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Verlorene Kirche in Magdeburg: die Heilige-Geist-Kirche

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    Kirchenbauwerke gehören in Mitteldeutschland zu fast jedem Ort. Im Alltag sind sie bekannt als Wahrzeichen, Ortsmittelpunkt oder Orientierungsmarke, sie haben architektonisch, kunsthistorisch und regionalgeschichtlich vielfältige Bedeutung.

    Doch die Zukunft vieler Kirchen ist bedroht: Dutzende von ihnen haben ihre Funktion verloren, einige sind bereits spurlos aus dem Ortsbild verschwunden. Zeit zur Erinnerung an verschwundene Kirchen – und was mit ihnen unwiderruflich verloren gegangen ist.

    Die Serie nimmt Sie mit auf eine Reise zu den verlorenen Kirchen Mitteldeutschlands. Am 10. Oktober stellten wir hier die verschwundene Markuskirche in Leipzig-Reudnitz vor.

    Die Heilige-Geist-Kirche in Magdeburg

    Es war in Magdeburg im Jahr 1214, als der Grundstein für den Bau der Heilige-Geist-Kapelle des zeitgleich gegründeten Hospitals gelegt wurde. Im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte gab es mehrere bauliche Erweiterungen, 1490 wurde erstmals die Heilige-Geist-Kirche erwähnt.

    Blick auf die Heilige-Geist-Kirche (um 1902). Von Autor unbekannt - Otto Peters, Magdeburg und seine Baudenkmäler, Verlagsbuchhandlung Fabersche Buchdruckerei Magdeburg 1902. Foto: Wikipedia
    Blick auf die Heilige-Geist-Kirche (um 1902). Von Autor unbekannt – Otto Peters, Magdeburg und seine Baudenkmäler, Verlagsbuchhandlung Fabersche Buchdruckerei Magdeburg 1902. Foto: Wikipedia

    1524 führte Franziskanermönch Johannes Fritzhans die Reformation ein – das Gotteshaus war nun evangelische Pfarrkirche. 1631 beim Tilly-Angriff auf Magdeburg wurde die Kirche ein Opfer der Flammen, ihr Wiederaufbau dauerte bis 1693. Im 17. Jahrhundert war ein gewisser Heinrich Telemann deren Diakonus – er ließ 1681 dort seinen Sohn Georg Philipp Telemann taufen.

    Das als „äußerlich schmuckloseste aller Magdeburger Gotteshäuser“ geltende Bauwerk hatte an der Westseite einen niedrigen Kirchturm mit schlankem, zwiebelspitzförmigem Turmhelm als barocke Haube. Das Innere der Kirche wirkte überraschend weitläufig. Im Mittelschiff trug sie ein gotisches, mit Sternenmuster geschmücktes Gewölbe.

    Mehrfach bot die Heilige-Geist-Kirche anderen Kirchgemeinden Asyl für Kirchgemeinden, die ihre Kirchen verloren hatten: 1806 und 1813 für Dom und St. Ulrich und 1951 für alle Innenstadtgemeinden.

    Modell der Heilige-Geist-Kirche in der Straße Goldschmiedebrücke in Magdeburgs Altstadt. Foto: Ajepbah / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de
    Modell der Heilige-Geist-Kirche in der Straße Goldschmiedebrücke in Magdeburgs Altstadt. Foto: Ajepbah / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de

    Im Zweiten Weltkrieg 1945 brannte die Kirche nach Bombenangriffen aus. 1948 begann ihr Wiederaufbau als Notkirche für fünf der sechs innerstädtischen Kirchgemeinden in Magdeburg. Dieser war – trotz ausländischer Unterstützung – mühselig und musste mehrfach unterbrochen werden. Doch seit Pfingsten 1951 gab es dort wieder Gottesdienste.

    Jedoch stand das Gotteshaus den Planern des sozialistischen Stadt-Aufbaus im Wege – und zwar im wörtlichen Sinn. Magdeburgs SED-geführte Stadtspitze bewies ihre Kompromisslosigkeit und statuierte ein Exempel: Diese nach dem Krieg wiederaufgebaute Kirche wurde Ende Mai 1959 staatlicherseits gesprengt.

    Noch 1957 hatte die Firma Orgelbau A. Schuster & Sohn aus Zittau eine zweimanualige Orgel mit 27 Registern und elektropneumatischer Traktur in die Heilige-Geist-Kirche eingebaut.

    Diese Orgel wurde vor der Sprengung der Kirche ausgebaut und dann im Dom aufgestellt, sie zog 1975 erneut um und fand in der Kirche St. Nicolai in der Neuen Neustadt ihr neues Zuhause – in reduzierter Form und ohne Orgel-Prospekt.

    Heute gehört die Heilige-Geist-Gemeinde zur Kirchengemeinde Magdeburg-Altstadt und ist in der Wallonerkirche zu Hause. Am einstigen Standort der Heilige-Geist-Kirche, der heutigen Straße namens Goldschmiedebrücke auf Höhe der Regierungsstraße, erinnert ein kleines Bronze-Modell an das historische Gotteshaus.

    Koordinaten: 52° 7′ 45,8″ N, 11° 38′ 15,4″ O

    Nächste Folge: Die Jacobikirche in Nordhausen (Thüringen)

    Mit freundlicher Unterstützung vom Förderverein der Leipziger Denkmalstiftung.

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