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Umzug der ARD-Infonacht von Halle nach Hamburg wirft die Frage nach der (west-)deutschen Nachrichtenperspektive auf

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    Vielleicht ist es ja die Aufregung nicht wert, vielleicht aber doch. Am Donnerstag, 14. Januar, meldete sich der medienpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag, Andreas Nowak, zu Wort und brachte das deutsch-deutsche Sende-Problem zur Sprache. Anlass: Zum Jahreswechsel haben MDR und NDR die Verantwortlichkeiten für die deutschlandweiten Angebote „ARD Infonacht“ und „ARD Hitnacht“ getauscht.

    Seitdem wird das nächtliche Info-Programm für die angeschlossenen ARD-Sender in Hamburg beim NDR produziert.

    „Dieser Wechsel ist instinktlos!“, kommentierte das der medienpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Andreas Nowak. „Das einzige ARD-weite Nachrichtenprogramm aus Ostdeutschland wird nach fast zehn erfolgreichen Jahren aus Halle nach Hamburg verlegt. Das ist das Gegenteil von dem, was die Menschen hier vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk erwarten. Von den 50 festen Gemeinschaftseinrichtungen der ARD liegen mit dem Kika in Erfurt und dem ARD-Hauptstadtstudio in Berlin ohnehin schon nur zwei in den neuen Bundesländern. Der Umzug der ARD-Infonacht in den Westen ist ein Schlag ins Gesicht aller ostdeutschen Rundfunkbeitragszahler und der fleißigen Journalisten im Hörfunkzentrum des MDR in Halle. Als Ausgleich darf nun der MDR mit der ARD-Hitnacht ein Dudelradio senden, das jenseits von Oldies keinerlei inhaltliche redaktionelle Angebote liefert und dessen Nachrichten sogar auch noch vom NDR aus Hamburg übernommen werden.“

    Womit ein Thema auf den Tisch kommt, das nicht einmal im Kosmos von ARD und ZDF wirklich jemals zu Ende diskutiert wurde. Dort tickt man ähnlich wie die Bundesregierung und verteilt die Sendeanstalten irgendwie übers Land, ohne wirklich einmal durchzudeklinieren, wie eigentlich Nachrichten auch in den Köpfen der Redakteurinnen und Redakteure entstehen.

    Dass gerade Ostdeutsche besonders mit dem Öffentlich-Rechtlichen fremdeln, hat ja auch damit zu tun, dass das täglich gesendete Nachrichtenschema extrem von einer westdeutschen Perspektive geprägt ist. Was ja nur zu logisch ist, wenn die Redaktionen in Hamburg, Köln oder Mainz sitzen.

    Ostdeutsche Perspektiven findet man zwar bei MDR und RBB, aber oft genug in einer geradezu provinziellen Perspektive. Eine deutschlandweit attraktive Nachrichtensendung sucht man dort vergebens.

    Ob nun ausgerechnet die ARD-Infonacht, die ja wirklich nur nachts im Radio zu hören ist, dazu je einen Kontrapunkt gesetzt hat, können wirklich nur die Schicht- und Nachtarbeiter einschätzen, die die Sendung nachts angeschaltet haben.

    Aber so ganz unrecht hat Nowak nicht, wenn er kritisiert: „Seit Jahren warten die Menschen in den fünf neuen Bundesländern auf den ihnen zustehenden Anteil an Standorten, deutschlandweit wichtigen Redaktionen und Führungskräften im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Hier leben 19 % der gesamtdeutschen Bevölkerung. Eine adäquate Abbildung davon findet im öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiterhin nicht statt. Mit dem neuesten Umzug der Verantwortung für die einzige deutschlandweite Radio-Nachtsendung im Infobereich erfolgt nun sogar das Gegenteil.“

    Er findet: „Statt noch mehr journalistisch relevante Gemeinschaftssendungen im Westen zu konzentrieren, gehört mehr Verantwortung in den Osten. ARD aktuell muss künftig aus Ostdeutschland senden. Die Radio-ARD-Infonacht gehört zurück ins Hörfunkzentrum nach Halle und die Tagesschau und die Tagesthemen nach Leipzig!“

    Ein nur zu berechtigter Gedanke. Denn wie sonst sollten die im Westen sozialisierten Redaktionen jemals einen Blick fürs Ganze gewinnen, wenn sie den Osten nicht einmal aus täglicher Anschauung kennen. Wie sollen sie ein Gefühl dafür bekommen, was sich da eigentlich 1990 geändert hat? Dass im Osten das Gefühl allgegenwärtig ist, immer noch nur als Anhängsel der als maßstabsetzend betrachteten alten Bundesrepublik gesehen zu werden, kommt ja nicht von ungefähr. Etliche Berichtsszenarien der letzten Jahre erzählen davon, wie sehr gerade in den großen Nachrichtenstudios das Befremden über diesen unverständlichen Osten noch immer mit Händen zu greifen ist.

    Und noch etwas ärgert Nowak gewaltig: Zudem stehe nämlich im Raum, dass der MDR nun auch noch Ausgleichszahlungen an den NDR leistet.

    „Die ARD-Infonacht wurde seit 2011 für die anderen ARD-Anstalten kostenfrei vom MDR produziert“, empört sich der Landtagsabgeordnete aus Leipzig. „Mit dem Umzug nach Hamburg sollen sich jetzt die Länderanstalten plötzlich auch finanziell an diesem Programm beteiligen – auch der MDR. Statt zu sparen, wird dieses Vorhaben jetzt Kosten erzeugen.“

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