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ICE 4 ist jetzt als Botschafter für den Freistaat Sachsen unterwegs

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    Die Namenstaufe fand am Montag, 2. März, in Dresden statt. Da kam sogar Ministerpräsident Michael Kretschmer, um den neuen ICE 4 persönlich zu taufen. Der ICE der jüngsten Zuggeneration ist jetzt als Botschafter Sachsens in Deutschland unterwegs. Ronald Pofalla, Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn und Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, tauften einen ICE 4 auf den Namen „Freistaat Sachsen“.

    Die neuen Züge sind das künftige Rückgrat der DB-Fernverkehrsflotte und wie alle DB-Fernverkehrszüge mit hundert Prozent Ökostrom unterwegs, betont die Bahn. Alle drei Wochen will die DB derzeit einen ICE 4 auf die Schiene bringen. Bis 2026 fließen rund 8,5 Milliarden Euro in neue oder modernisierte DB-Fernverkehrszüge.

    „Für klimafreundliche Mobilität schaffen wir mehr Kapazität auf der Schiene. Die neuen ICE-Züge gehören dazu. Der ICE 4 ist der modernste rollende Botschafter, über den wir bei der Deutschen Bahn verfügen“, sagt Ronald Pofalla. „Ein passender Botschafter für das Bundesland ,Freistaat Sachsen‘, in dem wir derzeit an der Zukunft der digitalen Bahn in Deutschland arbeiten. In einem einzigartigen Labor forschen wir in Annaberg-Buchholz zusammen mit Wissenschaft und Industrie an der Digitalisierung des Bahnverkehrs.“

    Ministerpräsident Michael Kretschmer: „Sachsen setzt auf klimafreundliche und innovative Mobilität. Der ICE 4 ist dafür ein idealer Botschafter. Er wirbt ab sofort in der gesamten Bundesrepublik für den Freistaat und bietet den Reisenden mehr Komfort und Innovationen an Bord. Ich wünsche allen Passagieren im ICE ‚Freistaat Sachsen‘ jederzeit eine gute Reise.“

    Da darf man stutzen: So viel Klimafreundlichkeit im Kohleland Sachsen?

    Die neuen ICE 4 haben tatsächlich statt der roten Banderole eine grüne – mit Stecker dran. Als dezenter Hinweis auf die „hundert Prozent Ökostrom“.

    Den die Bahn noch längst nicht hat.

    Die Geschichte dazu – „100 Prozent grün nur auf dem Papier“ – erzählte dazu am 23. Februar Caspar Schwietering in der „Zeit“. Wo man auch erfuhr, welche Rolle das nagelneue Kohlekraftwerk Datteln 4 für die Stromversorgung der Deutschen Bahn hat, das wohl nur deshalb überhaupt noch ans Netz gehen soll, weil sich die Bahn hier vertraglich ihre Strommengen gesichert hat.

    Eine Entscheidung, die schon 2007 gefallen ist, als zumindest die Bundesregierung noch lange nicht daran denken wollte, dass der Kohleausstieg überfällig ist. Und auch die genannten 100 Prozent Ökostrom stimmen so nicht.

    „Derzeit nutzt die Bahn nach eigenen Angaben bereits zu 60 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien, bis 2030 will sie mit 80 Prozent Ökostrom fahren und 2038 sollen elektrisch betriebene Züge dann komplett klimaneutral unterwegs sein“, schreibt Caspar Schwietering.

    Und auch das, was wie Ökostrom aussieht, ist oft keiner, sondern nur ein durch den Ankauf von Zertifikaten grün gewaschener Strom aus fossiler Erzeugung. Und auch das „Braunkohlekraftwerk Schkopau in Sachsen-Anhalt, das 110 Megawatt Bahnstrom erzeugt“, gehört zum Strommix der Deutschen Bahn und soll – laut Kohlekompromiss – bis 2034 laufen.

    Natürlich muss die Bahn irgendwie mit den Problemen umgehen, die die Bundesregierung durch ihr jahrelanges Aussitzen der Energiewende erst verursacht hat. Denn es ist zwar immer mehr Ökostrom im Netz (die Sturmtiefs „Yulia“ und „Sabine“ erzeugten neue Rekordmengen, wie u. a. der „Spiegel“ berichtete) – aber auch beim Netzausbau kleckert Deutschland hinterher. Da müssen selbst bei starkem Wind (wie etwa beim Sturmtief Sabine) ganze Anlagen vom Netz genommen werden, um eine Überlastung der Stromnetze zu verhindern.

    Noch fehlen die Speicher, um die zusätzlich erzeugte Energie aus Spitzenzeiten einfach zwischenzuspeichern.

    Ist also die Bahn noch gar nicht grün?

    Rechnerisch kommt sie auf 60 Prozent Ökostrom. Das ist schon mehr als im deutschen Strommix, aber die 100 Prozent sind ohne die vertraglich gebundenen zwei Kohle- und vier Gaskraftwerke nicht zu sichern. Da muss noch eine Menge mehr passieren. Und zwar deutlich vor 2034.

    Bis 2026 soll insgesamt 137 ICE 4 die DB-Fernverkehrsflotte verstärken, teilte die Bahn am Montag mit. Mit 830 Sitzplätzen bietet der ICE 4 viermal so viel Platz wie ein Flugzeug. Ein Teil der ICE 4 erhält einen zusätzlichen Wagen und wird mit dann 375 Metern zur längsten Zugeinheit der DB-Flotte. Die Zahl der Sitzplätze in diesen Zügen steigt auf 918 – das sind rund fünf Mal mehr als in einem Kurzstreckenflugzeug und rund 15 Mal mehr als in einem Fernreisebus. Der dreizehnteilige Zug bietet künftig mehr Kapazität auf schon heute stark nachgefragten Strecken.

    In Sachsen wird der ICE 4 auf der Verbindung Berlin–München über Leipzig eingesetzt, ist also auch für Leipzig-Reisende schon erlebbar.

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