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2019 investiert die LWB erstmals 60 Millionen Euro allein in Wohnungsneubau

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    Die LWB hatten tatsächlich schon 1.000 neue Wohnungen in der Planung. Aber von den neun Neubauprojekten, die dahinterstehen, mussten drei erst einmal wieder aufgehoben werden, berichtete am Mittwoch, 10. Juli, LWB-Geschäftsführerin Iris Wolke-Haupt. Die abgegebenen Angebote der Baufirmen waren weit über dem, was die LWB für diese Neubauprojekte kalkuliert hatten.

    Und sie lagen, das ergänzt die fürs Finanzielle zuständige Geschäftsführerin Ute Schäfer, weit jenseits dessen, was die LWB mit einer soliden Finanzplanung vereinbaren können.

    Das erwirtschaftete Geld muss ja – neben den Neubauprojekten, die seit 2017 überhaupt erst wieder möglich sind – auch für Sanierungen reichen. Rund 8.500 LWB-Wohnungen befinden sich noch in der Warteschlange und müssen dringend saniert werden. Und zwar nicht luxussaniert, wie Iris Wolke-Haupt betont, sondern einfach so, dass die überalterten Einbauten von der Elektrik über die Bäder bis zu den Fenstern ausgetauscht werden.

    Deswegen sei man schon froh, dass man endlich auch im Großwohnkomplex Paunsdorf habe einsteigen können, um dort ein Zeichen zu setzen, dass die Siedlung ganz und gar nicht vergessen ist. So stiegen allein die Investitionssummen für Sanierungen in den Großwohnsiedlungen von 6,7 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 12,9 Millionen Euro im Jahr 2018. Und 2019 sollen es 15,6 Millionen Euro werden.

    Und diese Sanierungen treiben die Mietpreise der Wohnungen ganz und gar nicht in die Höhe, betont Wolke-Haupt. Umgelegt würden nur die üblichen Modernisierungskosten. Was sich dann eher im Bereich von 30 bis 60 Cent je Quadratmeter abspiele. Was dazu führt, dass die Durchschnittsmieten der LWB deutlich langsamer steigen als die Leipziger Durchschnittsmieten. 2017 lag der Mietdurchschnitt im Kernbestand der LWB bei 5,14 Euro, 2018 waren es 5,24 Euro. 2019 rechnet Wolke-Haupt mit 5,34 Euro. „Und da haben wir immer noch große Beständen mit Mieten um die 3,60 Euro“, betont sie.

    Aber der Blick in die Planung zeigt, wie die Bauinvestitionen der LWB seit 2016 mit den gestiegenen Erträgen deutlich ansteigen. Wurden 2016 noch 45,7 Millionen Euro in die Gebäude investiert, das meiste in Sanierung und Instandhaltung, waren das 2017 erstmals 63,9 Millionen Euro und 2018 dann 65,8 Millionen. 2019 soll sich das Investitionsbudget fast verdoppeln auf 115,7 Millionen Euro, bedingt vor allem durch eine deutliche Erhöhung des Neubau-Budgets von 20,1 Millionen (2018) auf 64,4 Millionen Euro.

    LWB Neubauvorhaben an der Straße des 18. Oktober. Visualisierung: ARGE ICL Ingenieur Consult | Mann & Schott Architekten
    LWB Neubauvorhaben an der Straße des 18. Oktober. Visualisierung: ARGE ICL Ingenieur Consult | Mann & Schott Architekten

    Und das ist nur möglich, weil die LWB mittlerweile zuverlässig auch die notwendigen Überschüsse erzielen. Aber diese 9,9 Millionen Euro (vor Steuern) werden eben nicht an die Stadt ausgeschüttet, sondern sind erst der Grundstock dafür, dass wieder in Neubau investiert werden kann.

    „Grundlage für den positiven Trend ist erneut ein gutes operatives Geschäft“, sagt Iris Wolke-Haupt. Die Zahl der LWB Wohnungen stieg von Ende Dezember 2017 bis Ende 2018 um 136 auf 35.304 Wohneinheiten. Mit 95,7 Prozent erreichte die LWB Vermietungsquote nahezu den Wert von 2017. Wobei darin auch noch ein paar nicht vermietbare Wohnungen stecken. Der vermietbare Leerstand liegt aktuell bei 3,8 Prozent, sagt Ute Schäfer.

    Die größeren finanziellen Spielräume bedeuten aber nicht, dass alle geplanten Neubauwohnungen auch Sozialwohnungen werden.

    „Allein bei den ersten drei Neubauprojekten beträgt der Anteil der geförderten Wohnungen insgesamt 43 Prozent“, erklärt Geschäftsführerin Wolke-Haupt. Ein Projekt befindet sich in der Bernhard-Göring-Straße 17, wo mit der Baugrube im Januar 2019 begonnen wurde. Für die beiden anderen Vorhaben in der Quer-, Litt- und Schützenstraße sowie in der Straße des 18. Oktober ist nach Erhalt der Förderzusage Ende Juni 2019 noch im Juli Baustart. In den drei Wohnanlagen entstehen insgesamt 353 Wohnungen – davon 151 mit Mietpreisbindung – und eine Kindertagesstätte (in der B.-Göring-Straße).

    Für einen vierten Neubau in der Landsberger Straße, wo 106 mietpreisgebundene Wohnungen und eine Kita entstehen sollen, starten mit der ebenfalls Ende Juni erhaltenen Förderzusage nun die europaweiten Ausschreibungen. Für das größte Vorhaben, die Saalfelder Straße mit 300 mietpreisgebundenen Wohnungen, ist ebenfalls alles vorbereitet. Sobald die Fördervereinbarung unterzeichnet ist, können auch hier die Ausschreibungen beginnen.

    LWB Neubauvorhaben an der Quer-, Litt-, Schützenstraße. Visualisierung: IPROconsult GmbH
    LWB Neubauvorhaben an der Quer-, Litt-, Schützenstraße. Visualisierung: IPROconsult GmbH

    Für drei weitere Wohnungsneubauprojekte wurden unlängst die Ausschreibungen aufgehoben. Die erzielten Gebote stellten die Projekte infrage. Iris Wolke-Haupt: „Die LWB kann und wird nicht um jeden Preis bauen, denn das Unternehmen ist zum einen der Wirtschaftlichkeit verpflichtet und trägt zum anderen Verantwortung dafür, dass Wohnen in Leipzig bezahlbar bleibt.“

    Diese drei Wohnkomplexe in der Gaußstraße, der Robert-Schumann-Straße und der Shakespearestraße sollen insgesamt 284 neue Wohnungen umfassen. Aber sie sind nicht gestrichen, sondern nur aufgeschoben. Wahrscheinlich sogar in eine Zeit, in der der Freistaat endlich ein sinnvolles Wohnungsförderprogramm auflegt.

    Denn mit den nicht geförderten Wohnungen kommt auch die LWB in Mietpreisbereiche, die die Leistungsfähigkeit der meisten Leipziger deutlich übersteigen.

    „Kaltmieten von mehr als zehn Euro pro Quadratmeter können sich trotz steigender Durchschnittslöhne auch künftig weite Teile der Leipziger Bevölkerung nicht leisten“, sagte Geschäftsführerin Schäfer und verwies auf die im bundesweiten Vergleich geringe Wirtschaftskraft und das geringe Einkommensniveau in der Stadt.

    „Die Wohnungen, die wir bauen, müssen auch vermietet werden“, ergänzt Wolke-Haupt.

    „Wir stehen hier vor einer großen, gemeinsamen Aufgabe von Politik, Wohnungswirtschaft, Baubranche, Stadtplanung und Architektur“, betont Schäfer. „Wir wünschen uns, dass der neue Stadtrat die Verantwortung der kommunalen Politik stärkt und beispielsweise stadteigene Instrumente für eine wirksame Förderung des Wohnungsbaus entwickelt.“

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