Das Landgericht verhandelt heute einen milliardenschweren Fall. Es geht um ein durch den Freistaat Sachsen beschlagnahmtes BitCoin-Guthaben. Die Medienstiftung der Sparkasse vergibt den diesjährigen Erich-Loest-Preis an den Schriftsteller Durs Grünbein. Und eine Kundgebung auf dem Richard-Wagner-Platz mahnt an den 4. Jahrestag des russischen Überfalles auf die Ukraine.
Erich-Loest-Preis für Durs Grünbein
Anlässlich seines heutigen 100. Geburtstages verleiht die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig den „Erich-Loest-Preis 2026“. Die Jury unter Vorsitz von Andreas Platthaus (Chef des Ressorts Literatur und literarisches Leben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) hat den Preis dem Schriftsteller und Georg-Büchner-Preisträger Durs Grünbein zugesprochen.
In ihrer Begründung heißt es: „Grünbein erkundet das Zusammenspiel von Sprache, Fotografien, Gedächtnis und Fiktionen, bezogen auf das Trauma der Zerstörung seiner Geburtsstadt Dresden sowie auf die Mechanismen totalitärer Herrschaft und Gewaltgeschichte im 20. Jahrhundert.“ Grünbein zeige „im Sinne Loests und mit den Mitteln einer sinnlichen, unsentimentalen und kommunikativen Sprache […], dass Freiheit und das Bewusstsein der Gegenwart von Geschichte zusammenhängen.”
Erich Loest, Namensgeber der Auszeichnung, wurde 1926 in Mittweida geboren, erlebte den Nationalsozialismus zunächst in kindlicher Überzeugung von dessen Richtigkeit, volontierte nach dem Krieg bei der Leipziger Volkszeitung, wurde dort Redakteur, ab 1950 arbeitete er als Schriftsteller. Seinem Irrglauben an ein besseres Nachkriegsdeutschland im Osten folgte 1957 der Ausschluss aus der SED. Loest sitzt siebeneinhalb Jahre im Bautzner Polit-Knast, kommt danach wieder auf die Beine, tritt aber 1979 aus dem Schriftstellerverband aus. 1981 übersiedelt er vor dem Hintergrund von Gängelung und Zensur in die Bundesrepublik. 1990 kehrt er nach Leipzig zurück, wird Ehrenbürger der Stadt und veröffentlicht mit „Nikolaikirche“ einen authentischen und den vielleicht wichtigsten Roman über das Geschehen rund um die Leipziger Friedensgebete und deren Folgen.

2,6 Milliarden Euro suchen einen Besitzer
Wenn´s ums Geld geht….? Landgericht! An seinem Urteil hängen Milliarden: Karsten Nickel, Richter am Landgericht Leipzig ist Vorsitzender der 11. Strafkammer. Im Netz dieser Kammer landen die ganz großen Fische der Wirtschaftskriminalität. Heute beginnt dort ein Prozess im schwergewichtigen Bereich: die frühere, illegale Streamingplattform „movie2k“, machte von 2008 bis 2013 hunderttausende urheberrechtlich geschützte Inhalte zugänglich, veröffentlichte zeitweise mehr als 880.000 Kopien von Filmen, Serien und pornografischen Produktionen.
Die Plattform finanzierte sich u.a. über Werbeeinnahmen. 2019 nahm die Spezialeinheit „Integrierte Ermittlungen“ zwei Mitglieder der Bande fest. Vier Jahre später fassten sie auch den 42-jährigen Josef F. Gemeinsam mit dem 39-jährigen Dustin O. muss er sich nun unter anderem wegen gewerbsmäßiger Geldwäsche, schwerer Steuerhinterziehung und Anstiftung zur falschen Verdächtigung verantworten. Der frühere Programmierer Steffen H. war bereits im März 2023 nach einem Geständnis zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden.
Spannend wird der Prozess wegen des sichergestellten Vermögens: Josef F. übergab den Behörden 49.858 Bitcoins. Um Kursschwankungen zu vermeiden, verkaufte der Freistaat Sachsen die Bestände und schuf so einen Erlös von ca. 2,64 Milliarden Euro, der sich seitdem auf einem Verwahrkonto der Bundesbank befindet.
Ein Teil der ursprünglichen Anklage hat sich erledigt: 219.928 einst vorgeworfene Urheberrechtsverletzungen sind verjährt. Allerdings kann eine Einziehung von Vermögenswerten auch über die Verjährungsgrenze hinaus erfolgen, sofern es in den verbleibenden Anklagepunkten zu Schuldsprüchen kommt.
Damit entscheidet die 11. Strafkammer am Ende der Verhandlung nicht nur über strafrechtliche Belange, sondern auch über die Zukunft eines Milliardenbetrags, der momentan still auf einem treuhänderischen Konto ruhend auf Investitionen in den Freistaat wartet, sollten einstige Geschädigte keinen Anspruch auf Anteile daraus erheben.
Über den laufenden Prozess berichtet unser Reporter Lucas Böhme. Das Landgericht hat zunächst zehn Verhandlungstage angesetzt.

4 Jahre russische Invasion – Solidarität mit der Ukraine
Vier Jahre nach dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine setzt Leipzig heute ein sichtbares Zeichen der Solidarität. Vor dem Neuen Rathaus wird an diesem Tag die ukrainische Flagge aufgezogen. Eine von ukrainischen Initiativen vorbereitete Gedenkveranstaltung steht unter dem Leitgedanken „Save Ukraine. Save Europe. Für eine konsequente Verteidigung Europas vor dem russischen Faschismus!“. Eröffnet wird die Kundgebung auf dem Richard-Wagner-Platz um 17:30 von Bürgermeister Ulrich Hörning, der die Kommunale „Steuerungsgruppe Ukraine“ leitet.
Seit dem Einmarsch russischer Truppen engagiert sich die Stadt kontinuierlich für das angegriffene Land, mit besonderem Fokus auf die Partnerstadt Kyjiw. Neben Sachspenden wurden auch Fahrzeuge bereitgestellt. Gleichzeitig hat sich in Leipzig ein eng geknüpftes Unterstützungsnetzwerk entwickelt, das geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern vielfältige Hilfs- und Beratungsangebote eröffnet.
Auch über den Jahrestag hinaus sind Veranstaltungen geplant, die die Verbindung zwischen Leipzig und der Ukraine bekräftigen. Morgen, 25. Februar, laden das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig, das Referat Internationale Zusammenarbeit und das Museum der Geschichte Kyjiws zu 16 Uhr in den Grünen Salon im zweiten Obergeschoss des Alten Rathauses ein. Dort wird die Videopräsentation „Kyjiw im Wandel. Von der Unabhängigkeit zur Identität“ gezeigt. Im Anschluss sprechen die Künstlerin Anna Perepechai, die Fotografin Anna Logacheva aus Kyjiw und Dr. Gabriele Goldfuß über ukrainische Zeitgeschichte und die gegenwärtige Situation in Kyjiw aus der Perspektive des Exils.
Lizenzhinweis: Das Foto des Schriftstellers Durs Grünbein entstammt dem Portal Wikimedia Commons und ist dort für die Nutzung lizensiert. Es wurden keine Veränderungen an der Abbildung vorgenommen.
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