Wenn die Biotonne nicht abgeholt wird oder die Gelbe Tonne gleich mal für ein halbes Jahr verschwindet

Für alle LeserSo im Großen und Ganzen trennen die Leipziger/-innen ihren Abfall relativ vorbildlich. Aber es gibt da ein Problem, das 2016 erstmals der Ökolöwe thematisierte und das seit 2019 die Stadtreinigung Leipzig dazu gebracht hat, Wege zu suchen, wie man die Leipziger/-innen doch noch erziehen kann. Denn es ist ein Erziehungsprozess, der jetzt auch noch richtig teuer werden kann für all die, die immer noch Dinge in die Biotonne schmeißen, die da nicht hineingehören.
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Aber im ersten Schritt wird das System erst einmal ein bisschen attraktiver gemacht, wie Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal am Montag, 28. September, bei einer Pressekonferenz zum Thema erklärte: „Um die Bioabfallsammlung für die Bürgerinnen und Bürger attraktiver zu gestalten, werden innerhalb der Jahre 2021 und 2022 alle Biotonnen ausgetauscht. Gut erhaltene Behälter werden gereinigt und wiedereingesetzt. Alte, verschlissene Behälter werden durch neue ersetzt. Gleichzeitig erhalten alle Biotonnen ein Identsystem.“

Aber gleichzeitig müssen sich insbesondere Hausbesitzer und Hausmeister darauf gefasst machen, dass die Männer, die die Biotonnen abholen, künftig häufiger die ungeleerte Tonne stehen lassen und eine Banderole an den Griff hängen mit einem grimmigen Müllmann namens Michael darauf und dem Hinweis: „Achtung: Fremdstoffe in der Biotonne!“

Das ist eine Aktion, zu der sich Abfallentsorger sachsenweit zusammengetan haben. Denn sie alle haben das Problem, dass der enthaltene Bioabfall aus der Tonne oft nicht kompostiert werden kann, weil irgendwelche Zeitgenossen auch ihren Restmüll da hineingeworfen haben oder gedankenlos ihre Bioabfälle in Plastiktüten entsorgt haben.

Deswegen macht die Stadtreinigung Leipzig auch stichprobenartige Kontrollen bei der Entleerung der Biotonnen, denn wie auch die Bioabfallanalyse 2019/2020 zeigt, landen zu viele Fehlwürfe in den Behältern. Die Inhalte der Tonnen werden dabei akribisch auseinandergenommen und sortiert – und zwar von Hand.

Ingrid Sabrowski sortiert den Bioabfall und findet immer wieder Plastiktüten. Foto: Stadtreinigung Leipzig

Ingrid Sabrowski sortiert den Bioabfall und findet immer wieder Plastiktüten. Foto: Stadtreinigung Leipzig

„Wir haben den Bioabfall in jeder Jahreszeit und in unterschiedlichen Bebauungsstrukturen analysieren lassen“, erklärt Elke Franz, Kaufmännische Betriebsleiterin des Eigenbetriebs Stadtreinigung Leipzig. „Pro Einwohner, der an Bioabfallentsorgung angeschlossen ist, haben wir eine Menge von durchschnittlich 40 Kilogramm Bioabfall. Davon sind 68 Prozent Küchenabfälle, 28 Prozent Gartenabfälle und 4 Prozent Fremdstoffe. Insbesondere bei den Großwohnanlagen mit 5,9 Prozent und bei den Mehrfamilienhäusern mit 3,5 Prozent ist die Fremdstoffquote auf einem viel zu hohen Niveau.“

Michael soll’s machen

Um die Bürgerinnen und Bürger für eine korrekte Bioabfallsammlung zu sensibilisieren, haben sich sächsische Kommunen zusammengeschlossen und am 9. September 2020 eine Kampagne unter dem Motto #BioabfallohnePlaste gestartet. Im Mittelpunkt der Kampagne steht Tonnenwächter Michael. Seine Mission ist es, die Biotonnen von Plaste und anderen Fremdstoffen zu befreien. In Anlehnung an einen Türsteher soll Michi zukünftig die Biotonnen bewachen und nur organische Abfälle hineinlassen.

Wenn also die Abfalltonnenabholer bei der Prüfung einer abzuholenden Tonne feststellen, dass Fremdstoffe darin sind, kann es passieren, dass sie die Tonne kurzerhand stehen lassen und die Banderole mit dem Warnhinweis daran befestigen.

Das soll die Hausmeister nicht dazu auffordern, den Biotonneninhalt nun mit Klammer auf der Nase zu sortieren. Die Tonne wird dann als Restmüll gesondert abgeholt, was dann auch als Sonderleerung für eine Restmülltone extra zu Buche schlägt.

Das heißt: In Häusern, in denen das öfter vorkommt, wird es zu einer spürbaren Steigerung der Nebenkosten kommen, denn die Abfallentsorgung wird ja auf die Nebenkosten umgelegt. Kluge Hausmeister und Hausverwaltungen tun also gut daran, die Mieter zu ermahnen und immer wieder darauf hinzuweisen, was alles nicht in die Biotonne gehört. Sonst wird es nämlich wirklich teuer.

Das Ziel, so Elke Franz, ist eigentlich ganz einfach: Den kompletten Biomüll ohne Plastik und andere Fremdstoffe zu erhalten (die sonst nämlich erst aufwendig an der Abnahmestelle herausgefischt werden müssen), um daraus wieder ordentlichen Kompost zu machen. Das Problem sind nicht nur die großen Plastikteile, sondern auch die kleinen. Denn beim Transport und Verarbeiten der Biostoffe werden auch Plastebestandteile mechanisch zerrieben und landen dann später im Kompost und im Garten, wo sie eindeutig nicht hingehören.

Der oben abgebildete Aufkleber soll schon von vornherein warnen, Fremdstoffe gar nicht erst in die Biotonne zu schmeißen.

Fehlwürfe auch in der Gelben und der Blauen Tonne

Und nicht nur Biotonnen werden von einigen Zeitgenossen immer wieder falsch befüllt.

Es kann passieren, dass nicht nur die braune Biotonne auf einmal stehen bleibt, sondern auch die gelbe und die blaue Wertstofftonne. Denn die nutzen einige Menschen tatsächlich immer wieder, um darin ihren Restmüll zu entsorgen.

Und so mahnt die Stadtreinigung Leipzig: Mit Blick auf das Trennungsgebot von Abfällen und Wertstoffen erfolgt jetzt auch eine Ergänzung zur Leerung der bereitgestellten Abfallbehälter. Bei wiederholten oder anhaltenden Fehlbefüllungen – vor allem mit Restmüll – kann der Anschlusspflichtige von der Sammlung der gesondert zu sammelnden Abfälle (Wertstoffe) ausgeschlossen werden.

„So kann ein Ausschluss von der haushaltsnahen Sammlung erfolgen, denn in den Wertstofftonnen landen zu oft Abfälle, die dort nicht hineingehören“, betont Thomas Kretzschmar, Erster Betriebsleiter des Eigenbetriebs Stadtreinigung Leipzig.

Bis zu einem halben Jahr kann die Wertstofftonne derart entzogen werden, wenn der Stadtrat die novellierte Abfallgebührensatzung so auch abstimmt.

Für die Betroffenen heißt das: Sie müssen ihre Wertstoffe in dieser Zeit extra sammeln und zum nächsten Wertstoffhof bringen – was eben Zeit und Extra-Aufwand ist.

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