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Giesecke+Devrient druckte die Hälfte der neuen Geldscheine für den 1. Juli 1990

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    Vielleicht wird ja 2020 einmal als das Corona-Jahr in die Geschichtsbücher eingehen, das Jahr, in dem die Menschheit lernte, kürzer zu treten und das wahnsinnige Rad der Geschäftigkeit zu verlassen, weil das Coronavirus gar nichts anderes zuließ. Ein stilles Jahr geradezu im Vergleich mit dem rasenden Jahr 1990, dessen 30. Jahrestag eigentlich gefeiert werden sollte: das sich überstürzende Jahr der Deutschen Einheit. Und der 1. Juli war der Tag, an dem alles unumkehrbar wurde.

    Daran erinnert jetzt die Firma, die damals mitten im Brennpunkt stand: Giesecke+Devrient, der berühmteste Banknotendrucker Deutschlands. Während die alte Leipziger Dependance 40 Jahre lang die Geldscheine für die DDR druckte, hatte das im Westen heimische Unternehmen Hochproduktion, denn am 1. Juli mussten alle Geldausgabestellen im Osten mit der begehrten Währung aus dem Westen versorgt sein.

    Denn am 1. Juli 1990 trat die zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR geschlossene Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion in Kraft. Für den Währungstausch mussten in kürzester Zeit eine große Menge an DM-Banknoten produziert werden. Dieser Mehrbedarf kam damals zur Hälfte von Giesecke+Devrient (G+D), teilt das Unternehmen mit Blick auf seine eigene Geschichte mit.

    Noch vor der politischen Einheit Deutschlands fand am 1. Juli 1990 zwischen West- und Ostdeutschland die Währungsunion statt. Sie wurde maßgeblich vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière, Bundesfinanzminister Theodor Waigel und Walter Romberg, dem Minister der Finanzen der DDR, vorangetrieben.

    Im Rahmen der Währungsunion wurde die D-Mark als alleinige Währung für Gesamtdeutschland bestimmt. Für viele Menschen in der DDR erfüllte sich damit der Wunsch nach einer stabilen Währung. DDR-Bürger konnten ein gewisses DDR-Mark-Vermögen in D-Mark umtauschen, je nach Wert im Verhältnis 1:1 oder 1:2. Löhne, Gehälter, Renten, Mieten und andere „wiederkehrende Zahlungen“ wurden im Kurs 1:1 umgestellt.

    Der mögliche Umtausch löste einen regelrechten Run auf die Banken aus. Bereits in der Nacht zum 1. Juli warteten etwa am Alexanderplatz in Ost-Berlin mehr als 10.000 Menschen auf die Öffnung der ersten Bankfiliale.

    Die Vorbereitung der Währungsunion erforderte einen enormen logistischen Aufwand, rekapituliert Giesecke+Devrient im Jubiläumsjahr. So mussten für mehr als 16 Millionen Bürgerinnen und Bürger aus den neuen Bundesländern D-Mark-Noten der Bundesrepublik hergestellt und auf Banken beziehungsweise Ausgabestellen verteilt werden.

    Giesecke+Devrient zeichnete zusammen mit der Bundesdruckerei maßgeblich für die Produktion dieser Banknoten verantwortlich. Innerhalb von wenigen Monaten druckten und lieferten die Münchner das neue Geld. Von G+D kamen dabei die Banknoten in den Wertstufen fünf DM, 20 DM, 100 DM und 1.000 DM.

    Eine wichtige Randnotiz dokumentiert den großen Bargeldbedarf in Vorbereitung der Währungsunion. So erteilte die Bundesbank auch der Wertpapierdruckerei der DDR einen Auftrag zum Druck von 5-D-Mark-Noten. Die WPD ging aus dem 1852 in Leipzig gegründeten und 1948 enteigneten Unternehmen Giesecke+Devrient hervor.

    Das zuletzt als „VEB Wertpapierdruckerei der DDR (WPD)“ firmierende staatseigene Unternehmen der DDR stellte bis zur Wiedervereinigung Deutschlands neben Sicherheitsdrucken auch Banknoten für die DDR und andere sozialistische Staaten her. 1991 wurde der Leipziger Betrieb durch G+D von der Treuhandanstalt zurückerworben und gehört seitdem zum Konzern von Giesecke+Devrient.

    Die D-Mark-Noten für das wiedervereinte Deutschland hat die Bundesbank damals in zwei Schritten ausgegeben. Zur Währungsunion im Juli 1990 wurde zunächst die in der Bundesrepublik bereits bestehende D-Mark-Serie, die sogenannte BBk I, emittiert. Sie galt bei den DDR-Bürgern als Symbol der Freiheit und des Wohlstands und bildete damit gewissermaßen eine Ikonographie der angestrebten Wiedervereinigung. An der Entwicklung und Herstellung der Serie war G+D bereits seit 1958 beteiligt.

    Ab Herbst 1990 gab die Bundesbank dann schrittweise im gesamten Bundesgebiet die neu aufgelegte DM-Serie BBk-III aus. Da alte und neue Bundesländer diese neue Banknotenserie zum gleichen Zeitpunkt erhielten, symbolisiert sie so das Zusammenwachsen der Gesellschaft. Sie wird deshalb später auch als „Einheitsserie“ bezeichnet. Die BBk-II bildete eine Ersatzserie, die letztlich nie ausgegeben wurde.

    „Die Währungsunion markiert einen wichtigen Meilenstein in unserer Unternehmensgeschichte. So waren wir federführend an der Bereitstellung der erforderlichen Geldmenge beteiligt – angesichts des kurzen Zeitrahmens eine immense Aufgabe. Wir sind stolz darauf, in dieser Hinsicht als Unternehmen einen Beitrag zur Wiedervereinigung Deutschlands geleistet zu haben“, erklärt Astrid Wolff, Leiterin Corporate Heritage bei G+D und Vorstand der Giesecke+Devrient Stiftung.

    Für G+D hat die Währungsunion im Übrigen nicht nur die Herstellung von Banknoten für Millionen von Menschen bedeutet. So war das Unternehmen auch an der Produktion des Banknotenpapiers und der eurocheques beteiligt.

    Das Thema „30 Jahre Währungsunion“ wird aktuell in zwei TV-Sendungen aufgegriffen:

    ARD, 29.6., 23:30 bis 00:15 Uhr: Geschichte im Ersten: Wie die D-Mark in den Osten kam
    Bayerischer Rundfunk, 2.7., 19:00 bis 19:30 Uhr: mehr/wert: Aus Bayern für den Osten: Wie die D-Mark in die DDR kam

    Die Geschichte von Giesecke+Devrient

    Giesecke+Devrient (G+D) ist ein weltweit tätiger Konzern für Sicherheitstechnologie mit Hauptsitz in München. Innovationen von G+D machen das Leben von Milliarden von Menschen in der digitalen und physischen Welt sicherer. In den Bereichen Bezahlen, Konnektivität, Identitäten und Digitale Infrastrukturen gehört G+D mit seinen Produkten und Lösungen zu den Markt- und Technologieführern.

    Das 1852 gegründete Unternehmen erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2019 mit 11.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von 2,45 Milliarden Euro. G+D ist in 33 Ländern präsent. Zu den Kunden zählen unter anderem Zentral- und Geschäftsbanken, Mobilfunkanbieter, Automobilhersteller, Krankenkassen sowie Regierungen und Behörden.

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