Erst im falschen zeigt sich, ob einer den Mut zum richtigen Leben hat

Bernd Schirmers großer Liebesroman „Silberblick“ ist auch einer der stärksten Schelmenromane über die DDR

Für alle LeserEs ist ein seltsames Land da zwischen Elbe und Oder, Rügen und Fichtelberg. Ein Land, das es eigentlich nicht gibt. So könnte man die Besprechung zu diesem Buch beginnen. Muss man wahrscheinlich auch. Denn Schriftsteller und Dichter sehen meist viel klarer als alle professionellen Kommentatoren zur Zeit, was da ist. Und was nicht. Und manchmal erscheint das Nicht-Seiende wie ein riesiges Loch aus Trauer. Es fehlt etwas. Und die Liebe ist es ganz bestimmt nicht.

Schon in den 1990er Jahren verblüffte die Erkenntnis, dass die einzigen wirklich relevanten Romane, die über den Osten und die „Wende“ und all das danach erschienen, im Kern reine Schelmenromane waren, egal, ob es die Bücher von Thomas Brussig waren, von Clemens Meyer oder von Uwe Tellkamp. Nicht anders war es mit den Büchern von Kerstin Hensel oder Fritz Rudolf Fries. Ganz so, als konnte man über das, was uns da geschah, nur aus der Perspektive des Eulenspiegels schreiben.

Oder – was als Erklärung eigentlich auf der Hand lag: Die wirklich guten Bücher über den 28 Jahre lang eingemauerten deutschen Osten waren immer nur Schelmenromane. Denn nur mit Ironie ließ sich das beschreiben, was uns da geschah, die wir da lebten und versuchten, ein richtiges Leben zu leben. Was nicht einfach ist, wenn Mächtige und Übermächtige bestimmen, wo es langgeht, was gesagt und gedacht werden darf. Deswegen waren Grimmelshausen, Cervantes und Rabelais so beliebt in diesem Land, der Stülpner Karl – oder vielleicht doch besser: Manne Krug –  der Schauspieler als Schelm. Das Übermächtige lässt sich für den, der es aushalten muss, nur aus der Schwejk-Perspektive ertragen.

Und deshalb war die DDR – so seltsam das klingt – bis zuletzt auch immer das lustigere Land. Hier war das alte Lachen der Underdogs wirklich noch lebendig, das Listigsein. Nicht nur Christa und Gerhard Wolf versuchten sich am Eulenspiegel-Stoff. Selbst in Jurek Beckers „Jakob der Lügner“ steckt dieses freundliche Blinzeln um drei Ecken: Ich schreibe zwar über eine andere Zeit und andere Unzumutbarkeiten. Aber glaubt ihr, ihr wäret nicht gemeint?

Die DDR hat eine starke Schelmen-Literatur hervorgebracht. Dass auch noch Mauerfall und neuer Generalverramsch mit derselben Eulenspiegelei erzählt wurden, hat Geschichte, Gründe und Sinn. Denn die Schelmen-Haltung war immer schon die der Ohnmächtigen und Habenichtse, die erdulden müssen, dass andere, Mächtigere und Rücksichtslosere für sie bestimmen, wo es langgeht und was passiert.

Was sogar faszinierende Liebesgeschichten ergibt. Denn erst wenn Habenichtse anfangen, um Frauen zu werben, beginnt das Leben. Und beginnen Frauen lebendig zu werden. Denn dann geht es nicht um Karriere, Reichtum, Versorgtwerden, Superweib und Supervilla und Superauto, den ganzen Schrott, mit dem uns heutzutage das öffentlich-verblasene Fernsehen versucht, Liebesgeschichten zu erzählen.

Ja, es geht nicht nur Bernd Schirmer so, dass er sich vorkommt wie im falschen Land und im falschen Film. Der Schriftsteller wurde 1940 in Leipzig geboren – gehört heute also auch schon zu den Älteren, die jetzt so langsam alle ihre Memoiren schreiben – wogegen er sich im Buch regelrecht verwahrt. Recht hat er. Einen Namen als Schriftsteller hat er sich 1976 gemacht, als sein Buch „Doktorspiel“ erschien. Auch das eine Schelmen- und Tricksergeschichte. Logisch, dass er sich bis heute über Adornos Spruch „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ ärgert, den Adorno in den 1944 bis 1947 geschriebenen „Minima Moralia“ niederschrieb und der also wirklich nichts mit der DDR zu tun hatte. Aber seit 1990 wurde er immer wieder auf dieses kleine, bis zuletzt fremdverwaltete Land angewendet. Es ist kein Zufall, dass sich viele Bürger dieser verschämten kleineren Hälfte bis heute verachtet fühlen, in die Ecke gestellt und herabgewürdigt: Wie konntet ihr nur so lange aushalten!

Den Vorwurf hört man immer wieder. Und er hat Folgen. Nicht nur seelische, auch politische. Die umgehende Renitenz, dieser aufschäumende Trotz im Osten, sie haben genau damit zu tun, mit dieser großdeutsch-westdeutschen Verachtung, diesem hochbezahlten Dünkel der „Sieger der Geschichte“, diesem Rotzlöffeltum …

Deswegen ist auch Bernd Schirmers großer Liebesroman „Silberblick“ eine Schelmengeschichte, die fast genau da ansetzt, wo auch Fritz-Rudolf Fries‘ „Der Weg nach Oobliadooh“ spielt: In Leipzig, Anfang der 1960er Jahre, vor der Sprengung der Paulinerkirche und der alten Universtät, wo Schirmer seine Helden Germanistik und Romanistik studieren lässt – nicht mehr bei Hans Mayer und den anderen Großen der Leipziger Universität, aber bei ihren Schülern, die ihnen all das beibrachten, was staatlich so unerwünscht war: die Sehnsucht nach der Ferne, die Liebe zu Sprache und Literatur – und den Blick des Schelmen auf die Wirklichkeit. Auch das steckt in „Silberblick“, auch wenn es Schirmer seinen Erzähler Josef Birnbaum erst am Ende andeuten lässt.

Im Nachtrag, wo man schon denkt, dass es eigentlich die ganze Zeit immer nur um die Liebe dreier Träumer zur schönen Anna Dubordieu ging, die ihnen während des Studiums das Französische einpaukte und gleichzeitig die tiefe Sehnsucht nach Frankreich. Anna ist es, die den Silberblick hat, „der ihn reizte und aus der Fassung brachte“. Pech für Josef: Anna wählt einen der Anderen. Er wird sein Leben lang diese Liebe zu Anna nicht leben können. Aber er kann sich auch nicht lösen von seinen Freunden. Immer wieder führt sie das Leben zusammen, wird Josef zum Patenonkel und Ersatzvater. Eigentlich waren sie – nach der Flucht des Dritten in den Westen – zum Lehrerdasein verdammt in diesem bevormundeten Land, in dem die Partei festlegte, wer wo zu dienen und auszuhalten hatte.

Geradezu burlesk wirken Josefs Abenteuer im Oderbruch, wo er in alten Hugenottendörfern versucht, sein Leben zu leben – und sich der Vereinnahmung zu entziehen. Am Ende braucht er dennoch die Hilfe des Parteibonzen-Sohns Hansgeorg, dass er dem Lehrerdasein entkommen kann und beim Radio unterkommt. Wenn auch nur als ZBV, zur besonderen Verfügung, der Mann, der Hansgeorg die Radiokommentare korrigiert und froh ist über sein kleines Stück Narrenfreiheit.

Eigentlich – nähme man den hehren Anspruch Adornos – ein falsches Leben im falschen.

Aber das Leben ist nicht rational. Und Adorno wird schon selbst gewusst haben, wie oft und wie lange er in unzumutbaren Situationen aushalten und sein Menschsein bewahren musste. Denn auch das Gegenteil seines flapsigen Spruches gilt: Erst im falschen Leben zeigt sich, ob einer richtig leben kann. Denn da muss man es sich erkämpfen. Oder ergaunern, ertricksen, muss man sich immerfort wehren gegen die Einvernahme, die Gleichschaltung und die Bevormundung. Das ist die Grunderfahrung aller DDR-Bürger. Davon erzählen die Schelmenromane, die im Grunde immer Romane des zutiefst menschlichen Widerspruchs sind: Über euch lache ich trotzdem …

Was spätetens klar wird, wenn Josef und sein Freund Burkhard beginnen, ihren phantasielosen Vorgesetzten Hansgeorg mit den herrlichen DDR-Sprüchen zu füttern, die damals Legende waren und heute noch genauso funktionieren. Etwa der: „Gestern standen wir am Abgrund. Heute sind wir schon einen Schritt weiter.“

Oder: „Jeder kann hier werden, was er will. Ob er will oder nicht.“

Das Buch ist gespickt mit diesen Sprüchen, die sogar Hansgeorgs Vater, dem allmächtigen Hugo Klawitter gefallen. Der so am Rande seine eigene Tragödie erlebt, denn die DDR, die am Ende untergeht, ist ja mal der Traum seiner Generation gewesen.

Man übersieht manchmal, dass man eigentlich einen Schelmenroman vor sich hat, weil Bernd Schirmer etwas beherrscht, was wenigen Romanciers gegeben ist: die emotionale Distanz aufzuheben. Der Leser ist mit Josef Birnbaum mittendrin in dieser Liebe, die er nicht leben kann, die er aber auch nicht loswird. Die ihn begleitet und erschüttert bis zuletzt, wenn Anna stirbt, genau in dem Moment, in dem das Land sich öffnet und die Welt endlich offensteht. Aber nach Frankreich wird sie nie kommen, nie die Weinberge sehen, aus denen ihr französischer Vater stammt. Auch er früh gestorben, so wie ihre Mutter, so wie Burkhards Mutter und Josefs Vater, den sie nach einer Fahnenflucht noch im letzten Kriegsjahr erschossen haben.

Die Geschichte fehlt geradezu und lange muss Josef darum betteln, dass er sie zu hören bekommt. Denn dass die Ostdeutschen so viel mit sich machen ließen, hat ja mit diesem Krieg und der Arroganz der Mörder zu tun, deren Enkel heute schon wieder herumlaufen mit bärbeißiger Fresse. Die haben aus der DDR wirklich nichts gelernt.

Die haben ganz bestimmt auch keine Bücher gelesen, gar Schelmenromane. Denn Schelme unterlaufen immer die Arroganz und den Dünkel und die Blasiertheit der Macht. Schelme untergraben die Selbstverständlichkeit des So-muss-es-sein. Auf beiläufige Weise entlarvend ist eine Phrase, die Hilde Huster, die strenge Direktorin der Schule im Oderbruch, immer wieder an den Anfang ihrer bedeutsamen Belehrungen stellt: „Worum geht es? Es geht um …“

Echtes ostdeutsches Kadergewelsch, das später immer wieder auftaucht, selbst bei jenem neu eingesetzten westdeutschen Abwickler, der Josef gern zu seinem eigenen ZBV machen möchte …

Das ist der Moment, an dem Josef weiß, dass alles wie immer läuft, dass andere Leute bestimmen, wo es langgeht und worum es zu gehen hat. Und dass ihnen herzlich egal ist, ob einer sich krümmen und verbiegen muss oder ein richtiges Leben lebt – auch wenn es scheinbar nicht möglich ist. Ein Leben mit Träumen, dem bisschen Anstand, mit dem man sich gegen die Zumutungen und Belehrungen verwahren kann, und einer großen Liebe, die einen beschäftigt bis zum Schluss. Und drüber hinaus. Auch wenn sich Josef diese Gedanken erst auf der Reise nach Frankreich leistet – in den Tagen nach der Währungsunion, stilgerecht mit einer roten „Ente“ unterwegs.

„Manchmal denke ich, wir alle haben einen leichten Silberblick. Wir blicken nie nur geradeaus, sondern immer auch etwas zur Seite, zumindest mit einem Auge, mit dem linken oder rechten, wir blicken, keck oder verträumt oder unersättlich, nach etwas anderem, nach einer anderen Möglichkeit, nach einem anderen Land.“

Es ist der Blick des Schelmes, der immer das andere Mögliche sieht. Und die Nacktheit des Kaisers, so wie Josefs Freund Burkhard, der das Glück hat, Anna heiraten zu dürfen und dann beim Radio die Chance bekommt, Märchen zum Hörspiel zu machen – mit Schauspielern, die eigentlich Auftrittsverbot haben. Das ist die Welt, die Schirmer bestens kennt, denn jahrelang hat er selbst beim Rundfunk gearbeitet und Hörspiele gemacht. Hörspiele, die nur funktionierten, weil sie voller Anspielungen und doppelter Böden waren – der Schelmenblick.

Und trotzdem und gerade deshalb ist das auch ein großer Liebesroman, einer, der auf vielen sehr lebendig und emotional erzählten Seiten zeigt, dass man auf die aufgeblasenen Herren Professoren mit ihren bekloppten Sprüchen tatsächlich pfeifen kann. Denn im eigentlichen Leben geht es ganz bestimmt nicht darum, irgendwelchen arroganten Großdenkern zu beweisen, wie man richtig lebt. Das wissen die da drüben ja alles ganz genau – und sind gerade deshalb gefühlsmäßig dumm wie Bohnenstroh. Denn Leben ist das, was wir nicht beinflussen können, was uns passiert – so, wie es den drei Freunden passiert mit Anna und ihren Gefühlen, Wünschen und Träumen.

Auch wenn es Bernd Schirmer nicht benennt in diesem Lebensroman, an dem er lange geschrieben hat und der mit dem Jahr 1990 endet: Es ist auch eine herzliche und hochemotionale Auseinandersetzung mit der vertanen Zeit danach, in der nicht nur die Schelme im Osten verdattert feststellten, dass wieder einmal überall lauter Leute saßen, die einem mit erhobenem Zeigefinger sagten, wo es langzugehen habe. „Worum geht es?“

Tja, woher wissen diese Leute, worum es geht? Waren sie länger im Wasser als die Anderen?

Josef jedenfalls will das neue Spiel der Besserwisser nicht mitspielen und kein ZBV mehr sein. Eine Rolle, über deren Sinn in der Geschichte man tatsächlich erst ins Grübeln kommt, wenn er ausgerechnet dem neuen westdeutschen Aufräumer ins Gesicht sagt, dass er es nicht mehr sein will. Denn irgendwie scheint es ja so, dass es nach 1990 wieder eine Menge braver und dienstbeflissener Ostdeutscher gab, die nur zu gern die neue ZBV-Aufgabe übernahmen. Ein schönes deutsches Neuland voller überglücklicher ZBVs, die nicht mal merken, dass da 1990 eine wichtige Abzweigung in ihrem Leben verpasst wurde. Eine, die wahrscheinlich nur die Schelme unter uns bemerkt haben, fast schmerzlich und verwundert, wie schnell diese seltene Gelegenheit vorbei war.

Seitdem hat wohl nicht nur Bernd Schirmer das dumme Gefühl, dass alles doch wieder im vertrauten Trott läuft. Mit blasierten Amtswaltern und Machthabern und vielen, vielen emsigen ZBVs, die über Adorno nicht hinwegkommen, wenn sie über die DDR reden. Und über das, was daraus geworden ist. Geworden sein würde, wenn es hätte was werden dürfen. Aus lauter Angst, nicht richtig zu leben, lebt man lieber gar nicht. Und liebt auch nicht und zeigt keine Emotion.

Wut zum Beispiel. Selbst die steckt mit drin, selbst in den Kapiteln, die so richtig traurig sind, dass man sich neben Josef und Burkhard stellen möchte, weil man als Leser um das Gefühl nicht herumkommt, dass in dieser Anna und ihrem Silberblick mehr steckt als eine konkrete Liebe und ein gestorbener Traum.

Die Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmese werden übrigens am 8. Februar bekannt gegeben. Wenn Bernd Schirmer mit „Silberblick“ nicht dabei ist, wäre das die nächste Pleite für diesen seltsam irrlichternden Preis.

 

Bernd Schirmer „Silberblick“, Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Leipzig 2017, 24 Euro

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