32 beeindruckende Schicksale von Menschen, die das Strafsystem in SBZ und DDR überlebten

Es ist ein dickes Buch geworden. Ungewöhnlich auch für die Reihe, die der Sächsische Beauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgibt. Eigentlich, so schreibt Lutz Rathenow, der Beauftragte, in seinem Vorwort, sollte so ein Buch in die Hosentasche passen, leicht sein und gut geeignet auch als Buch im Schulunterricht. Denn daran, wie Menschen litten, lernt man das Wesen von Diktaturen kennen.

Einige Bücher, die von den Schicksalen jener Menschen erzählen, die ab 1945 in die Mühlen der sowjetischen Militärjustiz und später der des SED-Machtapparates gerieten, haben wir auf der L-IZ schon besprochen. Einzelschicksale kann man abtun. Und oft werden sie auch heute noch abgetan. Erst recht, wenn die Wortmeldung dieser Menschen so unpassend wirkt und wie ein verspätetes Schlechtmachen der DDR. „Es doch nicht alles schlecht gewesen“, lautet dann meist der bräsige Vorwurf.

Und auch wenn es mittlerweile Gedenk- und Erinnerungsstätten an die schlimmsten Grausamkeiten der DDR-Zeit gibt, fehlt etwas. Und das sind garantiert nicht die immer neuen alten Vorwürfe und Schuldeingeständnisse. Die sind fürs Fernsehen. Aber tatsächlich sind sie nur Tünche, verschonen die Bürger des Ostens nur mit der Wahrheit, die diese Landschaft bis heute unterminiert.

Denn 1990 hatten es fast alle eilig, das Alte schnellstens hinter sich zu lassen, ein anderes Tüchlein in den Wind zu hängen und schnell wieder alle Schäfchen ins Trockene zu bringen. Auch und gerade in staatsnahen Bereichen und Parteien. Es war eigentlich genauso wie 1945: Die einen versuchten, ihre eigene Geschichte zu retten, und die anderen wollten nie etwas damit zu tun gehabt haben.

Deshalb blieben die tiefen Verletzungen, seelischen Verkrümmungen und Zerstörungen fein unter der Bettdecke. Man steckte es in die große Schatulle „SED-Diktratur“, unterließ aber den Blick auf das, was die Herrschaftsmechanismen der untergegangenen DDR eigentlich angerichtet hatten mit der Gesellschaft und den Menschen. Denn kein Lied hatte das, was mit den Bürgern dieses östlichen Deutschlands passiert war, besser auf den Punkt gebracht als Bettina Wegners Lied „Kinder“ von 1976: „Sind so kleine Seelen, offen und ganz frei. / Darf man niemals quälen, geh’n kaputt dabei. – Ist so’n kleines Rückgrat, sieht man fast noch nicht. / Darf man niemals beugen, weil es sonst zerbricht.“

Aber wie gesagt: Was passiert mit der Bevölkerung eines Landes, das nie über die Leiden gesprochen hat, die ihr zugefügt wurden?

Und wie sehr dieses Krümmen des Rückgrats und das Quälen der Seelen System hatte, das macht nun ausgerechnet dieses Buch spürbar. Das Material ist schon etwas älter – 2010 aufgenommen mit ausgiebigen Kamerainterviews mit Menschen, die wirklich all das erlebt haben: die willkürlichen Verhaftungen gleich 1945, als ein bisschen Tanz, ein bisschen Lebensfreude genügten, um denunziert zu werden und dann eben nicht nur in den sowjetischen Speziallagern zu landen, in einem dieser nachgenutzten Lager wie dem einstigen Kriegsgefangenenlager in Mühlberg oder den umgenutzten KZs Sachsenhausen und Buchenwald, sondern auch zur Zwangsarbeit im fernen Sibirien.

Hunderttausende erlebten diese Willkür, erlebten wochenlange Untersuchungshaft unter menschenunwürdigen Bedingungen, nächtelange Verhöre, Hunger, Kälte und Ungeziefer.

Und Zehntausende überlebten diese Zeit nicht, verhungerten, starben an Seuchen. Und natürlich fragten sie sich alle, was das eigentlich sollte, warum erst die Russen und dann die Stasi selbst so viele meist junge Menschen für nichtigste Gründe – aber mit martialischen Anklagen – zum Tode verurteile oder zu Zuchthausstrafen von 10, 25 Jahren. Die Toten können nicht mehr reden. Erzählen können nur noch all jene, die dieses menschenverschlingende System überlebt haben und die vor allem daran nicht zerbrochen sind.

Viele haben erst nach 1990 so langsam begonnen, das Vergangene aufzuarbeiten. In der DDR war das Thema immer tabu. Viele der Betroffenen sind sowieso bald in den Westen gegangen. Und wer da blieb, der versuchte sich anzupassen und der Staatsmacht keinen neuen Grund zu geben, erneut die Folterwerkzeuge herauszuholen.

Im stalinistischen System hatten diese Verfolgungen immer einen Sinn: So versetzte man ein Volk in Schrecken, verbreitete permanente Angst und Unsicherheit. Wenn schon der kleinste Funken von Freiheitsdrang dazu führte, dass man abgeholt, monatelang verhört und dann in Farce-Prozessen zu Strafen verurteilt wurde, die jenseits alles Begreifbaren lagen, dann sorgte man nicht nur dafür, dass es sich Menschen zwei Mal überlegten, ob sie aufmüpfig wurden oder gar aufrecht für Menschlichkeit eintraten, man veränderte auch eine Gesellschaft. Denn wo eine freimütige Äußerung reichte, in die blutigen Mühlen zu geraten, da beginnt das Schweigen, sich Ducken, Maskenaufsetzen und sich Verkrümmen.

Diese Außenwirkung denkt man am Ende schon immer mit, wenn sich ein Schicksal an das andere reiht und man jedes Mal schon weiß, dass eine völlig banale menschliche Reaktion dazu führt, dass die Verhörmaschine anläuft. Die 32 Porträts, die Nancy Aris aus den Video-Interviews destilliert hat, machen im Grunde die ganze Bandbreite eines gefühllosen Herrschaftsapparates sichtbar, von dem die DDR-Öffentlichkeit immer wusste.

„Dann kommst du nach Bautzen“, war wohl die deutlichste Warnung, die man damals hören konnte. Denn was den jungen Männern und Frauen passierte, die nach Bautzen kamen, das bekamen mindestens ihre Familien mit. Genauso schrecklich und verrufen war die Frauen-Haftanstalt Hoheneck, die gleich auf dem Cover zu sehen ist mit einem Foto aus den letzten Tagen. Ein Foto, das die eisige Leere dieser Haftanstalten besonders deutlich auf den Punkt bringt. Die Haftanstalten waren nicht dazu gedacht, die Gesellschaft vor Kriminellen zu schützen, sondern um Menschen zu brechen, ihnen die letzte Würde zu nehmen, den letzten Mut und den Lebenswillen.

Und man lernt – gerade in den Erzählungen über Untersuchungshaft und Verhöre – die Systematik der Vernehmungsoffiziere, denen es nicht darum ging, irgendwelche Tatbestände zu ermitteln, sondern den Willen der Verhörten zu zerstören und sie zu erniedrigen. Hier wurde einem ganzen (besetzten) Land der Lebensmut und der Wunsch zum Widerspruch ausgetrieben.

Und das einzige, was beim Lesen der Schicksale irgendwann aufatmen lässt, ist die Tatsache, dass die Haftstrafen kürzer werden, die Strafen etwas weniger drakonisch. Und vor allem: Dass auch immer wieder junge Menschen aufbegehrten, obwohl sie um dieses System wussten, sich nichts mehr gefallen lassen wollten und dabei auch nicht allein waren. Aber man erfährt – je näher man den 1980er Jahren kommt – dass diesem Abschreckungsapparat auch ein Lernprozess gegenüberstand. Die Protestformen änderten sich, wurden zunehmend subversiver, suchten sich Schutzräume, die sie dann tatsächlich in einigen Kirchgemeinden fanden.

Selbst die Friedliche Revolution ist ein Ergebnis dieses Prozesses, in dem die staatliche Drohkulisse zunehmend ihre abschreckende Wirkung verlor und junge Menschen lernten, die Staatsmacht mit friedlichen, phantasievollen Mitteln herauszufordern. Auch wenn die Schikanen blieben, die von der Einweisung in Jugendwerkhöfe bis zur Verwehrung von Abitur und Studium reichten.

Man erfährt, wie drakonisch gegen Bewohner des Grenzgebietes vorgegangen wurde, wie man mit – scheinbar – schwer erziehbaren Kindern umging und wie man versuchte, die jungen Männer zu drangsalieren, die lieber Bausoldat wurden, als eine Waffe in die Hand zu nehmen. Die DDR verwandelte sich ja in ihren späten Jahren in eine seltsam wehrertüchtigte Gesellschaft, die alles, aber auch alles verriet, was 1949 noch als Gründungsmythos eines anderen, besseren und vor allem friedlichen Deutschland vertextet wurde.

Alle Zahlen zu den Opfern dieses „vormundschaftlichen Staates“ (Henrich) sind nur Schätzungen, versuchen das Ausmaß dieser In-Angst-Setzung einer ganzen Gesellschaft irgendwie zu fassen – und können doch das Leid nicht fassen, das all jene erlebten, die jahrelang in dieser zermürbenden Maschine gefangen waren. Das können selbst die Aussagen der hier Interviewten nur ahnen  lassen. Denn wie erzählt man, wenn sich unaushaltbare Zustände mit Hunger, Kälte, Drill und Verwahrlosung über Jahre hinschleppen, ohne einen Punkt der Hoffnung?

Die Amnestien und Haftentlassungen erfolgten genauso willkürlich wie die Verhaftungen. Und oft genug waren die Betroffenen fürs Leben von Krankheiten gezeichnet.

Umso wichtiger war es, diese Zeugnisse zu bewahren, die Zeugen noch einmal zum Sprechen zu bringen. Denn jene, die ab 1945 jung in die Mühlen dieser Angstjustiz gerieten, die sind heute im hohen Greisenalter, manche sind auch gestorben inzwischen. Die Filme liegen als Unterrichtsmaterial bereit. Doch so ein Buch, das komprimiert die Schicksale von 32 Menschen zeigt, lässt sich natürlich auch langsam lesen, mit Atempausen zwischendurch und dem ganz und gar nicht beruhigenden Wissen, dass das alles nun lange vorbei ist.

Denn es ist nicht vorbei. Die Menschen in diesem Buch haben darüber gesprochen. Aber wir wissen alle, dass die ostdeutsche Gesellschaft insgesamt darüber den Mantel des Schweigens gedeckt hat. Man überlässt das ein paar „Paradiesvögeln“, die sich um Aufarbeitung und Gedenken kümmern. Und wir sehen, wie dieselben Methoden in anderen, uns gar nicht so fernen Ländern wieder angewendet werden, um ganze Völker einzuschüchtern und gefügig zu machen – und dass auch bei uns wieder Leute herumlaufen, die autoritäre Staaten besser finden als Demokratien.

Die DDR hat sich mit diesem System der Willkür schon früh und gründlich desavouiert. Aber die nötige Therapie, die Trauerarbeit, wie es Psychotherapeuten nennen, hat nie stattgefunden. Durfte nie stattfinden. Im Aufgalopp sollte es ja 1990 gleich wieder zu neuen glorreichen Zeiten und blühenden Landschaften gehen.

Das Buch ist wichtig. Und vielleicht auch nur scheinbar ein bisschen dick. Auch wenn man nur die ersten drei, vier, fünf Geschichten schafft, bekommt man ein Gefühl dafür, wie tief die Wunde ist. Und warum man dieses Stück Vergangenheit zwar differenziert betrachten muss – aber niemals verklären darf.

Nancy Aris Das lässt einen nicht mehr los, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2017, 14 Euro.

In eigener Sache: Lokaler Journalismus in Leipzig sucht Unterstützer

BiografieDDRDeutsche Geschichte
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Radweg am Connewitzer Kreuz: Die Litfaßsäule muss weg und an einer schrittweisen Lösung wird gearbeitet
Die aktuelle Lösung am Connewitzer Kreuz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserBeharrliches Nachfragen hilft. Denn manchmal reagiert die Stadtverwaltung dann doch ohne viel Federlesens, so wie am Connewitzer Kreuz, wo man den Corona-Shutdown nutzte, um wenigstens eine kleine Änderung an der Radwegeführung vorzunehmen: Gelb abmarkiert werden die Radfahrer/-innen vor dem Rewe-Supermarkt jetzt auf der Fahrbahn geführt. Ein Provisorium, wie das Dezernat Stadtentwicklung und Bau jetzt auch auf eine Anfrage der SPD-Fraktion hin erklärt.
Fast 4.000 Mal ließ das Leipziger Ordnungsamt 2019 falsch geparkte Fahrzeuge abschleppen
Hier war es eine ausgeschilderte Baustelle, wegen der mehrere geparkte Fahrzeuge abgeschleppt wurden. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDiese Geschichte bewegt die Leipziger nun schon seit Jahren. Denn mit dem zunehmenden Autobestand in Leipzig sind immer öfter auch Fußwege, Radwege und Kreuzungen zugeparkt. Und selbst die LVB-Fahrer verzweifeln zuweilen, weil rücksichtslose Autofahrer einfach die Gleise zuparken und damit den Straßenbahnbetrieb zum Erliegen bringen. Ein Thema, das sogar die Freibeuter-Fraktion im Stadtrat aufregte. Warum wird da nicht häufiger abgeschleppt, wollte die Fraktion schon im Februar wissen.
Der Stadtrat tagte: OBM-Vorschlag zum Neuzuschnitt der Verwaltung bekommt klare Mehrheit im Stadtrat
Burkhard Jung in der Ratsversammlung am 28. Mai 2020. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm Donnerstag, 28. Mai, in der Fortsetzung der Stadtratssitzung vom 20. Mai in der Kongresshalle, wurde auch über die von OBM Burkhard Jung vorgeschlagene künftige Dezernatsstruktur im Rathaus abgestimmt. Im Herbst sollen ja vier Dezernatsleitungen neu besetzt werden. Dafür müssen im Sommer die Ausschreibungen raus. Die Gelegenheit will Jung nicht verpassen, um die neuen Bürgermeister/-innen auch schon passend zur neuen Dezernatsstruktur zu finden.
Heidelberg an einem Tag: Die Neckarstadt mit der berühmtesten Burgruine Deutschlands
Andrea Reidt: Heidelberg an einem Tag. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWohin fährt man eigentlich jetzt in den Urlaub, wenn so viele Urlaubsländer noch immer mit den Nachwirkungen von Corona zu kämpfen haben? Oder selbst dann, wenn sie wieder einladen wie Italien, dort aber mit einem riesigen Ansturm der befreiten Touristen zu rechnen ist? Vielleicht sollte man die seltene Chance nutzen, einige deutsche Städte zu besuchen, die sonst von ausländischen Besuchern überlaufen sind. Heidelberg zum Beispiel.
Pfingsten ohne Gruftis? Tag 4 – Das Darkstream Festival zeigt Düster-Pop aus Leipzig + Livestream
David Gray und "Kruppe" bei der gemeinsamen Moderation in der Moritzbastei. Screen Livestream

Screen Livestream

Für alle LeserPfingsten ohne ein schwarzes Leipzig? Geht gar nicht, waren sich Dave, Kruppe und Christian einig, als Corona mehr und mehr drohte, das 2020er „Wave-Gotik-Treffen“ zu kippen. Am Ende musste das WGT in diesem Jahr ausfallen, noch immer ist es nicht möglich, Konzerte durchzuführen. Dafür haben die drei mit weiteren Szenefreundinnen etwas auf die Beine gestellt, was sie selbst am Beginn nicht für möglich gehalten hätten. Das gesamte Pfingsten 2020 gibt es erstmals mit dem „Darkstream-Festival“ einen nahezu durchgehenden Livestream mit Moderation aus der Moritzbastei, Eindrücken aus Leipzig, über 60 Bands, DJs und Autorenlesungen.
Die ausgefallene Revolution: „Zeigt uns den Virus, dann zeigen wir unsere Masken“ + Videos
Die Ich-Perspektive - möge Angela Merkel langsam verrecken, weil das eigene Kind die Coronamaßnahmen erleben muss. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit Freitag, 29. Mai 2020 im HandelFür alle LeserNoch am Samstag, 16. Mai, freute man sich bei der „Bewegung Leipzig“ über einen neuen Zahlenrekord bei ihrer Kundgebung auf dem Leipziger Marktplatz. Rund 400 Teilnehmer waren gekommen, darunter auch einer der drei „Widerstand 2020“-Partei-Gründer und Leipziger Rechtsanwalt Ralf Ludwig. Was am letztlich geringen Interesse an seinem Redebeitrag und an der eher kleinen Kundgebungsbeteiligung selbst stutzig machte, war der Umstand, dass der „Widerstand 2020“ bis zu diesem Zeitpunkt über 100.000 Online-Parteieintritte ohne Mitgliedsbeitrag vermeldet hatte. Gigantische Zahlen einer Bewegung, deren Zeit gekommen schien und welche mehr bundesweite Parteimitglieder als bei B90/Die Grünen, Linke und AfD zusammen bedeutet hätten.
Gastkommentar von Christian Wolff: Mikrosa, Pfingsten und die Aufgabe der Kirche
Christian Wolff (beim Brückenfest 2018). Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserDer Traditionsbetrieb Schaudt Mikrosa GmbH in Leipzig-Plagwitz soll stillgelegt werden (dort werden spitzenlose Außenrundschleifmaschinen für die Autoindustrie hergestellt). Die 165 Beschäftigten legten am Donnerstag, 28. Mai 2020, die Arbeit nieder und gingen auf die Straße. Arbeitnehmer/innen anderer Unternehmen schlossen sich dem Protestzug durch den Stadtteil Plagwitz an.
Der Stadtrat tagte: Große Zustimmung für „RuDi“ und digitale Ratlosigkeit in der AfD-Fraktion + Video
Straßenbahn in Stötteritz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Donnerstag, 28. Mai, entschied der Leipziger Stadtrat auch zu einem neuen Förderprojekt „Ruhenden Verkehr digitalisieren – RuDi“, das die LVB als Pilotprojekt in Stötteritz umsetzen sollen. Kurz vor Sieben kam es da zu einer kleinen Debatte, nachdem AfD-Stadtrat Christian Kriegel noch einmal dieselben falschen Bedenken vorgebracht hatte, die zuvor schon die LVZ veröffentlicht hatte. Er mutmaßte ein „Abkassieren von Autofahrern jetzt auch bis zum Stadtrand“.
Fridays for Future Leipzig ruft jetzt erstmals am Dienstag zum großen Protest gegen die Abwrackprämie auf
Fridays-for-Future-Demo im April 2019. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserEs ist tatsächlich so: Weil deutschlandweit die Corona-Berichterstattung dominiert, hat die Bundespolitik augenscheinlich den fatalen Eindruck bekommen, dass die Klimakrise vergessen ist und die Deutschen nur zu bereit sind, den Wirtschaftsaufschwung nach Corona mit dem Kauf von neuen Verbrennern zu erwirtschaften. Zumindest scheinen die Bosse der großen Autokonzerne mit dieser Botschaft durchzudringen, obwohl die Mehrheit der Deutschen ganz und gar nicht vergessen hat, wie drängend die Lösung der Klimakrise ist.
Leipziger Gruppe schafft trotz erhöhter Zahlungen an die LVB auch 2019 ein positives Konzernergebnis
Seit 2016 firmiert die Leipziger Gruppe mit dem gelben L. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn normalen Jahren gab es immer im Mai eine große Pressekonferenz mit Oberbürgermeister und allen Managern der Leipziger Kommunalbetriebe, auf der stolz die Konzernergebnisse des Vorjahres bekannt gegeben wurden. Die fiel nun wegen Corona natürlich aus. Und die Zahlen wirken wie aus der Zeit gefallen, erzählen von einem regelrecht normalen Jahr, in dem sich der Leipziger Kommunalkonzern weiter stabilisierte und es auch schaffte, mehr Geld für die LVB zu erwirtschaften.
Leipziger Animal Rebellion-Gruppe protestiert mit „Schließung“ von Fastfood-Filialen gegen Billigfleischproduktion
Abgesperrte McDonald's-Filiale. Foto: Animal Rebellion Leipzig

Foto: Animal Rebellion Leipzig

Für alle LeserEs wird ja jede Menge rebelliert in diesen Tagen. Die einen rebellieren gegen Corona-Maßnahmen, die nächsten gegen Atomkraftwerke, andere gegen eine neue Abwrackprämie oder gegen die fossile Klimapolitik. Alles Zeichen dafür, dass sich gerade grundlegend einige Dinge ändern. In der Nacht zum Freitag rebellierte auch eine Leipziger Gruppe von Animal Rebellion. In diesem Fall gegen das Geschäftsmodell von Fastfood-Ketten und damit auch gegen das viel zu billige Fleisch.
Leipzig Automobil: 140 Jahre Leipziger Auto-Geschichte und ein mutiger Blick in die mögliche Mobilitätszukunft
Kulturstiftung Leipzig (Hrsg.): Leipzig Automobil. F

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich ist ja „Jahr der Industriekultur“. Aber davon war aufgrund der Corona-Beschränkungen bislang wenig zu spüren. Außer, man besucht zum Beispiel die bis August verlängerte Ausstellung „Silber auf Glas“ im Stadtgeschichtlichen Museum, die eine Menge Fotos aus der frühen Zeit der Leipziger Industrialisierung zeigt. Oder man schnappt sich jetzt diesen Themen-Sonderband, den die „Leipziger Blätter“ herausbringen und der die Leipziger Automobilgeschichte einmal in hunderten Bildern und vielen Facetten zeigt.
Freitag, der 29. Mai 2020: Experten buddeln am Bahnhof und Tierschützer „schließen“ Filialen + Video
Fastfood-Filiale in der Leipziger Innenstadt nach der symbolischen Schließung. Foto: Animal Rebellion Leipzig

Foto: Animal Rebellion Leipzig

Für alle LeserIn der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es in der Leipziger Innenstadt viel Aktivität. Während Expert/-innen am Hauptbahnhof eine vermeintliche Bombe untersuchten, die sich als Brunnen herausstellte, starteten Tierschützer/-innen eine Aktion gegen Fastfood-Filialen. Rund um Zwickau wiederum war die Polizei gegen Neonazis aktiv. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 29. Mai 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Panometer Leipzig: Veränderte Öffnungszeiten ab 1. Juni
CAROLAS GARTEN mit Insektenmodellen. Foto: Tom Schulze © Panometer

Foto: Tom Schulze © Panometer

Ab Pfingstmontag, den 1. Juni 2020, verändern sich die Öffnungszeiten des Panometer Leipzig temporär für die kommenden Monate. Das Panorama CAROLAS GARTEN ist ab nächster Woche montags bis freitags von 10 – 16 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen von 10 – 17 Uhr geöffnet.
Leipziger Forschungsergebnis: Frauen mit Neandertaler-Gen bringen mehr Kinder zur Welt
Svante Pääbo mit dem Schädel eines Neandertalers. Foto: MPI für evolutionäre Anthropologie

Foto: MPI für evolutionäre Anthropologie

Für alle LeserEs war nur eine kleine Meldung, die das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie am Dienstag, 26. Mai, herausgab. Aber sie macht doch nachdenklich. Denn dass die späte Vermischung von modernen Menschen und Neandertalern vor ungefähr 47.000 bis 65.000 Jahren in Europa Folgen bis in unser Erbgut hatte, das haben schon mehrere Untersuchungen aus dem Institut belegt. Aber selbst auf die Fruchtbarkeit von Frauen soll eine kleine genetische Veränderung aus dem Erbe der Neandertaler Auswirkungen haben.