Artikel zum Schlagwort Untertan-Projekt

Seiten 242 bis 256

Das Untertan-Projekt: Wie man mit Fakenews Stimmung macht und Menschen diskreditiert

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWenn man in der Schule den „Untertan“ liest (wenn das heute überhaupt noch passiert), dann denkt man nicht daran, was diese Geschichte aus den fernen 1890er Jahren eigentlich mit der Gegenwart zu tu hat. Das ist ja nun wirklich alles schon Geschichte. Und in diesem Jahr feiern wir ja auch irgendwie den Untergang des Wilhelminischen Reiches. Obwohl keiner feiert. Irgendwie ist den Deutschen dieses Jahr 1918 ein bisschen peinlich. Weiterlesen

Seiten 222 bis 242

Das Untertan-Projekt: Diederich lernt gleich mehrere Frauen von einer ganz anderen Seite kennen

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWer Heinrich Manns „Der Untertan“ liest, bekommt nicht nur ein Pickelhauben-Bild vom Wilhelminischen Kaiserreich. Da irrt die Hamburger Historikerin Hedwig Richter, wenn sie ausgerechnet dieses Buch verantwortlich macht dafür, dass ein falsches Bild dieser Zeit bis heute die Sicht vieler deutscher Historiker auf den Wilhelminismus durchdringt und verfälscht. Weiterlesen

Seiten 210 bis 222

Das Untertan-Projekt: Wolfgang Buck seziert in seiner Verteidigungsrede den Kern des Untertanen

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSo ein bisschen ist Heinrich Mann in diesem Buch ja auch der Verteidiger des menschlichen Anstands. Darum geht es ja die ganze Zeit, wenn Diederich Heßling von göttlichem Sendungsbewusstsein schwadroniert und höhere Mächte dafür aufruft, dass er sich den friedlichsten Mitmenschen gegenüber schäbig verhält. Bislang konnten wir ja davon ausgehen, dass in ihm noch so ein bisschen Gewissen nagt. Aber dieser Gerichtsprozess scheint ihn endgültig in eine andere Laufbahn zu katapultieren. Weiterlesen

Seiten 190 bis 210

Das Untertan-Projekt: Ein alles durchdringender Geruch sorgt für eine jähe Wende im Gericht

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist eigentlich die zentrale Szene in diesem Buch, wenn Diederich vor Gericht muss. Denn noch weiß er nicht, wie ihm seine Zeugenaussage bekommen wird. Die Netziger Bürgerschaft schneidet ihn. Auch die Herren, die ihn in der Saufnacht begleiteten, jetzt aber so tun, als hätten sie von seinem herausfordernden Gespräch mit dem Fabrikanten Lauer nichts mitbekommen. Auch im Zeugenstand stammelt Diederich erst einmal. Aber jetzt ist der Autor selbst sichtlich sauer. Weiterlesen

Seiten 174 bis 190

Das Untertan-Projekt: Diederich verkauft seine Schwester und Buck bietet ihm seine Verlobte an

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich ist dieser Diederich ja nur ein armes kleines Würstchen. Während er gerade mit aufgesetzter Blasiertheit dabei ist, die kleine Papierfabrik zu ruinieren, hat Wolfgang Buck in Berlin sein Examen gemacht und taucht in Netzig tatsächlich – wie versprochen – als Rechtsanwalt wieder auf. Und auch noch als Verteidiger des Fabrikanten Lauer, den Diederich als Kronzeuge belastet hat. Auf der Straße treffen sie sich. Könnten wir jetzt vielleicht einfach mal den Helden wechseln, sehr geehrter Heinrich Mann? Weiterlesen

Seiten 160 bis 174

Das Untertan-Projekt: Wie man Vaters kleine Fabrik gnadenlos schnell vor die Wand fahren kann

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie Netziger geben sich tatsächlich alle Mühe, diesen aus dem Ruder laufenden Diederich Heßling zu integrieren. Major Kunze hat es ihm ja schon mit barschen Worten beibringen wollen. Pastor Zillich predigt es von der Kanzel: „Liebet euren Nächsten wie euch selbst!“ Und Diederich versinkt vor Scham in seiner Kirchenbank. Kein Mensch kann ihn zwingen, den anerkannten Fabrikanten Lauer als Zeuge zu belasten. Netzig ist ein kleines Modell für eine ganze große Gesellschaft. Fürchten Sie sich vor Leuten mit „Prinzipien“! Weiterlesen

Seiten 144 bis 160

Das Untertan-Projekt: Die peinlichen Folgen der durchzechten Nacht

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser Da hat man sich nun ein Kapitel lang daran gewöhnt, dass sich ein Bursche wie Diederich Heßling an einem durchzechten Tag gnadenlos radikalisieren kann und am nächsten Tag das kleine Netzig eigentlich glühen müsste in nationalem Größenwahn – aber Heinrich Mann hat mit diesem „Stammtischagitator, Fabrikbesitzer, Kontrahent des Proletariats, Beherrscher der Familie, lokalpolitischen Intriganten und Verehrer des deutschen Kaisers Wilhelm II.“, wie ihn Wikipedia nennt, ganz und gar keine eindimensionale Gestalt geschaffen. Weiterlesen

Seiten 132 bis 143

Das Untertan-Projekt: Wie wir den untertänigsten Redakteur der „Netziger Zeitung“ kennenlernen

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSo möchtest du eigentlich niemals werden. Sogar eine Stelle extra für Journalisten hat Heinrich Mann in seinem Roman „Der Untertan“ untergebracht. Eine ganz verflixte Stelle. Sie beginnt auf Seite 137: „Der Fremde dienerte. – ‚Nothgroschen, Redakteur der ‚Netziger Zeitung‘.' – ‚Also ein Hungerkandidat‘, sagte Diederich und blitzte. ‚Verkommene Gymnasiasten, Abiturientenproletariat, Gefahr für uns!‘“ Weiterlesen

Seiten 115 bis 132

Das Untertan-Projekt: Der Tag, an dem sich Diederich in Windeseile radikalisiert

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs gibt Stellen in diesem „Untertan“, die werden einem in ihrer Tragweite augenscheinlich wirklich erst bewusst, wenn man das Buch in einer anderen Zeit noch einmal liest. In einer Zeit wie unserer, wo sich haufenweise Kommentatoren nicht mehr einkriegen im Gewundere darüber, dass es so eine Krachleder-Partei wie die AfD gibt, menschenfeindlich, ausgrenzend, arrogant, blasiert – das ganze preußisch-nationale Junkergehabe von 1892, da ist es wieder. Auferstanden als Zombie. Weiterlesen

Seiten 94 bis 115

Das Untertan-Projekt: Wie Diederich lernt, die politischen Winde zu erspüren

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn Berlin hatten wir Diederich schon zugesehen, wie er sich anbiedert, wie er sich eine „starke Gemeinschaft“ sucht, wo er nur die richtigen Rituale kennen muss, um das Gefühl zu haben, endlich eine Rolle zu spielen. Die Phrasen und Haltungen hat er mitgenommen ins eigene Leben. Agnes und ihr Vater haben es schon zu spüren bekommen. Denn nur in seiner Korporation ist Diederich ein Rädchen. Rückgrat hat er ja keins. Und nun kommt er auch noch in die Politik. Es darf einem grauen. Weiterlesen

Seiten 82 - 94

Das Untertan-Projekt: Wie Diederich zum Herrn aus Gottesgnaden wird

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserMacht macht Menschen dumm. Und rücksichtslos. Sie weckt den Sadisten in uns. „Der Untertan“ liest sich auch nach 100 Seiten noch immer so modern, weil er zeigt, wie das funktioniert. Wie ein völlig unsicherer Mensch dazu kommt, sich das eiserne Korsett eines rabiaten Machtdenkens anzuziehen und so – erstaunlich schnell für den Leser – zu einem Menschen wird, der andere Menschen wie Lumpen behandelt. Und dabei fiebert man ja eigentlich mit. Denn ein verkorkstes Elternhaus haben ja viele Menschen. Aber nicht aus allen werden Menschenschinder. Weiterlesen

Seiten 70 bis 82

Das Untertan-Projekt – Die erstaunliche Begegnung von Kurt Tucholsky und Heinrich Mann im Jahr 1912

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWir befinden uns im Jahr 1912. Rein mental. Als hätte die halbe Nation beschlossen, die Lehren der vergangenen 100 Jahre einfach zu vergessen und mit demselben Blödsinn wieder anzufangen, der Deutschland 1914 in den Krieg geführt hat. Einen Krieg, den Heinrich Mann hellsichtig voraussah. Denn Kriege entstehen nicht, weil irgendwelche Vaterländer aufeinanderprallen, sondern weil die maßgeblichen Eliten darauf hinarbeiten. Kriege entstehen nicht. Kriege werden angezettelt. Weiterlesen

Seiten 58 bis 70

Das Untertan-Projekt – Wie Diederich mit Agnes in Verwirrungen stürzt

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs gibt eine ganze Reihe Szenen in Diederich Heßlings Leben, die verursachen einem aus lauter Mitschämen regelrecht Gänsehaut. Und trotzdem versteht man ihn gerade in diesen Situationen am besten. Da darf man sich nicht von Heinrich Manns schelmischem Einstiegssatz „Diederich Heßling war ein weiches Kind ...“ täuschen lassen. Diederich Heßling war selbst als erwachsener Mann ein zutiefst verunsichertes Kind. Weiterlesen

Seiten 48 bis 57

Das Untertan-Projekt – Diederich trifft seinen Kaiser

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser„Aber das ist nicht nur Diederich Heßling oder ein Typ“, schrieb Kurt Tucholsky 1919, als er endlich den frisch im Leipziger Kurt-Wolff-Verlag erschienenen „Untertan“ von Heinrich Mann in der Hand hielt. Manche bleiben ja dann beim nächsten Satz hängen: „Das ist der Kaiser, wie er leibte und lebte.“ Just diesen Kaiser trifft Diederich ja auf den folgenden Seiten zum ersten Mal. Und mancher Trump-Anhänger dürfte sich ganz ähnlich vorgekommen sein. Weiterlesen

Seiten 31 bis 47

Das Untertan-Projekt – Diederich und seine Liebe zum preußischen Militär

Foto: L-IZ

Für alle LeserIst die Staudte-Verfilmung des „Untertan“ von 1951 tatsächlich so gut, wie stets behauptet wird? Warum gibt es keine neue? Ist den Regisseuren dieser Typus des Anbeters der Macht so fremd geworden? Oder sind sie dafür blind geworden, weil die alten Bilder mit dem angebeteten Kaiser und der ganz preußischen Subalternität jedem Popanz von Uniform gegenüber so nicht mehr da sind? Weiterlesen

Seiten 16 bis 30

Das Untertan-Projekt – Eine Ohrfeige, ein Schnorrer und Diederichs Glück bei den Neuteutonen

Foto: L-IZ

Für alle LeserNatürlich wusste ich, dass sich dieses Buch sträuben würde mit allen Vieren, wieder gelesen zu werden. Denn das Faszinierende an Diederich Heßling ist ja nicht seine nur zu leichte Einordnung als wilhelminischer Opportunist. Es ist die Tatsache, dass man frühzeitig sieht, dass er durchaus darunter leidet, wenn andere ihn erniedrigen. Aber er hat nie gelernt, sich zu wehren. Aus seiner Scham erwächst seine Rabiatheit. Und seine Unterwürfigkeit. Weiterlesen

Seiten 5 bis 15

Das Untertan-Projekt – Diederichs Liebe zum Rohrstock

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWie weit kommt man, wenn man sich mutig in „Der Untertan“ stürzt? Schon die ersten 30 Seiten sind ein Parforce-Ritt – den Diederich Heßling, den wir hier kennenlernen, niemals machen würde. Denn Diederich ist eigentlich ein Leisetreter. Ein freundlicher Bursche, wenn man ihn erstmals kennenlernt, „ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt“. Weiterlesen

Auftakt zum „Untertan-Projekt“

Ist der stramme Bürger Diederich Heßling noch immer so lebendig wie 1918?

Grafik: L-IZ

Für alle LeserWann hat Diederich Heßling eigentlich Geburtstag? Gilt das Jahr 1912 als sein Geburtsjahr, als Heinrich Mann ein erstes Kapital aus dem Roman, an dem er seit 1906 schrieb, im „Simpliciccismus“ veröffentlichte? Oder 1914, als Heinrich Mann begann, den fertigen Roman in Fortsetzungen in der Zeitschrift „Zeit im Bild“ zu veröffentlichen? Bis kurz vor Kriegsbeginn im August. Und dann musste dieser Roman vier Jahre in der Schublade verschwinden. Klar: Sein wirkliches Geburtsjahr ist 1918. Und sein Geburtsort heißt Leipzig. Weiterlesen