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Otto Normalverbraucher zahlt auch im Oktober für Obst, Gemüse und ÖPNV ordentlich drauf

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    Im September haben Sachsens Statistiker schon von einer Inflationsrate von Null fabuliert, weil augenscheinlich das schweinebillige Öl dazu führte, dass Autofahren und Ölheizen richtig preiswert wurden. Dumm nur, wenn man weder einen VW Diesel hat noch ein Eigenheim mit Ölheizung. Für die unmotorisierten Sachsen gab es im September die übliche, keineswegs harmlose Inflationsrate von 1,4 Prozent. Und im Oktober geht der Preisauftrieb munter weiter.

    Die Landesstatistiker aus Kamenz sprechen zwar von moderaten 0,2 Prozent. Aber auch im Oktober treten dieselben Effekte auf, die den Verbrauchern von Öl und Benzin eine ausgeglichene Bilanz im Portemonnaie bescheren, dem nichtmotorisierten Mieter aber einen saftigen Preisaufschlag. Selten wurde so deutlich, dass der übliche Warenkorb nur die Hälfte der Wahrheit spiegelt und tatsächlich eher ein trügerisches Element ist, wenn es um den tatsächlichen Preisauftrieb für den gar nicht betuchten Sachsen geht. Denn der zahlt an allen Ecken und Enden tatsächlich die Zeche.

    Und da hilft kein Orakeln über etwas teurere Pauschalreisen (die sich viele Normalverdiener gar nicht leisen können), preiswertere Hotels (-3,7  Prozent), billigere Flüge (-2,8 Prozent), teurere Kinobesuche (6,9  Prozent) oder höhere Eintrittspreise in Museen (5,8 Prozent) oder Hallenbäder (2,3 Prozent). Das sind alles kleine Posten, die im Regeleinkauf bei Otto Normalverbraucher meist gar nicht mehr auftauchen. Auch deshalb nicht, weil sein Normaleinkauf im Supermarkt nur noch ein Phänomen kennt: Das Lebensnotwendige wird immer teurer. Kleine Ausnahme in diesem Jahr: Milch und Eier wurden gegenüber Oktober 2014 um 6,6 Prozent preiswerter, was an der großen Überproduktion liegt und am Ende die Bauern in Bedrängnis bringt.

    Dafür wurde alles andere happig teurer: Frischobst um 7,2 Prozent, nachdem die Äpfel schon in den Vorjahren so teuer wurden, als würden sie im Paradies von Hand und einzeln geerntet. Seit 2010 ist Frischobst insgesamt um 24,5 Prozent teurer geworden. Kraftstoff – um einfach mal den Vergleich zu bemühen – ist hingegen um 12,8 Prozent preiswerter zu haben. Selbst gegenüber September hat er noch einmal um 1,7 Prozent nachgegeben. Man könnte es auch schon die „negative Ölkrise“ nennen, denn es sind – neben den Fracking-Apologeten in den USA – vor allem die Staaten des Nahen Ostens, die immer noch mehr Öl in den Markt pumpen, weil sie tatsächlich damit beschäftigt sind, sich gegenseitig niederzukonkurrieren, denn zum heißen Stellvertreterkrieg in Irak und Syrien gibt es auch den öligen Krieg hinter den Kulissen, an dem dann auch noch die Kriegsführenden selbst mitverdienen. Auch so finanzieren die Deutschen einen Krieg, von dem sie eigentlich gar nichts wissen wollen. Mit jeder Tankfüllung.

    Während andere Teile des Einkaufszettels längst mahnen und warnen, weil sich hier auch schwindende Ressourcen ankündigen. Denn Obst, Gemüse und Getreideprodukte werden auch deshalb teurer, weil sie auf den Weltmärkten immer stärker nachgefragt werden, während die Ressourcen zur Herstellung schrumpfen oder – wie in den USA und Nahost – in Klimakrisen geraten. Und Deutschland importiert nach wie vor einen großen Teil dessen, was im Land verbraucht wird.

    Gemüse hat sich gegenüber Oktober 2014 um satte 24,9 Prozent verteuert. Fisch ist um weitere 2 Prozent teurer geworden, Fleisch um 2,4 Prozent.

    Einziger Lichtblick für den Verbraucher mit schmalem Budget: Der niedrige Ölpreis wirkt sich auch mildernd auf die Heizung in der Wohnung aus – Fernwärme und Gas werden ein bisschen billiger. Und 2015 hat sich auch endlich einmal der niedrige Großhandelspreis für Strom positiv ausgewirkt für den Kleinkunden: Der zahlt augenblicklich 7,1 Prozent weniger für Strom. Das muss man einfach mal erwähnen, weil sonst nur das Geschrei um die hohe Energieumlage die Medien beherrscht: Tatsächlich sorgen die gewaltigen Mengen von Wind- und Sonnenstrom dafür, dass die Einkaufspreise für Börsenstrom niedrig sind und damit den Strompreis für die Endverbraucher senken.

    Eigentlich würde das wirtschaftlich bedeuten, dass einige der alten Kohlekraftwerke einfach schon aus Kostengründen abgeschaltet werden könnten. Aber wer wird schon die Kleinkunden ungeschoren davonkommen lassen? Und so wird es wohl 2016 eine satte Abgabe für die neu erfundene „Kapazitätsreserve“ geben, mit denen den Konzernen das Abschalten vergoldet wird, und die wird dann den Strompreis wieder nach oben treiben.

    In der Statistik merkt man dann auch ein bisschen, dass der Mindestlohn einige Posten natürlich teurer gemacht hat. Bislang war das beim Gang zum Friseur schon spürbar, jetzt wird auch sichtbar, dass die Zeit der Billigarbeitskräfte in der Gastronomie vorübergeht: Verpflegungsdienstleistungen sind jetzt 6 Prozent teurer als vor einem Jahr.

    Und wenn man dann alles zusammensammelt, kommt man auf einen Preiszuwachs von 0,2 Prozent. Wenn man aber Haushaltsenergie und Kraftstoffe rausnimmt, steht da eine ordentliche, ganz gewöhnliche 1,6. Das ist dann die Inflationsrate, die die meisten Sachsen tatsächlich haben. Selbst wenn sie den Strom billiger kriegen. Dafür zahlen sie im ÖPNV drauf, den die sächsischen Landesstatistiker wohl mit Absicht gar nicht mehr ausweisen, denn hier gehen die Preise jedes Jahr um 3 bis 4 Prozent rauf. Natürlich sind die entscheidenden Minister und Oberbürgermeister keine Abo-Kunden bei den LVB, sondern in der Regel stolze Autofahrer. Deswegen ist ihnen das mehr oder weniger Wurst.

    Die Pressemitteilung aus dem Landesamt für Statistik.

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    3 KOMMENTARE

    1. Die Statistiker rechnen mit verschiedenen Warenkörben. Der im Artikel ist wohl der, den man zur Messung der Inflationsrate nimmt. Das braucht rein gar nichts mit dem Warenkorb einer bestimmten Konsumentengruppe zu tun.

      Insofern braucht man diese Zeitung nicht abzumontieren.^^

      Als Kleinverdiener ziehe ich dorthin, wo die Arbeit ist, oder benutze den öffentlichen Personen(nah)verkehr. Ein Auto zum Arbeitsplatz muss man sich nämlich auch leisten können. Das monatlich fürs Auto verbratene Geld ist besser in die höhere Miete für eine Stadtwohnung statt in einer Etage eines Hauses in einem Dorf investiert, falls der Arbeitsplatz in der Stadt liegt. Umgekehrt genauso (Arbeitsplatz auf dem Land, also Wohnung im selben Ort). ich denke nur an den „Eilenburg“-Spruch von Frau Dubrau… Wohlbemerkt, diese Überlegungen beziehen sich auf Kleinverdiener. Wer ein besseres Einkommen hat, mag sich ja gerne die teuren Äpfel leisten und die Autofahrten innerhalb der Tarifzone 110…

    2. Otto Normalverbraucher zahlt: Das ist billige Stimmungsmache. Sehr viele Kleinverdiener müssen für Ihren Arbeitsweg ein Auto haben und jeder normale Mieter hat in seiner Wohnung eine Heizung und wie wird die wohl geheizt?
      Ich hoffte, eine objektive Zeitung abmontiert zu haben!

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