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Marko auf der Insel: Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
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Marko auf der Insel (26): Ein ganz “normaler“ Abend in einem Jungen-Internat

Marko Hofmann
Rasierschaum-Überfall.
Rasierschaum-Überfall.
Jungs sind immer für eine Überraschung gut. Je gelangweilter sie sind, desto schlimmer ist die Überraschung. An einem meiner Abenddienste musste ich dies erst letztens wieder feststellen … In der Schule war nicht mehr viel los, Hausaufgaben gab es wenige.

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Die Hausversammlung verlief problemlos. Ein paar waren zu spät, aber die wurden eben zum Küchesaubermachen verdonnert. Irgendeiner muss es ja machen. Mit Murren wurde es hingenommen. Einen Ausweg gibt es sowieso nicht. Vielleicht ein Aufsatz über die Wichtigkeit von Hausversammlungen. Danach gingen alle 30 an ihre Arbeitsplätze.

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Dossier Marko auf der Insel:
Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
Die 15 Jüngsten arbeiteten wie immer in ihrem eigenen Klassenzimmer im Erdgeschoss, bewacht vom Prefekt im Dienst. Ich saß an meiner Arbeit und wurde plötzlich durch das Klopfen eines Schülers gestört. Ein anderer hätte ihm das Laptop-Kabel weggenommen und spielt seitdem damit und will es nicht wieder herausrücken. Manchmal sind es ganz schön triviale Sachen, die mich zu Problemlösungen zwingen. Ich ging runter in den Hausaufgabenraum, ließ mir das Kabel geben, erklärte “So nicht, Freundchen!“ und ging durchs Haus. Man muss ja überprüfen, ob nicht gerade andere mit gemausten Kabeln spielen.

Wenig später klopfte es erneut. Ein sonst lebhafter Junge, sprach mit schüchterner Stimme. Alarmstufe Rot! Da muss was faul sein und zwar richtig was. Er gestand, dass er gerade mit einem anderen Wörterbücher durchs Zimmer geschossen hat. Na ja, er hatte nicht richtig gefangen und das Wörterbuch flog durch ein Fenster. Im Erdgeschoss! Volltreffer. Viel machen konnte ich nun auch nicht mehr. Na gut, ich fragte mich, was denn der Prefekt die ganze Zeit gemacht hat. Das Fenster wurde aber davon auch nicht wieder ganz. Abends kommt kein Glaser mehr, erst morgen konnte es repariert werden. Zum Glück hat die Schule ihre eigenen Handwerker.

Der Schüler selbst hatte aber trotzdem ein Problem. Er hatte erst die Woche zuvor im Zimmer Kricket gespielt und den Ball durchs Fenster geschossen. Nun muss er es also bezahlen. Wir sind ja nicht bei der (Fenster-)Wohlfahrt.

So sieht's aus, wenn die Großen die Kleinen mit Rasierschaum überfallen haben.
So sieht's aus, wenn die Großen die Kleinen mit Rasierschaum überfallen haben.
Fotos: Marko Hofmann
Das Problem ist hausgemacht. Das Schuljahresdrittel neigt sich dem Ende zu. Die Lehrer geben nicht mehr genügend Hausaufgaben auf, um die Kinder die volle 90 bzw. 105-minütige Hausaufgabenzeit zu beschäftigen. Manche haben kein Laptop, finden, dass Bücher sowieso von vorgestern sind und langweilen sich. Langeweile unter männlichen Teenagern – ganz gefährlich.

Nach der freiwilligen sportlichen Ertüchtigung nach der Hausaufgabenzeit, verschwanden die Jüngsten, also 8. und 9. Klasse planmäßig im Bett. Die Elftklässer lungerten im Zimmer eines Schülers herum. Auch ihnen war langweilig und außerdem sahen sie gar nicht ein, jetzt schon ins Bett zu gehen. Sie waren nicht müde. Immer schlecht für den Abendlehrer. Ich wollte nicht so sein und ließ ihnen noch zehn Minuten. Großer Fehler!

Die Spuren sind aber auch bei den Großen zu finden.
Die Spuren sind aber auch bei den Großen zu finden.
Foto: Marko Hofmann
Gerade als die zehn Minuten herum waren, hörte ich Schreie auf meinem Gang. Die Achtklässer waren munter und brüllten. Ich rannte hin und sah nur schwarze Gestalten die Treppe herunter rennen. Die Achtklässer wurden pauschal erstmal zusammengestaucht. Erst nach meiner Pauke im Stehen hatten sie Zeit, mir zu erzählen, was eigentlich passiert war. „Es waren ganz viele. Es war dunkel und ich konnte nicht sehen, wer es war. Ich hab nur schnell mein Kissen geschnappt und es geschwungen. Aber gucken Sie Sir, was die gemacht haben!“: Oh mein Gott. Rasierschaum. Überall. Wahrscheinlich eine volle Sprühdose. An der Wand, auf den Betten, auf dem Boden, auf den Laptops, auf den Klamotten, auf den Schuhen. Nachts 23 Uhr. Große Klasse!

Die Übeltäter waren schnell ausgemacht. Die gelangweilten Elftklässer. Diese fand ich alle zusammen in einem weiteren Zimmer und keiner wusste etwas von den Vorfällen oben drüber. Natürlich nicht. Allerdings war die Zimmertür von innen rein zufällig mit Rasierschaum besprüht, der noch auf dem Schreibtisch stand. Außerdem das Dach des Kreuzgangs, der direkt neben dem Haus verläuft. Konsequenz: Saubermachen und Entschuldigungsbriefe schreiben und zwar an mich. Eine beliebte Strafe hier. Nicht erlassen von mir sondern vom Hausvater, welcher wenig später von den Vorfällen erfuhr.

Merke: Langeweile ist der größte Feind des Lehrers.


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