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Ausgezeichneter kritischer Journalismus: Zwei Mal Unterstützung für Leipziger Journalisten durch die Otto-Brenner-Stiftung

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    Am 17. November zeichnet die Otto-Brenner-Stiftung wieder herausragende Leistungen für kritischen Journalismus aus. Diesmal gehen zwei Auszeichnungen an Journalisten aus Leipzig. Beide konnten wir mit ihren Büchern schon in der L-IZ vorstellen. Die Preisverleihung findet aufgrund der Corona-Pandemie am 17. November in Berlin ohne Publikum statt – sie wird für alle Interessierten ab 18 Uhr im Livestream über die Internetseiten der Stiftung zu verfolgen sein.

    Die Otto Brenner Stiftung verleiht den Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus 2020 zum 16. Mal. Prämiert werden journalistische Arbeiten, die das Motto der Ausschreibung „Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten“ in ihren Beiträgen beispielhaft umgesetzt haben. Aus mehr als 500 Bewerbungen wählte die Jury am 23. September in Frankfurt a. M. die Preisträger/-nnen in fünf Kategorien aus. Das Preisgeld beträgt auch 2020 insgesamt wieder 47.000 Euro.

    Jurymitglieder 2020 sind die freie Journalistin Brigitte Baetz (u. a. Deutschlandfunk), Nicole Diekmann (ZDF-Hauptstadtstudio Berlin), Prof. Dr. Volker Lilienthal (Universität Hamburg, Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Qualitätsjournalismus), Henriette Löwisch (Leiterin der Deutschen Journalistenschule in München, DJS), Prof. Dr. Heribert Prantl (Kolumnist und Autor, Süddeutsche Zeitung), Harald Schumann (Mitbegründer Investigate Europe, Redakteur für besondere Aufgaben Der Tagesspiegel) sowie Jörg Hofmann (1. Vorsitzender der IG Metall und OBS-Verwaltungsratsvorsitzender).

    Den mit 10.000 Euro dotierten 1. Preis für kritischen Journalismus 2020 der Otto Brenner Stiftung erhält Gregor Haschnik für seinen Beitrag „Wie starb Jan H.?“, der in der Frankfurter Rundschau/Beilage „FR 7“ am 12. Oktober 2019 erschienen ist. Seit 2014 recherchiert Gregor Haschnik über die Missstände in einer religiösen Gruppierung in Hanau, in der 1988 ein vierjähriger Junge gestorben war.

    Der Fall wurde seinerzeit schnell zu den Akten gelegt. Doch nach zahlreichen Gesprächen, intensiven Recherchen und Auswertung interner Schreiben hat Gregor Haschnik mit seiner FR-Geschichte „etwas Außerordentliches geschafft“, so die Jury.

    Der 2. Preis (5.000 Euro) geht an Christian Schwägerl und Joachim Budde für den Beitrag „Streeck, Laschet, StoryMachine: Schnelle Daten, pünktlich geliefert“, der auf RiffReporter am 14. April 2020 veröffentlicht worden ist.

    Michael Billig: Schwarz. Rot. Müll. Foto: Ralf Julke
    Michael Billig: Schwarz. Rot. Müll. Foto: Ralf Julke

    Mit dem 3. Preis wird Cornelia Schmergal für „Ausgeliefert“ ausgezeichnet – ein Report über typische Zustände im deutschen Pflegesystem. Der Beitrag, honoriert mit 3.000 Euro Preisgeld, wurde vom Magazin Der Spiegel am 16. November 2019 veröffentlicht.

    Aber beim nächsten Preisträger gab es auch Freude bei seinem Verlag, dem Ullstein Verlag.

    Mit dem „Spezial-Preis der Jury“ für pointierte Meinungsbeiträge, kluge journalistische Interventionen und besondere publizistische Leistungen, dotiert mit 10.000 Euro, wird Michael Kraske ausgezeichnet. Sein Buch „Der Riss. Wie die Radikalisierung im Osten unser Zusammenleben zerstört“ ist am 28. Februar 2020 im Ullstein Verlag erschienen.

    Michael Kraske lebt in Leipzig und arbeitet im Team von Mediendienst Ost. Und besonders verblüfft ihn immer wieder der oft krasse Unterschied zwischen dem, was er in Leipzig erlebt und was er dann bei seinen Recherchereisen durch die ländlicheren Regionen des Ostens erlebt.

    Michael Kraskes Buch ist, so die Jury in ihrer Begründung, „das herausragende Zeugnis einer jahrelangen journalistischen Auseinandersetzung mit den Rechtstendenzen in Ostdeutschland“. Der aus dem Westen stammende und seit langem in Leipzig lebende Autor hat das Thema ausdauernd recherchiert, war immer wieder vor Ort, in Gerichtssälen und auch dort, wo Neonazis ganze Orte in Angst und Schrecken versetzen.

    Der diesjährige Spezial-Preisträger, so die Jury weiter, „seziert mit scharfem Besteck das Fehlverhalten von Politikern, er plädiert für Empathie mit den Opfern, er argumentiert differenziert und vermeidet jegliches Ossi-Bashing“. Preisträger Michael Kraske analysiert unbestechlich die sozialen Prozesse, die zum Riss durch Deutschland geführt haben. Zudem zeigt er auch Wege aus der Krise auf. Dieses sehr persönlich geschriebene, dabei faktenreiche Buch ist für die Jury „ein Leuchtturm in der wachsenden Publikationsflut zum Thema“; sie sieht in ihm „ein Machtwort pro liberale Demokratie“.

    Und einen anderen Bekannten aus der L-IZ findet man diesmal unter den Gewinnern eines Recherchestipendiums, mit dem die Otto-Brenner-Stiftung Journalist/-innen dabei unterstützt, wichtige Themen einmal in Ruhe gründlich aufzurollen. Drei Recherche-Stipendien wurden vergeben.

    Eines ging an das Team um Michael Billig und Benedict Wermter, das zum Themenkomplex „Kreislaufwirtschaft“ recherchiert. Michael Billig kennen L-IZ-Leser schon von seinem Buch „Schwarz Rot Müll. Die schmutzigen Deals der Müllmafia“, das er im Dezember 2019 veröffentlichen konnte und in dem er zeigen konnte, wie sich allerlei dubiose Müll-Firmen an der „Entsorgung“ auch gefährlichster Abfälle in Deutschland eine goldene Nase verdienen.

    Zu Michael Kraske kündigt der Ullstein-Verlag übrigens schon den nächsten Buchtitel an, der quasi im Gefolge von „Der Riss“ entsteht: „Tatworte“ wird es heißen, und erscheint im März 2021 im Ullstein Taschenbuch. Darin untersucht Michael Kraske Zitate von AfD-Politikern und Pegida-Aktivisten, die vom Vormarsch rechter Verschwörungstheorien und völkischer Ideologie zeugen, mit dem Ziel, die verbalen Brandstifter beim Wort zu nehmen und sie zu stellen.

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