Das neue „Median“-Heft nimmt die demografische Katastrophe in Mitteldeutschland mal facettenreich unter die Lupe

Für FreikäuferRoland Mey und sein Hallenser Mitstreiter Bernward Rothe haben Recht: Die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gehören verschmolzen zu einem Bundesland. Nicht weil „Mitteldeutschland“ so hübsch klingt, sondern weil die wirtschaftlichen und demografischen Bedingungen das erzwingen. Sogar mit unheimlicher Wucht. Man vermutet das Thema gar nicht hinter dem Titel „Auf und ab“ für das neue „Median“-Magazin der Metropolregion Mitteldeutschland.

Natürlich wird dort auch niemand so laut wie Rothe und Mey nach einer Fusion der drei Bundesländer rufen. Mitteldeutschland ist ein Porzellanladen mit lauter regionalen Kleinstbefindlichkeiten. Und aus allen drei Landeshauptstädten (Erfurt, Dresden und Magdeburg) wird schon lange mit höchstem Misstrauen auf das geschaut, was da um Leipzig und Halle herum passiert. Denn keine Region wächst so wie diese. Leipzig ist sogar ganz offiziell zur erfolgreichen „Schwarmstadt“ erklärt worden.

Und da sind wir im Thema. Denn wer wirklich genau hinschaut, der sieht, warum es in den ostdeutschen Provinzen brodelt, warum die immer älteren Bewohner der Provinzen immer unglücklicher, grantiger und bockiger werden. Warum nicht nur in der Lausitz, sondern auch im Mansfeldischen und anderswo das Gefühl um sich greift, um alle Früchte des eigenen Tuns betrogen zu sein. Von wem auch immer. Trotzdem leichter Fang für lauter rechtspopulistische Jägermeister und Rattenfänger. Denn wenn man über die Ursachen des wachsenden Unmuts nicht nachdenkt und ihnen nachspürt, verwandelt sich Politik in ein UFO, wird weltfremd und kümmert sich um die falschen Themen.

Aufhänger des Heftes ist ein Interview mit dem Professor für Volkswirtschaftslehre an der HTWK Leipzig und Mitarbeiter des empirica Instituts Dr. Harald Simons. Empirica machte mit seiner großen Studie zu „Schwarmstädten“ auf sich aufmerksam.

Schwarmstädte sind jene 30 deutschen Städte, die bei jungen Menschen besonders beliebt sind, wohin sie sich aus allen Gegenden der Republik aufmachen, weil diese Städte in sind, hipp, lebenswerter oder einfach den Ruf haben, es zu sein. Und da ist man beim Grundproblem, das gern vergessen wird, worauf Dr. Harald Simons im Interview mit Kai Bieler aber eingeht: „Junge Menschen sind zunehmend zu einer Minderheit geworden. Diese Minderheit rückt räumlich zusammen, und zwar in den Schwarmstädten.“

Oder noch deutlicher ausgedrückt: Junge Leute zieht es da hin, wo schon andere junge Leute sind. Die Provinzen veröden und vergreisen. Denn mit den jungen Leuten wandert auch alles ab, was Zukunft bedeutet – Kreativität, Unternehmungslust, Zuversicht, Familiengründung. Simons hält den „Pillenknick“ für die Ursache dieser Entwicklung. Denn damit brachen die Geburtenzahlen ein. Ich persönlich halte die modere Art, Arbeit zu denken (mobil, flexibel, immerbereit) für das eigentliche Problem: Eine Arbeitswelt, die ihre Beschäftigten derart vereinnahmt, lässt kaum noch Zeit, Raum und vor allem ehrlich verdientes Geld für eine Familiengründing. Und das große Experimentierfeld für diese moderne Art Arbeit war ab 1990 der Osten. Die Ostdeutschen wissen es. Und sind entsprechend sauer.

Seit Anfang der 1990er Jahre ist überall spürbar, wie die Kinder und Jugendlichen verschwinden, weil sich die Geburtenraten halbiert haben. Besonders krass war der Geburteneinbruch natürlich im Osten. Was damals schon eine Menge Leute hätte alarmieren müssen. Wenn sie von den „blühenden Landschaften“ nicht so besoffen gewesen wären.

Aber weder Wissenschaftler noch Politiker sind augenscheinlich mit der Gabe gesegnet, in Generationen-Dimensionen zu denken. Der kurzfristige Effekt, der schnelle Gewinn bestimmen das Handeln. Und wenn dann die Folgen der großen Veränderungen nach 20 Jahren sichtbar werden, dann guckt man blöd aus der Wäsche, als hätte man das gar nicht ahnen können.

Das Problem der Volkswirtschaftler ist nun einmal: Auch sie können die Daten erst hinterher interpretieren. Dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Oder gar nicht erst geboren. Und selbst die 20 Jahre reichen augenscheinlich nicht. Davon erzählt ja die ganze Debatte um die empfundene fehlende Gerechtigkeit. Jetzt fängt man auf einmal an, jetzt, wo es kocht in den Provinzen. Nicht nur in den sächsischen. Ähnliche Phänomene hat man längst auch im Ruhrpott.

Was tun?

Das „Median“-Magazin beschäftigt sich mit lauter kleinen Beiträgen damit, wie diese Entwicklung im mitteldeutschen Raum erlebt wird und wie die Aktiven vor Ort versuchen, irgendwie gegenzusteuern: in Halle, in Döbeln, in Jena, in Altenburg, in Zwickau, in Gera … Gera ist dabei sogar typisch in seinem öffentlich gemachten Wunsch, ans Mitteldeutsche S-Bahn-Netz angeschlossen zu werden. Denn so zwingend, wie sich alles auf die „Schwarmstadt“ Leipzig konzentriert, so zwingend sind auch die wirtschaftlichen Entwicklungen dahinter. Denn die jungen Leute gehen nicht wirklich nur in die „Schwarmstädte“, weil dort alles so hipp ist, sondern weil sich dort auch die modernen Wirtschaftsentwicklungen andocken. Die alten sind nämlich längst passé und bieten keine Arbeitsplätze mehr. Die vielen wunderschönen Dörfer im Land hatten eine einzige Existenzgrundlage: die Landwirtschaft.

Und da ist man bei den gewaltigen Veränderungen, die man in der Hektik des Tages immer ignoriert: Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft ist die Existenzgrundlage für Millionen Menschen im ländlichen Raum verschwunden. Das hat die arbeitsintensive Industrie des 20. Jahrhunderts nur jahrzehntelang kaschiert – die Leute fuhren ja freiwillig mit Bus und Bahn zu den rauchenden Fabriken. Aber seit auch die Fabriken immer moderner und smarter wurden, gibt es auch immer weniger Industriearbeitsplätze. Schon gar nicht in all den hübschen Klinkerfabriken, die im 19. Jahrhundert selbst in den kleinsten Städtchen Sachsens gebaut wurden.

Das heißt: Die jungen Leute sind auch ganz existenziell dazu verdonnert, in die großen Knotenpunkte abzuwandern, wo die neuen, meinst IT-getriebenen Arbeitsplätze und Dienstleistungsjobs entstehen. Wir stecken gerade mittendrin in der dritten industriellen Revolution, manche meinen ja sogar, es sei schon die vierte.

Augenscheinlich werden solche simplen Dinge weder im politischen Alltag noch in der forschenden Wissenschaft wirklich wahrgenommen. Da sind solche Studien, die den Horizont öffnen wie die empirica-Studie, Gold wert. Auch wenn man nicht jede Schlussfolgerung der Wissenschaftler teilen muss. Denn auch Simons gesteht zu, dass auch „Schwarmstädte“ wie Leipzig mit diesem von außen initiierten Wachstum schnell an ihre Grenzen stoßen – Kindertagesplätze und Wohnungen werden knapp.

Was bedeutet das aber?

Es bedeutet, dass auch die kleinen Städte und Dörfer ringsum trotzdem Chancen haben. Im Heft steht Dreiskau-Muckern als Beispiel. Viele Großstädter mit hoch qualifizierten Jobs zieht es zum Leben eben doch wieder hinaus in ruhigere Landschaften. Aber selbst Gera, Merseburg, Grimma und Zwickau haben Chancen. Und in Gera hat man es mit der Forderung auf den Punkt gebracht: Teil an der Entwicklung hat künftig nur noch, wer auch mit dem brodelnden Zentrum der Region schnell, gut und barrierefrei vernetzt ist. Mit einer S-Bahn. Oder einem gut vertakteten Bussystem. Oder einer elektrifizierten Regionalbahn.

Auch wenn die Beiträge im Heft oft wie gutwillige Rettungsversuche in einer gebeutelten Landschaft wirken, merkt man, dass diese Landschaft überhaupt nicht chancenlos ist. Es ist nur verdammt viel schiefgelaufen. Auch weil jahrelang die Kommunikation über Kreis- und Landesgrenzen grottenschlecht war. Statt die neuen Strukturen zu akzeptieren und zu stärken, hat man jahrelang sein kleines provinzielles Süppchen gekocht. Aber die Strukturen sind längst da. Das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz hat sie 2014 erst richtig sichtbar gemacht. Und wer dranhängt an diesem Netz, ist happy. Denn damit hat die Stadt auch Anteil am Leipziger Wachstum, egal, ob nun Leipziger wieder „nach draußen“ ziehen oder junge Leute nach Delitzsch gehen, weil sie dort Kita-Platz und bezahlbare Wohnung finden, zur Arbeit aber nach Leipzig fahren. Oder in den Leipziger Nordraum.

Und einige der mutigeren Initiativen arbeiten natürlich daran, in diesen Städten außerhalb der Metropole auch wieder zentral städtisches Leben zu schaffen und die Fehlentwicklungen der 1990er Jahre zu reparieren, als man im allgemeinen Größenwahn die Stadtentwicklung meist dem „Markt“ überließ, durchgeknallten Investoren, denen die Lebensstrukturen in der mitteldeutschen Landschaft völlig egal waren. Das schlimmste Beispiel dieser Rücksichtslosigkeit steht bei Rückmarsdorf.

So langsam kommen die Lernprozesse in Gang, vergewissert man sich auch in den gebeutelten Landkreisen der Erkenntnisse, die moderne Stadtforschung ergeben hat. Städte verlieren ihr Gesicht, wenn sie ihre lebendigen Zentren verlieren. Sie werden zu Un-Orten, aus denen es für junge Menschen nur einen Weg gibt: Weg hier.

Das heißt: All diese Städte im mitteldeutschen Netz haben durchaus wieder eine Chance, zu einem als Lebensort empfundenen Platz auf der Landkarte zu werden. Sie müssen nur eine Menge reparieren und ihr Herz zurückgewinnen. Und noch zwei Dinge müssen sie. Das Erste hat Gera thematisiert: Sie brauchen dringend schnelle ÖPNV-Verbindungen, die sie in das große blinkernde Netzwerk um den Knotenpunkt Leipzig/Halle einbinden. Und sie müssen familienfreundlicher werden. Noch viel familienfreundlicher als Leipzig. Denn Simons hat natürlich Recht, wenn er gerade dieses Gefühl der jungen Menschen anspricht, dass sie zu einer Minderheit geworden sind.

Damit fehlt nicht nur der Provinz die Zukunft, sondern dem ganzen Land. Wenn in Deutschland mal kluge Politik einziehen sollte, dürfte ein Thema ganz oben stehen: Wie schafft man ein wirklich familienfreundliches Land? Es wird zwar von allerlei Pfauen stets von Familienpolitik geredet, aber meistens wird damit die Steuerbegünstigung für gut verdienende Ehegatten gemeint, kein selbstverständliches Strukturmodell für ein Land, in dem Familie und Kinder für viele Menschen nur ein Traum bleiben, weil sie die wirtschaftliche Basis dafür nicht vorfinden.

Mitteldeutschland ist längst ein Strukturmodell, in dem die demografische und wirtschaftliche Zukunft sichtbar ist. Wo es klare Hierarchien gibt, die man nicht mehr ignorieren kann. Alles, was in diesem Netz passiert, hängt von den Entwicklungen im Netzknoten Leipzig ab. Die mehrfach lesbaren Appelle, künftig wirklich gemeinsam zu handeln, sind unüberlesbar. Es geht gar nicht mehr anders. Und auch die gern im eigenen Schaum badende Großstadt Leipzig ist gut beraten, die Vernetzungen in alle vier Himmelsrichtungen zu stärken. Nur dann sind auch die gerade wachsenden Leipziger „Wachstumsprobleme“ zu mildern.

Mey und Rothe behalten übrigens auch dann Recht, wenn es nie zur gewünschten Länderfusion kommt. Dann setzen sich diese Strukturen trotzdem durch, gegen die zähen Widerstände in den Hauptstädten. Denn die Entscheidungen treffen die jungen Leute. Sie ganz allein. Die alten müssten nur langsam lernen, das zu akzeptieren. Aber wer lässt schon gern los, wenn Macht so schön halbtrunken macht?

Fast so etwas wie eine Geburtstagsausgabe – Die neue LZ Nr. 50 ist da

 

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