund: siehe oben. Stelle nicht besetzt. Arbeit blieb liegen.

    Weshalb aktuell diese Forderung der Linksfraktion im Raum steht: „Der Oberbürgermeister legt dem Stadtrat die mit dem Radverkehrsentwicklungsplan beschlossene und mit den einschlägigen Verbänden vorabgestimmte Radnetzplanung (Hauptnetzrad) nach Abgleich mit dem gesamtstädtischen Verkehrsnetz vor. Dies erfolgt nach Einrichtung der Stabsstelle für integrierte Verkehrsentwicklungsplanung, jedoch spätestens bis zum 31.08.2018.“

    Das wird wohl auch der neue Radverkehrsbeauftragte nicht schaffen.

    Darüber ärgern sich nicht nur die Umweltverbände und der ADFC, weil das wertvolle drei Jahre gekostet hat. Drei Jahre, in denen auch dem Stadtrat längst ein Grundkonzept a) für die Radhauptrouten und b) für das SachsenNetz Rad hätten vorgelegt werden können. Denn ausgearbeitet sind sie im Wesentlichen. Nur halt nicht öffentlich.

    Der Marienweg ist darin nicht als Fahrradstraße angedacht, sondern als Teil des SachsenNetz Rad. Kann man auch als Partheweg nutzen. Ich persönlich bevorzuge die unbefestigten Wege möglichst nah an der Parthe. Finde ich einfach schöner.

    Aber bei SachsenNetz Rad geht es nicht um Erholung oder Schönheit, sondern um schnelle Radverbindungen – in diesem Fall also vom Elsterradweg direkt in die City. Dafür eignet sich der Marienweg von der Lage her gut – er führt quer durchs Rosental direkt zur Rosentalgasse und damit ins Stadtzentrum. Freilich müsste da, wo er die Waldstraße überquert, zwingend noch eine neue Ampel gebaut werden, um auf der anderen Seite weiter auf dem Marienweg zu bleiben. Was ja dann, wenn man die Leutzscher Allee nutzt oder den direkten Weg an der Parthe, nicht nötig ist: Beide Wege treffen an der Waldstraße an Ampeln.

    Und natürlich lädt der derzeitige Zustand auch nicht zum Radfahren ein. Weshalb der ADFC mit der Stadt tatsächlich über zumindest eine Teilasphaltierung für den Radverkehr diskutiert hat. Ohne die mindestens einseitige Asphaltierung nutzt es nichts, denn das SachsenNetz soll, wie der ADFC betont, nun einmal ein Qualitätsnetz für den Radverkehr sein: „Das SachsenNetz Rad ist das Qualitätsnetz des Freistaates Sachsen und der Partheradweg soll da irgendwann auch mit Qualität aufwarten können.“

    Und das Beispiel Marienweg zeigt, dass Leipzig in so ein Netz erst einmal tüchtig investieren muss, damit es als solches überhaupt erst einmal funktioniert.

    Was für ein Chaos da in der Leipziger Radnetzplanung in den vergangenen fünf Jahren herrschte, hat auch die Linksfraktion in ihrem ersten Antrag formuliert, in dem sie noch eine Vorlage bis zum März 2018 gefordert hatte: „Hier und da ein Radweg ab zu markieren wie in Leipzig, ist keine systematische Verkehrspolitik. Der Oberbürgermeister hat es leider bisher versäumt, den im Juni 2012 getroffenen Ratsbeschluss (RVB-1261/12), dem Stadtrat, den Stadtbezirksbeiräten und Ortschaftsräten bis Ende des II. Quartals 2015 eine Radnetzplanung vorzulegen, mit einer gesamtstädtischen Radverkehrslösung abgestimmt. Frappierend kommt hinzu, dass eine nahezu ausgearbeitete Radnetzplanung seit Jahren in der Stadtverwaltung in der Schublade liegt.“

    Da lag sie wohl – aber in den Stadtrat gelangte sie bis dato nicht.

    Ergebnis: lauter Klein-Klein und ein Nebel über den Verwaltungsplänen fürs Radnetz. Die Linksfraktion: „Der Ort für klärende Erläuterungen, nämlich der ‚jährliche Bericht des Radverkehrsbeauftragten‘, wurde letztmalig im Frühjahr 2013 veröffentlicht. Solange es keine abgestimmte Radnetzplanung gibt, werden auch künftig Bürgerinnen und Bürger, Stadträte, Ortschaftsräte und Stadtbezirksbeiräte singuläre Verbesserungsvorschläge zum Radverkehr vorbringen. Einen Plan, inwieweit diese Vorschläge sich in ein Gesamtgefüge einpassen, gibt es bisher nicht.“

    Da der Posten des Radverkehrsbeauftragten neu besetzt wird, kann man nun hoffen, dass es die versprochene Radnetzplanung dann doch irgendwann in den nächsten Monaten gibt – auch mit Zahlen zu den Routen, die ausgebaut werden müssen. Und den benötigten Finanzen.

    Es gibt keinen Grund, den rumpeligen Marienweg zur Fahrradstraße umzubauen

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    2 KOMMENTARE

    1. Auch wenn hier was anderes suggeriert wird: Der Radverkehrsbeauftragte hat zum 30. November 2017 gekündigt. Die Stelle ist seit 15. August 2018 wieder besetzt. Die Vakanz war also nicht gerade kurz, aber auch nicht seit Jahren bestehend.

    2. Zugegeben fahre ich soweit möglich am Rand – ein „weicherer“ Weg wäre mir lieber! 🙂

      Es ist ärgerlicherweise wieder einmal so, wie auch beim ÖPNV oder anderen Sachverhalten:
      Stellen-nicht-besetzungen verzögern Abläufe um Jahre.
      Und die ausufernde und vielfältige Bürokratie verlangt sich gegenseitig Pläne und Konzepte ab, die aber wiederum mit Abhängigkeiten besetzt sind.

      Dieses Wirrwarr zu entzerren und tatsächlich aktiv zu Agieren! (statt nur noch im Nachhinein Missstände abzumildern) scheint irgendwie unrealistisch…

      Im Übrigen würde ich an der Querung Waldstraße nicht unbedingt eine Ampel hinsetzen; einfach ein Fußgängerüberweg täte es doch auch.

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