Zwischen Neckar und Bebenhausen

„Tübingen an einem Tag“ mit Hölderlin, Uhland, Hegel und zwei altvertrauten Leipzigern

Für alle LeserEs gibt Städte, an die denkt man gar nicht, wenn man seine Ausflüge durchs Land der Deutschen plant. Aber das passiert, weil es so viele davon gibt, dass eine immerfort die andere übertrumpft. Aber wem die deutsche Literatur am Herzen liegt und wer von Weimar schon alles gesehen hat, der fährt nach Tübingen an den Neckar. Schon am Bahnhof begrüßt einen hier ein Dichter.

Einer von denen, der in deutschen Poesiealben nie fehlt, weil er so schön geradlinig und stimmungsvoll schrieb. Oder etwas genauer: gemütvoll. Die Deutschen – zumindest die biederen und meierlichen unter ihnen – lieben das Gemüt(h)volle, das, bei dem man innigst seufzen kann, „weil’s so scheene war“. Sonnenuntergänge zum Beispiel. Wälder. Rehlein und Glockengeläute aus dem Tal. Uhland lässt grüßen. Das Gemütliche geht ja so gern Händchen in Händchen mit dem Kriegerischen.

Gleich ein paar Meter weiter, da steht das Silcher-Denkmal, hingestellt 1941, als Adolf der Übergeschnappte die Sowjetunion überfallen ließ. Und warum ein Silcher-Denkmal gerade in dem Jahr? Von Philipp Friedrich Silcher stammt nicht nur „Alle Jahre wieder“ und „Wenn alle Brünnlein fließen“, sondern auch „Ich hatt’ einen Kameraden“, eins der gemütvollsten Kriegerlieder in Deutschland – von Silcher eigentlich auf ein Uhland-Gedicht geschrieben – 1825.

Also weitab vom späteren preußischen Kriegsgetrommel. Aber wie das so ist mit gemütvollen Liedern – sie werden gern missbraucht. So wie das „Annchen von Tharau“ und das Deutschlandlied Hoffmanns von Fallersleben. Aber der hat mit dem gemütlichen Tübingen in Schwaben nichts zu tun.

Nach Tübingen ging, wer es mit dem norddeutschen Säbelrasseln nicht so hatte. Das Städtchen hatte seit Eberhard im Bart eine ordentliche und beliebte Universität. Man traf (und trifft) auf den heimeligen Gassen und in den freien Sitzen also unbedingt viele kluge Leute, mit denen man sich gut unterhalten kann. Was auch Goethe mal zum Besuch verlockte. Aber dann meckerte er über die stinkenden Gassen. Das nehmen ihm die Studenten in Tübingen bis heute krumm.

Andere kamen natürlich, um dazubleiben. Friedrich Hölderlin ist der Berühmteste von ihnen – samt seinem Turm, den es heute in rekonstruierter Variante gibt, wo ihn Lotte pflegte und – geschützt vom Ruf des heiligen Narren – weiter Gedichte schreiben konnte.

Da möcht man fast tauschen. War das nicht der früheste Protest gegen eine immer irrer beschleunigte Zeit mit lauter Menschen, die nicht mehr zum Denken und Fühlen kommen?

Wegen Reuchlin und Melanchthon wird vielleicht keiner nach Tübingen fahren, aber Christina Meinhardt, die mit einem sehr eigenen Sinn für die Gassen und Durchblicke durchs alte Tübingen führt, erwähnt sie wenigstens. Damit man auch mal kurz an Humanismus und Reformation denkt, bevor man über Kepler stolpert und zum alten herzoglichen Schloss auf dem Schlossberg hinaufkraxelt.

Das Schloss ist heute Universität. Da wundert man sich dann nicht mehr, dass es die Aufgeschlossenen nach Tübingen zog. Wo (außer in Halle) kann man so schön auf einer Burg droben über der Stadt studieren? Und sich schon beim Runtergucken freuen – entweder über das geplante Schäferstündchen am Neckarufer oder im Stocherkahn. Oder auf den Plausch am Holzmarkt, wo man endgültig nicht mehr umhin kann, das von Literatur durchgeistigte Städtchen wahrzunehmen – da hat man dann auch Eduard Mörike schon getroffen und fällt direkt ins Hesse Lesekabinett.

Denn bevor Herrmann Hesse anfing, berühmte Bücher zu schreiben, lernte er hier ordentlich den Buchhändlerberuf. Hätte ja auch schiefgehen können mit den eigenen Büchern. Und dann geht es eigentlich munter weiter, trifft man zwei alte Leipziger, die aus sehr guten Gründen in Leipzig ihre Sachen packten und von Westreisen lieber nicht heimkehrten in die Stadt, wo Fröhlich und Ulbricht ihr Unwesen trieben: sowohl Ernst Bloch als auch Hans Mayer sind beide in Tübingen gelandet. Und Bloch gehört – zumindest geistig – zu den Vätern dessen, was man so „1968“ nennt und gerade in westlichen Landen in emsigen Diskussionen für marginal und erledigt erklärt.

Da schwant einem nichts Gutes für 2039. Da werden wohl dieselben elitären Quatschköpfe auch 1989 für marginal und erledigt erklären.

Außer in Tübingen, das ja auch wegen Walter Jens so wichtig war. Der hatte hier eine Rhetorik-Professur. Und man liest es seinen Büchern ab, was das heißt, gut reden und schreiben zu können. Das gehört nämlich zusammen.

Vielleicht ist es das, was die heutigen Welterklärer so blamabel macht. Ihnen fehlen die Grundkurse bei Jens, Bloch und Mayer. Und wahrscheinlich hätten sie sich auch bei Schelling und Hegel (die mit Hölderlin zusammen auf der Tübinger Schulbank saßen) überfordert gefühlt. Deshalb ist bei ihnen wohl auch Hegel erledigt, Schelling gleich mit. Wir leben in Zeiten der Erlediger. Die schon mit allem fertig sind. So fix und fertig, dass nun nichts mehr kommen kann. Wer die Dinge so souverän erledigt, der schafft natürlich ein umfassend irres Gefühl von „Jetzt kommt nur noch die Apokalypse“.

Außer in Tübingen. Da läuft man die ganze Zeit durch liebevoll gepflegte und gehegte Gassen und atmet die Luft von belesenen Leuten. Und dann kommt man zum Heiligen Gral – denn hier hatte Cotta seine Buchhandlung, Cotta, der alles verlegte, was später mal die Deutsche Klassik genannt werden sollte. Cotta, mit dem sich der in Paris weilende Heine so literarisch spitz briefwechselte. Heine hielt Cotta für einen Verleger und mahnte ihn wegen der Bezahlung. Obwohl Cotta ja bekanntlich der Lordsiegelbewahrer des deutschen klassischen Traums von Freiheit war. Heine wusste das eigentlich: Die Deutsche Freiheit liegt in den Wolken. Das ist die Pariser Sicht.

Und bevor wir es vergessen: Tübingen, das ist auch ein geschasster Dozent namens David Friedrich Strauß, der für sein mutigstes Buch von der Universität gefeuert wurde. 1835 veröffentlichte er sein Buch „Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet“, das erste wirkliche Standardwerk, das die historische Verlässlichkeit der Bibel wissenschaftlich auseinandernahm. Seitdem haben auch Theologen gelernt, dass man nicht alles, was in der Bibel steht, für bare Münze nehmen darf.

Aber 1835 – das war noch tiefste Metternich-Zeit. Da schrieb man lieber wie Uhland und wurde gedruckt und nicht schikaniert. Hölderlin wusste schon, warum er lieber in das Turmzimmer zog. Das Hölderlin-Denkmal beendet im Grunde die Tour durch das liebenswerte Tübingen (bei der auch die Kirchturmbesteigung nicht fehlt), bevor man noch einen Ausflug ins alte Kloster und Schloss Bebenhausen dranhängt, das nicht nur für das alte Herzogtum und Königreich Württemberg wichtig war, sondern auch für das Bundesland Württemberg-Hohenzollern.

Das gab es nur bis 1952, denn die Schwaben wollten die Hohenzollern endlich loswerden. Sie benannten auch ihre Eisenbahn um, die mal Hohenzollern-Bahn hieß in Zeiten, als der Kaiser in Berlin saß und am liebsten Reitermanöver dirigierte. Kurz ist das her. Der Kaiser verdünnisierte sich ja bekanntlich nach Holland. König Wilhelm II. und seine Charlotte in Württemberg durften im Lande bleiben und hatten in Bebenhausen einen ganz formidablen Alterssitz.

Nu ja, sagt der Wanderer, holt seinen Hölderlin aus der Tasche und fährt entrückt zurück ins Gewirr der Tübinger Gassen, Ausschau haltend nach einem Plätzchen im Freien – vielleicht vorm dreiuhrigen Rathaus, das einem die Zeiten anzeigt, die wichtigen und die unwichtigen. Aber die wichtigsten sind eigentlich die, in denen man Leute trifft, mit denen man sich wirklich unterhalten kann.

Christina Meinhardt Tübingen an einem Tag, Lehmstedt Verlag, Leipzig 2018, 5 Euro.

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