Das, was in unserem Leben wirklich wichtig ist

Lass uns über den Tod reden: 18 Gespräche mit Prominenten über das größte Tabu unserer Zeit

Für alle LeserEs gibt Bücher über den Tod, das Sterben und das Abschiednehmen von geliebten Menschen. Meistens muss man ein bisschen danach suchen. Meist sind sie erschütternd, weil Menschen in ihrem Mittelpunkt stehen, deren faszinierende Persönlichkeit man mit diesen Büchern erst entdeckt – und dann endet das so traurig. Aber diese Bücher offenbaren auch eines: Wie sehr wir den Tod aus unserem Leben verdrängt haben. Als gehörte er gar nicht dazu.

Als lebten wir so völlig ziellos vor uns hin, als wäre all das, was uns umgibt, gar nichts wert. Seit dem 19. Jahrhundert, so schreibt C. Juliane Vieregge, ist diese Entwicklung zu beobachten: Damals wurden nicht nur die Friedhöfe vor die Tore der Stadt verlegt, auch die Großfamilien mit ihren drei Generationen unter einem Dach begannen sich aufzulösen. Die neue Wirtschaftsordnung zertrümmerte nicht nur die Familienverbände, sie unterwarf auch jeden Lebensbereich der Verwertbarkeit und der Nützlichkeit.

So weit geht die Autorin, Bloggerin und Online-Journalistin in ihren Einführungen zu den einzelnen Kapiteln ihres Buches nicht. Aber das steckt dahinter. Wir leben nicht mehr mit unseren Eltern in einem Haus. Wir erleben nicht mehr, wie sie alt werden. Oft überrascht uns ihr Tod mitten in einem hektischen Alltag, in dem wir glauben, für persönliche Gespräche, Besuche und Vertrauen keine Zeit und keinen Nerv mehr zu haben. Und hinterher stürzen wir in ein Loch, weil wir zu spät merken, was alles unausgesprochen geblieben ist.

Wenigen gelingt es, so wie der Autorin, noch kurz vor dem Tod dieses Schweigen ihrer Eltern aufzubrechen. Wenigstens ein paar der Fragen anzusprechen, die früher immer unter der Decke geblieben sind. Denn wir sprechen ja nicht nur nicht über den Tod, selbst die Geschichten unserer Eltern sind oft tabu, ihre Gefühle, ihre Liebe, ihre Verletzlichkeiten. Darüber redet man nicht. Aber darauf wollte es Vieregge nicht beruhen lassen. Sie fragte mehrere bekannte Persönlichkeiten an und bat sie, mit ihr über den Tod zu sprechen. Und zwar nicht nur abstrakt, sondern auch über die wichtigsten Menschen, deren Tod sie begleiteten und deren Tod ihr Leben beeinflusste.

18 Persönlichkeiten hat sie in den letzten Jahren getroffen, darunter auch einige in Ostdeutschland, was sie betont. Es ist kein typisch westdeutsches Buch geworden. Das ist ein Glück, denn es zeigt, dass wir da, wo wir Mensch sind, alle gleich sind, alle dieselben Ängste haben, dieselben Verletzlichkeiten und dieselbe Konsequenz. Sterben müssen wir alle. Der Tod gehört zum Leben wie die Angst, die Hoffnung und die Liebe. Und er räumt mit einem Mal mit all dem überflüssigen Schnickschnack auf, von dem wir glaubten, wir müssten ihn unbedingt besitzen.

Was aber bleibt?

Für viele der Befragten natürlich ein Gefühl des späten Beschenktwerdens. Denn die meisten Geschichten erzählen davon, wie das Sterben der geliebten Menschen die Tür geöffnet hat für eine Aussprache, die oft schon Jahrzehnte früher hätte erfolgen können. Auf einmal stehen Kinder ihren Eltern nicht mehr als Kinder gegenüber, die sprachlos hinnehmen, was ihre Eltern sagen und tun. Immerhin ist das eine Rolle, aus der die meisten Menschen ihr Leben lang nie herauskommen. Und so können sie sich ihre Mütter und Väter auch nicht als Suchende vorstellen, als ähnlich Ratlose, als Menschen, die in ihrer Jugend dieselben Irrungen und Wirrungen durchgemacht haben und oft als Erwachsene nur eine anerzogene Rolle spielten.

Was in diesem Buch sehr deutlich wird mit den Eltern der Kriegs- und der frühen Nachkriegsgeneration. Eltern, die so erzogen worden waren, dass sie über Gefühle nicht redeten. Oder die nach den traumatischen Erlebnissen von Krieg und Nachkrieg verhärtet waren, hinter der Gefühlskälte den Kindern gegenüber ihr eigenes Trauma versteckten. Oft steckt hinter der rauen Schale ein Mensch, der mit seiner Ruppigkeit seine Liebe und sein Selbstbewusstsein schützt – so wie der Vater von Boris Palmer, dem das Sterben des Vaters die Gelegenheit gab, den Alten auch in seiner Dünnhäutigkeit kennenzulernen. Und ganz ähnlich erging es Christopher Buchholz mit seinem Vater Horst Buchholz oder Jochen Busse mit seinem Vater Klaus Busse.

Ort der Erinnerung? Foto: Marko Hofmann

Ort der Erinnerung? Foto: Marko Hofmann

Manchmal ist es auch der frühe Tod des Bruders, der den Befragten aufwühlt (so wie bei Dieter Thomas Kuhn), das Sterben der Schwester (wie bei Gisela Getty) oder der nicht fassbare Tod des begabten Sohnes (wie bei Arsène Verny). Gerade wenn junge Menschen sterben, greift etwas in unser Leben ein, das uns wieder bewusst macht, dass es keine Sicherheit gibt, dass es uns jederzeit und überall ereilen kann. Das „memento mori“ steht gleich neben dem „carpe diem“. Denn das Leben, das man vor seinem Sterben nicht gelebt hat, lässt sich nicht nachholen. Die Chance ist vertan. Und man merkt zum bitteren Schluss, dass all die Jagd nach Besitz und Prestige nicht glücklich gemacht hast, weil das Wichtigste fehlte.

Wobei die Gesprächspartner, die C. Juliane Vieregge gefunden hat, natürlich für etwas anderes stehen – sie haben sich ja nicht ohne Grund bereiterklärt, mit ihr über Tod und Leben zu sprechen. Denn der Tod ihrer Nächsten hat sie zum Nachdenken gebracht, hat die Türen geöffnet, hat sie oft mit einer späten, aber auch schmerzlichen Nähe beschenkt, die in unserem von „Wachstum“ gepeitschten Alltag kaum Platz findet. Wir werden so abgestumpft im Jagen nach „Erfolg“, dass wir das Gefühl dafür verlieren, wie reich und wichtig die uns nahen Menschen sind.

Am Ende kommen auch noch ein Onkologe, ein Bestatter und ein Anstaltsarzt zu Wort – Menschen, die sich schon berufsmäßig mit dem Tod beschäftigen müssen. Und auch mit den Ritualen, mit denen wir Abschied nehmen von den Menschen, die uns wichtig waren. Und wichtig bleiben. Das ist das Erstaunlichste an den meisten Geschichten, wie sehr den meisten Befragten bewusst wird in diesem Prozess des Abschiednehmens, dass die geliebten Menschen gar nicht wirklich aus ihrem Leben verschwinden. Denn wir haben sie ja verinnerlicht. Sie sind Teil unserer Erinnerung, unserer Gefühle und unserer Träume. Sie begleiten uns weiter, auch wenn der eine Trauernde diese Nähe meist nur beim Besuch des Unfallortes wiederfindet, andere begegnen den Verstorbenen in Träumen wieder, wieder andere fühlen sie als ständige Begleiter.

Und gerade dann, wenn es gelingt, die Sterbenden wirklich auf ihren letzten Schritten zu begleiten, wird dieses Abschiednehmen auch tröstlich. So wie auch bei Katrin Sass, die über den Tod ihrer Mutter Marga Heiden erzählt, oder bei Monika Ehrhardt-Lakomy, die vom Sterben Reinhard Lakomys erzählt. Wobei natürlich in vielen Erzählungen deutlich wird, wie wichtig es ist, für diese oft schweren Abschiede Rituale zu finden, die einen nicht hilflos dabeistehen lassen. Denn die Trauer droht einen ja in solchen Momenten regelrecht hinwegzuschwemmen.

Doch gerade weil sich die Befragten der Konfrontation stellten, oft auch die Pflege der Sterbenden in den letzten Wochen übernahmen, wurde ihre Begegnung mit dem Tod auch zu einer intensiven Begegnung mit dem Leben. Denn natürlich gehen nicht alle Sterbenden in Verzweiflung oder mit dem Gefühl, ihr Leben völlig verpasst zu haben. Vielen gelingt, wenn sie darüber mit ihren Nächsten sprechen, noch ein versöhnlicher Abschluss. Sie können alte Irrtümer beseitigen, Dinge zum Abschluss bringen, sich mit den Menschen in ihrer Nähe versöhnen. Und manchmal können sie in diesem Moment auch endlich all das sagen, was ihnen ihr Leben lang unmöglich war, sie belastete und stumm machte.

Und manchmal entdecken Eltern und Kinder erst in diesem Moment, wie nah und ähnlich sie sich tatsächlich immer waren. Aber sage man das mal einem Menschen, den man liebt, dass man ihn liebt. Es sind viele berührende Geschichten, die auch zeigen, dass auch die oft genug „aus Film und Fernsehen“ Berühmten genau solche Menschen sind wie wir, vielleicht etwas neugieriger, offener und bereiter, sich auch auf die Begegnung mit dem Unausgesprochenen einzulassen.

Und damit auf das Wesentliche im Leben, dem wir ja oft genug mit unserem Geschäftigsein nur versuchen immerfort auszuweichen, es nicht an uns herankommen lassen wollen, weil es natürlich für die in uns steckende Lust am Leben unmöglich ist zu akzeptieren, dass wir eines Tages einfach wieder herausgerissen werden aus diesem Leben. Das ein Geschenk ist. Gerade der Tod macht deutlich, was für ein wertvolles Geschenk es ist. Und dass wir alle nur eine kurze Zeit da sind, um das zu erleben. Auch mit all den verwirrenden Gefühlen zu den uns nahen Menschen, die im Moment des Sterbens wieder aufbrechen. Auch davor haben wir ja Angst, vor dieser Flut nicht mehr zu bändigender Gefühle. Als würden sie uns völlig wegschwemmen, als wäre danach nichts mehr von uns da.

Auch weil wir glaubten, die geliebten Mitmenschen blieben immer da, wir könnten jederzeit wieder nach Hause fahren, zu ihnen in die Küche gehen und uns trösten lassen, wenn mal wieder was schiefgegangen ist. Mancher wird ja erst mit seinem Erwachsensein konfrontiert, wenn er dem Tod seiner Eltern begegnet.

Es gibt nicht für alle dieselben Antworten, wie sie mit dem Tod von geliebten Menschen umgehen können. Die 18 Befragten geben darauf völlig verschiedene Antworten. Aber auch das gehört dazu. Elementar scheint zu sein, dass man überhaupt eine Form, ein Ritual findet, wie man das Erinnern an die Gestorbenen in seinem Leben unterbringt. Das Ritual kann sehr persönlich und durchaus auch metaphysisch sein. Aber tatsächlich geht es dabei immer um uns, um dieses oft späte Gewahrwerden, wie viel uns ein Mensch im Leben bedeutet und gegeben hat, welchen Reichtum wir seinetwegen in uns tragen. Er ist dann wirklich ein Teil von uns, ein Bestandteil unserer Persönlichkeit. So leben Menschen, die uns geprägt haben, in uns fort. Und nur weil wir diese Beziehung zu ihnen hatten, leiden und trauern wir. Das wird in vielen der Geschichten deutlich. Genauso wie die Erfahrung, dass man das alles leichter bewältigt, wenn man es genau so akzeptiert oder sich dessen überhaupt erst einmal bewusst wird.

Es ist ein stellenweise sehr berührendes Buch und einige der Erzähler und ihre Verstorbenen werden einem auf neue Weise vertraut. Manchmal wird es traurig, oft aber auch ermutigend, weil es einen Teil unseres Lebens zeigt, den wir so gern ausblenden, weil wir uns vor dieser Flut von Gefühlen fürchten. Aber tatsächlich gibt es da gar nichts zu fürchten. Außer dieses dumme Gefühl, mit den Gestorbenen nie über all die Dinge geredet zu haben, die uns reineweg irre machen, weil wir sie immer wissen wollten und sollten. Und dann doch nie gefragt haben aus Angst, wir könnten die Schweigsamen mit unseren Fragen zutiefst verletzen. Obwohl meist das Gegenteil der Fall ist: eine große Nähe. Eine kleine Befreiung. Ein Gefühl, dass man doch nicht aneinander vorbei gelebt hat.

C. Juliane Vieregge Lass uns über den Tod reden, Ch. Links Verlag, Berlin 2019, 22 Euro.

Rezensionen
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Der Tag: Aufarbeitung der Silvesternacht am Tag vor der Indymedia-Demonstration + Video
Vor dem Bundesverwaltungsgericht soll morgen die Demonstration gegen das Indymedia-Verbot starten. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDie Polizei hat heute auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben, dass es rund um die Indymedia-Demonstration am Samstag einen Kontrollbereich geben wird. Ansonsten sind zunächst keine größeren Einschränkungen geplant. Währenddessen dauert die wissenschaftliche und journalistische Aufarbeitung der Silvesternacht in Connewitz an. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 24. Januar 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
ADFC Sachsen fordert mehr Radwegebau für strukturschwache Regionen in Sachsen
Berufsverkehr 2017. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWas im vergangenen Jahr an Strukturprojekten für die mitteldeutsche Kohlelandschaft diskutiert wurde, war in einigen Teilen ein einziger Ramschladen von völlig sinnfreien Projekten, die überhaupt nichts dazu beitragen, die Region für eine Zeit nach der Kohle vorzubereiten. Eine Zeit, in der auch die fossilen Verkehrsarten verschwinden müssen, wenn die Menschheit überleben will. Das Geld gehöre also zu einem viel größeren Teil in den Radwedgeausbau, fordert der ADFC Sachsen.
Ostdeutsche Bewerberinnen haben gute Chancen bei der Besetzung von Leitungsfunktionen in Leipzig
Verhältnis von Frauen und Männern in Leitungspositionen in Leipzig (oben) und im Bund (unten). Grafik: Stadt Leipzig

Grafik: Stadt Leipzig

Für alle LeserNicht nur den Stadtrat bewegte im vergangenen Jahr die Frage, ob es Leipzig gelingt, Leitungsstellen in der Stadtverwaltung auch einigermaßen gerecht zu besetzen. Nicht nur was die Parität von Frauen und Männern betrifft, sondern auch die Berücksichtigung ostdeutscher Bewerber. Zuletzt kochte ja im Frühjahr 2019 die Diskussion hoch, dass Ostdeutsche selbst in den ostdeutschen Bundesländern in Führungspositionen das Nachsehen haben. Aber ist das auch in Leipzig so?
Bessere Radwege und bezahlbarer ÖPNV: OBM-Kandidatinnen plädieren für die Verkehrswende
OBM-Kandidatinnen-Runde des ADFC. Foto: Anne-Katrin Hutschenreuter

Foto: Anne-Katrin Hutschenreuter

Für alle LeserDie Verkehrswende in Leipzig wird kommen, egal, wie die OBM-Wahl 2020 ausgeht. Denn selbst wenn die Leipziger so unvernünftig wären, einen autoverliebten konservativen Oberbürgermeister zu wählen, wird der nicht gegen eine Stadtratsmehrheit regieren können, die qua Partei- und Wahlprogrammen die Verkehrswende in Leipzig will. Und dazu gehört nun einmal auch eine echte Radverkehrspolitik. Der ADFC war jetzt ganz konsequent: Er hat zur Diskussion dazu einfach mal nur alle OBM-Kandidatinnen eingeladen.
Am Bayrischen Platz bleibt bis 2026 alles beim Alten
Windmühlenstraße Richtung Bayerischer Platz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich hätte der ganze Straßenkomplex Bayrischer Platz/Windmühlenstraße schon bis 2019 umgebaut und zukunftsfähig gemacht werden sollen. Gerade Fußgänger/-innen und Radfahrer/-innen leiden hier unter einer völlig irrationalen Routenführung und kaputten Wegen. Aber das Projekt wurde in den Planungen der Stadt ins Jahr 2026 verschoben. Auf den Antrag der Grünen, wenigstens die schlimmsten Löcher zu flicken, reagiert jetzt das Dezernat Stadtentwicklung und Bau.
Grüne fordern eine Extra-Stadtratssitzung zum Beschluss der neuen Leipziger Polizeiordnung + Video
Was soll in Leipziger Parks künftig verboten sein? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEtwas hat sich gerade in den letzten Jahren deutlich geändert in der Leipziger Stadtpolitik. Immer mehr Vorlagen der Stadtverwaltung finden im Stadtrat im ersten Anlauf keine Zustimmung mehr. Die Fraktionen werden selbstbewusster und schicken Vorlagen, die nicht den Beschlüssen entsprechen oder sichtlich nur zusammengeschludert sind, zurück ins Verfahren. Am Mittwoch, 22. Januar, passiert mit der Vorlage zur neuen Polizeiverordnung.
Der Stadtrat tagte: Fristenstress mit der neuen Polizeiverordnung + Video
Heiko Rosenthal (Die Linke) und OBM Burkhard Jung (hinten). Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserEigentlich sollte sich der Stadtrat am 22. Januar auch mit der neuen Polizeiverordnung beschäftigen. Doch die Grünen wollten diesen Punkt von der Tagesordnung nehmen und hatten dank der Unterstützung der AfD auch Erfolg mit ihrem Absetzungsantrag. „Es bestehen zu viele offene Fragen hinsichtlich einzelner Regelungsbereiche“, hieß es seitens der Grünen. Was zu einer drastischen Auskunft des Oberbürgermeisters Burkhard Jung führte.
Der Stadtrat tagte: Der Süden bekommt eine Hannah-Arendt-Straße + Video
Thomas (Kuno) Kumbernuß (PARTEI) brachte seinen ersten Antrag durchs Parlament. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSo richtig hat er vorher selbst nicht dran geglaubt und nun ist es seit dem 22. Januar Tatsache. Der PARTEI-Politiker Thomas Kumbernuß (Linksfraktion) brachte am 22. Januar 2020 seinen ersten eigenen Antrag durch das Stadtparlament. Er hatte nach einer Petition von Alexander John seit 2019 dafür gekämpft, dass die die Kochstraße kreuzende (Ernst Moritz) Arndtstraße anders, nämlich nach der Publizistin Hannah Arendt benannt werden sollte. Bis zum Schluss blieb unklar, ob er die Stimmen dafür gegen den Standpunkt der Verwaltung durchbekäme.
Wann beginnen die sächsischen Ermittler endlich, auch hier die rechtsextremen Netzwerke aufzuklären?
Hohe Gewaltbereitschaft ist ein Grundmerkmal des Rechtsextremismus. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIm Stich gelassen. Anders kann man das nicht mehr bezeichnen, was verantwortliche Innenminister in der jüngsten Vergangenheit mit unserer Zivilgesellschaft angerichtet haben. Das Verbot der rechtsextremen Neonazi-Vereinigung „Combat 18“ kam spät. Viel zu spät. Die Verspätung steht für das systematische Versagen konservativer Innenpolitiker, die Innenpolitik immer wieder als Machtpolitik behandelt haben – gegen links. Sachsen ist dafür nur das typische Beispiel.
Der Tag: Alle blicken auf Samstag
Dieser Polizeihubschrauber darf sich möglicherweise auf seinen nächsten Einsatz freuen. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserPanikmache oder berechtigte Sorgen? Das Demogeschehen am kommenden Samstag sorgt in Leipzig für einen gewissen Ausnahmezustand: Die Polizei kündigt im Vorfeld eine Pressekonferenz an, einige OBM-Bewerber/-innen veröffentlichen einen Aufruf und Die PARTEI möchte Connewitz gegen André Poggenburg verteidigen. Die L-IZ fasst zusammen, was am Donnerstag, den 23. Januar 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Leipziger Verkehrsbetriebe suchen auch 2020 wieder 300 neue Leute
Straßenbahn auf dem Augustusplatz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDas Jahr 2019 stand für die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) ganz im Zeichen der massiven Personalsuche. Denn seit 2018 war der Wurm drin, war die Personaldecke im Fahrbetrieb zeitweise so ausgedünnt, dass selbst leistungsstarke Linien wie die Linie 10 im Normalverkehr auf Ferienfahrplan gesetzt wurden. Da hatte man die Sache mit der Personalsuche jahrelang auf die leichte Schulter genommen. Dafür gab es 2019 gleich mehrere große „Recruiting“-Aktionen.
Diesmal sorgte die stockende Fördergeldvergabe dafür, dass Sachsens Haushaltsüberschuss 2019 auf 736 Millionen Euro stieg
Schöner Sachsen-Euro. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDer Finanzminister ist zwar seit Dezember ein neuer. Aber die Systematik, nach der er arbeitet und Jahresabschlüsse verkündet, ist die alte, vertraute. Auch wenn der Jahresabschluss für 2019 erst einmal nur vorläufig ist. Und es klingt dann geradezu, als habe es Sachsen auch 2019 nur gerade so geschafft: „Der Haushalt 2019 des Freistaates Sachsen weist zum Stand 31.12.2019 ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis auf. Die regulären Einnahmen reichten demzufolge zur Deckung der Ausgaben aus.“
Linke beantragt, endlich eine Landesinitiative „Dorfläden in Sachsen“ zu starten
Nicht viel los hier. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserEs wird noch eine Weile dauern, bis auch bei der verantwortlichen Politik der Groschen fällt. Denn dass die ländlichen Regionen in allen europäischen Ländern kippen und zunehmend zum Tummelplatz rechtsextremer Parteien werden, hat mit Infrastrukturen zu tun. Die Menschen, die dort wohnen, spüren sehr genau, wie sich ihre Lebensqualität ständig verschlechtert. Und einer ist absolut unfähig, dieses Problem zu lösen: der so gern gefeierte Naturbursche Kapitalismus. Der lebt nämlich vom Wegschmeißen.
Nach der OBM-Wahl kann das Amt für Statistik und Wahlen seine Berichtsveröffentlichungen wieder aufnehmen
Wichtige Datensammlung: die Jahrbücher der Stadt Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserVielleicht ist es wirklich so, dass das Zeitempfinden außerhalb von Verwaltungen ein völlig anderes ist als in ihnen. Draußen empfindet man fast körperlich, wie die Zeit rast und sich alles verändert. Stadtdaten vom Dezember des vergangenen Jahres wirken nicht nur uralt – sie sind es auch. Aber ausgerechnet im Amt für Statistik und Wahlen ist der Daten-Output seit dem Frühjahr 2019 praktisch zu Erliegen gekommen. Die vielen Wahlen sind schuld, meint das Verwaltungsdezernat.
Frauen in der Geschichte Leipzigs: Der eindrucksvolle Sammelband zur wissenschaftlichen Tagung von 2015
Susanne Schötz, Beate Berger (Hrsg.): Frauen in der Geschichte Leipzigs. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser2015 feierte Leipzig nicht nur das 1.000. Jahr seiner Ersterwähnung. Auch die Leipziger Frauen hatten einen besonderen Grund zum Feiern: 150 Jahre zuvor wurde in Leipzig der Allgemeine Deutsche Frauenverein (ADF) gegründet. Und das wurde im Oktober 2015 mit einer wissenschaftlichen Tagung gewürdigt. Die Tagungsbeiträge sind jetzt in diesem Band versammelt. Und sie haben es in sich, denn sie zeigen, dass der lange Kampf der Emanzipation noch lange nicht zu Ende ist.