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Verlorene Kirche in Sachsen-Anhalt: die Nikolaikirche Zeitz

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    Kirchenbauwerke gehören in Mitteldeutschland zu fast jedem Ort. Im Alltag sind sie bekannt als Wahrzeichen, Ortsmittelpunkt oder Orientierungsmarke, sie haben architektonisch, kunsthistorisch und regionalgeschichtlich vielfältige Bedeutung. Doch die Zukunft vieler Kirchen ist bedroht: Dutzende von ihnen haben ihre Funktion verloren, einige sind bereits spurlos aus dem Ortsbild verschwunden.

    Zeit zur Erinnerung an verschwundene Kirchen – und was mit ihnen unwiderruflich verloren gegangen ist.

    Zeitz, eine Kleinstadt mit rund 27.000 Einwohnern im Süden Sachsen-Anhalts, nicht allzu fern von Leipzig. Eine Stadt mit durchaus gewichtiger Geschichte: Von 968 bis 1029 war sie Bischofssitz des Bistums Naumburg-Zeitz, von 1652 bis 1718 Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Zeitz. Viele Bauwerke dort sind somit vor vielen Jahrhunderten entstanden.

    Dagegen ist die Nikolaikirche in Zeitz recht jung: Seit ihrem Entstehungsjahr sind gerade einmal 130 Jahre vergangen, eine kirchengeschichtlich kurze Zeitspanne. Dennoch ist das Gotteshaus heute eine Ruine.

    Historische Glocken aus dem Zeitzer Dom

    Ihre Vorgängerkirche wurde 1823 nach einem Brand abgerissen. Es dauerte einige Jahrzehnte, bis die Zeit reif war für einen Kirchen-Neubau auf dem Nikolaiplatz. Der wurde 1891 geweiht – und hieß ursprünglich Trinitatiskirche. Geplant hatte den Klinkerbau mit schlankem Kirchturm der Architekt Karl Memminger, er schuf eine beeindruckende Saalkirche im Stil von Historismus und Neogotik.

    Über die Jahrzehnte des Lebens an und um diese Kirche ist nichts Herausragendes überliefert. Sie diente Generationen sonntags zum Gottesdienst sowie zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten als Stätte festlicher Begegnung. Sie war vertrauter, heimatlicher Ort für Taufe und Konfirmation, für Trauung und Heimgang hunderter Bürger von Zeitz. Und zugleich war sie deren Ort für gemeinsame Hoffnung, Zuversicht, Freude und Leid.

    Bemerkenswert: Die Kirche hatte zwei historische Glocken, die aus dem Zeitzer Dom stammten.

    Historische Aufnahme der Kirche in Zeitz. Foto: Museum Schloss Moritzburg Zeitz, CC BY-SA 3.0, https://st.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=15329
    Historische Aufnahme der Kirche in Zeitz. Foto: Museum Schloss Moritzburg Zeitz, CC BY-SA 3.0, https://st.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=15329

    Gegossen im 15. Jahrhundert, gelangte das Geläut mit den Tönen e’ und a’ dort bei Umbauarbeiten am Dom im 17. Jahrhundert in das damals errichtete Torhaus. Von da kamen sie 1891 in das neu gebaute Gotteshaus in Zeitz: Dessen Kirchgemeinde hatte ihre Gottesdienste lange Jahre im Dom gefeiert, da ihre eigene Kirche – die alte Nikolaikirche – 1823 ja ein Raub der Flammen geworden war.

    Als etwa um 1980 die Nikolai-Kirchgemeinde aufgelöst wurde, gelangte das einstige Domgeläut in die Laurentiuskirche in Halle (Saale). Als klar war, dass es in der Nikolaikirche Zeitz nicht mehr genutzt werden würde, wurde es dorthin zum Materialpreis verkauft.

    110 Jahre später – am 24. Juni 2001 – kehrten die beiden kunsthistorisch bedeutsamen Glocken zurück in ihre alte Heimat, sie erklingen seitdem wieder im Torhaus des Zeitzer Doms.

    Warum wurde die Kirche aufgegeben?

    Doch weshalb wurde die Nikolaikirche Zeitz aufgegeben? Informationen dazu sind spärlich. Es heißt, es habe statische Probleme gegeben wegen des sandigen Untergrunds. Die Kirche habe „aufgrund der Baufälligkeit“ seit Beginn der 1970er Jahre nicht mehr genutzt werden können. Sie wurde von der Kirchgemeinde aufgegeben. Wann der letzte Gottesdienst stattfand und ob es eine Entwidmung gab, war bislang nicht herauszufinden.

    1998 schlug ein Blitz in den Kirchturm und löste einen Dachbrand aus. Daraufhin stürzte ein Teil des Kreuzrippengewölbes ab – und ebenso eine verbliebene Glocke.

    Von dem stolzen Kirchenbau haben – vom Zahn der Zeit gezeichnet – der Kirchturm-Rest und die ebenso solide gemauerten Wände überdauert. Im Internet zeigt sich, dass das aufgegebene Gotteshaus nach wie vor begehrt ist – als morbid anmutendes Motiv für Fotos und Videos verschiedenster Art.

    Derzeit deutet nichts darauf hin, wie es mit der Nikolaikirche Zeitz weitergehen soll. Es gibt  keine Anzeichen, dass die Kirche saniert, erhalten oder auf irgendeine Weise wieder genutzt werden könnte.

    Koordinaten: 51° 3′ 9,9″ N, 12° 7′ 47,1″ O

    Quellen und Links:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaikirche_(Zeitz)
    https://www.architektur-blicklicht.de/kirchen/zeitz-nikolaikirche/
    http://www.saiten-blicke.de/nikolaikirche-zeitz/
    http://sg-fotoart.de/index.php/fotostory/nikolaikirche-zeitz-sachsen-anh
    https://www.vergessenes-dasein.de/aufgegebene-kirche-st-nicolai/
    https://www.youtube.com/watch?v=MBwSrgxvLl0
    https://www.youtube.com/watch?v=9llwt7-C9so

    Nächste Folge: St.-Pauli-Kirche in Chemnitz

    Mit freundlicher Unterstützung vom Förderverein der Leipziger Denkmalstiftung.

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