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Umnutzung in Halle (Saale): Eine Stätte lebendiger und klangvoller Musiktradition

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    Kirchenbauwerke gehören in Mitteldeutschland zu fast jedem Ort. Im Alltag sind sie bekannt als Wahrzeichen, Ortsmittelpunkt oder Orientierungsmarke, sie haben architektonisch, kunsthistorisch und regionalgeschichtlich vielfältige Bedeutung. Dutzende Kirchen werden heutzutage anders als ursprünglich genutzt, so auch in Halle an der Saale.

    Die St.-Ulrich-Kirche – direkt an Halles Fußgängerzone und fast gleich neben dem Marktplatz gelegen – wurde ab Mitte des 14. Jahrhunderts zunächst als Klosterkirche
    St. Maria errichtet. Sie gehörte zum seit 1339 ortsansässigen Serviten-Orden, der mit dem asymmetrischen Bauwerk ein Unikat unter den Hallenkirchen der Spätgotik schuf.

    Erste Weihe war im Jahr 1496. Bis zur Fertigstellung vergingen Jahrzehnte: 1510 wurde das Gewölbe eingezogen, 1531 das Bauwerk vollendet. Jedoch war 1527 das Kloster des Ordens aufgehoben worden. So nutzte ab 1531 die evangelische Ulrich-Kirchgemeinde den Sakralbau – für 440 Jahre. Zwischen 1806 und 1836 diente die Ulrichskirche zusätzlich als Universitätskirche.

    St. Ulrich ist eine zweischiffige Hallenkirche mit großen Fenstern, ohne Kirchturm und ohne Querschiff. Sie hat zwei Dachreiter, der Chorraum ist fünfseitig, die Pfeiler achteckig. An ihrer Nordseite finden sich Überreste der ehemaligen Klosterklausur.

    Die Sauer-Orgel wurde 1980 eingebaut, um hochwertige Konzerte zu ermöglichen. Foto: Timur Y, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=58712408
    Die Sauer-Orgel wurde 1980 eingebaut, um hochwertige Konzerte zu ermöglichen. Foto: Timur Y, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=58712408

    Baugestalt und -ausführung sind schlicht und weitgehend schmucklos erschaffen worden – ganz im Sinne und offensichtlich nach Vorgabe des ursprünglichen Bauherrn, des Bettelordens. Ausnahmen davon sind das Sterngewölbe und das Netzgewölbe mit Blumen-Ornamenten aus spätgotischer Zeit und die Emporen der Barockzeit.

    Die erste Orgel der Ulrichskirche entstand im Jahr 1675. Erbaut hatte sie Christian Förner, vollendet hatte sie Ludwig Compenius. Ihr Orgelwerk hatte 35 Register auf zwei Manualen; von der Förner-Orgel blieb der barocke Orgelprospekt auf der Westempore erhalten.

    1971 endete die Nutzung als Gotteshaus. Die Stadtverwaltung Halle entdeckte ihr Interesse für die Umnutzung des Sakralbauwerks, handelte mit der Kirchgemeinde einen langjährigen Nutzungs-Vertrag aus und baute es zur Konzerthalle mit 500 Sitzplätzen um. Die damalige Umgestaltung war weitreichend, die Ausstattung wurde massiv verändert.

    So wurden der Flügelaltar von 1488, das Taufbecken und die Kanzel entfernt – sie fanden in Magdeburgs Wallonerkirche ihr neues Zuhause. Auch wurden die barocken Emporen im Seitenschiff beseitigt.

    Die damals Verantwortlichen in Halles Rathaus wollten – anders als vielerorts sonst in der DDR – tatsächlich im Kirchenbauwerk die jahrhundertealten Traditionen der Orgel- und Vokalmusik auf hohem Niveau fortführen.

    Das zeigt sich an der Tatsache, dass die Stadt Halle 1980 als nunmehrige Nutzerin eine neue Orgel einbauen ließ, deren umfangreiches klangliches Spektrum hochwertige Orgelkonzerte mit Musikwerken aller Epochen ermöglicht. Die heutige Konzertorgel in der Apsis schuf die Firma W. Sauer Orgelbau aus Frankfurt an der Oder. Das Instrument hat 56 Register mit einer Transmission auf drei Manualen und Pedal.

    Nach viermonatiger Instandsetzung von Schuke-Orgelbau wurde die Orgel am 31. Oktober 2019 wieder in Dienst genommen: Sie bekam eine neue Setzeranlage, passend für deren Nutzung für Studierende, nutzt sie doch die Evangelische Hochschule für Kirchenmusik Halle regelmäßig für Übungs- und Prüfungskonzerte. Ihr Pfeifenwerk wurde grundlegend instand gesetzt, teilweise umgebaut sowie die Orgel vollständig nachintoniert, um den Klangcharakter den heutigen Wünschen der Organisten anzupassen, ohne ihre klangliche Grundkonzeption zu verändern.

    Die Konzerthalle Ulrichskirche gilt als bedeutende Aufführungsstätte für Vokalmusik, sie dient besonders Chören als Konzert-Ort. Auch ist sie eine beliebte Adresse für die Darbietung von Jazz, Gospel und Folklore, pro Jahr erklingen dort rund 150 öffentliche Konzerte aller Art. Höhepunkte sind dabei die Händel-Festspiele, die Hallischen Musiktage und das Kinderchormusikfest.

    Koordinaten: 51° 28′ 52,4′′ N, 11° 58′ 22,1′′ O

    Quellen und Links
    https://de.wikipedia.org/wiki/Konzerthalle_St.-Ulrich-Kirche
    https://www.halle365.de/veranstaltungsorte/konzerthalle-ulrichskirche
    https://www.reservix.de/tickets-monika-martin-erhebet-die-herzen-die-grosse-kirchentournee-in-halle-konzerthalle-ulrichskirche-am-24-9-2021/e1525446
    https://www.schuke.de/?p=4196
    https://www.architektur-blicklicht.de/kirchen/halle-saale-ulrichskirche/

    Nächste Folge: Stadtkirche Bad Muskau

    Recherche und Zusammenstellung: Holger Zürch, November 2021. Mit freundlicher Unterstützung vom Förderverein der Leipziger Denkmalstiftung (http://leipziger-denkmalstiftung.de/Mitmachen).

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