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Tanners Interview mit Christoph Marx (Fachtag Medienbildung in der frühen Kindheit)

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    Wenn 12-jährige Mädchen Nacktbilder von sich für einen Zehner bei What´s App verticken, um sich das neueste Style-Magazine zu kaufen, läuft irgendetwas schief. Auch wenn Kindergartenkinder hauptsächlich mit Star-Wars-Schwertern aufeinander eindreschen, scheint logisch, dass zuhause die Glotze im Dauereinsatz ist. Was tun? Man könnte mit den Fingern natürlich nach oben zeigen und „Verbot-Verbot“ schreien, andererseits könnte man es auch mal mit Bildung versuchen. Christoph Marx geht den schwereren Weg mit seinen Kollegen und befasst sich mit Medienbildung in der frühen Kindheit.

    Dazu gibt es am 13.03.2015 in Leipzig sogar einen Fachtag. Tanner fragte einfach mal nach:

    Hallo Christoph. Da reichst Du mir hier den Flyer rein von der Fachtagung „Medienbildung in der frühen Kindheit – Förderung von Medienkompetenz in Kita, Hort und Grundschule“. Und Du selber bist mit dem Landesfilmdienst Sachsen da Veranstalter. Erzähl doch mal bitte, was da bei der Fachtagung geschehen soll.

    Die Fachtagung ist eine Veranstaltung, die Möglichkeiten und Räume für die gemeinsame Diskussion und Reflexion über das Thema Medienbildung in Kita, Hort und Grundschule eröffnen soll. Wir verstehen die „frühe Kindheit“ also recht weit als Altersgruppe der Kinder von drei/vier Jahren bis zehn Jahren. Der Hintergrund hierfür ist einfach der, dass das Thema Medienbildung in dieser Spanne außerordentlich wichtig ist, aber leider immer noch ein wenig stiefmütterlich behandelt wird. Man kann auch sagen, dass mit Smartphones und Tablets oder auch mit allgegenwärtigen Phänomenen „Star Wars“, „Prinzessin Lillifee“ etc. schon die Kitas viel höheren Herausforderungen durch die allgegenwärtige Medienlandschaft begegnen müssen.

    Die Antwort auf diese Herausforderungen kann dabei aber nicht ein generelles Verbot von Medien sein, sondern nur in einer professionellen Förderung der Medienkompetenz der Kinder liegen. Wir wollen mit der Fachtagung daher versuchen, Wege und Methoden der Medienarbeit für diese Altersgruppe aufzuzeigen, welche den verschiedenen Institutionen insgesamt hilft und zu einer Verzahnung der unterschiedlichen Bildungsbemühungen beiträgt. So ist zum Beispiel das Thema Elternarbeit von zentraler Bedeutung: In der Wissenschaft wie in der Praxis werden zwar die Vorschläge für die Arbeit mit den Kindern immer konkreter und differenzierter. Aber ohne die Einbindung der Eltern bzw. des familiären Nahbereichs der Kinder sind echte Erfolge in der Medienbildung nur schwer erreichbar.

    Genau bei der Erforschung dieser Zusammenhänge steht die Medienwissenschaft noch ganz am Anfang, trotzdem gibt es hier schon wichtige Erkenntnisse zu diskutieren. Die Fachtagung soll daher ein Ort unter anderem für diese Diskussion sein. Konkret wird es einen Einführungsvortrag vom renommierten Prof. Dr. Aufenanger von der Uni Mainz geben, einen Workshop von Prof. Dr. Fleischer von der Uni Erfurt sowie eine Diskussionsrunde mit diesen Beiden, moderiert durch Prof. Dr. Schorb von der Uni Leipzig. Darüber hinaus bieten wir drei weitere Workshops an, die jeweils spezifisch auf Kita, Hort und Grundschule eingehen. Nähere Details zu den Inhalten gibt es unter www.kompetente-medienkinder.de

    Die Teilnahme an der Fachtagung läuft über Anmeldung. Wer ist da anvisierte Zielgruppe? Was kostet es und wohin muss ich mich wenden?

    Wir richten uns an Erzieher_innen und Lehrer_innen sowie generell an alle Fachkräfte von Kita, Hort und Grundschule. Ebenso an Studierende und Schüler_innen der entsprechenden Ausbildungsschulen, an Multiplikator_innen und Fachberater_innen – schlichtweg auch an alle Personen, die ein besonderes Interesse an den Themen der Fachtagung haben. Die Teilnahme geschieht über Anmeldung beim Landesfilmdienst Sachsen e. V. unter der Tel. 0341-49294910 bzw. per Mail an mich, cmarx@landesfilmdienst-sachsen.de. Die Teilnahmegebühr beträgt regulär 20,00 Euro, allerdings sind Ermäßigungen für Schüler_innen und Studierende möglich.

    Wie geschah die Auswahl der Referenten, nach welchen Gesichtspunkten wurde wer eingeladen und wofür?

    Wir haben natürlich versucht, ausgewiesene Expert_innen für die Fachtagungen zu gewinnen – also Personen aus der Medienwissenschaft und -pädagogik. Prof. Dr. Schorb ist sicherlich einer der wichtigsten Vertreter in diesem Bereich und sorgt seit Jahrzehnten für die Aufwertung der Medienbildung, v.a. auch hier in Mitteldeutschland z. B. mit uns und weiteren Vereinen im Arbeitskreis Medienpädagogik der Stadt Leipzig e.V.. Auch Prof. Dr. Aufenanger von der Uni Mainz, der den Einführungsvortrag halten wird, hat die Medienpädagogik in Deutschland in einer außerordentlich starken Weise geprägt. Frau Prof. Dr. Fleischer von der Uni Erfurt konnten wir für die Leitung eines Workshops gewinnen, in dem es um Forschungstrends und neue Erkenntnisse für die Praxis v.a. im schon erwähnten familiären Bereich geht. Aufgrund Ihrer aktuellen Grundlagenforschung in dieser Thematik kann man sagen, dass sie eine der wichtigsten Expertinnen auf diesem Gebiet ist.

    Kannst Du bitte den Menschen, die noch nie mit dem LFD Sachsen zu tun hatten, erläutern was ihr da macht als Landesfilmdienst Sachsen. Ich meine jetzt nicht zur Fachtagung, sondern das ganze Jahr über. Und wie Ihr das macht.

    Den Landesfilmdienst Sachsen e. V. gibt es jetzt seit 25 Jahren. Er ist einerseits ein sachsenweit tätiger freier Bildungsträger der Jugend- und Erwachsenenbildung. Wir bieten also in den Bereichen der Medienbildung, der politischen Bildung, der Demokratieförderung, des interkulturellen sowie des historischen Lernens unterschiedlichste Projekte, Workshops und Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche an und führen Fortbildungen für Erwachsene durch. Dabei arbeiten wir z.B. mit verschiedenen Sächsischen Ministerien sowie öffentlichen Institutionen und Netzwerken in ganz Sachsen zusammen. Die medienpädagogische Arbeit steht dabei immer im Zentrum.

    Wie sieht die konkret aus?

    Zwei Projektbeispiele will ich nennen: Seit 2012 haben wir das Modellprojekt „Kompetente Medienkinder“, gefördert vom Kultusministerium, durchgeführt und waren in über 20 Kitas und Horten präsent. Letztlich fließen viele Erkenntnisse aus diesem Projekt in die Fachtagung ein, die in gewisser Weise auch dessen Abschluss markiert. Denn leider wird „Kompetente Medienkinder“ Ende März 2015 vorerst beendet sein. Glücklicherweise weiterhin gefördert wird unser „Web 2.0“-Projekt. Hier beschäftigen wir uns gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und vorrangig auch Erwachsenen kritisch mit sozialen Netzwerken und den Vor- und Nachteilen des modernen Internets. Also mit Facebook, What’s App, Smartphone etc. Das ist ja ein hochaktuelles Thema gerade in Bezug auf unsere Datensicherheit.

    Ganz allgemein ist es letztlich so, dass wir mit den Teilnehmer_innen Filme drehen, Hörspiele produzieren, digitale Schatztouren entwickeln und viele andere mediale Produkte herstellen. Diese Betonung des Selbst-Aktiv-Werdens ist uns immer sehr wichtig. Deswegen sind auch unsere Kinder- und Jugendfilmfeste LeoLiese (im Juni im Leipziger Land) und Rabazz (im Juli in der Stadt Leipzig) nicht nur auf Filme, sondern vor allem auf die spannende und aktive Auseinandersetzung mit den Filmen und deren Themen ausgerichtet.

    Der LFD Sachsen e.V. ist aber auch ein Medienzentrum, wir verleihen also weitgehend kostenfrei Bildungsmedien und pädagogisch wertvolle Filme. Wir sind nämlich Teil der bundesweiten Konferenz der Landesfilmdienste und insofern für ganz Sachsen als besonderer Filmverleiher tätig.

    Es gäbe noch viel mehr zu nennen, am besten Auskunft gibt unsere Website: www.landesfilmdienst-sachsen.de. Oder einfach anrufen über 0341-49294910

    Und du selber? Wie bist Du zum LFD gekommen? Kann man das studieren?

    Man kann Medienpädagogik studieren, z. B. in Leipzig oder Merseburg. Oft gibt es einen Zusammenhang mit Kommunikations-, Kultur- und Medienwissenschaften. Beim LFD Sachsen arbeiten aber auch studierte Kulturwissenschaftler, Historiker und Soziologen – wir sind da ziemlich breit aufgestellt. Ich bin als Lehrer für Geschichte und Philosophie am Gymnasium eigentlich Quereinsteiger. Aber das ist eine längere Geschichte.

    Medienkompetenz ist ein großes Thema, eine Sisyphos-Arbeit. Wie gehst Du persönlich damit um, wenn Du merkst, das „Die Großen“ doch eher auf eine Formung unmündiger Konsumistenkinder hinarbeiten? Manchmal geschafft vom Kampf?

    Tja, das ist natürlich auch anstrengend. Aber welcher Job ist das nicht? Als „Kampf an der Medienfront“ würde ich unsere Arbeit nicht bezeichnen. Schließlich sollte man sich schon der Dimensionen bewusst sein und nicht ernsthaft als LFD Sachsen mit Google, Facebook und Co. konkurrieren. Aber es gibt ja nicht nur uns, z. B. in Leipzig ist das Netz der medienpädagogischen Vereine ziemlich stark und dicht. Das macht dann schon einen Unterschied. Im Grunde würde ich zustimmen, dass wir immer wieder aufs Neue die Herausforderung annehmen müssen, den Stein auf den Berg hochzurollen, quasi ewig. Denn die medialen und technischen Entwicklungen gehen ja auch immer weiter. Da hilft dann aber die Konzentration auf die konkreten Ergebnisse im Kleinen, die wir beobachten können. Zum Beispiel in der Begeisterung der Kinder, mit denen wir zusammenarbeiten.

    Danke, Christoph.

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