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Cröbern als Thema im Abfalluntersuchungsausschuss: Mega-Deponien machen Abfall-Importe geradezu zwingend

Ralf Julke
Zentraldeponie Cröbern war wieder Thema im Abfalluntersuchungsausschuss.
Zentraldeponie Cröbern war wieder Thema im Abfalluntersuchungsausschuss.
Montage: L-IZ
Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig teuer: Am Montag, dem 27. Juni, tagte in Dresden auch einmal wieder der Landtags-Untersuchungsausschuss. Diesmal war Holger Bauerfeind, ehemaliger Geschäftsleiter des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Westsachsen (ZAW) und Geschäftsführer der Westsächsischen Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (WEV), als Zeuge geladen.


Die WEV betreibt die Zentraldeponie in Cröbern bei Leipzig. Ursprünglich für die Müllmenge einer Region mit dem dreifachen Müllaufkommen konzipiert. Das war schon 1995 mit Inbetriebnahme der Zentraldeponie Cröbern utopisch: Mit den rund 750.000 Einwohnern des ZAW-Gebietes, das die Stadt Leipzig und den heutigen Landkreis Leipzig umfasst, war an ein geplantes Abfallaufkommen von 450.000 Tonnen und einen damit wirtschaftlichen Betrieb der Deponie gar nicht zu denken.

Heute stammen ganze 136.000 Tonnen Siedlungsabfälle aus der Region. Und seit Inbetriebnahme der Mechanisch-Biologischen Behandlungsanlage (MBA) landen die nicht mal mehr auf der Deponie, sondern verwandeln sich größtenteils in "heizwertreiche Fraktionen" und werden verbrannt. Den Hauptteil der 137.000 Tonnen, die auf der Deponie aus regionalen Quellen abgelagert werden, sind "produktionsspezifische Abfälle" aus der Industrie.

Aber auch das sind nur "Peanuts", verglichen mit den Mengen, die zum wirtschaftlichen Betrieb der Deponie importiert werden müssen. Im Jahr zum Beispiel 531.544 Tonnen.

Zentraldeponie Cröbern war wieder Thema im Abfalluntersuchungsausschuss.
Zentraldeponie Cröbern war wieder Thema im Abfalluntersuchungsausschuss.
Montage: L-IZ

Für Andrea Roth, stellvertretende Vorsitzende im Landtags-Untersuchungsausschuss hatte die Befragung von Holger Bauerfeind ein klares Ergebnis: "Lässt sich eine Mülldeponie nur wirtschaftlich betreiben, wenn sie im großen Stil Müll importiert, weil sie ansonsten mehr oder weniger nah an der Insolvenz vorbei schrammt, ist sie überdimensioniert. Da die mechanisch-biologische Anlage der Deponiedimension angepasst wurde, ist sie mit 300.000 Tonnen Kapazität pro Jahr ebenfalls überdimensioniert."

Mehrfach kam die Deponie in den letzten Jahren in die Schlagzeilen, weil beim Import - vor allem italienischen Abfalls - einiges nicht ganz mit rechten Dingen vereinbar war. Ein Teil dieser Müllimporte scheint auch auf Deponien im benachbarten Sachsen-Anhalt gelandet zu sein.

Mehr zum Thema:

Die Müll-Bombe in Cröbern, Teil 1: Warum die Kosten trotz MBA explodieren
Im Süden Leipzigs tickt eine Zeitbombe ...

Die Müll-Bombe in Cröbern, Teil 2: Warum die Bombe noch im Sommer platzt
Dass die "nur leichten Gebührenerhöhungen" für ...

Ein Hauch von Erpressung: Cröbern und der Müll-Krimi des Jahres 1993
1993 geisterte ein Wort durch Leipzigs ...
Roth: "Es bleibt dabei, dass es nicht Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger sein kann, zusätzliche Abfälle zu akquirieren, weil infolge einer verfehlten Planung nur so die Abfallgebühren für die Bürger/innen auf einem erträglichen Niveau gehalten werden können."

Auch Roth verweist auf die mittlerweile sehr fragwürdige Vorgeschichte der überdimensionierten Deponie: "Hierzu ist ein Blick auf die Geschichte der Deponie wichtig. Ursprünglich geplant war sie nach 1990 von einer 100 %-igen Tochter des Energiekonzerns RWE. Die Müllberge aus dem – so erwartet - prosperierenden Südraum Leipzigs sollten reichlich Geld in die Kassen spülen. Später wurde die gesamte Deponie der WEV übergeholfen. Zuletzt verlangte das Regierungspräsidium Leipzig im Jahr 1998, dass die WEV den verbleibenden Rest des privaten Miteigentümers aufkaufen sollte."

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