Strom hat gegenüber flüssigen oder gasförmigen Treibstoffen den Nachteil, dass er sich nicht einfach und verlustfrei in einem Gefäß speichern lässt. Energie in Form von Strom muss daher elektrochemisch in Batterien oder in umgewandelter Form, beispielsweise als Wasserstoffgas bei PtG-Prozessen, in Pumpspeicheranlagen, in Drehmoment- oder in Wärmespeichern zwischen gespeichert werden. All diese Speicher- oder Umwandlungsmöglichkeiten gehen immer mit Energieverlusten einher.

Die Sektorkopplung löst die traditionelle Trennung der Energiesektoren Elektrizität, Wärme- und Kälteversorgung sowie Verkehr und industrielle Verbrauchsprozesse zugunsten eines interessenübergreifenden Ansatzes ab. Durch die gezielte Sektorkopplung wachsen zunehmend Strom, Wärme und Mobilität zusammen und Synergieeffekte werden genutzt.

Weitergehende Treibhausgaseinsparungen können erreicht werden, wenn Strom aus erneuerbaren Quellen in den Sektoren Verkehr, Wärme und Industrie zunehmend fossile Energieträger ersetzt. Bei der sogenannten Sektorkopplung bedient das Stromangebot die Nachfrage nach Energie in Haushalten (Wärme und Kälte) und Verkehr (Antrieb), sowie in Industrie und Gewerbe/Handel/Dienstleistungen (Wärme, Kälte und Antrieb).

Sektorkopplung trägt zu den Zielen der Energiewende bei, wenn Strom aus erneuerbaren Energien energieeffizient eingesetzt wird und dadurch fossile Energieträger ersetzt werden.

Flexibilitätspotentiale bieten sich in der Sektorenkopplung an unterschiedlichen Stellen:

– die zunehmende Anzahl von Elektrofahrzeugen lassen sich flexibel und kostenoptimiert laden,
– damit kann ein Fuhrpark aus elektrischen Flurförderfahrzeugen Regelenergie abgeben,
– Kühlräume können unter Ausnutzung der Trägheit von Wärmeprozessen kostenoptimiert kühlen und vieles mehr.

Speziell in den mittelständischen Betrieben verbergen sich eine große Anzahl an Flexibilisierungsmöglichkeiten, die noch auf quer- und ökologisch denkende Ingenieure warten.

Chancen für Leipzig

Für Leipzig eröffnet das neue Chancen: Überschüsse aus Wind- und Solarstrom können durch Power-to-Heat-Anlagen in die Fernwärme eingespeist oder in großen Speichern zwischengespeichert werden.

Wärmepumpen, die sowohl auf Gebäudeebene als auch in Quartieren eingesetzt werden, sorgen für eine intelligente Verbindung zwischen Strom- und Wärmesektor. Dadurch steigt die Flexibilität des Gesamtsystems, was nicht nur die Integration erneuerbarer Energien erleichtert, sondern auch die Versorgungssicherheit erhöht.

Darüber hinaus eröffnen digitale Technologien neue Horizonte. Intelligente Netze, automatisierte Steuerungen und datenbasierte Prognosen ermöglichen es, Erzeugung und Verbrauch präziser aufeinander abzustimmen.

Stromnetzausbau und Dezentralisierung der Stromnetze

Für die meisten unserer technischen Geräte wird Strom benötigt ebenso wie für lebenswichtige Leistungen wie Wasserbereitstellung, Heizungsanlagen und Wärmepumpen oder Computernetz.

Wir müssen uns von der Illusion verabschieden, dass ein zentral gesteuertes Stromnetz in einer dezentralen Energiewelt noch funktionieren kann. Die Realität ist längst eine andere: Strom entsteht heute überall – auf Dächern, in Hinterhöfen, auf Balkonen, auf Parkplätzen, auf Feldern, auf Seen … und Strom wird überall gebraucht.

Strom schwankt, er fließt mal hierhin, mal dorthin. Und trotzdem versuchen wir, diese neue Wirklichkeit mit einer Steuerungslogik zu bändigen, die darauf ausgelegt ist, dass wenige große Kraftwerke gleichmäßig liefern und alle anderen nur Strom abnehmen. Das ist, als wolle man den Leipziger Verkehr von einer einzigen Leitstelle aus regeln – minutengenau, straßenübergreifend, ohne lokale Entscheidungen. Absurd.

Ein Anschlag, aus dem man lernen sollte

Der Stromausfall in Berlin vom Januar 2026 ist der Beweis, dass unser Energiesystem gefährlich falsch gebaut ist. Denn ein Stromsystem, das durch den Angriff auf wenige Kabel zehntausende Menschen ins Kalte schickt, ist kein modernes Infrastrukturnetz. Es ist ein Relikt.

Wir betreiben unsere Energieversorgung noch immer nach der Logik des 20. Jahrhunderts: zentral, hierarchisch, anfällig. Große Knotenpunkte, große Leitungen, große Verwundbarkeit. Wer einen dieser Schmerzpunkte trifft, trifft alle. Genau das ist in Berlin passiert.

Dabei will man noch nicht einmal an einen Ernstfall denken, wenn Cyber-Angriffe auf das bestehende Stromnetz erfolgen oder eine Großmacht den konventionellen Krieg bis auf deutsches Territorium führt.

Wir haben ein System geschaffen, das maximale Effizienz im Idealfall verspricht und maximale Katastrophe im Ernstfall liefert. Und wir wundern uns ernsthaft, dass es in Zeiten von Extremwetter, Cyberbedrohungen und gezielten Anschlägen versagt?

Das ist nicht naiv, das ist fahrlässig. Deshalb und wegen der Angreifbarkeit der Netzknoten und Einrichtungen brauchen wir den Ausbau dezentraler Stromverteilnetze.

Die Alternative für die hiesigen relativ leicht angreifbaren Stromnetze werden leider seit Jahren politisch verschleppt: autonome, modulare Netze.

Nicht autark, nicht abgeschottet, sondern eigenständig handlungsfähig. Netze, die lokal und regional entscheiden können, wie Strom erzeugt, verbraucht, gespeichert oder weitergeleitet wird. Netze, die miteinander kooperieren, statt blind an einem zentralen Nerv zu hängen. Netze, die im Normalbetrieb frei optimieren – und im Krisenfall nicht kollektiv kollabieren.

Besonders bitter ist, dass die technischen Voraussetzungen für autonome Netze längst existieren. Digitale Messsysteme, intelligente Steuerungen, Smart Meter, Prognosen für Erzeugung und Verbrauch – all das ist verfügbar. Was fehlt, ist der politische Wille, die regulatorischen Anreize zu verändern.

Netzbetreiber verdienen ihr Geld noch immer damit, möglichst viel Strom durch ihre Leitungen zu schicken. Wer lokal ausgleicht, Verluste vermeidet und Durchleitungen reduziert, wird dafür kaum belohnt. Effizienz wird am falschen Ort gemessen.

Autonome Netze sind kein Luxusprojekt für Ingenieure, sie sind die Grundbedingung für Sicherheit im 21. Jahrhundert. Autonome Netze bedeuten auch: mehr Kontrolle vor Ort, mehr Transparenz, mehr Akzeptanz.

Fazit Wärmeumbau für Leipzig

Der jetzt geplante Umbau in den Städten und Gemeinden auf nachhaltige Wärmeversorgung soll in der Endkonsequenz auf möglichst lange Zeit wirken. Dabei spreche ich von hundert Jahren und mehr für auskömmliche klimaneutrale Wärmeversorgung.

Dieser Wärmeumbau ist sicher sehr anspruchsvoll arbeitsaufwändig und kostenintensiv, aber bei richtiger Steuerung wird die stagnierende Wirtschaft unterstützt und die Wirtschaftsleistung angekurbelt. Dieser Wärmeumbau basiert auf dem gleichzeitigen Umbau der Energieerzeugung zur 100 prozentigen Versorgung mit erneuerbaren Energien.

Damit würde Deutschland und letztenendes die EU unabhängiger von fossilen Energieimporten, sind nicht mehr erpressbar, wirtschaftlich eigenständiger und autark bei ihren Entscheidungen.

Zur gesicherten und weniger störanfälliger Versorgung mit Strom uA. für den Wärmeumbau ist der Ausbau dezentraler autonomer und modularer Stromnetze erforderlich.

Ein wichtiges Kriterium ist die Reduzierung der Wärmeversorgung durch die Modernisierung und effektiven Einsatz der Heizungsanlage und durch die wärmetechnische Sanierung der Gebäude.

Durch die nachhaltige Energiebereitstellung und damit Treibhausgasvermeidung müssen die Gebäude nicht unbedingt zu 100 % saniert oder wärmegedämmt werden, sondern Vorrang hat der Heizungsumbau auf erneuerbare Energieversorgung, da diese Entscheidung recht kurzfristig wirkt.

Insbesondere die Umlage der Betriebskosten der Heizungsenergieumstellung muss für Mieter und abhängige Nutzer differenziert geregelt werden je nach Einsparungspotential an Heizkosten.

Bei Umstellung auf Fernwärme muss es bei der Regelung bleiben, dass die Vermieter die Kosten für den Anschluss an das Fernwärmenetz nicht auf die Mietenden umlegen können, da durch den FW-Anschluss in der Regel kaum Energieeinsparungen erfolgen und de Akzeptanz bei der Mietern zur Umstellung auf FW damit stark beeinträchtigt würde.

Damit würde die Vermietbarkeit solcher Wohnungen stark sinken. Der FW-Anschluss als solcher muss also kostenneutral nach BGB § 556 bleiben.

Am Ende ist die Wärmewende ein Gemeinschaftsprojekt. Stadtverwaltung, Bürgerschaft, Wohnungswirtschaft, die städtischen Unternehmen, Handwerk und Industrie müssen gemeinsam handeln.

„Wenn es gelingt, die Wärmeplanung eng mit der Stadtentwicklung zu verzahnen, kann Leipzig eine Vorreiterrolle einnehmen und zeigen, wie Klimaneutralität, Versorgungssicherheit und Lebensqualität Hand in Hand gehen. Deshalb wird im KWP vorgeschlagen, den bestehenden Projekt-Beirat in einen ‚Wärmebeirat Leipzig‘ zu überführen, in dem Verwaltung, Energieversorger, Wohnungswirtschaft, Industrie, Wissenschaft, Umweltverbände und Bürgerschaft gleichberechtigt vertreten sind. Dieses Gremium gewährleistet eine breite Expertise und Beteiligung, was die Akzeptanz erhöht und den Konsens über Prioritäten stärkt.“

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