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Ü40-Fußballer von Roter Stern Leipzig haben Stolpersteine für Familie Teutsch ermöglicht

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    Am Samstag, 21. März, war wieder einmal Stolperstein-Tag in Leipzig. An zehn Orten wurden weitere 22 Stolpersteine verlegt, die an Opfer der NS-Diktatur in Leipzig erinnern. Diesmal spielte auch der Leipziger Sport eine Rolle: Die Ü40-Fußballabteilung des Sportvereins Roter Stern Leipzig '99 e. V. und Cordula Schröder ließen in der Eutritzscher Straße 45 Stolpersteine anbringen, die an die Familie Teutsch erinnern.

    An der Verlegung der Steine nahmen Jugendliche des Vereins Roter Stern Leipzig teil. Für die Sommerpause sind Freundschaftsspiele zwischen den beiden Vereinen Roter Stern und SG Olympia von Jugend bis Senioren geplant. „Beide Vereine wollen an Leipziger Fußballspieler erinnern, die von Nazis verfolgt oder so, wie die Eheleute Teutsch, ermordet wurden. Gleichzeitig wollen wir mit Freundschaftsspielen für die eigentlichen Werte des Fußballs eintreten. Freiheit, Gleichheit und Teamgeist“, erklärt dazu Achim Beier, Teamchef der Ü40.

    Die Eheleute Friedrich Wilhelm und Elisabeth Babette wurden in Auschwitz ermordet. Den sportbegeisterten Kindern Kurt und Hans gelang die Flucht nach England. Hans Teutsch alias John Toyne lebt heute in London. Er war Spieler des Olympia Germania F.C., heute SG Olympia. Und außerdem spielte er zwangsweise, nach den erlassenen antisemitischen Gesetzen, beim jüdischen Verein Schild Leipzig.

    Die Recherchen zur Geschichte der Familie Teutsch hat Cordula Schröder durchgeführt. Wie bei all den anderen 265 Stolpersteinen, die mittlerweile an 118 Orten in Leipzig liegen, wird auch hier sichtbar, wie ganz normale Leipziger in die Mühlen der NS-Justiz und ihrer Mordmaschinerie gerieten.

    Friedrich Wilhelm Teutsch wurde am 21. Oktober 1882 in Venningen (Pfalz) geboren, wo seine Familie seit Jahrhunderten ansässig war. Im Frühjahr 1914 kam Friedrich Wilhelm Teutsch nach Leipzig und eröffnete in der Ritterstraße eine Textilwaren-Großhandlung. Am 6. Mai 1920 heiratete er in Venningen die ebenfalls dort geborene Elisabeth Babette Teutsch (geboren am 5. August 1898). In Leipzig gründeten die Eheleute eine Familie. Kurt wurde am 6. Februar 1921 und Hans am 4. Mai 1923 geboren. Seit 1931 wohnte die Familie in der Eutritzscher Straße 45.

    Die beiden Kinder waren begeisterte Sportler. Hans trat 1932 in die Fußballmannschaft von Olympia Germania Leipzig ein.

    Die Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 änderte das Schicksal der Familie auf dramatische Weise, denn jetzt wurden sie plötzlich als Juden stigmatisiert. Bereits 1934 entließ man aus allen Sportvereinen die jüdischen Mitglieder, so mussten auch die Kinder Teutsch Olympia verlassen. In diesem Jahr wurde in Leipzig der jüdische Sportverein „Schild“ durch den „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten“ (R.j.F.) gegründet. Der Reichsbund war die größte jüdische Vereinigung in der Weimarer Republik und wollte eine Antwort auf den sich vehement ausbreitenden Antisemitismus geben. Ziel der Mitglieder war es zu zeigen, dass sie integraler Bestandteil der deutschen Gesellschaft waren. Den Zionismus lehnten sie ab.

    Ausführlich schildert Cordula Schröder auf stolpersteine-leipzig.de, wie sich auch für die fußballbegeisterten Jungen die Möglichkeiten, Ball zu spielen, immer mehr einengten.

    Nach der Pogromnacht am 10. November 1938 wurden „Schild“ und alle anderen jüdischen Sportvereine verboten.

    Kurt Teutsch besuchte das König Albert Gymnasium. Das stand da, wo sich heute das Parkhaus des Zoos Leipzig befindet. Er musste es aber 1935 verlassen. Ihm gelang später die Flucht nach England und weiter in die USA. Dort arbeitete er später als Psychiater. Kurt Teutsch starb 2005.

    Auch Hans gelang die Flucht nach England. In England änderte Hans Teutsch seinen Namen in John Toyne. Er machte eine technische Lehrausbildung in einer Fabrik und heiratete. Seine Frau ist ebenfalls eine deutsche Jüdin aus Berlin. Später hat er in einem Lebensmittelimport-Unternehmen im kaufmännischen Bereich gearbeitet. Heute leben er und seine Frau in Bournemouth, Südengland.

    Doch ihre Eltern konnten sich nicht retten. Im April 1940 musste Elisabeth Teutsch in eines der sogenannten „Judenhäuser“ in die Funkenburgstraße 15 ziehen. Im Dezember 1940 wurde sie zu ihrem Mann nach Assen in den Niederlanden abgeschoben. Nachdem die Nazis beschlossen hatten, die europäischen Juden zu ermorden, kamen die Eheleute am 3. Oktober 1942 in das Lager Westerbork. Von hier aus gingen die Züge in die Vernichtungslager im Osten. Am 31. August 1943 wurden Elisabeth (45 Jahre) und Friedrich Wilhelm Teutsch (60 Jahre) nach Auschwitz deportiert. Nach Ankunft des Zuges am 3. September 1943 wurden sie sofort ermordet.

    Insgesamt haben 39 Paten – darunter die Ü40-Fußballmannschaft von Roter Stern – mit Kleinspenden zur Ermöglichung der Stolpersteine beigetragen.

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