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Erstmals gebündelt: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig veröffentlicht zweisprachiges Recherche-Tool zu „Leipziger Opfern im Nationalsozialismus“

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    Viele Leipziger Opfer des Nationalsozialismus waren im Leipzig jahrzehntelang vergessen, völlig aus dem Stadtgedächtnis verschwunden, wenn man von der Ehrung kommunistischer Widerstandskämpfer einmal absieht. Oft wurden ihre Geschichten erst nach der Wiedervereinigung wieder ans Tageslicht gebracht. Die Forschung ist noch längst nicht beendet. Höchste Zeit, einmal in einer Recherchedatenbank zusammenzuführen, was inzwischen bekannt ist. Man findet sie im Alten Rathaus, kann sie aber auch online ansteuern.

    Denn diese Geschichten sind elementar für das Stadtgedächtnis. Was dann auch in den Fragen steckt, die das Stadtgeschichtliche Museum als möglichen Einstieg wählt: „Wussten Sie, welche Geschichte das markante Hochhaus mit den Glockenmännern am Augustusplatz Leipzig hat? Wollen Sie sich über jüdische Traditionen informieren? Suchen Sie nach Angehörigen für ihre eigene Familiengeschichte, nach einem Lernprojekt oder nach der Vergangenheit ihres Stadtteils?“Das Online-Recherche-Tool „Leipziger Opfer des Nationalsozialismus“ des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig bietet Interessierten auch außerhalb des Museums, unterwegs oder bei der Arbeit, über ein Menü Zugang zu vielfältigen Informationen. Das Tool ist auch in der Ständigen Ausstellung im Alten Rathaus nutzbar.

    Textinformationen, Bilder, Audios und Videos bündelt ein Menü online und frei zugänglich. Neben den eigenen Datenbanken und Texten vor allem auch die Angebote weiterer Träger zum Thema. Unter anderem erlauben ein Hör-Rundgang durch die Innenstadt, die Interviews mit Zeitzeug/-innen über ihre Verfolgung oder interaktive Stadtpläne weltweit Zugang zu diesem dunklen Kapitel der Leipziger Stadtgeschichte.

    Das Recherche-Tool Leipziger Opfer des Nationalsozialismus im Stadtgeschichtlichen Museum. Foto: SGM, Katja Etzold
    Das Recherche-Tool Leipziger Opfer des Nationalsozialismus im Stadtgeschichtlichen Museum. Foto: SGM, Katja Etzold

    Dr. Johanna Sänger, Projektleiterin und Kuratorin für Stadtgeschichte ab 1800, erklärt dazu: „An die NS-Zeit 1933 bis 1945 können sich die meisten von uns heute nicht mehr selbst erinnern. Aber sie ist nicht vergangen. Wenn man es weiß, findet man überall Spuren. Auch in der schönen Stadt Leipzig war sie eine Zeit des Schreckens: Tausende Leipzigerinnen und Leipziger, aber auch Häftlinge und Zwangsarbeiter/-innen wurden aus rassischen, politischen, religiösen Gründen oder einfach wegen ihrer Krankheit oder Behinderung ermordet, weitere Tausende wurden zur Flucht und Emigration gezwungen.“

    Das Online-Tool führt deutsch- und englischsprachig zu hunderten Lebensorten, zu Lebensdaten und Geschichten von ganz unterschiedlichen Menschen: Zu den mehr als 5.500 ermordeten Menschen jüdischer Herkunft und mindestens 250 Sinti und Roma aus Leipzig, den über 300 Menschen, die aus politischen oder religiösen Gründen ermordet wurden oder weil sie nicht Soldaten sein wollten. Zu finden sind bisher auch etwa 1.000 Opfer der „Euthanasie“, ebenso wie tausende Zwangsarbeiter und ihre Kinder oder etwa 600 Kriegsgefangene, die den Zweiten Weltkrieg in Leipzig nicht überlebten.

    Wobei das Auffinden so einfach nicht ist. Denn in der Regel sind nur andere Seiten, die die Ergebnisse der Recherchen bündeln, verlinkt. So auch das Gedenkbuch der Stadt Leipzig, in dem das Recherchieren aber nur dann gelingt, wenn man sowieso schon weiß, wen man sucht. Etwa wenn man nach Georg Schumann oder Carl Goerdeler sucht.

    Ansonsten sind abgebildete Schwerpunkte die Seiten mit Opfern der Shoah (die das Stadtgeschichtliche Museum selbst bereitstellt), die Forschungen zur Zwangsarbeit und die Biografien zu den Leipziger Stolpersteinen.

    Eine wirkliche Systematik der Suche fehlt und ein Zusammenführen der Datenbanken wäre eigentlich ratsam, auch unter dem Aspekt, dass man so erst sichtbar machen kann, mit welcher Grausamkeit die Nationalsozialisten gegen ganze Bevölkerungsgruppen vorgegangen sind. Erst so wird das Ausmaß ihrer Verbrechen wirklich sichtbar und auch erlebbar, was es tatsächlich bedeutet, Faschisten den Zugriff auf die Macht zu ermöglichen.

    „Die Forschungsarbeit ist noch lange nicht zu Ende“, sagt Dr. Johanna Sänger.

    „Aber inzwischen gibt es viele Möglichkeiten der Suche: In den letzten Jahren wurden oft dank ehrenamtlicher Arbeit schon hunderte Geschichten von Familien und Orten, hinter denen ganz unterschiedliche Schicksale stehen, erforscht. Immer öfter sind diese Ergebnisse im Internet veröffentlicht. Meist von Vereinen und privaten Initiativen, aber auch von der Stadt Leipzig selbst und ihren historischen Museen. Oft wissen das nur Experten. Unser Ansinnen ist es, auch Schulen und Privatpersonen mehr für diese Angebote und Themen zu sensibilisieren und aufmerksam zu machen.“

    Direkt zur Recherche-Seite des Stadtgeschichtlichen Museums.

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