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Sachsens Lehrer fühlen sich überlastet – bald auch Streikaktionen in Leipzig

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    Innerhalb von knapp fünf Wochen haben 4909 Personen einen Appell der GEW Sachsen für ein Sofortprogramm zur Lehrkräftegewinnung und zur Qualitätssicherung für die sächsischen Schulen unterzeichnet. „Sie leiden vor allem unter Bürokratie, Zeitmangel und Klassengrößen“, so Sachsens GEW-Chefin Uschi Kruse (58) gestern auf einer Pressekonferenz der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

    Große Unterstützung aus sämtlichen Gesellschaftsbereichen

    „Lehrer zahlreicher Schulen, pädagogische Unterrichtshilfen, Schulsozialarbeiter, Personalräte, Schulleiter und Lehrerinnen im Vorbereitungsdienst unterstützen in großer Zahl die Initiative der GEW“, so Kruse anlässlich der Pressekonferenz. Auch Schüler, Schülerräte, Eltern, Großeltern, Elternräte und Mitarbeiter der Sächsischen Bildungsagentur hätten den Appell unterzeichnet. Kruse weiter: „Darüber hinaus unterstützen diesen auch zahlreiche Personen aus vielen Berufsgruppen der sächsischen Bevölkerung. So schlossen sich Ärzte, Krankenschwestern, Rechtsanwälte, Pfarrer in gleichem Maße an wie Verkäuferinnen, Verwaltungsangestellte, Ingenieure, Rettungsassistenten und Selbstständige.“

    Ebenso gehörten zahlreiche Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben – wie Bürgermeister, Kreistagsabgeordnete, Mitglieder von Stadträten oder Mitglieder des Sächsischen Landtages und des Bundestages – zu den Unterstützern, so die GEW-Vorsitzende. Denn bei einer Online-Umfrage der GEW kam raus, dass 95 % der Älteren (ab 35 Berufsjahre) ihren Job mindestens „belastend“ finden. Kruse: „Verbunden mit der Aufforderung zu entsprechendem politischen Handeln erhielten heute der Ministerpräsident, Herr Stanislaw Tillich, der stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Wirtschaft und Verkehr, Herr Martin Dulig, und die Staatsministerin für Kultus, Frau Brunhild Kurth den Appell.“

    Freistaat will Altersteilzeitregeln unterlaufen

    Einer der Hauptgründe für den Frust sei unter anderem, dass die früheren Altersteilzeitregeln jetzt nicht mehr gelten. Denn nur dadurch konnten die meisten Lehrer bisher mit 58 in den Vorruhestand gehen – ohne Abschläge. Genau das will der Freistaat wegen des drohenden Lehrermangels aber vermeiden. Und deshalb müssen Sachsens Lehrer jetzt, wie alle anderen Arbeitnehmer auch, genug Arbeitsjahre vorweisen, um früher in Rente zu gehen. Laut einer Online-Umfrage von Anfang 2015 empfanden 49 % der Lehrkräfte ihre Arbeit als sehr belastend, 46 % fühlten sich belastet und nur 5 % sahen den Schuldienst als angemessen an. Innerhalb der Umfrage nannten 67 % Zeitmangel, 65 % Bürokratie und 60 % die Klassengrößen als Belastungsfaktoren. 41,08 % der Lehrkräfte, die jetzt älter als 58 Jahre sind, haben ein Teilzeitarbeitsverhältnis. Als Ursachen für Teilzeit gaben 45 % Arbeitsbelastung, 38 % gesundheitliche Gründe und 9 % ihre Familie an.

    Kultusministerium hat Forderungen bis heute nicht beantwortet

    Die GEW Sachsen hatte anlässlich der Chefgespräche zwischen Kultus- und Finanzministerium zur Vorbereitung des nächsten Doppelhaushaltes die Personalräte an öffentlichen Schulen in Sachsen aufgerufen, im Zeitraum vom 25. bis 29. April 2016 Personalversammlungen durchzuführen. An mehr als der Hälfte der 1250 Schulen, an denen Personalräte existieren, hatte eine Personalversammlung stattgefunden. 654 Kollegien, darunter 366 Grundschulen und 137 Oberschulen, teilten ihre Beschlüsse der GEW mit. Die Personalversammlungen übersandten ihre Beschlüsse auch an das SMK.

    Hier die Forderungen:
    Das Regelstundenmaß soll an den sächsischen Schulen auch nach dem Schuljahr 2016/17 nicht erhöht werden. Es soll klargestellt werden, dass die Ermäßigung des Regelstundenmaßes der vollzeitbeschäftigten Lehrkräfte, die das 55. bzw. 60. Lebensjahr vollenden, unangetastet bleibt. Desweiteren sei klarzustellen, dass angesichts der bereits bestehenden Belastungen der zunehmenden Herausforderungen die Unterrichtsverpflichtung perspektivisch zu senken ist. Weitere Anrechnungstatbestände (z.B. für Klassenleitertätigkeit, Erstellung von Prüfungsaufgaben) sollen geschaffen werden und letztlich sei klarzustellen, dass sich das SMK gegenüber dem SMF für die Schaffung von tariflich garantierten Einkommensbedingungen stark machen wird, die geeignet sind, die Benachteiligungen sächsischer Lehrkräfte beim verfügbaren Einkommen endlich zu beenden.

    Auch Aktionen für Leipzig geplant

    Die Schulen übersandten laut GEW ihre Beschlüsse auch dem Lehrer-Hauptpersonalrat. Trotz Aufforderung der dortigen GEW-Fraktion reagierte das SMK bis heute nicht auf die eindeutige Willensbekundung der sächsischen Lehrkräfte. Gestreikt wird bei den Lehrern übrigens auch wieder: Die GEW hat für Donnerstag ab 10.30 Uhr zu Warnstreiks aufgerufen. Betroffen sind Schulen in Chemnitz, Freital, Plauen, Brand-Erbisdorf, Dresden, Görlitz und Freital. Uschi Kruse gegenüber der L-IZ: „Für die nahe Zukunft sind auch in Leipzig Aktionen geplant. Näheres geben wir demnächst bekannt.“

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