Seit dem 6. Januar schwebt das neue Kürzungsschwert über der Uni Leipzig: Neun von den 27 Stellen, die eigentlich bei der TU Dresden zur Kürzung vorgesehen waren, sollen nun an der Uni Leipzig wegfallen. Vielleicht verschoben ins Jahr 2020, aber die Unsicherheit ist erst mal da. Am Donnerstag, 7. Januar, meldete nun die HTWK Leipzig, dass auch dort fünf Stellen anfallen.

An der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) müssen durch die aktuellen Entscheidungen des sächsischen Wissenschaftsministeriums (SMWK) zur Verteilung der festgeschriebenen Stellenkürzungen im Jahr 2016 noch einmal fünf Stellen abgebaut werden.

„Es ist sehr zu begrüßen, dass der Stellenabbau danach bis 2025 ausgesetzt werden soll. Das gibt den Hochschulen ab 2017 Planungssicherheit. In Hinblick auf den aktuellen Stellenabbau 2016 sind wir jedoch wirklich enttäuscht, dass die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften nun auch Stellen kürzen müssen, deren Abbau an Universitäten vorgesehen war“, erklärt dazu Rektorin Grande.

Die Fachhochschulen – Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) tragen seit Jahren 30 Prozent des noch von Hochschulministerin Sabine von Schorlemer angewiesenen Stellenabbaus, obwohl sie nur über 20 Prozent des Hochschulpersonals in Sachsen verfügen. Dadurch wird die im bundesdeutschen Vergleich besonders schwache Position der Fachhochschulen in Sachsen noch ungünstiger. Nur ein Viertel aller Studienplätze entfällt in Sachsen auf die Fachhochschulen, bundesweit liegt der Anteil fast doppelt so hoch.

Die Enttäuschung bei Gesine Grande ist entsprechend deutlich: “Die Zusicherung der Wissenschaftsministerin Dr. Stange, die Fachhochschulen zukünftig zu stärken, wird durch die aktuelle Umsetzung des Stellenabbaus gefährdet.”

Das nennt man dann wohl das Gegenteil des Zugesagten.

Entgegen anderslautender Mitteilungen werde der Stellenabbau aber bereits zum 1. Januar 2017 wirksam. Zwar werden den Hochschulen als Ersatz befristete Mittel für Übergangslösungen bis 2020 zur Verfügung gestellt. Damit könne jedoch das Angebot in Forschung und Lehre nicht in gleicher Breite und Qualität aufrechterhalten werden. “Das geht letztlich zulasten unserer Studierenden und Studienplätze“, so HTWK-Rektorin Gesine Grande.

Das Rektorat der HTWK Leipzig hat hinsichtlich der abzubauenden Stellen bereits Gespräche mit den Fakultäten geführt und Optionen besprochen.

Als Basis für die Verteilung des Stellenabbaus 2016 war die Evaluierung der Umsetzung der in den Vereinbarungen mit dem SMWK festgelegten Leistungen vertraglich festgeschrieben, wurde aber nicht durchgeführt.

“Hier wurde die Chance einer erfolgsorientierten und motivierenden Steuerung vertan“, so Rektorin Grande. “Die HTWK Leipzig ist eine der leistungsstärksten Einrichtungen ihrer Art in Sachsen, eng vernetzt mit der Wirtschaft der Region und ein wichtiger Standortfaktor. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unternehmen trotz der ungünstigen Personalsituation erhebliche Anstrengungen, um die hohe Qualität von Lehre und Forschung zu halten.“

Die Hochschule arbeitet momentan intern an einer Profilschärfung, aber Effizienzsteigerungen seien kaum noch möglich, so Rektorin Grande. Kürzlich hat die HTWK Leipzig mehrere große Projekte aus dem Qualitätspakt Lehre erfolgreich eingeworben und befindet sich in der finalen Auswahlphase für das bedeutende Forschungsprogramm FH-Impuls des Bundesforschungsministeriums.

Da wirken die stur von der Landesregierung zugewiesenen Stellenstreichungen  kontraproduktiv und machen eher deutlich, dass die Regierung in der Hochschulpolitik keine belastbare Strategie hat, nur das Verdikt des Finanzministers, der die Stellenstreichungen durchdrückt, ohne sich für die Ausgestaltung vor Ort zu interessieren.

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