Eine andere Welt ist möglich, Teil 2 der Buchbesprechung

Die Krise des Patriarchats: Warum Wachstumswahn nicht einmal Männer glücklich macht

Für alle LeserDass ausgerechnet Männer so eine Politik der weltweiten Ressourcenplünderung betreiben, ist natürlich auch Thema in Vadana Shivas Buch „Eine andere Welt ist möglich“. Da geht es um die verlorene Verbindung zur Natur. Sie haben weder das Wissen noch ein Gefühl dafür, wie im natürlichen Kreislauf alles mit allem zusammenhängt.

Sie beobachten nicht die direkten Folgen, die entstehen, wenn man nur noch Monokulturen anbaut, die Trinkwasservorräte abpumpt und nur noch für riesige Fabriken produziert, während die gesunden und reichhaltigen Nahrungsmittel von den lokalen Märkten verschwinden. Die Macher interessieren sich nur für den Gewinn des eigenen Unternehmens. Daher kommen „Wettbewerb“ und Ego-Politik.

Wir merken es ja auch nicht mehr, wenn wir die ganzen in Plastik und Aluminium verpackten Fertigprodukte kaufen, die nach irgendetwas aussehen, aber keine Nährstoffe mehr enthalten, auch nicht sättigen, uns stattdessen mit künstlichen Fetten, Aromen und Süßstoffen anfüllen. Und regelrecht krank machen. Die sogenannten Zivilisationskrankheiten bis hin zu den meisten Allergien kommen genau da her.

Und die unglückliche Wut der Männer übrigens auch. Sie haben selbst in unseren Wohlstandsgesellschaften zunehmend das Gefühl, immer überflüssiger zu werden. Was nicht nur die betrifft, die sowieso arbeitslos gemacht wurden. Auch darüber denkt man nach, spätestens, wenn Shiva schildert, was einige dieser nach Firmenpleiten rausgeschmissenen Männer, die mit über 40 schon „zu alt“ für eine Neuanstellung sind, tun – Italien und Griechenland werden hier Thema. Sie legen Gärten an. In Rom zum Beispiel mit Unterstützung der Stadtregierung. Sie schaffen sich eine neue Existenzgrundlage, indem sie ihre Nahrung selbst anbauen. Und gleichzeitig stiften sie wieder Sinn in ihrem Leben – und sie bilden wieder eine Gemeinschaft.

Logisch, dass Shiva zu der Schlussfolgerung kommt, dass die Globalisierung durch die Großkonzerne geradeswegs in eine Katastrophe steuert. Angetrieben von einem Renditezwang, aus dem das Management dieser Konzerne nicht herauskommt. Wahrscheinlich können sie gar nicht anders. Der irre Wachstumsglaube des Westens resultiert direkt aus der Gier und dem Druck der Aktionäre, denen die Anteile an diesen Konzernen gehören. Wenn die Umsätze und Gewinne nicht steigen, gar schwächeln, wenn nicht immer neue Ressourcen erobert (heißt: gestohlen) werden, werden sie wütend, feuern die Manager oder lassen ihr Geld zum nächsten Konzern fließen, der erfolgreicher ist in seiner Gier.

Genau das treibt auch den Klimawandel an und das Abholzen der Tropenwälder, um auf den Flächen neue Riesenplantagen mit Ölpalmen, Soja und Mais anzulegen.

Wir sehen nur die Vernichtung des Regenwaldes und sind empört. Aber wir sehen nicht die Konzerne – wie Cargill – die genau diese Entwicklung forcieren, weil sie den Zugriff auf möglichst die komplette Nahrungsproduktion weltweit wollen. Deswegen ist die Einstiegsgeschichte, die auch Astruc in seinem Vorwort erzählt, so wichtig, jener Tag im März 1987 im französischen Dorf Bogève, wo ein von einer schwedischen Stiftung organisiertes Seminar stattfand, an dem vor allem Wirtschaftsvertreter und Wissenschaftler teilnahmen, um über die Zukunft der Biotechnologie zu reden. Und während die anderen wohl wirklich dachten, es ginge nur um die Zukunft der „grünen Gentechnik“, begriff Shiva, die als Wissenschaftlerin teilnahm, genau, was die Vertreter der Nahrungsmittelkonzerne sagten: Dass sie mit der Herstellung genetisch veränderten Saatguts den Zugriff auf die Saaatgutproduktion weltweit wollten. Also letztlich nicht nur bestimmen, was auf den Feldern wächst, sondern auch die Bauern, die ihr Saatgut in der Regel selbst herstellen, aus dieser Rolle zu verdrängen, ihnen die Macht über das Saatgut zu nehmen. Und damit selbst die absolute Macht über die gesamte Nahrungsproduktion weltweit zu gewinnen. Wer über das Saatgut bestimmt, hat die komplette Nahrungsproduktion in der Hand.

Das ist 31 Jahre später zum Glück noch nicht so passiert. Auch weil sich in vielen Ländern der Welt der zivile Protest formiert hat. Friedlich, wie Shiva betonen kann. Was sie an Gewalt erlebt hat, ging überall stets von den eingesetzten Polizeieinheiten aus, mit denen Regierungen nur zu gern die Interessen der Großkonzerne verteidigen, nicht die Interessen der (kleinen) Bauern. Das ist der Punkt, an dem unsere Demokratie gefährdet ist. Denn diese Schieflage kennen wir auch in Europa, bis hinein in die EU-Kommission, wo sich auch die Lobbyisten der amerikanischen Großkonzerne bemühen, Gesetze in ihrem Sinne schreiben zu lassen. An einigen dieser Gesetze sind wir nur haarscharf vorbeigeschrammt, weil das EU-Parlament sie ablehnte.

Der Name Monsanto hat auch in Europa keinen guten Ruf. Und der hat sich auch nicht gebessert, weil der deutsche Pharmariese Bayer meinte, diesen rabiaten Konzern kaufen zu müssen. Logisch ist das nicht mehr zu erklären, weil die Strategie von Monsanto weltweit nicht funktioniert. Traditionelle Anbauverfahren bringen nachweislich dauerhaft sicherere und höhere Erträge als all die patentierten Kunstprodukte aus amerikanischen Laboren. Was wir natürlich auch nicht erfahren (sollen). Da kommt die Marketing-Macht dieser Konzerne wieder zum Tragen. Sie lassen nicht nach.

Denn die riesigen Gewinne, die sie in der Vergangenheit mit der Ausbeutung von Patenten, Böden, ganzen Regionen gemacht haben, machen sie finanziell so mächtig, dass sie selbst nach Abstimmungsniederlagen im Parlament einfach weitermachen, wieder ihre Leute in den Kommissionen platzieren, die Gesetze schreiben oder die Auswirkungen wissenschaftlich bewerten sollen. Und wenn bekannte Wissenschaftsmagzine über die fatalen Folgen schreiben, kaufen sie einfach diese Magazine auf – und urplötzlich erscheinen lauter Ruhmesartikel über die „grüne Gentechnik“.

Deswegen ist es so wichtig, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen und vor allem – so Shiva – den Bauern das nötige Wissen in die Hand zu geben, dass sie sich gegen die Übergriffe der Agrarkonzerne wehren können. Dabei zitiert sie des öfteren Mahatma Gandhi, das große Vorbild für friedlichen Widerstand und die Macht der Vielen, die eigentlich die Kraft des Einzelnen ist. Denn jeder Einzelne kann sein Verhalten ändern. Er muss nicht warten, bis „da oben“ irgendwer endlich umdenkt. Das wird nie passieren.

Jedenfalls nicht in einer derart von Patriarchen beherrschten Gesellschaft, wie wir sie derzeit haben. Die Aufsichtsräte sind nicht ohne Grund mit lauter Männern gespickt: Es sind genau die Typen, die das technokratische Denken am sichtbarsten vertreten. Ein Denken, das auch unsere Wirtschaftsberichterstattung beherrscht – bis hin zur Besessenheit vom Wachstumsdenken, das so zwangsläufig in die Katastrophe führen muss.

Und das, obwohl Wohlstand für alle weltweit problemlos machbar ist. Aber es ist ein anderer Wohlstand, einer, der sein Glück nicht (vergebens) in immer wilderem Konsum sieht. Denn die vielen (binnen einer Saison verschlissenen) Konsumprodukte versprechen zwar alles Mögliche. Aber sie machen niemanden glücklich. Was die Europäer nur zu genau wissen, die eigentlich nur noch zwischen der Rolle des unglücklichen Angestellten, der eine Nonsens-Arbeit verrichtet, und der Rolle des unglücklichen Konsumenten, der sich mit Müll belädt, hin und her wechseln.

Was fehlt? Nähe, Solidarität, Handarbeit, das Gefühl, wieder akzeptierter Teil einer Gemeinschaft zu sein und die eigenen Lebensgrundlagen selbst auch vor Ort sichern zu können.

Oder Shiva selbst zitiert: „Warum strömt die Jugend der Welt in die Einkaufszentren? Weil alles andere bedeutungslos geworden ist, ist das der Ort, den sie aufsuchen, um ihrem Leben Sinn zu geben. Das entspringt einer tiefen Krise. Unternehmen zwingen Bürger, etwas zu tun, das ihnen keine echte Befriedigung gibt. Die gekauften Waren sind nie genug und füttern nur eine Spirale der Enttäuschung.“

Eine Enttäuschung, die sich noch vermehrt, wenn Menschen merken, dass ihnen nicht einmal mehr Grund und Boden gehören und sie regelrecht machtlos sind, was die Gestaltung ihrer Zukunft betrifft. Das geht schon über das Zitat hinaus. Aber wenn man den Gedanken weiterdenkt, kommt man da hin. Und spürt auch so ein wenig, was da in Ostdeutschland gerade abläuft.

Bei Shiva endet auch dieses Zitat eher mit einem Keim Hoffnung: „Im Gegensatz dazu verlangt ein Leben, das von Sinnsuche bestimmt ist, von Natur aus auch Mäßigung: Genug ist genug.“

Und : „Unsere heutige Gesellschaft ist mit Frustration übersättigt. Wir leben im materiellen Überfluss, aber der Sinn fehlt.“

Und warum fehlt er? Wir sind außer uns: „Wir vergessen, dass unbegrenztes Wachstum, Unternehmen, die wie Personen behandelt werden, Profit, der zur Tugend erhoben wird … dass all dies nur Konstruktionen sind, die wir für die Realität halten. Wir zerstören die wunderbare und vollkommen reale Natur, die uns umgibt, zugunsten dieser Abstraktionen und vergessen dabei, dass sie nur Mittel, niemals aber Zweck sein sollten. Dieser Vorgang wirkt wortwörtlich lähmend auf die Menschheit – er bringt uns dazu zu glauben, es gäbe keine Alternativen.“

Es ist ein Buch voller Anregungen geworden, die üblichen (falschen) Denkschablonen von Wachstum und Wohlstand zu verlassen. Und selbst aktiv zu werden, im Kleinen oder auch im Größeren. Denn erst wo sich Betroffene zusammenschließen und Netzwerke bilden, wird das Denken über andere Möglichkeiten zu leben zur lebendigen Kraft.

Vandana Shiva; Lionel Astruc Eine andere Welt ist möglich, Oekom Verlag, München 2019, 20 Euro.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache: Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen.

Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 500 Abonnenten.

Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

RezensionenLandwirtschaftMonsantoKapitalismus
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Verena Noll und Peter Schneider im Doppel-Interview: „Na, vor allem um die Buchkinder zu unterstützen!“
Schauspieler Peter Schneider ist gemeinsam mit Sandra Borgmann und Verena Noll am 15. November bei den Buchkindern zu Gast. Foto: Agentur Imdahl, Mine Seumel

Foto: Agentur Imdahl, Mine Seumel

Für alle LeserDen Buchkinder-Leseabend am 15. November 2019 werden neben Sandra Borgmann mit Verena Noll und Peter Schneider zwei weitere Schauspieler/-innen gestalten, die man in Leipzig, aber längst auch aus TV und Film kennt. Wie auch Borgmann hat sie das Engagement des Vereins für die Kinder und ihre selbstgeschriebenen und illustrierten Geschichten überzeugt. Nun werden sie diese am Freitag selbst vortragen. Zeit für ein Doppel-Interview mit den beiden rings ums Lesen, Literatur und Bildung.
Die besten süßen Rezepte aus dem Erzgebirge: Lauter Getzen-, Bäbe- und Stollenrezepte aus dem sächsischen Hochland
Regina Röhner: Die besten süßen Rezepte aus dem Erzgebirge. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEinen besonderen Namen hat die Reihe nicht. Sie hat nur ein einheitliches quadratisches Format und entführt die Leser in den Reichtum regionaler deutscher Küchen - und nun auch Backstuben. Denn ein solches Rezeptbuch für das Erzgebirge gibt es schon. Nun folgt der süße Teil aus dem Land der Bergleute, gern auch Weihnachtsland genannt. Marketing ist alles. Und Stollen und Lebkuchen kommen natürlich auch drin vor.
Verfassungsschutz darf vier sächsische Musikbands nicht mehr als „linksextremistisch“ bezeichnen + Videos
Gordian Meyer-Plath. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer sächsische Verfassungsschutz steht seit Längerem in der Kritik, mehrere Musikbands zu beobachten und pauschal als „linksextremistisch“ einzustufen. Dies sei ein Eingriff in die Kunstfreiheit, argumentieren die Kritiker/-innen. Vier linke Bands haben deshalb gegen den Verfassungsschutz geklagt und nun vor dem Verwaltungsgericht Dresden Recht bekommen.
100 Sächsische Grafiken: „Kräftemessen“ im Museum für Druckkunst Leipzig!
copyright beim Künstler

copyright beim Künstler

Zum ersten Mal ist die Biennale „100 Sächsische Grafiken“ der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz zu Gast im Museum für Druckkunst Leipzig. Vom 15.11.2019 bis 9.2.2020 sind 100 Arbeiten von 78 sächsischen Künstlerinnen und Künstlern zum Motto „Kräftemessen“ zu sehen.
Grenzen. Los. Recherche über deutsch-deutsche Perspektiven
Laetitia und Mathieu Mazzott, Foto: Nina Schymczyk

Foto: Nina Schymczyk

Die Theaterspiele Mazzotti nehmen dies zum Anlass, die z. T. recht einseitig wirkende Berichterstattung zu hinterfragen und sprechen lieber selbst mit den Menschen, über die so viel geschrieben und debattiert wird. Diese Menschen sind sehr unterschiedlich, aber alle im Osten geboren und aufgewachsen. Sie kommen zu Wort und erzählen uns ihre ganz eigene Wendegeschichte.
Sandra Borgmann im Interview: „Bücher sind wie Geschichten, die ein Zuhause geben“
Schauspielerin Sandra Borgmann am 15. November 2019 in Leipzig bei den Buchkindern zu Gast. Foto: Emanuela Danielewicz

Foto: Emanuela Danielewicz

Für alle LeserAm 15. November 2019 ist es wieder so weit: der bundesweite Vorlesetag geht in die nächste Runde und in ganz Deutschland werden über 600.000 Menschen Geschichten vorlesen und vor allem diesen lauschen. Am Freitag veranstaltet der Buchkinder Leipzig e.V. eine Benefizlesung und die Schauspielerin Sandra Borgmann ist dabei. Und wird im „Haus des Buches“ gemeinsam mit Verena Noll und Peter Schneider Geschichten aus dem Spektrum des Buchkinderuniversums der vergangenen 15 Jahre vorlesen.
Gastkommentar von Christian Wolff: Was heißt hier „nur“ ein Demokratiedenkmal?
Erinnerungssäule an den Herbst 1989 auf dem Nikolaikirchhof. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserKaum ist der Aufruf der Stiftung Friedliche Revolution „Denk mal an die Demokratie – Freiheitsdenkmal in Leipzig jetzt!“ veröffentlicht, regt sich Kritik. Gunter Weißgerber sieht in dem von 30 Persönlichkeiten des öffentliche Lebens unterschriebenen Aufruf laut Leipziger Volkszeitung (LVZ) vom 13.11.2019 einen „unlauteren Versuch, in Leipzig um jeden Preis eine Mehrheit für das in der Stadt umstrittene Denkmal zu gewinnen.“ (Was an einem solchen Versuch „unlauter“ sein soll, erschließt sich freilich nicht). Er rät dem Bundestag, „die Mittel für ein einseitiges Leipziger Demokratiedenkmal nicht zu genehmigen.“
Bundesweite Herzberichte weisen auf massive Versorgungsdefizite in Sachsen hin
Rettungswagen im Einsatz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserVersorgungsdefizite, nennt es die Techniker Krankenkasse. Aber in Wirklichkeit erzählen die sächsischen Sterbezahlen wegen Herzinfarkt und Schlaganfall von einem völlig aus dem Lot geratenen Gesundheitssystem. Denn das überdurchschnittlich viele Sachsen an Herzversagen sterben, hat mit einem kaputtgesparten Versorgungsnetz zu tun.
Am 23. November im Schauspiel Leipzig: „Der gute Mensch von Sezuan“ von Bertolt Brecht
Schauspiel Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Der Himmel ist in Aufruhr. Interne Diskussionen um mögliche Fehler bei der Weltschöpfung veranlassen die Götter, ihr Werk einer Revision zu unterziehen. Drei Abgesandte sollen die Beschaffenheit der Erde überprüfen. In Sezuan treffen sie auf die junge Prostituierte Shen Te, die als Einzige bereit ist, die hohen Gäste aufzunehmen. Die Götter belohnen ihre Güte und statten sie mit einem kleinen Kapital aus, zu verzinsen in guten Taten.
Zauberbücher in der Universitätsbibliothek: Die Leipziger Magica-Sammlung im Schatten der Frühaufklärung
Exponat aus der Ausstellung "Zauberbücher". Foto: UB Leipzig

Foto: UB Leipzig

Für alle LeserAuch Aufklärer waren nicht von Anfang an aufgeklärte Menschen. Es kann auch gar nicht anders sein. Wer in einer Welt groß wird, in der Disziplinen wie Alchemie, Astrologie und Magie noch immer als Mittel gelten, etwas über die Wirklichkeit auszusagen, der muss ja selbst erst lernen, wirklich wissenschaftlich zu denken. Kein Wunder also, dass sich in der Universitätsbibliothek Leipzig aus der Zeit der Frühaufklärung auch Zauberbücher erhalten haben.
Verkehrsdezernat rechnet für 2021 mit den Baumaßnahmen für die Radverbindung Lindenau–Innenstadt
Viel Platz an der inneren Jahnallee, wenn keine Autos mehr geparkt werden dürfen. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserEs ist eine der wichtigsten Radwegeverbindungen vom Leipziger Westen in die Innenstadt – die Route von Lindenau über die Jahnallee. Aber die ist voller Engpässe und Gefahrenstellen. Logisch, dass mittlerweile in mehreren Gremien intensiv darüber diskutiert wird, wie man hier eine wirklich sichere und kluge Radwegverbindung hinbekommen kann. Das Dezernat Stadtentwicklung und Bau hat jetzt seine Position zu einem Antrag der SPD-Fraktion formuliert.
Sofortiger Bestandsschutz für die von Abbaggerung bedrohten sächsischen Dörfer
Protestcamp in Pödelwitz. Foto: Luca Kunze

Foto: Luca Kunze

Für alle LeserDas Kohlezeitalter geht zu Ende, muss zu Ende gehen. Das weiß auch die sächsische Staatsregierung. Doch sie weigert sich seit Jahren, auch nur einen verlässlichen Ausstiegskorridor aus der Braunkohle zu zeichnen. Stattdessen gibt man – völlig ohne Not – weitere Dörfer dem Hunger der Bergbaukonzerne preis. Mit einem Offenen Brief fordert das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ jetzt eine Bestandsgarantie für die bedrohten Dörfer.
Das Appetitmacherbuch zum Reisenden Theodor Fontane: Mehr als Weisheit aller Weisen galt mir Reisen, Reisen, Reisen
Theodor Fontane: Mehr als Weisheit aller Weisen galt mir Reisen, Reisen, Reisen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs gibt ja so einige berühmte 200-Jährige, deren Geburtstag wir in diesem Jahr feiern. Zu ihnen gehört auch Theodor Fontane, der am 30. Dezember seinen 200. Geburtstag gefeiert hätte. Aber wie kann ein Geburtstagsbuch aussehen? Könnte man da nicht den wichtigsten Fontane-Kenner fragen, der die großen Fontane-Gesamtausgaben betreut hat? Der Mann heißt Gotthard Erler, ist aber auch schon 86 Jahre alt. Aber er sagte auch nicht „Nein“, als der Verlag anfragte.
Kleine Fische: Zollaktion auf der Eisenbahnstraße
Am 12. November 2019 ab 17 Uhr in der Eisenbahnstraße großes Polizeiaufgebot und Kreuzungssperren. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDas Spannendste an der groß angelegten Razzia am Abend des 12. November 2019 dürften am Ende wohl die eingesammelten Telefone, Computer und Speichermedien sein. Diese sollen nun ausgewertet werden, so das LKA Sachsen zum Abschluss der Aktion, welche seit 17 Uhr zeitgleich in Leipzig, Grimma und Thüringen stattfand. Der Rest der Erkenntnisse vor allem auf der Eisenbahnstraße blieb eher mager.
„Dorf der Jugend“ in Grimma gewinnt Sächsischen Förderpreis für Demokratie
Stadtrat Jürgen Kasek (B90/Die Grünen) und Tobias Burdukat vom „Dorf der Jugend“ am 9. August 2019 in Grimma (auf einer Gegendemo zum Auftritt Björn Höckes im Rathaus Grimma). Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserBesonders in den Kleinstädten und auf dem Dorf, wo rechte Einstellungen teilweise in der Überzahl sind, ist Engagement für Humanismus und gegen Diskriminierung besonders wichtig. Gleichzeitig fehlt es vielen Projekten an Geld. Eines davon – das „Dorf der Jugend“ in Grimma – hat am Dienstag, den 12. November, den Hauptpreis des Sächsischen Förderpreises für Demokratie und damit 5.000 Euro gewonnen. Die „Kontaktstelle Wohnen“ aus Leipzig erhielt einen „Anerkennungspreis“.