Bisher haben in Leipzig jede Firma, jeder Großbetrieb, jeder Verkaufsmarkt, jede Verwaltung und die Besitzer von Ein- und Mehrfamilienhäusern jeweils eigene Heizanlagen oder Heizkonzepte. Diese unterschiedlichen Heizungseinrichtungen sollten mit der stadtübergreifenden Wärmeplanung in ein stadtquartierbezogenes Konzept gebracht werden.
Dazu wurde in 2023 bis 2025 durch die städtischen Unternehmen Leipziger Stadtwerke, Netz Leipzig, LWB, in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung die Potenzialanalyse zur Wärmebereitstellung erarbeitet, mit der Vorlage im Oktober 2025 des Entwurfes der Kommunalen Wärmeplanung.
Zu diesem Entwurf konnte bis 23.11.2025 durch die Bürger und Wirtschaft Stellung bezogen werden. Bis 30.06.2026 soll dieser Entwurf überarbeitet werden und ist dem Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SMWA) vorzulegen. Der Kommunale Wärmeplan (KWP) ist dann nach Bestätigung unverzüglich im Internet zu veröffentlichen.
Diese Orientierung zur Wärmeversorgung soll durch nachhaltige Varianten der Energiebereitstellung die Heizwärme für die Stadtteile und Quartiere für viele Jahre sichern.
Ein wichtiges Kriterium ist die Reduzierung der Wärmeversorgung durch die wärmetechnische Sanierung der Gebäude und der effektive Einsatz der Heizungsanlage. Beim Neubau von Wohngebieten wie auf der Westseite vom Hauptbahnhof oder am Bayerischen Bahnhof sollen die Gebäude den Niedrig- oder Nullenergiestandart erfüllen, sodass ein möglichst geringer Heizungsbedarf entsteht.
Durch die jeweiligen Gebäudeeigentümer muss also in Verbindung mit dem Wärmeplanungskonzept die mögliche, effektive und kostengünstige Gebäudeheizung ausgewählt werden und die zukünftige Entwicklung der Energiebereitstellung ist zu bedenken. Das Kriterium der Wirtschaftlichkeit der Heizungsanlage ist auch ausschlaggebend für die mögliche Vermietung und bei Eigennutzung, um die Betriebskosten gering zu halten.
Heizungstausch ist der Schlüssel
Ein aktuelles Gutachten für die „Stiftung Klimaneutralität“ von 12/2025 (erstellt durch Prognos) sagt grob gesehen aus, dass der Heizungstausch der eigentliche Schlüssel zum Wärmeumbau ist. Die Mehrkosten für die Energieerzeugung, bei unzureichender Sanierung, gleichen sich langfristig gesehen mit den Sanierungskosten für die Gebäude durch Wärmedämmungen nahezu aus.
Das bedeutet, ein Heizungstausch senkt schnell und auf längere Zeit die Treibhausgasemissionen, während das Anbringen von Wärmedämmungen nicht an allen Gebäuden möglich ist und dazu teuer, oft der Effekt vom Lüftungsverhalten der Bewohner abhängig ist und viele Dämmungsmaterialien umstritten bis umweltschädlich sind.
„Eine einseitige Fokussierung auf höchste Effizienzstandards sollte durch einen praxisnahen Ansatz ersetzt werden. Ziel sollte es sein, die Reduktion von Treibhausgasemissionen in den Mittelpunkt aller Maßnahmen zu stellen. Der vorgeschlagene Paradigmenwechsel betont eine maßvolle, lebenszyklus-orientierte Sanierung, kombiniert mit einer emissionsfreien Wärmeversorgung.“
Eine Möglichkeit zur Mieterbeteiligung für einen sinnvollen Wärme-Umbau wäre,dasss die Gebäudenutzer und Mieter die wärmetechnischen Mängel vom Gebäude und Heizung auflisten. Mit dieser Auflistung und den Anforderungen aus der Energieberatung wird der Eigentümer zur nur unbedingt erforderlichen Gebäudesanierung angeregt.
Für eine moderne neue zukunftsorientierte Heizungsanlage muss durch die Interessenvertreter und Nutzer in Verbindung mit dem Eigentümer sondiert werden, welche Energiequelle zur vorausschauenden Eignung infragee kommen soll (siehe Punkt: Möglichkeiten zur Wärmeversorgung).
Man kann auch unter Beurteilung durch die Energieberatung Heizungen miteinander zur Deckung des Restenergiebedarfes kombinieren, z. B. als Hauptheizung eine Wärmepumpe und bei zusätzlichem Bedarf bei Kälte eine thermische Solaranlage, Geothermie-, Pellets-, Holz- oder Infrarotheizung u.a.).
Auch das Verhalten der Bewohner und Nutzer zur Lüftung und im Umgang mit den Heizmedien ist zu berücksichtigen und zu beeinflussen. Dazu gehört die Information der Hausbewohner zum alltäglichen Nutzungsverhalten, um ihren eigenen Wärmeverbrauch gezielt zu senken.
Somit ließe sich der Wärmeverbrauch reduzieren z. B. durch korrektes Stoßlüften, der Absenkung der Raumtemperatur und der Beheizung von nur bestimmten Räumen, der richtigen Nutzung von Thermostatventilen oder der optimierten Einstellung der Heizungsanlage auf die Bedürfnisse der Nutzer.
Welche Möglichkeiten zur zukunftsfähigen Wärmeversorgung sind bekannt?
Das Betreiben von zentralen oder dezentralen Heizungsanlagen mit fossilen Brennstoffen wie Gas, Kohle, Öl, Holzheizungen mit verschiedenen Substraten muss in den nächsten 10 bis12 Jahren als Ziel für Leipzig bis 2038 abgelöst werden.
Mögliche Varianten zur Wärmebereitstellung:
– Ausbau der Fernwärmeversorgung, erzeugt durch nachhaltigen Energien,
– verstärkte Nutzung von Wärmepumpen (Luftwärme, Wasserwärme, Erdwärme), die mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden,
– Nutzung von Photovoltaik und solarthermischen Anlagen,
– Abwärmenutzung aus industriellen Produktionszyklen, von Batterie-speichern und Serveranlagen,
– Ausbau von Nahwärme- und kalter Nahwärmenetze (Nutzung von Temperaturunterschieden von Seen und Flüssen, Abwasser, Grundwasser)
– Nutzung von Geothermie über oberflächennahe Leitungssysteme oder mittels Tiefengeothermie,
– Nutzung von Biogasanlagen,
– ggf. Einsatz von grünem Wasserstoff,
Ausbau der Bürger-Information zur Wärmeplanung für Leipzig
Für den Umbau der Heizenergienutzung wird durch die Stadt und eingebundene weitere Akteure eine kommunale Beratung mittels gezielter Informationskampagnen, individueller Beratung und realistischer Kostenabschätzungen erfolgen. Dabei geht es individuell für jeden Eigentümer/Mieter/Nutzer um Beratungen zur Senkung des Wärmebedarfes über zentrale Anlaufstellen sowie quartiersbezogene Informationskampagnen zu den Wärmeversorgungsmöglichkeiten für den jeweiligen konkreten Standort.
Hierbei werden die Interessen der Bürger unmittelbar betroffen. Es soll ein „digitales Wärmewende-Dashboard als Online-Portal mit interaktiven Karten, Diagrammen und Zeitreihen“ angeboten werden, das Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, die Entwicklungen der Wärmeversorgung, Sanierungsfortschritte und Kosten nachzuvollziehen.
Auf der 3. Konferenz zur Wärmeplanung wurden schon elektronische Informationsmodule vorgestellt. Zum einen der Leipziger Wärmewende-Kompass, wobei unter Angaben zum Gebäude der Wärmeverbrauch mit Sanierungsvorschlägen und finanziellen Richtwerten ausgewiesen wird (zu finden auf der Infoseite der Stadt unter Wärmewende-Kompass).
Zum anderen der Energie-Atlas, der ab Januar 2026 auf der Webseite der Stadt zu finden sein soll, wobei in einer interaktiven Karte die Zuordnung über die Postleitzahl erfolgt. Damit können sich Interessierte konkreter informieren.
Es sollen die Möglichkeiten einer Quartiersentwicklungsgesellschaft genutzt werden, so ähnlich wie die Magistralenentwicklungsbüros, für regelmäßige Öffentlichkeitsveranstaltungen, „Quartiersdialoge zur Sensibilisierung der Bevölkerung für die Wärmewend“ zur „Durchführung einer Onlinereihe ‚Wärmedialog‘ und zur Darstellung von Best-Practice-Beispielen“.
Zudem ist zur weiteren Information der Bürger die Einbindung der Handwerker, Schornsteinfeger und anderer Mitglieder der Innungen sowie der Energieberater erforderlich, um die Umsetzung der Wärme-Maßnahmen zu begleiten und um den Wärmeverbrauch der Haushalte möglichst zu reduzieren.
In zentralen Anlaufstellen sollen Beratungen zum Wärmeverbrauch durch lokale Klimaschutzagenturen, Stadtwerke, Verbraucherzentralen oder qualifizierte Energieberater erfolgen.
Seit dem 26.11.2025 liegt das KfW-Förderprogramm 432 vor, das der finanziellen Unterstützung zur Ausarbeitung von Quartierskonzepten für Eigentümer und Anbieter von Wärmeenergie dient, mit einem Regelfördersatz bis 75 %.
Teil 1 der Serie findet man hier.
Teil 2 der Serie findet man hier.
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