14 Essays für den größten Skeptiker des 20. Jahrhunderts

Stanislaw Lems Gedankenexperimente oder Der gut zu beobachtende Weg der Menschheit in die selbstgestellte Technologiefalle

Für alle LeserSeine bekanntesten Titel findet man auch heute noch wie selbstverständlich im Science-Fiction-Regal: Die „Robotermärchen“, die „Sterntagebücher“, sogar „Der Mensch vom Mars“ und „Der Unbesiegbare“ – halt das, was auch beim Lesen irgendwie wie Science Fiction aussieht und nicht allzu anstrengend ist für Leser, die Raketen, Roboter und Marsianer für eine denkbare Zukunft halten.

Andere Titel muss man da in der Regel erst bestellen, aber Suhrkamp hat fast alles irgendwie vorrätig. Bei Suhrkamp hatte Stanislaw Lem schon in den frühen Jahren seiner unermüdlichen Produktion eine Heimat gefunden – genauso wie nebenan in der DDR bei Volk und Welt. Die Verlage lieferten sich zuweilen ein Wettrennen darum, den neuesten Lem-Titel veröffentlichen zu können. Was für einen Autor aus Polen durchaus etwas Ungewöhnliches war – genauso wie sein gigantischer Millionenerfolg weltweit. Und das mit Büchern, die schon in den 1960er Jahren begannen, Anforderungen an die Leser zu stellen, die im SF-Genre selten bis nie gefordert waren.

Bis heute dominieren in diesem Genre „Weltall-Märchen“ über fremde Planeten, gigantische Sternenflotten und Sternenkriege. Da unterscheidet es sich vom kriegerischen Geist der Fantasy kaum. Es geht um den Sieg irgendwelcher edlen Helden und jede Menge technische Opulenz, die zumeist verbirgt, dass die Autoren vom Stand der Wissenschaft und den Naturgesetzen nicht viel Ahnung haben. Um die geht es meist auch nur beiläufig.

Die Autoren, deren Zukunftsprojektionen wirklich Hand und Fuß hatten und die auch noch Jahrzehnte nach ihrem Tod ernst zu nehmen sind, die sind an zwei Händen abzuzählen. Und Lem gehört dazu. Der Autor aus Wroclaw hat sogar fertiggebracht, seine Leser zu behalten, obwohl er mit jedem neuen Buch das Terrain der alten Weltraum-Geschichten verließ und immer stärker all jene Probleme in den Mittelpunkt rückte, die der Vielbelesene auf die Menschheit zukommen sah, wenn sie die Computerisierung der Welt immer weitertreiben würde.

Jeder SF-Autor baute Computer und Roboter in seine Technik-Phantasien ein. Das war einfach Standard. Aber keiner machte sich auch nur die Mühe, die Folgen dieser Technologie auszumalen.

Außer ein paar Forscher, die sich schon in den 1950er Jahren die Fragen stellten, die sich heute die Spätzünder unter den Technik-Journalisten stellen, weil sie nun merken, dass die großen Tech-Firmen die alten Ideen von 1950 in sturer Konsequenz zur Wirklichkeit werden lassen – computerisierte Implantate, die die Funktion menschlicher Organe übernehmen, selbststeuernde Autos, selbstlernende Computernetze, die weltweite Vernetzung von Datenströmen und Rechnerkapazitäten, die Schaffung „künstlicher Intelligenz“ und die Komplettüberwachung aller menschlichen Aktivitäten durch „intelligente Kameras“ usw.

Die Vorausberechenbarkeit von Verbrechen gehört dazu, die Schaffung einer regelrechten virtuellen Sphäre, aus der die Menschen gar nicht mehr auftauchen …

Wer mit Stanislaw Lem aufgewachsen ist, kennt das alles schon. Und hat es durchdiskutiert mit einem Meister der Machiavellistik (der sich manchmal auch als Super-Computer Golem tarnte). Denn Lem ist ein Zyniker gewesen. Seit seinen Erlebnissen im 2.Weltkrieg hat er gelernt, seine Mitmenschen so zu sehen, wie sie waren. Den irrlichternden Glauben an das Edle im (sozialistischen) Menschen findet man bestenfalls noch in seinen ganz frühen Werken – „Planet des Todes“ vielleicht noch und „Gast im Weltraum“. Aber schon mit „Eden“ und „Solaris“ waren Lems Zweifel an der Lern- und Erkenntnisfähigkeit des Menschen unübersehbar.

Natürlich schafft es Jacek Aleksander Rzeszotnik nicht, auch nur den größeren Teil von Lems Büchern zu besprechen und in Essays zu würdigen. Sein Buch ist auch keine wissenschaftliche Aufarbeitung dieser gigantischen Denkwelt. Eher ist es eine komprimierte Hommage, in der er in 14 Essays versucht zu zeigen, wie Lems Bücher wirkten, als sie erschienen – und welche Reaktionen sie vor allem bei Kritikern auslösten. Mit seiner Essaysammlung holt der Germanist aus Wroclaw seinen Landsmann zurück in die Diskussion, wo er eigentlich hingehört.

Denn wenn man sich umschaut, ist das geistige Niveau der meisten Leute, die sich über die heutigen Entwicklungen in der digitalen Welt wundern wie die Waschweiber, eigentlich nur noch erschreckend. Sie kennen sich zwar mit allen technischen Details bestens aus, sind immer auf dem Stand des neuesten Produkts. Aber ihnen fehlt, was in den 1960er Jahren zumindest in der literarischen Kritik noch zu finden war – einer Zeit, als es im Westen zumindest erwartbar war, dass einer seinen Adorno, Sartre, Marcuse oder Marx gelesen hatte – die Fähigkeit zum ordnenden und vernetzten Denken.

Was die Fähigkeit zum Lesen komplexer Texte natürlich voraussetzt.

Heute liest man ja nicht mehr.

Und das merkt man auch. Wir leben in einer Suppe des Häppchenwissens, dem noch dazu jede moralische Note fehlt. Nicht mal die Technik-Gurus, die all diese modernen Spielzeuge bauen und ins Leben der Menschen hineinpressen, denken auch nur einen Moment darüber nach, was ihre Technik eigentlich mit den Menschen anstellt, wie die Technosphäre die Biosphäre verdrängt und zerstört, wie Menschen selbst zu Anhängseln der Technik werden, wenn diese ihre Welt immer mehr durchdringt.

Das ist ein Aspekt, der in Rzeszotniks Essays kaum vorkommt. Vielleicht auch, weil sich die Kritiker der 1960er und 1970er Jahre hüteten, den Finger in diese Wunde zu legen. Denn mit seiner zunehmend pessimistischen Sicht auf die Erkenntnisfähigkeit des Menschen hat ja Lem auch das sich immer noch als siegreich empfindenden System des Kommunismus hinterfragt. Manche Bücher kann man sogar als regelrechte Persiflagen auf dieses kommune Gleichheitssystem lesen – denn gerade in seinen planetarischen Geschichten begegnet man allen möglichen kosmischen Gesellschaftsexperimenten, manche noch viel kommunistischer, als Lenin erlaubt hätte. Und die Entsandten von der Erde (zumeist der berühmte Astronaut Ijon Tichy) erleben peinlichste Momente, wenn sie in diesen kosmischen Gesellschaften von einem Fettnäpfchen ins nächste treten.

Rzeszotnik legt großen Wert darauf, Lem als Philosophen zu kennzeichnen, eine Bezeichnung, die der weise Mann aus Wroclaw auch selbst für sich wählte, weil er merkte, wie wenig Spaß ihm die romanesken Erzähltraditionen machten und wie seine Ideen immer mehr zu Essays ohne (Rahmen-)Handlung tendierten. Aber Philosophie ist das meiste davon eben auch nicht. Eher etwas, was den Namen Futurologie verdient hätte – wäre der durch lauter Quasi-Futurologen nicht längst völlig desavouiert worden. Schon zu Lems Zeiten, worüber er ja bekanntlich den herrlichen Doppel-Band „Fantastik und Futurologie“ schrieb.

Natürlich bekommt man mit Rzeszotniks kleinen, reich mit Zitaten gespickten Essays wieder Lust, die erwähnten Titel zu lesen. Sie wieder hervorzuholen und nachzuschauen, wohin Lem mit seinem Weiter-Denken der eigenen Gegenwart eigentlich gekommen ist. Denn das sind ja die besten phantastischen Stücke, in denen die technischen Möglichkeiten der Gegenwart tatsächlich konsequent weitergedacht werden. Was die Technik-Gläubigen selten tun. Deswegen ist die Heilserwartung, die die Verkünder der modernen Technikspielzeuge mit diesen verbinden, immer wieder so erschütternd. Wie eng muss der Horizont dieser Leute sein? Wie wenig müssen sie über den Menschen wissen?

Meistens wissen sie ja über den Menschen und dessen zumeist irrationales Verhalten gar nichts. Sie sind von „Ideen“, Reizen und Stimuli getrieben und lassen sich aus Bequemlichkeit auch gern treiben. Und landen damit recht automatisch in seltsamen Gesellschaftszuständen, in denen sie schon längst nicht mehr Herr ihres Tuns sind. Wer mit Lem nachgedacht hat über die irrationalen Logiken von Gesellschaften, der wundert sich auch nicht über die mörderischen Erlösungslogiken des Faschismus. Oder der vielen Faschismen, die der entfremdeten Wirklichkeit innewohnen.

Denn wenn Menschen selbst erst einmal anfangen, sich zu klassifizieren und in nach Wert gestaffelte Klassen einzuteilen, dann ist der Holocaust nicht weit – dann werden Menschen in wertvoller und wertlos geteilt und das Töten wird zu einem Akt der unmoralischen Logik. Und man wundert sich auch nicht wirklich darüber, dass dieser konsequent weiterdenkende Autor so schlecht verfilmbar oder zum Bühnenstück zu machen ist. Denn das Abenteuer steckt bei ihm eigentlich immer in den Gedankenspielen – den zwingend weitergedachten Folgen dessen, was Menschen anrichten. Und es überrascht nicht, dass Lem sich in den 2000er Jahren in seinen veröffentlichten Essays oft wiederholte, denn er konnte ja zuschauen, wie genau das sich entfaltete, was er Jahrzehnte zuvor beschrieben hatte.

Bis hin zu einer „Informationsgesellschaft“, in der fast alle Menschen fast immer irgendwie am Tropf der unermüdlichen Informationsmaschine hängen – aber nicht mehr in der Lage sind, die Informationsfluten irgendwie zu etwas Sinnvollem zu verknüpfen.

Wie will so eine zum strukturierten Denken unfähige Menschheit überhaupt mit Außerirdischen kommunizieren? Das muss ja in einer Katastrophe enden. Wenn es nicht gleich in selbst gemachten Katastrophen endet, in denen „die Menschheit“ ihren Planeten Erde völlig verwüstet und zum Lehrbeispiel falscher Programmierung wird.

Wer mit Lem aufgewachsen ist, der kann mit vielen Dummheiten der Tagespolitik wirklich nichts mehr anfangen. Denn Lem lehrt (auch wenn er das ganz bestimmt nicht beabsichtigte) seine Leser das planetarische Denken. Und die Melancholie, denn die Chancen, dass die gewählten Oberdummköpfe (die Oberschleimer, um mit Tichy  zu sprechen) der menschlichen Spezies den Befehl zur Vernichtung des Planeten geben, ist ungleich größer als die besonnene Selbstkorrektur dieser irgendwie sehr selbstherrlichen Gattung Mensch, die sich als „Krone der Schöpfung“ empfindet, sich aber dümmer benimmt als Ameisen oder andere scheinbar gar nicht so intelligenzbegabte Tierchen.

Die Lemsche Skepsis, ob denn die menschliche Intelligenz überhaupt so eine besondere Gabe ist, trifft man ja allenthalben an. Und man sagt sich beim Lesen: Eigentlich wäre da ein alternativer Weg. Der Autor macht es ja vor. Und Lem war bekannt dafür, dass er sich stets auf dem neuesten Stand der Forschung in mehreren Wissenschaftsgebieten hielt. Bei ihm kam nie das Gefühl auf, dass er versuchte, einen mit den Raketenphantasien der 1920er Jahre über den Tisch zu ziehen und dann doch nur eine dümmliche Cowboy-Pistole erzählte.

Rzeszotnik vermutet, dass er deshalb ab den späten 1960er Jahren zunehmend auf die romanhafte Handlung verzichtete und immer mehr zum Essay griff. Aber es sind eben keine bloßen Essays, sondern eher imaginierte Essays meist über imaginäre Bücher. Im 13. Kapitel geht Rzeszotnik auf das ein, was man bei Lem durchaus als „Technologiefalle“ artikuliert findet – in zwei Nuancierungen: der direkten Technikfolgenabschätzung, also dem, was die tolle neue Technik selbst an Folgen für die Menschen und die Welt hat. Und als soziologische Folgenabschätzung: Was richtet die neue Technik eigentlich mit dem Menschen selbst an?

Von der absoluten Technikgläubigkeit, die heute selbst noch im Silicon Valley dominiert, war er weit weg. Und eigentlich ist Rzeszotniks Empfehlung deutlich: Diesen Autor muss man wieder und wieder lesen. Und sei es drum, wenigstens ein bisschen Kühlung für den Kopf zu bekommen in einer Welt, in der das Geplapper und Gelärme einer völlig wurzellos gewordenen Unterhaltungsmaschine immerfort alle Kanäle zuspült. Und zwar bis zur Füllkante.

Da haben dann auch Lems Wiederholungen nichts genützt. Denn die Leute im Geplapper lesen ja nicht. Und sie verstehen auch nicht, was man zu ihnen sagt. Man darf sich dabei durchaus wie Ijon Tichy auf einigen seiner irrsten Reisen fühlen. Oder wie Gulliver auf seinen Reisen. Den Rzeszotnik natürlich erwähnt. Niemand hat so moderne Gulliveriaden geschrieben wie Stanislaw Lem. Und mit Swift hat er auch diesen hoffnungslosen Blick auf die Menschheit gemein.

Es sind ja eigentlich keine Gedankenexperimente, die er geschrieben hat, sondern eher sehr logische Modellanordnungen – ohne den unbelegbaren Glauben an das Edle und Gute in diese plappernde Spezies, die mit ihrem Planeten so umgeht, als könnte sie im Supermarkt gleich noch mal zehn Ersatzexemplare davon kaufen.

Jacek Aleksander Rzeszotnik Stanislaw Lems Literarische Gedankenexperimente, Büchner Verlag, Marburg 2018, 22 Euro.

RezensionenPhilosophieScience FictionEssay
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Warum sich die Herren immer noch die Taschen volllügen und nicht begreifen wollen, was unsere Gesellschaft zerstört
Kassensturz, schön übersichtlich. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserHeute ist Equal Pay Day, also der Tag, der symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied markiert, der laut Statistischem Bundesamt in Deutschland aktuell 21 Prozent beträgt. Und da der Tag mittlerweile auch von konservativen Medien wahrgenommen wird, wird auch wieder sehr parteiischer Quatsch dazu geschrieben. Exemplarisch vorgeführt von den schreibenden Herren der F.A.Z.
Eine Podiumsdiskussion zur Leipziger Buchmesse über das Thema des kindlichen Lesen-Lernens
Lesenkönnen und Weltbegreifen gehören zusammen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDer Fehler steckt im System. Wie närrisch reiten deutsche Politiker das Thema Digitalisierung in den Schulen, übersehen aber völlig, dass die Kernaufgabe von Schule schon lange nicht mehr richtig funktioniert: den Kindern nämlich die Grundfertigkeiten zum Verstehen der Welt beizubringen. Und zu denen gehören Lesen und Schreiben. Ein Thema, das zur Leipziger Buchmesse natürlich zur Debatte führt. Wenigstens dort.
Der Kormoran-Krieg: Warum die Waffen nicht schweigen
Rainer Nahrendorf: Der Kormoran-Krieg. Cover: Tredition

Cover: Tredition

Für alle LeserNein, zum Lesefest „Leipzig liest“ ist er erst einmal nicht gebucht. Aber sein Buch legte uns der Diplompolitiloge und ehemalige Chefredakteur des „Handelsblatts“, Rainer Nahrendorf, ans Herz. Denn es erzählt von einem bedrohten Vogel, der bei sächsischen Jägern immer noch auf der Abschussliste steht: dem Kormoran.
Ein paar Lesungen für Forscherseelen im Lesefest „Leipzig liest“
Leider noch kein Buch: Biodiversität und das Forschungszentrum iDiv stehen im Fokus des Unibundforums 2019. Foto: Stefan Bernhardt, iDiv

Foto: Stefan Bernhardt, iDiv

Für alle LeserDas Buch ist im Grunde die größte Erfindung des Medienzeitalters – nicht das Internet. Denn das Buch schafft etwas, was das Internet einfach nicht hinbekommt: komprimiertes Wissen, das man in die Hand nehmen kann, immer wieder. Und auch zum Lesefest „Leipzig liest“ gibt es etliche Veranstaltungen, bei denen Wissenschaft und Forschung greifbar werden. Eine kleine Auswahl.
Sachsen fehlen 150 Richter und mindestens 35 Staatsanwälte
Schriftzug über dem Haupteingang des Leipziger Landgerichts. Foto: Lucas Böhme

Foto: Lucas Böhme

Für alle LeserAm Mittwoch, 13. März, diskutierte der Sächsische Landtag über die Rundverfügung des Generalstaatsanwalts, mit der Bagatelldelikte von sächsischen Staatsanwaltschaften künftig härter und schneller verfolgt werden sollen. Und sogar Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) trat ans Mikrophon und verteidigte diese Placebo-Maßnahme mit großen Worten.
Die neue Zensur: Die Bedrohung unserer Gesellschaft durch Selbstzensur und digitale Shitstorms
Christian Bommarius: Die neue Zensur. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserMit Thilo Sarrazin ging das 2010 los, als auf einmal dieses Genörgel wieder in die Welt kam: „Muss man doch mal sagen dürfen.“ Fortan tauchte der Schlachtruf „Zensur!“ bei den deutschen Rechtsradikalen wieder auf. Ihnen verbot zwar niemand, sich zu äußern. Aber auf jeden Widerspruch reagierten sie mit dem Gejammer: „Das ist Zensur!“ Ein so allgegenwärtiges Gejammer, dass selbst unbescholtene Bürger mittlerweile glauben, in Deutschland werde wieder Zensur ausgeübt.
1. FC Lok Leipzig vs. VfB Auerbach 3:1 – Je feuchter der Rasen, desto…
Matthias Steinborn (Lok) bejubelt seinen Doppelpack. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserErstmals in dieser Spielzeit hat der 1. FC Lok Leipzig drei Siege in Folge eingefahren. Der 3:1-(1:1) Heimsieg vor 2.425 Zuschauern hätte dabei sogar deutlich höher ausfallen können. In einem vor allem in der zweiten Halbzeit spektakulären Spiel traf Matthias Steinborn doppelt, Kevin Schulze besorgte die zwischenzeitliche 2:1-Führung. Der Erfolg ist erst der zweite Heimsieg gegen Auerbach. Erstmalig gelang dies im November 2012 unter Marco Rose.
Ein Filmprojekt des Leipzig Korrektiv: Über die Begegnung von Flüchtlingen mit dem Holocaust
Richard Gauch (Mitte) zeigt mit zwei Begleitern die Flagge der Roma vor den ehemaligen Krematorien von Auschwitz-Birkenau. Foto: Ricky Burzlaff

Foto: Ricky Burzlaff

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug aus der Ausgabe 64„Vernunftbegriffe dienen zum Begreifen, wie Verstandesbegriffe zum Verstehen (…)“, schreibt Immanuel Kant in seiner Kritik der Praktischen Vernunft. Während der Verstand laut Kant die bloße Fähigkeit darstellt, zu denken, betrachtet er die Vernunft als das Vermögen, die Erkenntnisse des Verstandes zu ordnen, zu reflektieren und danach auf der Basis von Entscheidungen (für die man sich verantwortlich zeigt), diese zu bewerten, ab- und aufzuwerten, zu kategorisieren. Die Vernunft ist demnach die Grundlage des Handelns. Wer Sachverhalte also begreift, entscheidet selbstbewusst und wird – in Kants Ideal – aktiv im Sinne des Kategorischen Imperativs: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Nicht nur ein goldener Trabi erinnert daran, wie nah sich Tschechien und Ostdeutschland eigentlich sind
Skulptur „Quo Vadis“ des tschechischen Künstlers David Černý in der Prager Altstadt, 1990. Foto: Claudio Hils

Foto: Claudio Hils

Für alle LeserIn diesem Jahr ist unser Nachbarland Tschechien Gastland der Leipziger Buchmesse. Und die Tschechen nutzen die Gelegenheit wie noch selten ein Gastland zuvor. Auch weil sie genau wissen, wie eng verwoben die tschechische und die ostdeutsche Geschichte sind. Und das wird auch auf dem Messegelände deutlich, wo ein vergoldeter Trabi auf vier Beinen die berechtigte Frage stellen wird: „Quo vadis“?
Ein paar streitbare Buchvorstellungen im Programm von „Leipzig liest“
Peter Wensierski: Fenster zur Freiheit. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDas Leseprogramm „Leipzig liest“ zur Leipziger Buchmesse ist nicht nur deshalb beliebt, weil da irgendwelche Autoren irgendwelche Bücher vorlesen, sondern weil es mittendrin auch viele streitbare Veranstaltungen gibt, bei denen die Debatten der Gegenwart zum Thema werden. Denn die wichtigsten Debatten münden alle in starke Bücher. Und etliche davon feiern zur Leipziger Buchmesse Premiere.
Entwürfe zum Wohnquartier „Zur Alten Brauerei“ sind bis zum 22. März im Neuen Rathaus zu sehen
Entwurf für das neue Wohngebiet „Zur Alten Brauerei“. Visualisierung: Arbeitsgemeinschaft Schulz und Schulz Architekten / Bayer Uhrig Architekten / Franz Reschke Landschaftsarchitektur

Visualisierung: Arbeitsgemeinschaft Schulz und Schulz Architekten / Bayer Uhrig Architekten / Franz Reschke Landschaftsarchitektur

Für alle LeserIn der vergangenen Woche wurde in der 4. Etage des Neuen Rathauses wieder mal eine Ausstellung eröffnet, die die Planentwürfe für ein neues Wohnquartier zeigt, diesmal für das Quartier „Zur Alten Brauerei“ auf dem ehemaligen Gelände der Sternburg-Brauerei in Lützschena Stahmeln. Bis zum 22. März sind die Entwürfe dort zu besichtigen.
Wie kleinkarierte Parteipolitik den weltoffenen Ruf Leipzigs gerade systematisch zerstört
Foyertreppe im Neuen Rathaus. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAls es zum zweiten Mal passierte, war auch die Leipziger Stadtverwaltung richtig sauer. Denn das war in den ganzen 29 Jahren zuvor so nicht passiert: Da hatte man in einem bewährten Auswahlverfahren endlich eine kompetente Besetzung für die verwaiste Amtsleiterstelle in der Stadtplanung gefunden, hatte es auch schon öffentlich vermeldet. Und dann zog die Bewerberin zurück, weil sie beim Gang durch die Fraktionen etwas erlebte, was so auch für Leipzig neu ist.
Leipziger Disputation: Das musikalische Erdbeben von 1519, eingesungen von Amarcord, Calmus und zwei glockenhellen Frauenstimmen
Amarcord, Calmus Ensemble: Leipziger Disputation. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDer Tag passte gleich doppelt. Am 8. März erschien offiziell die gemeinsame Einspielung von amarcord und Calmus Ensemble mit dem einprägsamen Titel „Leipziger Disputation“. Das sind zwar zwei (fast) reine Männer-Ensembles, aber Calmus holt sich schon traditionell immer wieder eindrucksvolle Frauenstimmen dazu, so wie in diesem Fall die beiden Sopranistinnen Anna Kellnhofer und Isabel Schickedanz. Ohne die beiden wäre ein Brumel gar nicht singbar.
Am 6. Mai im Täubchenthal: William Fitzsimmons
William Fitzsimmons. © Jim-Vondruska-Photography

© Jim-Vondruska-Photography

William Fitzsimmons verwebt in seinem musikalischen Schaffen auf einzigartige Weise seelische Kompromisslosigkeit und autobiographische Ehrlichkeit mit einfühlsamen Klängen zu einem scheinbar nahtlosen Ganzen. Seine Songs sind sorgfältig konzipiert, von Familiengeschichten, intimen Offenbarungen und mutigen Bekenntnissen geprägt und liefern einen facettenreichen Folk, der in seiner Vielfalt akustisch und schnörkellos oder auch gewaltig und elektronisch sein kann.
Am 30. März Live im Flowerpower: Stefan Saffer Band
SBB. Bild: Elia van Scirouvsky

Bild: Elia van Scirouvsky

Die SSB (Stefan Saffer Band) gehört zu einer der interessantesten Independent-Bands aus Leipzig. Die Band hat einen ganz individuellen Stil entwickelt, der stark von Punk, klassischem 80ties Indie-Guitar-Rock, Noise-Elementen, aber auch von eingängigen, 60ties-inspirierten Melodien geprägt ist.