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ZVNL-Geschäftsführer Oliver Mietzsch zur Sicherheit in den S-Bahnen, Radabstellanlagen und einem Fahrradverleihsystem im S-Bahn-Gebiet

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    Seit dem 10. August beschäftigt viele Reisende in der Mitteldeutschen S-Bahn die Beschränkung der Fahrrad-Mitnahme durch die DB AG. PRO BAHN kritisiert die Limitierung der Fahrräder. Aber hinter der Meldung der Deutschen Bahn steckt noch etwas mehr, wie ZVNL-Geschäftsführer Oliver Mietzsch im Kurzinterview erläutert.

    Teilt der ZVNL die Sicht der Bahn, dass die kostenlose Fahrradmitnahme nun beschränkt werden muss? Oder war die DB da allein vorgeprescht?

    Der Inhalt der Pressemitteilung der DB Regio AG Südost ist mit dem ZVNL (sowie der NASA GmbH) als den für das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz im Raum Halle-Leipzig zuständigen Aufgabenträgern des Schienenpersonennahverkehrs abgestimmt. Es geht in der Pressemitteilung um die Ankündigung einer stärkeren Kontrolle der Einhaltung der eisenbahnsicherheitstechnischen Vorgaben zur maximal zulässigen Anzahl von in den Zügen mitgeführten Fahrrädern. Mit der Frage der Kostenpflichtigkeit einer Fahrradmitnahme hat dies nichts zu tun.

    Schon 2016 wurde ja heftig über das Thema diskutiert – damals wurde der Ausfall von mehreren Fahrzeugen als Grund angeführt. Aber das sollte ja eigentlich geklärt sein. Wo liegt also das Problem? Ist das Angebot so gut angenommen worden, dass die Fahrradmitnahme weiter gestiegen ist? Gibt es dafür Zahlen?

    Dass es vereinzelt zur Überfüllung in den Zügen der S-Bahn Mitteldeutschland durch mitgeführte Fahrräder gekommen ist, hängt – unabhängig von der in der Tat nicht immer vertragskonformen Zugbehängung durch den Betreiber, was durch die Fahrradmitnahme dann noch verschärft wurde – grundsätzlich damit zusammen, dass in der Vergangenheit vielleicht nicht immer im nötigen Umfang bzw. mit der erforderlichen Konsequenz die Einhaltung der eisenbahnsicherheitstechnischen Vorgaben kontrolliert worden ist. Eine stärkere Durchsetzung der diesbezüglichen Sicherheitsvorschriften liegt somit im Interesse aller Fahrgäste.

    Über welche wirklichen Lösungsmöglichkeiten wird nachgedacht? Denn eigentlich ist es ja unlogisch, ein funktionierendes und gut angenommenes System, das auch für die Klimapolitik der Region Effekt hat, zu beschränken.

    Da die im Mitteldeutschen S-Bahn-Netz eingesetzte Fahrzeugflotte sich nicht kurzfristig erhöhen lässt, und selbst bei einer höheren Wagenanzahl die eisenbahnsicherheitstechnischen Vorschriften zur höchstzulässigen Anzahl mitgeführter Fahrräder pro einzelnem Fahrzeug sich nicht verändern, sowie aufgrund der Tatsache, dass die Fahrradmitnahme im MDV in Ermangelung von Ausschlusszeiten (z.B. zu den Hauptverkehrszeiten wie in anderen Verkehrsverbünden oder in den Stadtverkehren) und einer fehlenden Kostenpflichtigkeit (im Unterschied zu fast allen anderen Verkehrsverbünden Deutschlands) sich nicht verlässlich kalkulieren lässt, können auch in Zukunft fahrradbedingte Überfüllungen in den Zügen nicht ausgeschlossen werden.

    Glücklichere Tage: Dietrich Hagemann, Volker Bremer, Tobias Kobe und Oliver Mietzsch (v.l.n.r.) taufen einen Regio-Zug mit der traditionellen Sektdusche. Foto: Christian Modla/Westend Communication
    Glücklichere Tage: Dietrich Hagemann, Volker Bremer, Tobias Kobe und Oliver Mietzsch (v.l.n.r.) taufen einen Regio-Zug mit der traditionellen Sektdusche. Foto: Christian Modla/Westend Communication

    Daher hat der ZVNL in seinem unlängst beschlossenen Nahverkehrsplan den Aufbau eines Fahrradverleihsystems im S-Bahn-Korridor Halle-Leipzig, der am stärksten von der Fahrradmitnahme betroffen ist, angekündigt. Zurzeit befinden wir uns mit den relevanten Partnern in Abstimmungsgesprächen. Parallel treibt der ZVNL im Rahmen seiner Möglichkeiten den Bau von Radabstellanlagen an den S-Bahn-Stationen voran.

    Ist das Fahrmaterial auf der Strecke schon wieder ausgereizt und müssten deutlich mehr Wagen eingesetzt werden? Oder hat das System eigentlich noch Reserven, die nur augenscheinlich noch nicht genutzt werden?

    Im Vorfeld der Ausschreibung des Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes wurden die Vorgaben zur Fahrradmitnahmekapazität mit dem ADFC abgestimmt. Die Kapazitätsprobleme stellen sich daher nicht bezogen auf die Gesamtflotte der S-Bahn Mitteldeutschland, sondern stehen im Zusammenhang mit einzelnen Strecken bzw. Fahrzeugen. Aufgrund der in der Antwort zu 3 erläuterten Gründe ist eine genauere Planbarkeit der Mitnahmekapazitäten in den Fahrzeugen nicht möglich.

    Erlauben Sie uns an dieser Stelle noch den Hinweis, dass in den Niederlanden als dem Fahrradland schlechthin die Fahrradmitnahme in den Zügen sowie das Abstellen von Fahrrädern an den Stationen – durch preisliche und ordnungsrechtliche Maßnahmen – wesentlich stärker reglementiert ist als hierzulande.

    In den Niederlanden sieht man das größte Potenzial zur Förderung von Radverkehr und ÖPNV nicht in der Fahrradmitnahme, sei es im Zug oder zu den Stationen, sondern in der ineinandergreifenden Transportkette von Leihfahrrad und (fahrradlosem) Zug. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die die Agentur für Clevere Städte – die in Berlin die Volksbefragung zum Radverkehr initiiert hat – im Auftrag des ZVNL erstellte und die letztlich Grundlage für unsere weiterführenden Überlegungen zum Aufbau eines Fahrradverleihsystems war.

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      3 KOMMENTARE

      1. @Christian: „Ich dachte immer, man müsste einfach einen Radhänger mit an die S-Bahn binden. Der fährt einfach mit. Punkt.“

        Wie lange soll die Bahn denn da in jedem Haltepunkt verweilen, bis jeder zu seinem Rad gewackelt ist, es gefunden und abgeschlossen (ich lasse mein Rad ja nicht unbeobachtet unangeschlossen) und entladen hat.
        Das geht vielleicht im Fernbus, aber der hält auch nur am Start und Ziel.

      2. Der ADFC hat in der Vergangenheit für eine Quote von 1:15 plädiert. Die Vorbereitungen zur Ausschreibung liefen 2007. Mittlerweile sollte es 1:12 sein. D.h. auf 12 Sitzplätze 1 Fahrradstellplatz. Was hier im Beitrag ausgespart wird: Es wird die abgestimmte Quote von 1:15 nicht erfüllt und oftmals stehen obendrein noch sehr viele Fahrgäste im Berufsverkehr. Geplant war allerdings, dass niemand zwischen Halle und Leipzig die gesamte Strecke stehen muss.
        Der ZVNL hat von Anfang an nicht an den Erfolg des Mitteldeutschen S-Bahnnetzes geglaubt. Deshalb hat man übrigens auch faktisch nur ein Regionalbahnnetz geschaffen. Ein S-Bahnnetz hat mindestens einen 20-Minuten-Grundtakt. Den gibt es hier auf keiner einzigen Linie.

      3. Sehr akademische Antworten…

        Ich dachte immer, man müsste einfach einen Radhänger mit an die S-Bahn binden. Der fährt einfach mit. Punkt.
        Die jetzigen Fahrradplätze in den Triebzügen sind äußerst schlecht durchdacht.

        Ging der ADFC tatsächlich nur von ca. 3 Rädern in einem Zugteil aus???

        Die zitierte Theorie der Niederlande, auf Leihräder zu setzen, ist interessant, kommt mir aber etwas befremdlich vor. Und macht keinen Sinn.
        Da müssten die Räder schon kostenlos sein, sonst nutzt jeder weiter seins. Ich habe eins, und nutze deswegen auch kein Leihrad. Diese Idee wirkt evtl. nur bei Gelegenheitsfahrern.

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