Auf der Jagd nach den Räubern: Die Leipziger Zeitreise geht weiter (10)

LeserclubDie beiden Räuber, die einen Comptoir in Barthels Hof überfallen haben sollen, sind weiter flüchtig. Nach Informationen der Polizei sollen sie eine Überfahrt nach Amerika vorbereiten. Noch ist es nicht gelungen, Melzer und Zehne dingfest zu machen, doch die Schlinge zieht sich immer weiter zu. Zwei Fragen bleiben: Sind die beiden in Kleinmiltitz oder Markranstädt und haben sie auf der Landsberger Chaussee schon vor sechs Wochen einen Mord verübt?

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Garlebs höhere Privatschule für Knaben wirbt in der letzten Januar-Ausgabe des Wochenblattes. „Sechsklassige Realschule, Leipzig, Dorotheenstrasse 11, Aufnahme vom 9. Lebensjahre an. Pensionat und Arbeitsstunden. Schulgeld 150 – 240 Mark jährlich.“ Sie erinnern sich noch an das Jahreseinkommen der meisten Sachsen?

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Was das nur bedeutet? „Ein ehrl. Reinl. Mädchen von 17-18 Jahren wird zum 1. März zu mieten gesucht. Lindenau. Poststraße Nr 28. part.“

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Auch in dieser Zeit scheinen die Lehrlinge den Ausbildungsbetrieben nicht die Bude einzurennen. Jedenfalls werben im Wochenblatt regelmäßig Betriebe wie dieser: „Ein Knabe, welcher Lust hat Schlosser zu werden, kann sich melden. Leipzig, Plagwitzer Straße 15.“ Die Plagwitzer Straße ist die heutige Käthe-Kollwitz-Straße. Oder dieser: „Einige junge Damen können zur gründlichen Erlernung der modernen Schneiderei eintreten bei Franziska Zahn. Lindenau, Harkortstraße Nr. 6 A“

Übersicht über den Leipziger Westen. Die Magistrale im Vordergrund ist die heutige Karl-Heine-Straße. Foto: M. Hofmann

Wo sind die Räuber vom Barthels Hof? Foto: M. Hofmann

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Die Räuberjagd in Leipzig geht weiter. Melzer und Zehne sind zwar immer noch frei, aber die Beamten waren selbstredend derweil nicht untätig, haben weitere Beweise für ihre Beteiligung an einem versuchten Raubüberfall in Barthels Hof zusammengetragen und die beiden verfolgt. „Ein hiesiger Restaurateur, in dessen Wirtschaft Melzer und Zehne schon seit Wochen fast allabendlich in der Gesellschaft noch eines Dritten verkehrten und wo sie regelmäßig ziemlich viel Geld aufgehen ließen, hat den am Thatorte zurückgelassenen Hut bestimmt als den Melzers rekognostiziert.“ Der unbekannte Dritte soll ein Krause sein, der mittlerweile schon wegen eines anderen Delikts in Haft sitzt. Aber heften wir uns an die Fersen von Melzer und Zehne. Melzer hatte ja die Wohnung seines Bruders nachts um 2 ohne Kopfbedeckung aufgesucht und am Morgen 9 Uhr wieder verlassen, Sie erinnern sich. Das Wochenblatt weiß: „Von hier hat er sich dann in Gesellschaft Zehnes, den er irgendwo getroffen haben muß, nach Schönau begeben, wo er sich am Vormittag des Mittwoch bei einem dortigen Bäckermeister, der in Amerika gewesen ist, nach der billigsten und kürzesten Route nach Amerika erkundigt.“ Die beiden wollen also flüchten.

„Der betreffende Bäckermeister kennt den Zehne schon längere Zeit und da das Signalement des ihm unbekannten Begleiters des Zehne vollständig auf Melzer passt, so steht wohl unwiderlegbar fest, dass dieser in der Gesellschaft Zehnes gewesen ist.“ Vom Bäckermeister „haben die beiden den Weg nach Markranstädt eingeschlagen, und es ist nicht unmöglich, dass sie daselbst, wo Melzer Verwandte haben soll, sich einige Stunden aufgehalten haben.“ Möglicherweise haben sie sich aber auch gleich „auf die Bahn gesetzt“, wie Otto Hübler spekuliert. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass „sie überhaupt nicht nach Markranstädt gegangen, sondern sich nach Kleinmiltitz gewendet haben, wo sie ebenfalls den Zug besteigen konnten.“

Die beiden wissen offenbar schon, dass ihnen die Polizei auf der Spur ist. „Über die Art und Weise, wie das geschehen ist, wollen wir schweigen, aber bemerken wollen wir, dass die betreffenden Personen hierbei nicht gerade viel Umsicht bewiesen haben.“ Die beiden, wo auch immer sie sein mögen, sollen zudem richtige Schwerverbrecher sein. Die „gemeingefährlichen Subjekte“ sind auch „dringend tatverdächtig“, vor sechs Wochen auf der Landsberger Chaussee einem vom Wochenmarkt zurückkehrenden Händler räuberisch ermordet zu haben.“

Noch mehr Zeitreise in der Artikelserie Leipzig 1914

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