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In Gohlis bekommt Adam Friedrich Oeser gleich zwei Jubiläumskonzerte

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    Am 17. Februar wäre er ganz offiziell 300 Jahre alt geworden: Adam Friedrich Oeser, der bekannteste Leipziger Maler der Goethe-Zeit. In der Januar- und Februar-Ausgabe der „Leipziger Zeitung“ kann man auf den Spuren des Malers durch Leipzig wandeln. Und ein Geburtstagskonzert bekommt er auch. Sogar zwei.

    Es ist der Freundeskreis „Gohliser Schlösschen“ e.V., der den Maler ehrt. Musizieren wird das Lipsia-Quartett, das am Freitag, 17. Februar, 19:30 Uhr, und am Sonntag, 19. Februar, 15 Uhr, ins Gohliser Schlösschen einlädt zum „Jubiläumskonzert. Adam Friedrich Oeser (1717-1799) zum 300. Geburtstag“.

    „Er ist von Größeren geehrt und von vielen Mitlebenden gefeiert worden. Später verblich sein Ruhm in dem Maße, als die Erinnerung an seine bezaubernde anregungsreiche Persönlichkeit versank“, schrieb Friedrich Schulze 1950 in „Adam Friedrich Oeser. Der Vorläufer des Klassizismus“.

    Der Maler, Bildhauer, Zeichner und Radierer Adam Friedrich Oeser wurde am 17. Februar 1717 in Pressburg, dem heutigen Bratislava, geboren. Nach einer Konditorlehre erhielt Oeser in seiner Geburtsstadt durch den Maler Ernst Friedrich Kamauf seine künstlerische Grundausbildung. 1730 ging er nach Wien und lernte bei verschiedenen Künstlern. Früh erhielt er wichtige Impulse aus den vorherrschenden Stilen des französischen und italienischen Spätbarocks. Besonders prägend war der Einfluss des Bildhauers Georg Raphael Donner, der Oeser erstmals zu einer intensiven Auseinandersetzung einer an der klassischen Antike orientierenden Kunstanschauung anregte.

    1739 ließ Oeser sich als freier Künstler in Dresden, der damaligen Kulturmetropole Deutschlands, nieder. Über den Reichsgrafen Heinrich von Bünau machte er um 1750 Bekanntschaft mit Johann Joachim Winckelmann, Kunsttheoretiker und Vater der modernen Kunstgeschichtsschreibung. Die mythenumrankte Begegnung mit dem „vertrauten Freund“ war für Oesers weiteres Schaffen wegweisend und für den einen wie für den anderen gleichermaßen befruchtend. Oeser gilt neben Winckelmann als geistiger Begründer des klassizistischen Gedankenguts im deutschsprachigen Raum, der die „edle Einfalt und stille Größe“ als das in der Antike sich manifestierende Ideal der Kunst als Erster erkannt hat.

    Während des Siebenjährigen Krieges floh Oeser aus Dresden und wirkte ab Herbst 1759 in Leipzig. Am 6. Februar 1764 wurde er zum Gründungsdirektor der Leipziger Akademie für Malerei berufen (heute: Hochschule für Grafik und Buchkunst), eine der ersten Kunsthochschulen in Deutschland. Er hatte dieses Amt 35 Jahre lang bis zu seinem Tode 1799 inne. Zu seinen prominentesten Studenten zählte von 1765 bis 1768 Johann Wolfgang von Goethe, der ihm eng verbunden war: „Ich bin Ihnen mehr schuldig, als dass ich Ihnen danken könnte, den Geschmack, den ich am Schönen habe, meine Kenntnisse, meine Einsichten, …“

    Das Lipsia Quartett im Festsaal des Gohliser Schlösschens. Foto: Freundeskreis Gohliser Schlösschen
    Das Lipsia Quartett im Festsaal des Gohliser Schlösschens. Foto: Freundeskreis Gohliser Schlösschen

    1768 schrieb Goethe: „…er (Oeser) drang in unsere Seelen, und man musste keine haben, um ihn nicht zu nützen. Sein Unterricht wird auf mein ganzes Leben Folgen haben. Er lehrte mich, das Ideal der Schönheit sei Einfalt und Stille,…“

    Bei den beiden Geburtstagskonzerten soll es nicht bleiben. Ab Mai will der Freundeskreis „Gohliser Schlösschen“ e.V. auch Spezialführungen anbieten, bei denen man Oeser besser kennenlernen kann.

    Natürlich im Gohliser Schlösschen, denn hier ist noch etwas von seiner Arbeit zu sehen: das Deckengemälde „Der Lebensweg der Psyche“ zum Beispiel, eine Ölmalerei auf Kalkputz, die er um 1779 im Festsaal des Gohliser Schlösschens malte.

    Im Garten findet man das Denkmal für Kurfürst Friedrich August III. aus sächsischem Marmor, geschaffen 1780. Ursprünglich aufgestellt war es auf der Esplanade vor dem Peterstor, dem späteren Königsplatz und heutigen Wilhelm-Leuschner-Platz, den einige Leute unbedingt Platz der Friedlichen Revolution nennen wollten, obwohl er mit dem Herbst ‘89 nichts zu tun hat. Seit 1935 steht das Königsdenkmal im Garten des Gohliser Schlösschens (andere Quellen sprechen von 1937). Friedrich August III. regierte ab 1763 als Kurfürst in Sachen. Als das Denkmal 1780 eingeweiht wurde, konnte er selbst noch nicht ahnen, dass er sich 1806 von Napoleon zum König machen lassen würde und ab 1815 nur noch ein halbiertes Sachsen regieren würde.

    Kein Wunder, dass die Leipziger diesen König dann lieber im Garten versteckten – ohne seinen einstigen Marmorsockel. Aber noch ein Oeser-Werk findet man im Garten: das Gellert-Sulzer-Denkmal, 1781 geschaffen und damals im Gutsgarten von Phillip Erasmus Reich in Sellerhausen aufgestellt. In Gohlis ist es schon ungefähr seit 1800.

    Das Jubiläumskonzert des Lipsia-Quartetts

    Das „Geburtstagsständchen“ für Adam Friedrich Oeser wird eröffnet mit dem „Dissonanzenquartett“ von Mozart, das nur wenige Jahre nachdem Oeser den Festsaal im Gohliser Schlösschen mit seinen dekorativen Malereien ausgestattet hat, entstanden ist. Aufgrund der klanglichen Reibungen wirkte dieses Quartett für die Zeitgenossen fortschrittlich. Als sogenannter „spanischer Mozart“ wurde Juan Crisóstomo de Arriaga wegen seines frühreifen musikalischen Talents bezeichnet. In seiner nur kurzen Schaffensphase brachte er bemerkenswerte Streichquartette hervor. Auf eines davon dürfen Sie sich freuen. Abschließend erklingt Schumanns Streichquartett a-Moll op. 41,1, welches der Leipziger Komponist 1842 als ein Neuling in diesem Genre schrieb.

    Bevor die vier Instrumentalisten 2012 das Lipsia-Quartett gründeten, spielten sie schon gemeinsam in verschiedenen Ensembles in Leipzig, u. a. dem Leipziger Kammerorchester, dem Bach-Orchester Leipzig, dem Mendelssohnorchester und der Kammerphilharmonie Leipzig. Neben ihrer Tätigkeit im Orchester der Musikalischen Komödie und des Leipziger Sinfonieorchesters verband sie stets der Wunsch nach intensiverer Beschäftigung mit der Kammermusik in kleinerer Besetzung.

    Jubiläumskonzerte im Gohliser Schlösschen, Festsaal, Freitag, 17. Februar, 19:30 Uhr, und Sonntag, 19. Februar, 15 Uhr.

    Eintritt: 15,50 Euro/13 Euro zzgl. VVK-Gebühr. Freie Platzwahl. Vorverkauf: im Webshop auf www.gohliser-schloss.de, Musikalienhandlung M. Oelsner (Schillerstr. 5), CULTON Tickets (Petersteinweg 9), Der DDR Laden – Ticketshop (Nikolaistr. 23)

    Reservierungen: kontakt@gohliser-schloss.de, Ticket-Hotline: (Mo-Fr 10-18 Uhr): 0341/ 33 17 36 33

    Einlass: ab 30 Minuten vor Konzertbeginn. Eingang/Konzertkasse: Menckestr. 23/Hofseite der Schlossanlage.

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