Seiten 396 bis 401

Das Untertan-Projekt: Die obszöne Brief-Affäre von Netzig

Für alle LeserViel Rücksicht auf seinen Helden nimmt Heinrich Mann am Ende nicht mehr. Er lässt ihn nicht melodramatisch scheitern, wie das miese Kino-Spektakel mit ihren „negativen“ Helden gern machen. Nichts ist so verlogen wie die übliche Hollywood-Dramaturgie. Denn die Realität macht Typen wie Diederich Heßling nicht zu überraschten Gunfightern, wenn sie von der Kugel des Sheriffs weggepustet werden. Dazu sind die Diederiche viel zu schlau und viel zu feige.

Sie machen Karriere, sie raffen die Reichtümer an sich, sie hofieren die Macht und sie trampeln mit Lust – und aller Macht aller Gesetze im Rücken – auf den Schwächeren herum. Und ihr Gott ist nicht der, den sie allen mit markigen Sprüchen ans Herz legen (und Diederich predigt selbst seiner Familie Bibel und Kirche), sondern das Geld. Nichts anderes. Alles, was sie tun, ist berechnet.

Als Diederich seinem Schwager Kienast die Mitgift für Magda auszahlte, war das für Kienast ein klägliches Geschäft, denn die Papierfabrik hatte Diederich ja schon fast bankrott gewirtschaftet. Also war auch Magdas Anteil nicht viel wert. Ihre Heirat mit Kienast kam Diederich also recht billig. Und das in einem Moment, wo er längst dabei war, die Strippen zu ziehen, die ihn letztlich zum „gemachten Mann“ machen würden und zum Generaldirektor der Papierfabrik Gausenfeld.

Da fühlt sich Kienast logischerweise betrogen – und zieht vor Gericht. Drei Jahre lang prozessieren die beiden um Magdas Anteil. Und Guste feuert noch so richtig an. Wir rasen also förmlich ins Jahr 1896. Kienasts Prozess geht dann auch eher aus wie das Hornberger Schießen, denn wer die Hebamme aufspürt, bekommt mit, ob ein Kind neun Monate oder schon ein halbes Jahr nach der Hochzeit geboren wurde. Wir leben in sittenstrengen Zeiten. Leben wir das?

Lustvoll reißt Heinrich Mann danach die ganze scheinheilige Fassade ein und entfacht einen herrlichen Skandal, denn jetzt bekommen Diederich und Guste auf einmal obszöne Briefe zugesandt, „grenzenlos frivol war ihr Inhalt. Noch dazu illustrierten ihn Zeichnungen, die jedes erlaubte Maß einer wenn auch realistischen Kunst überschritten. Pünktlich jeden Morgen lagen die harmlos grauen Umschläge auf dem Frühstückstisch, und jeder ließ den seinen verschwinden, wobei man tat, als habe man den des anderen nicht bemerkt.“

Da kraust man die Stirn: Was ist denn das für eine mustergültige Ehe, die Heßling da führt, wenn augenscheinlich beide Eheleute obszöne Briefe bekommen und sie verschwinden lassen wie ertappte Kinder? Stimmt da was nicht?

Natürlich stimmt da was nicht. Denn die Untertanen-Mentalität unseres Diederich ist ja nicht nur auf der politischen Ebene verlogen. Sie ist es auch im Privaten. Eheleute spielen Theater voreinander. Von der prüden Moral dabei haben wir ja schon gehört. Ungeniert feuert Diederich junge Männer und Frauen, wenn er sie in „freier Liebe“ oder (um das kirchliche Brandwort dafür mal zu gebrauchen) Unzucht leben. Ein Wort, in dem ja alles steckt, was Diederichs Erziehung ausgemacht hat: Zucht. Deswegen war Unzucht nie wirklich etwa Verwerfliches, sondern immer nur das Gegenteil von Scheinheiligkeit und verlogener bürgerlicher Fassade.

Was jetzt mit den obszönen Briefen so richtig offenkundig wird. Denn wenn sogar diese beiden tollen Ehepartner diese Briefe voreinander verstecken, dann müssen sie ja Abgründe in sich haben und sich gemeint fühlen. Dann steckt in ihnen genau all das, was Sigmund Freud in dieser Zeit versuchte herauszuarbeiten. Ein ganzes unterdrücktes Gefühlsleben. Mit Freiheit hat diese Art bürgerlicher Ehe-Moral nichts zu tun. Was wir noch viel plastischer erleben werden.

Aber wir haben ja Diederich zusehen dürfen, wie er selbst zu Hause in die Rolle des strengen Patriarchen schlüpft und mit Schwestern und Frau nach Regelbuch umgeht. Dass er es mit seinen Kindern ebenso macht, werden wir auch noch erfahren.

Nach heutigen Maßstäben war auch Diederich ein echter Vertreter „schwarzer Pädagogik““, denn er ist unehrlich, geht in den persönlichsten Beziehungen nach Moralkodex und Exerzierreglement vor. Und natürlich fühlt er sich genauso ertappt wie Guste. Da hat einer mit anzüglichen Briefen genau ins Schwarze getroffen. Und die Sache wird noch besser, denn auch Magda und Kienast bekommen solche Briefe. Was einen gewaltigen Verdacht nährt: Führt da einer im Familienkreis seine schnöden Angriffe aufs Eingemachte und Verheimlichte? Drohen gar Enthüllungen?

Und selbst Emmi bekommt solche Briefe. Die Sache zieht immer weitere Kreise, bis fast die ganze bürgerliche Scheingesellschaft von Netzig in Angst und Schrecken versetzt scheint. „In ganz Netzig traute keiner mehr dem Vertrautesten.“

„Guste sandte über den Kaffeetisch einen prüfenden Blick zu Diederich: in seiner Hand zitterte das gleiche Papier, und auch sein Blick prüfte. Schnell schlugen beide, schreckengepackt, die Augen nieder. Der Verräter war überall.“

Und er zerrt augenscheinlich die geheimsten Gedanken der Netziger an den Tag, all das, was diese feine Gesellschaft nie wagen würde auszusprechen. All die Geheimnisse unterm Deckmäntelchen der „deutschen Ehe“. Der Bursche hat die feine Netziger Gesellschaft genau da erwischt, wo sie am verlogensten war und sich trotzdem ertappt fühlte. „Jedes moralische Selbstgefühl und alle gegenseitige Achtung“ scheint zum Untergang verurteilt.

Diese Art Moral kennt man ja immer noch. Sie kommt immer wieder zum Vorschein, wenn die Heimlichtuer öffentlich die moralische Keule schwingen.

Nur schreibt hier augenscheinlich einer, der die ganze verlogene Moral nur zu gut kennt, dieses nach außen Feintun und im Heimlichen dann von wilden Exzessen träumen. Oder sie auch auszuleben.

Am Ende fällt der Verdacht auf einen, den wir schon aus Diederichs wildem Wahlkampf kennen, weil er dort den Laufburschen für die nationalkonservative Truppe gespielt hat, der also „schon so manche nützliche Dienste geleistet hatte“, und der „sei ganz geeignet, auch hier einen zu leisten, wäre es selbst unfreiwillig“. Weshalb Diederich ihn pflichtgemäß anzeigte. „Und als Hornung erst einmal laut genannt war, zeigte es sich, daß er schon längst überall verdächtig war.“

Der Einzige, der an dieser schnell gefundenen Verdächtigung zweifelt, ist ausgerechnet Dr. Heuteufel, der „von einer Epidemie sprach und behauptete, ein einzelner sei zu schwach für diesen ungeheuren Haufen Mist“, aber dagegen „standen alle übrigen Aussagen, stand der öffentliche Wille.“

Und wir zweifeln mit. Auch gestützt durch einen kleinen Satz, den Heinrich Mann schreibt, nachdem er Gottfried Hornung einen ordentlichen Prozess besorgt hatte und ihn (man ist ja rücksichtsvoll mit Seinesgleichen) ins Sanatorium befördern ließ.

Der kleine Satz lautet: „Natürlich hörten, sobald er wohlverwahrt in der Anstalt saß, die Briefe auf.“

Erstaunlich spät, sagt man sich da. Und genau das wollte der Autor ja auch: „Oder wenigstens ließ man sich, wenn noch einer kam, nichts mehr anmerken, die Affäre war abgetan.“

Misstraut den braven Kleinstädten. Alles ist wieder unter den Teppich gekehrt. Ein Sündenbock ward gefunden, die moralische Fassade wieder geflickt. Aber so lässt Heinrich Mann diesen ach so wackeren Diederich nicht davonkommen. Jetzt entblättert er ihn und seine scheinheilige Moral erst mal richtig.

Wie er das macht – beim nächsten Mal.

Wir blättern um.

Das „Untertan-Projekt“.

Untertan-Projekt
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